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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-19 · Heft 42 (19.10.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 der ftaufen jüdischen Bevölkerung Elsaß'Lothringens ist diese Ziffer keineswegs groß zu nennen. — Auf das Preisausschreiben des großherz. Oberraths der Israeliten fiub 18 5lx’betteu ein* gegangen, von welchen sich 1c» auf die ganze Preisausgabe (Uebertragullg der Liturgie für Freitagabend). die übrigen 3 auf einzelne Stücke dieser Liturgie erstrecken. Die Prüfung der Arbeiten und die Entscheidung über Zuerkennung der Preise dürfte längere Zeit in Anspruch nehmen. Oesterreich - Ungar«. LI Wien, 14. Oktober Durch das nun in Kraft tretende Genleindestatut ist die Zahl der Kultusvorstandsmitglieder von 24 aus 36 erhöht, von denen 24 voll der Gesammtheit der Wahlberechtigten, 12 mn' voll den Höherbesteuerten (d. h. von Denen, die 200 Krollen und mehr als Eemeindestener zahlen) zu wählen sind. Ferner werden aus den sogenallntell Vertrauenslnännern Bezirkskommissionen gewählt. die die Allgelegenheiten ihres Wahlbezirkes zu berathen und dem Vorstand diesbezügliche Anträge zu ftetleii und mindestens dreimal im Jahre Bericht zu erstatten haben. Diese Decentralisation ist sehr erfreulich. Schließlich ist die fakliltative 10 Kronen-Steller imb das Wahlrecht der Kontribuenten dieser Klasse eillgesührt. Die Vertranensmänner für die Bemessung der Knltussteller werden zur Hälfte— nach Bezirken —* gewählt, zur Hälfte berufen. Die Neuwahlen »lach dieseni Statut finden am 26. November statt. Es finden statt 8 Neuwahlen all Stelle der ansgelostell Mitglieder des Vorstandes: Kaiserlicher Rath Friedrich Vogel, Elnannel Hoffmalln, Landesschnlrath Dr. Gustav Kohn, kaiserlicher Rath Wilhelm Pollak, Dr. Alfred Berger, I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern. Präsidellt kaiserlicher Rath Klinger ilnd Dr. Maxinlilian Steiner, ferner eine Ersatzlvahl, sodann die Wahl der Vertranellsmänner, endlich 12 Neuwahlen aus der Gruppe der Hbherbestenerten, im Ganzen sind also 21 Kultnsvorsteher zu wählen. Von einer Wahlbewegung ist aber bisher auch llicht ein Hauch zu verspüren. Es geht eben bei uns alles sehr gemüthlich zli. — Große Heiterkeit erregte es bei einer der ji'nlgsten Gerichtsverhandlungen gegen dell berüchtigten Kuppler Eduard Tuscht, als dieser stadtbekannte saubere Patron dell stolzen Ausspruch that: „Ich bin Katholik und als solcher Antisemit!" Diesnial wurde der wackere Antisemit ausnahnlsweise wegen Erpressung zu eiller achtnlvllatlichen Kerkerstrafe verurtheilt.— In Prag ist der Großindustrielle Herrmanli Grab, Ritter des Ordens der Eisernell Krolle, Mitglied des Kultnsvorstandes und Besitzer zahlreicher Ehrenstellell, im besten Mannesalter gestorben. Derselbe gehörte zu den angesehensten Industriellen Böhmens und erfreute sich dlirch sein wohlthätiges Wirken sowie durch feinen edlen Charakter allgemeiner Werthschätzung. Friede feiner Asche! — In Brünn verschied vor einigen Tagen der verdienstlich wirkende Direktor der Rossitzer Bergbangesellschaft, Kammerrath Hugo Ri ttl er, dessen große Tüchtigkeit seinerzeit durch die Verleihung des Franz Josefs-Ordells anerkannt wurde; in Budapest der Baron Sigmund Schosberger. Vizepräsident der Handelskammer, Mitglied der jüdischen Gemeinderepräsentanz und vieler gemeinnütziger Vereine, eine angeseheile Persönlichkeit, der alle Blätter in ansfnhr. liehen Nekrologen nur Gutes nachrühmeu. — Der zlveite Prozeß gegen dell aus dem Polnaer Mädchenmordprozeß bekannten Leopold Hülsuer lvird am 25. d. M. vor dem Schwilrgericht in Pisek stattfindell. Dem Angeklagten wurden bereits die Anklagen zugestellt. Die erste lautet auf das Verbrechen des gemeinen Mordes, begangen an Marie Klima, die zweite auf das Verbrechen des gemeinen Mordes an Agnes Hruza und die dritte auf das Verbrechen der Verleumdung, begangen an Josua Erbmann und David Wassermann durch fälschliche Beschuldigung der Mitthäterschaft an der Ermordung der Agnes Hruza. Hülsner wird im Falle Klima von Dr. Vodicka aus Pisek, in den zwei anderen Fällen von Dr. Aurednicek vertheidigt werden. Als Vertreter der Privatbetheiligten fungirt für die Klima Dr. Pevny aus Prag und für die Hruza der sattsam bekannte Dr. Baxa. Don Aah und Fern. — In der letzten Sitzung des Deutsch-sozialen Resormvereins hat Graf Pückler-Klein-Tschirne wieder eine seiner bekannten Reden gehalten. Vor der Sitzung hat, wie das hiesige Antisemitenorgan berichtet, der überwachende Polizeihauptmalln dem Vorstande und dem Redner eröffnet, daß er Ordre habe, die Versammlung aufzulösen. falls man sich in der Schärfe der Reden nicht mäßige. Gegen Pückler schwebt übrigens wieder ein neues Strafverfahren. — Der ReichsgerichtSrath