Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-19 · Heft 42 (19.10.1900) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228408--56927-3293266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

64. Jahrgang. Nr. 42. Der *««»,iy* mo. Weitcrge zur „ALkgemeinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 17. Oktober. Heute Vormittag fand die Einführung des für die Mädchenschule der jüdischeil Gemeinde neugewählten Dirigenten, des bisherigell Semiuardirektors in Münster, Dr. Gutmcutn statt. Zur Feier hatten sich uiehrere Mitglieder des Schulvorstandes, Vertreter des Gemeindevorstandes, der Repräsentanz uild des Rabbinats. der Leiter der Kuabeuschule und Ehrendalilell der Schute eingesullden. Von der städtischen Schuldeputation war Stadtschulinspektor Dr. Fischer abgeordriet worden. Nach dem von einer Schülerin gesprochenell Gebet und dein Chorgesaug „Gott grüße dich" hieß Geheimer Sallitätsrath Dr. Abraham im Namen des Schulvorstandes den neuen Leiter willkommen mib sprach die Hoffnung aus, die Schule llicht mir auf der von den Schulbehörden anerkannten Stuse erhalten, sondern lloch gefördert zu sehen. Seitens der Schnldeputation überbrachte alsdann Schulinspektor Dr. Fischer herzliche Segenswünsche zum neuen Amt. Er erinnerte daran, daß er für die jüdischen Kinder dasselbe rege Interesse habe wie für die der übrigen Konfessionen nnb gedachte seiner, wie er glaube, nicht ohne Erfolg durchgeführten Bemühungen in der Frage der jüdischen Ordinariate sowie betreffs des Lehrplans für den jüdischen Religionsunterricht an den Gemeindeschnlen. Er freue sich, in beti Akten die Leistungen der jüdischen Schulen überall lobend hervorgehoben 31t sehen und wünscht dem neuen Leiter, die Schule auch zu weiterem Blühen und Gedeihen 311 bringen. Sich an das Lehrerkollegiulll wendend. bat er, ihm als deul neuen Inspektor der Schule volles Vertrauen entgegenzubringen und wie bisher nach Kräften die Pflichten zu ersüllen. Die Lehrer mögen im Gedächtniß behalten, daß die Jugend der größte Schatz sei und in ihr die Zukunft des Vaterlandes liege, und dafür sorgen, daß die Keime gelegt werden, damit die Kinder einst tüchtige, charakterfeste, sittliche Persönlichkeiten werden. Wie die Pflanze nicht ohne Sonnenschein gedeihen könne, könne auch das Kinderherz nicht ohne die Sonne der Liebe sich gut entfalten. Dr. Gutmann dankte zunächst dem Schulvorstand für die ehrenvolle Berufung und gab das Versprechen ab. alle seine Kräfte in den Dienst der Schule zu stellen, wenn ihn auch das Gefühl der Bangigkeit beschleiche, ob man nicht seine Leistungen nach denen seines Amtsvorgängers benlessen werde, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus sich einen großen Ruf erworben und sich erwiesen habe. Irl frischen und kernigen Worten entwickelte er alsdann die Grundsätze, in denen er sein Amt zu verlvaltell gedenke. Zu harmonischen Weserl sollen die Zöglinge gebildet werden, in denen der Sinn für alles Wahre, Schöne und Gute rege geworden sei, irn Besonderen müsse die Heraubilduug den Mädchen die Fähigkeit geben, dem Familienleben Sittlichkeit. Festigkeit und Gesundheit zu geben. Unter beu Mitteln des Unterrichts schätze er in erster Linie die Allregung des Schülers zu eigener Thätigkeit. Die Allsätze zur Charakterbildung muffen bereits in der Schule kräftig gestaltet werden. Dem Lehrerkollegium versprach er, in allen feinen Anordnungell niemals das Seine zu suchen, sondern llur zum Wohle der Anstalt zu wirken. Die Kinder bitte er, ihn in feinem neuen Amte durch Pünktlichkeit und Ordnungsliebe, Aufnlerksamkeit und Fleiß, Wahrheitsliebe und Gehorsam zu unterstützen. Mit der Bitte um Gottes Beistand für die gemeinsame Arbeit, die sich zuul Wohle des Vaterlandes, zum Segen der Religion und ziun Heile der Gesamnltheit gestalten möge, schloß er seine wirkungsvolle Ansprache. In wenigell herzlichen Worten überbrachte alsdann noch die all der Anstalt thätige Lehrerin Fräuleill Zucker die Glückwünsche des Lehrerkollegiums und der Zöglinge und gab dem Wunsche Ausdruck, daß ein festes Baud des Vertrauens Leiter, Lehrer und Schüler verbinden möge. Mit nochmaligem Chorgesang endete die eindrucksvolle Feier. 