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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-26 · Heft 43 (26.10.1900) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
Seite 513 (sequence 11)
Language
German
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513 Löw gab bereits im Jahre 1844 Blätter für israelitisch-ungarische Angelegenheiten unter dem Titel „Ben Chananjah" heraus. (Leipzig 1844.) Unter diesem Namen redigirte er die Zeitschrift für jüdische Theologie („Ben Chananjah") als Monatsschrift in den Jahren 1858, 1859 und 1860 und als Wochenschrift in den Jahren 1861, 1862, 1863, 1864, 1865, 1866 und 1867 (mit homiletischen und didaktischen Beilagen und Forschungen des wissenschaftlichen Vereins im X. Jahrgang) .Szegedin, Sigmund Burger. Löw betheiligte sich literarisch außerdem in Deutschland an Fraenkels Monatsschrift (1844), am Litteraturblatt des Orients (1844 und 1845), an Jodts Annalen (1839), an der Universal-Kirchenzeitung in Frankfurt a. M. (1837), an der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" (1837 u. f. 1839 und 1844.) In Oesterreich-Ungarn arbeitete Löw am Oesterreichischen Centralorgan für Glaubensfreiheit (Wien 1848), an Letteris „Wiener Blätter" (1851), an Wertheimers Kalender und Jahrbuch (Wien 1854), am Mannheimer-Album von Maier Kohn Bistrih (Wien 1864), au L. Rosenbergs Jahrbuch für die Israelitischen Kultusgememden in Ungarn (Arad 1866), ander Preßburger und Ofener Zeitung in den vierziger Jahren. Löw schrieb außerdem für die ungarischen Blätter „Pesti hirlap" (1844), „Pesti napo lö (1868), „Szegedi hiradö" (1873) und für die hebräischen Zeitschriften „Hechaluz" (1853 und 1856) und Kerem chemed (1856). Im Jahre 1847 gab Löw in Papa 1 Heft heraus „A magyar szinagaga“, in den vierziger Jahren schrieb derselbe für die „Archives israelites“ (Paris) und im Jabre 1855 für die Pariser Zeitschrift „L’univers Tsraelite“. Unter den größeren von der maßgebenden Kritik anerkannten Werken seien angeführt: Löws Predigten Zsinagogai bessedek (18); ferner dessen Lehrbuch „Hamafteach“, Praktische Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der Schriftauslegung, besonders aber dessen Beiträge zur jüdischen Alterthumsforschung. I. Graphische Requisiten und Erzeugnisse der Juden. II. Die Lebensalter in der jüdischen Litteratur vom psychologischen, rechtlichen und religionsgeschichtlicheu Standpunkte betrachtet. Würde nicht der bibliographische Theil neben der Persönlichkeit Löws auch durch Beiträge zur Geschichte des periodischen Schriftthums und der jüdischen Presse einiges Interesse beanspruchen, ich Hütte befürchten müssen, die geschätzten Leser dieser Blätter zu ermüden. Um so leichter aber liest sich der Theil, welcher 'die Briefe enthält, die Löw von hervorragenden Persönlichkeiten erhielt. Das Buch bringt 83 Briefe. Löws Briefe aber gab zur Erinnerung Moritz Feitel heraus. Die Briefe an Löw sind wahrhaft erhebend durch die Freundschaft, die sie athmen, durch die geistige Anregung, welche sie bieten, und durch jene kollegiale Solidarität, die Standes- und Amtsgenossen in der Gegenwart vorbildlich sein könnte. Am vortheilhastesten in dieser Richtung zeichnen sich die Briefe des seligen Predigers Mannheimer in Wien aus, welcher wohl die Veredelung des Kultus als seine vornehmliche Aufgabe betrachtete, aber in dem historischen Bewußtsein des Judenthums feste Wurzeln für begeisterte Rede und That gefunden hatte (C. 1, 2 und 3). Herzlich und liebevoll gehalten sind die Briefe des seligen Dr. Leopold Stein in Frankfurt a. M. (C. 23 und 64), sowie des seligen Rabbiners Dr. Wiener aus Oppeln (C. 82) und des Oberrabbiners