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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-26 · Heft 43 (26.10.1900) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
Seite 507 (sequence 5)
Language
German
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507 genommen rrtet, daß über das „Reformrt für die , weil es tzes" beals ob gt er von „daß in lk erst zn t Zeilen >rscheinlich wiede.rnm r ganze tlich eine > in dein sten und hung der der eben „Juden hum nicht D o g m a ichts weguch seiner : Gott ihr ufe Nach- ^rzuknieen Machthaber uif einen ufen, der im Prohren und Herr dafür l, und da bekennen vas Wort „und aigierig zu lug des gleich au l Schluss r." Alsa üe Logik' christliche :e Kinder als ihn xrziehnno die viel' selbst in „Gräuel" ut gönug rungslose erinnert -Einzigen dieserr Es ist cd. Der Uebertritt znrri Christenthum zum Zwecke eines leichteren Fortkommens in Staat und Gesellschaft ist in den Kreisen, die rroch etwas auf sich halten, mit dem Brandmal der Charakterlosigkeit behaftet; darum soll er gleich bei der Geburt irr der Stille abgemacht werden. Und diese doppelte Charakterlosigkeit wagt es noch, sich mit edlen Absichten und Zielen zu verbrämen! „Unsere Kinder sollen theilnehmen an der großen Geisterschlacht, die innerhalb des Christenthums geschlagen wird"? Aber wieso denn? Meint etwa Herr Benedictus Levita, daß wir durch die Masseutaufen unserer Kinder die orthodoxen Kreise zur Preisgebung des Dogmas veranlassen können? Oder hofft er, die getauften Judenkinder zu lauter Kämpfern für den kirchlichen Liberalismus zu erziehen? Da ist er gründlich im Jrrlhum. Sie werden genau so schlechte Christen werden, wie ihre Väter schlechte Juden waren. Die nächste Folge dieser jüdischen Kindertaufen ist genau das Eegentheil von dem, was er erwartet: abgesehen nämlich davon, daß dadurch die ungerechte Judenpolitik und das thörichte Vornrtheil der Gesellschaft gegen die Inden gerechtfertigt erscheinen, lvird auch noch das Dogma gekrüftigt, weil ja selbst die Juden ihren Widerspruch dagegen aufgegeben haben. Das wurde auch von geschichtskllndigen liberalen Christen bereits längst erkannt. Darum beschwor uns Professor Dr. A. Fr. Berner in feinem am 80. Januar 1891 im hiesigen Rathhause gehaltenen Vortrage „Ueber Jndeuthum und Christenthum und ihre daß wir wie bis allher die Fahne des Monotheislnus treu und unverwandt durch die Geschichte tragen, weil Israel durch seine religiöse Absonderung der Menschheit den höchsten Dienst geleistet hat. Jeder Austritt ans dem ^udenthum sei noch heute als eine Schädigung zu betrachten „für die Entwickelung der Religion zur höh er er: Wahrheit und Reinheit"; das Judeuthum sei hellte lvie ehedem „zur unwandelbaren Behauptung des Monotheismus berufen." Aber es bedarf ja nicht erst dieser Beschwörung. Wir können warteil — das glailben lvir wohl scholl beiviesell zll haben — und wir werden inzwischen unaufhörlich an ulls bessern, um uns unserer weltgeschichtlichen Sendung würdig zu erweisen. Vor allem wollell wir in unserer Mitte der Unlvissenheit iu religiösen Dillgen steuern. Der Bildnngsenthnsiasmus, mit dem wir uns in nellerer Zeit beu allgemeinen Wissenschaften und Künsten zugewalldt habell, hat uns der eigeliell Geschichte uild Litteratur entfreuldet. Herr Benedictus Levita stanunt noch aus der Zeit, da der Religionsllllterricht bei ulls im Argen lag. Wie föiinte er sollst sprechen „voll dem großen Rechtsbrllch der Krenzigllng, der heilngesllcht lvird am tausendsten Glieds"; lvie köinlte er erzitterll über beu „frevelhaften" Ruf unserer Vorfahren: „Seill Blut Eüiunie auf uns und unsere Kinder!" ohlle zll ahneil, daß jener Rechtsbrllch und dieser Ruf — was christliche lvie jüdische Forscher längst