a. D. Dr. Behrend in Leipzig hat den Rothen Adlerorden II. Klaffe mit Eichenlaub erhalten. — Die „Kamlenzer Zeitung", ein in der Ahlwardtperiode^hochgekommenes Blatt, hat mit dem 1. Oktober ihr Erscheinen eingestellt. Auch der seit den letzten Reichstagswahlerl alltisemitisch gelvordene „ G ell e ra l a n z e i g e r für Thüringen" in Erfurt ist eingegangen. — Nur wenige Tage nach erfolgter Pensiollirullg ist am 5. d. M. in Gleiwitz der Volksschullehrer Heinianll Cohn im 67. Lebensjahre verschieden. Dem Verstorbenell, der über 22 Jahre im hiesigen städtischen Schuldienst gestallden, war anl 1. d. M. au§ Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand der Adler der Inhaber des Hohenzollern'schen Hausordens verliehen worden. — Gegen ben Redakteur der antisemitischen „Deutschen Wacht". Berthold. erkannte am 5. d. M. das Schöffengericht Dresden auf 75 Mark Geldstrafe. Die Begründung des Urtheiles führt aus. daß in dem fraglichen Artikel die Bromberger Polizeibehörde insofern beleidigt sei. als ihr die Absicht zugeschoben werde, ein von Inden begangenes Sittlichkeitsverbrechen zu vertuschen. Auch sei der Beweis dafür nicht erbracht worden, daß es sich in dem betreffenden Falle wirklich um ein Sittlichkeitsverbrecheu gehandelt habe. — In Dresden ist am 13. d. M. Frau R o s a l i e A b r a h a m s o h n , geb. Kupfer, im 105. Lebensjahre gestorben. Die Greisin war bis zu ihrem Tode rüstig. — Mit dem Schlüsse des verflossenen Semesters hat die Israelitische Gemeindeschule in Wandsbek zu bestehen anfgehört, und der Leiter und Lehrer derselben, Dr. Hanover, welcher zugleich „Geistlicher der Wandsbeker jüdischen Gemeinde" ist und bleibt, ist als Lehrer nach 36 jähriger Thätigkeit in Pension gegangen. — Für den internationalen Schiedsgerichtshof ist dem Staatsrath Ass er in Amsterdam ein Sitz angeboten worden. — Die israelitischen Klemkinderbewahranstalten (Asili degli enfanti) in Rom, über deren vortreffliche Wirksamkeit wiederholt berichtet wurde, sind auf der Pariser Weltausstellung mit der goldenen Medaille ausgezeichnet worden. — Die Polizei nahm am 16. d. M. in dem Hause der Antisemitenliga in der Rue Chabrol in Paris eine Haussuchung vor, um nach der Mitgliederliste der Antisemitenlage zu forschen. Aus beu Papieren, die dort gefunden wurden, soll hervorgehen, daß die Liga sich von neuem gebildet hat und daher das Strafgesetz auf sie znr Anwendung kommt. Auch bei mehreren der Antisemitenliga ungehörigen Personen fanden Haussuchungen statt. — General Perboy re. Kommandant der Artillerieschule von Fontainebleau, deren Offiziere euren neuernannten Kameraden israelitischer Religiorr, den Hauptmann Coblentz. gesellschaftlich ächteten, rvurde in den Ruhestand versetzt. Sieben Offiziere wurden disziplinarisch in den Truppendienst nach Provinzstädten geschickt. — Aus Algier wird gemeldet: Louis Regis, der Bruder des bekannten Max Rogis, wurde gestern vom Schwurgericht wegen Thätlichkeiten gegen einen seiner politischen Gegner zu 8 Monaten Gefängniß vernrtheilt. Regis wurde sofort verhaftet. — Anläßlich des Eintreffens von Max Rdgis kam es in Algier zrr Rnhestörungen. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor. — Zum Generalgonverneur von Algier wurde an Stelle Lafferiöres, der sich der antisemitischen Agitation gegenüber llicht stark genug erwiesen, der liberale Deputirte Ionnart ernannt, auf den die algerischen Jude»» die besten Hofftlungen setzen dürfell. — In England sind bisher 8 Inden ills Parlament gewählt lvorden. Im Ganzen waren 21 Kandidaten ausgestellt. Im aufgelösten Parlament saßen 10 jüdische Deputirte. — Ans dem kleinen jüdischen Friedhof in Aldershot ist der Dragoner David Scott mit großem militärischen Gepränge zu Grabe getragen worden. Bei dem Versuch, einen Kameraden zu retten, der Selbstmord begehen wollte, ist David Scott ertrunken. — Von den jüdischen Kolonien in Palästina sind in diesem Jahre ungefähr 50 000 Ethrogim ansgeführt worden. — Prosessor Dr. Hilprecht, der erfolgreiche Leiter der Ausgrabungen in Nippur in Babylonien, hat einen Bericht über die Ergebnisse seiner letzten Arbeiten an die Pemlsylvania-Universität gesalldt. Besonders verdient ein Fund neuer hebräischer Terracottvasen Erwähnung. Diese Gefäße, die gewöhnlich rohe Dämonendarftellnngen enthalten, wurden von den jüdischen Bewohnern Nippurs, Nachkommell älterer jüdischer Familien, die, anstatt mit Esra und Nehemia heimz^ziehen, im Lande ihrer Gefallgenschaft geblieben waren, gebraucht und sind hauptsächlich deswegen von Interesse, weil sie zeigen, wie sehr diese im Lause der Zeit unter den Einfluß^babylonischer^Därnonologie gerathen waren. Druck und Vertag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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