Wolf in Kopenhagen (C. 70). Litterarisch und bibliographisch lehrreich sind die Briefe des sel. Dr. Jellinek aus Wien. Bon Wichtigkeit für die Gemeindeorganisation ist die Bemerkung Jellineks, daß streng genommen die Begriffe von „Orthodoxen" und „Reformern" im Judenthum nicht heimisch sind, es daher wünschenswertst sei, daß beide Parteien sich innerhalb einer einheitlichen Gemeinschaft vereinigen. (C. 48.) Nicht minder beachtenswertst sind die homiletischen Winke, die Jellinek ertheilt. Die Hagadäh solle den: Pfeffer gleichen, welcher die geistige Nahrung würze, aber nicht selbst Nahrungsstoff feilt (C. 77). Beachtenswert!) ist auch der homiletische SCßinf des sel. Professors Kämpf (Prag), welcher sich prinzipiell gegen die Veröffentlichung von Predigten ausspricht, da das lebendige Wort von ungleich größerer Einwirkung sei als das geschriebene. Sagt doch die heilige Schrift: Rede zu den Söhnen Israels und nicht, schreibe für die Söhne Israels. Anders aber verhält es sich, wenn der Prediger mit seinen Reden ein geistiges Vermächtnis; einem jüngeren Geschtechte überantworten will (C. 69). Diese Briefe bieten auch recht willkommene Reflexe auf die innere und äußere Zeitgeschichte des Judenthums. Daß die Dogmenlosigkeit des Judenthums keinen wissenschaftlichen Boden hat, ist auch die Ansicht des Rabbiners Dr. Wiener (Oppeln), welcher hierfür zum Beweise anführt, daß ein Nichtjude, der alle Gesetze befolgt, nicht der religiösen Gemeinschaft der Juden angehört, wohl aber der im Glauben geborene Jude, auch wenn er die Ceremomalgesetze nicht hält (C. 82). Daß die liberale Idee, sofern sie im historischen Judenthum wurzelt, siegreich sein müsse, ist vollständig die Ueberzenguna des sel. Landesrabbiners Dr. Adler (Cassel), welcher meint, die Wissenschaft ist mächtig genug, äußerliche Formen und Normen, die nicht wissenschaftlich begründet sind zu beseitigen (C. 82). Nur Leopold Stein war so liebenswürdig, derBeweguugSamson Raphael Hirschs in Frankfurt a. M. ruhig entgegen zu sehen; indem er sich von der Regsamkeit der Geister erhöhtes Leben für die Gemeinde versprach (C. 23). Das wissenschaftliche Talent des späteren Frankfurter Rabbiners, des sel. Dr. Nehemias Brüll, hat Jellinek das Verdienst, frühzeitig erkannt zu haben (C. 62). Den Orthodoxen in Frankfurt gab Jellinek den Vorzug Vörden Preßburger Orthodoxen tu Wien, weil jene Weltmänner sind (C. 66). Wie Jellinek auf den Sifre von Friedmann mit Befriedigung hinweist (C. 62), so spricht Raphael Krrcheim mit großer Anerkennung von der Mechilta von Weiß, auf welchen die Wiener Schule stolz sein darf (C. 67). Hochinteressant ist der Bericht Kirchheims über die soziale Stellung der Juden m Frankfurt a. M. Während im Jahre 1835 noch die Ehen der Juden beschränkt wurden, sie von allen aktiven und passiven Wahlrechten ausgeschlossen waren und nicht mehr als ein Haus besitzen durften, waren ihnen im Jahre 1865 die höchsten Staatsämter offen. Es gab damals überhaupt keine Gesellschaft, in welcher die Religion eine Scheidewand gebildet hätte. Das war die Folge des siegreichen liberalen Prinzips, das nicht zurückgedrängt werden kann (C. 72). In Oesterreich machte sich der Professor Wessely an der Universität Prag um die Gleichstellung der Juden dadurch verdient, daß er gegen den Protest des fürsterzbischöflichen Konsistoriums durch das Staatsministerium ermächtigt ward, als Promotor eines Dr. juris canonici zu fungiren (1862); weil der Promotor kraft der ihm vom Kaiser verliehenen Vollmacht die Würde ertheilt, daher die Konfession des Professors kein Hinderniß bildet (C. 56).

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