erkallllt habell — reine Ersindmigell sind und ans der Zeit stannnen, wo das junge Christenthulll allfing, sich mit der römischen Staatsgewalt zu vertrageli, ulld lvo es darllm bestrebt war, die ganze Schuld der Krellzigllug von beu Rölllerir auf die Juden abznwälzen? Ja, wir wollen der Unwissenheit stellern, aber wir wollen unserer Jllgeild allch das Rückgrat stärken durch die Hebllng ihres religiösen Selbstgefühls, bamit lllls die widerliche Erscheirlung llicht rnehr begegne, daß sich ein Jllde öffentlich über „das Geplapper unb Geplärr in den Synagogen" lustig macht. Wir moUeix allch sollst an uns bessern! Im Uebrigen aber wollen lvir warten, bis sich auf der anderen Seite „die Erlösilllg" vollzieht, bis das Ur- Evangeliuui Christi inmitten seiner Bekenner zur Wahrheit lvird, bis die Menscheullläkelei aufhört und der Tag ailbricht, wo der Herr Eilier und sein Name Einziger ist. ->#<- Die Woche. Berlin, 24. Oktober. f ieBeränderungen iu der Reichsregiernng rnsen natürlich auch unser lebhaftes Interesse wach. Der scheidende Reichskallzler Fürst Hohenlohe blickt auf eine Laufbahn, reich an Erfolgen ulld Ehren, aber auch reich an Mühe lind Arbeit zllrück. Er scheidet aus feinem Amte, beladen mit der offenen Gegnerschaft der äußersten Rechten und der Antisemiten. Daraus folgt, daß er ein gerechter llnd t)iimauer Mann war, der den Aspirationen dieser Parteien niemals auch nur geringste Konzessioil gemacht hat. Es erweckt für den neuen Reichskanzler Grafen Bülorv die besten Hoffnungen, daß biefelbeu Parteien, und die Agrarier noch dazll, famn in ihn den Manu ihres Vertrauens sehen. Sie haben ihn wiederholt als ihrell Gegller behandelt. Auf dem Gebiete der inneren Politik hat Graf Bülow bisher keine bestimmten Allschanungen in der Oeffentlichkeit bekundet. Daß er konservativ ist, versteht sich voll selbst. Aber nach seinem ganzell bisherigen Auftreten darf -man wohl sicher annehmen, daß er von den engherzigen und inhumanen Ansichten frei ist, die jene obengenannten Parteien als das erste Erforderniß eines Staatsmannes preisen. V Aus Könitz bringt jede Woche neue und überraschende Botschaft. Am 21. d. M. haben die Geschworenen den des wissentlichen Meineides angeklagten Kaufmann Jakob Jacoby ans Tuchel für schuldig besimdell. Der Staatsanwalt hatte 1^ Jahr Zuchthaus, zwei Jahre Ehrverlust und sofortige Verhaftung beantragt. Der Gerichtshof erkannte auf ein Jahr Zuchthaus, im Uebrigen wurde den Anträgen des öffentlichen Anklägers entsprochell. Den Anlaß zu dieser Allklage haben wir bereits mitgetheilt. Jnl April d. I. hatterl vier jnllge Leute in Tuchel dem Augeklagtell „Hep, hep" nachgerufen. Er erstattete Anzeige, die jungen Suite wurden bestraft. Sie erhoben Widerspruch, erklärten von dem Angeklagten durch Ausdrücke, lvie Lünuliel u. s. w., beschimpft worden zu sein; daraufhin hätten sie den oben bezeichlleten Ruf ausgestoßen. Der Angeklagte bestritt Ullter seinem Eide, jene Ausdrücke gebraucht zu haben. Er blieb allch vor den Geschlvorenell bei dieser Aussage. Der Bürgermeister von Tuchel sagte auf Befragen über den Angeklagten aus, er sei ein ruhiger, bescheidener Bürger. Verschiedene Kaufleute sagten übereinstimmend ans, sie hielten den Angeklagten feinem ganzen Naturell nach nicht für fähig, allch nur einen fahrlässigen Meineid zu leiften. Es wurden Beispiele allgeführt, daß der Allgeklagte ans Scheu vor einem Eide auf die Gelvinnaussichten in Civilprozesfell verzichtet habe. Ein Gemeindevorsteher in einem Orte, in welchem der Angeklagte lange Zeit gewohnt, gab ihm ein sehr gutes Lenmundszeugniß. Auf die Denunziation einesBauunternehlllers L. erfolgte die öffentliche Anklage. Als Grund für seine Anzeige

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