8. Berlin, 17. Oktober. Die zlir Frage des SonUtagsg 0 t t esd ie ll ste s eingesetzte Konnnissivn hat soeben ihre Beratungen unter dem Vorsitz des Geheimraths Professor Senator beendet. Heber das Ergeblliß derselben verlautet noch nichts, doch dürfte die Plenardiskussioll ili der Repräselltailteuversanunlllng in allernächster Zeit zu erwarten sein. Berlin, 17. Oktober. Der Vorstand der jüdischen Gemelnde macht bekallnt, daß gelnäß den Bestimmungen in beu Paragraphen 59 und 60 des revidirten Status für das lausende Berwaltungsjahr (1. April 1900 bis 31. März 1901) von demjenigen Einkommen der Gemeindemitglieder. welches der Veralllagulig zur staatlichen Einkolnmellstenerzu Grunde liegt, ll eu n Z iu a n zigstel v 0 m Hu ndert als G emeilldeb eitrag zilr Erhebung gelangen. Die hiernach aufgestellte Heberolle wird während der Zeit vom 17. d. M. bis eiuschließlich 1. November täglich, ander Sonnabends, in dem Bürean der Beranlagungskonlmissioll, Oraniellburgerstraße 29, 1 Treppe, während der Dienststunden offen liegen. Innerhalb dieser Zeit ist jedem Betheiligten gestattet, voll den: für ihll festgesetzten Beitrage Kenutuiß 51t nehmen. Etwaige Reklamationen sind bis spätestells 17. Januar 1901 bei dem nllterzeichlleten Vorstande anzubringell. — Berlin, 12. Oktober. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthunls sendet llus das Verzeichn iß der Vorlesungen für Lehramtskaild i d a t eil rnld Lehrerinn e ll im Wintersemester 1900,1901. Dr. Baneth mix*b lefeu : 1. Propheten, 1 Stunde, Moli tags 3— 4 Uhr. 2. Psalnren, 2 Stundell, Dielistags 2—4 Uhr. Dr. Mayballlll wird lesen: Methodik des jiidischeir Religionsunterrichts, 1 Stunde. Montags 4—5 Uhr. Dr. Schreiner lvird lesen: Systematische Religionslehre, 2 Stunden, Montags 5—6 und Dienstags 4— 5 Uhr. Beginn der Vorlesllngeil Moll tag, ben 22. Oktober. Anmeldungen nimmt entgegen Herr Dr. E. Ballett), Wallner-Theater- Straße 21, täglich von 1—2 Uhr Nachnlittags. F. Berlin, 14. Oktober. Nachdem die Pensions-, Wittwenn ll d W a i s e n ka s s e des V er b a ll d es der j n d i s ch e u Lehrervereine im Deutsch eil Reiche ain 1. Oktober eröffnet worden ist, silld Gesllche um Aufnahme in die Kasse unter Beifügung der in den Satzuilgell gefordertell Papiere an Herrn Dr. Fiegel, Berlin NW., Klopstockstraße 21, zu richten. — Jil bem kürzlich verstorbenen Herrn Berllhard Crvner hat allch das Kllratoriuln der Pensions-, Wittwellulld Waisellkasse des Verbaildes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche ein treues Mitglied verloren, das sich stets mit regem Interesse der Sache der jüdischen Lehrer angenom»ne»l hat. — Berlin, 14. September. Die Arm ell k oln m i ssi 0 u der jüdischen Genleinde versendet soeben eillen Bericht über ihre Wirksanlkeit in ben Verwaltungsjahren 1897/98—1899/1900, der von großen» Interesse ist und allseitiger Beachtung warm empfohlen werden darf. DieVerwaltung der jüdischeil Gemeinde stellt zwar bereitwilligst die Mittel zur Verfügung, welche zur Linderllug der dringellden Noth unserer arnren Glaubensgenossen erforderlich sind; die Armenkounnissivn kann jedoch ihrer großen Aufgabe, die noch llicht gänzlich dem Elend Verfallenen wieder aufzurichten ulld erwerbsfähig zu nlachen, nur bami genügen, wenn die Mitglieder unserer Gemeillde auch fernerhin durch gütige Spenden ihre Bestrebungen fördern. Jll der Zeit vom 1. April 1897 bis zum 31. März 1900 ist die Arnlenkonnnission dauernd in angespannter Thätigkeit gewesen. 17 609 Blttgesuche von Armen und verschänltell Arme»» lvurdell mit einem Geldauswailde voll 407 227 M. erledigt. Um Belvilligullg von einmaligen Unterstützungen kamen 15 278 Bittsteller ein; davoll erhielten 9957 die Sum»ne voll M. 171666. Mit periodischell Unterstützungen wurden 1008 Personen mit M. 146 059 bedacht. Abgelviesen wurden 4313 Bittgesuche. Bei den» Fonds für verschämte Arme kameil 1323 Bittsteller ein; voll diesen erhielten 793 Beträge in der Gesammtfumme von M. 89 502. Außerdenl wurden all 24362 Personen Mazzot im Betrage von M. 22 525 verbraucht. Ferner erhielten 412 Jnhaftirte in den hiesigell Gefänguissell während des Pessachsestes Kost, was Mark 3241 erforderte. Ferner lvurde zur Beseitigung dringender Noth an 657 Bittsteller Mark 38 675 in diesen drei Iahrell verabreicht. Der Zuschuß der Gelneinde betrug in den drei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.