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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-19 · Heft 42 (19.10.1900) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
Seite 504 (sequence 14)
Language
German
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504 Fitterarifche Mittheilungen. A l p h onse Levy: Geschichte der Juden in Sachsen. Berlin 1900. S. Calvary & Comp. Eine tüchtige und werthvolle Arbeit, in der der bekannte Verfasser die Geschichte der jüdischen Gemeinden im Königreich Sachsen auf Grund urkundlichen Materials und an der Hand der historischen Quellen mit Sachkenntniß, feinem Verstandniß und hingebender Liebe zu schildern unternommen hat. Seine Ueberzengung, daß eine objektiv gehaltene historische Darstellung nur dazu beitragen könne, die gerade unter der sächsischen Bevölkerung vorhandenen Vorurtheile gegen die Juden abzuschwächen, ist zweifellos eine richtige, und es ist nur zu wünschen, daß sein Werk gerade in den Kreisen Verbreitung finden möchte, die es belehren ttiib bekehren soll. In Sachsen haben schon im zehnten Jahrhundert Juden gelebt. Die älteste Gemeinde war wohl Meißen. Im 13. Jahrhundert soll dort sogar eine „hohe Schule" bestanden haben. Auch in Freiberg, Zittau und Bautzen bestanden früher ansehnliche Judengemeinden. In Leipzig gab es schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine Judengasse mit großer Synagoge. Die jüngste Gemeinde ist vielleicht Dresden. Die Schicksale der einzelnen Gemeinden war natürlich sehr verschieden. Aber es ist interessant, daß sächsische Fürsten sich ihrer im Mittelalter hart bedrängten jüdischen Unterthanen nteift angelt vmm'it haben. Das Buch von Levy ist gut und fesselnd geschrieben; es wird auch außerhalb Sachsens sicher viele Leser finden. W Sprechsaal. Verehrliche Redaktion! (^^n dem Berichte über die letzte Sitzung des Kuratoriums der B. P. K. (Verbands - Pensivns - Kasse) wollen Sie mir gntigst einige berichtigende Bemerkungen gestatten. Es ist unrichtig, und von dem Herrn Referenten im Kuratorium der V. P. K. mißverständlich aufgesaßt, wenn derselbe behauptet, daß der Verbaltdsvorstand je eilten Beschluß gefaßt hat. den das Kuratorium der V. P. K. als Unterstützung seines Vorhabens zu deuten berechtigt wäre. die V. P. K. scholl out 1. Oktober c. also noch vor Eingallg aller Voten der Verbandsvereilte über die ostprenßischen Anträge znln Kassenstatut, ills Leben treten zu lassen. 2. Es rviderspricht den Thatsachen, daß sich die Mehrheit der Verbandsvereilte bereits gegell die ostpreußischeil Allträge erklärt hat. Nur innerhalb der bisher darüber zum Worte gekomntellen Vereitle war die Majorität gegell uils beziehungsweise gegen eilte zeitige Verällderlillg der Kasseltorgallisatioll im Sintte unserer Allträge. Eil» wesetttlicher Theil der Verbandsvereilte, dartutter unser größter Kassenvereill, der für Rheinland uub Westfalen, hat sich überhaupt darüber tloch llicht äußern könnetl, weil derett Versamntlungeu erst im Laufe des Spätherbstes beziehungsweise des Winters stattfindetl sollen. Die vorgenonlmene Zählung der bisher eingelaufenelt Votetr faim darum für die Entscheidllllg der Vereitle im Ganzett llicht als berechtigt erkannt werden. 3. Der von dem Kuratorium in Sachen der Eröffnullg der V. P. K. gefaßte Beschluß, beginnend mit den Wortetl: „In Anbetracht, daß der Verbaltdsvorstand sowohl als auch die Mehrheit der Einzelvereine für die sofortige Eröffnung der Kasse eintreten, beschließt das KuratorillNl" n. s. w. entbehrt llicht nur loegen seiner falschen Voraussetzltngell jeglicher Rechtskraft, sondern widerspricht auch ben in dieser Allgelegenheit vorgefaßten Beschlüssell der Delegirtellversalnullulig voill Dezember 1898 wie den früheren Bestimmungen des Kuratoriunts selbst, wonach die V. P. K. erst dann ins Leben treten soll, wenn alle zur Ergätizung beziehuttgsweise Abättderultg des en bloc angenommeilen Statutenelltlvnrfes rechtzeitig eingereichten Anträge ihre sachgentäße Erledigllng gefntlden habetl ulld das Kuratorilltn bezüglich der bedeutsamen ostprenßischen Anträge vor feiner Entschließung darüber die Votell sämmtlicher Einzelvereine daztl erhalteil hat, — was. wie bereits bemerkt, z. Z. noch llicht geschehen konnte. 4. Der Herr Refereilt hat in seinem Berichte zu erwähnen unterlassen, daß außer der Hilfskasse für die jüdischen Lehrer in Pommern, Ost- und Westpreußen, auch die Unterstütznngskasse für den Verein der jüdischen Lehrer Schlesien-Posen sich im Sinne der ostpreußischen Anträge ausgesprochell hat. lieber die Berechtiguilg dieser Kassen, derzeitigen Träger ntlseres Lehrerversorgungswesens in den betreffenden Provinzen, bei Neneillrichtullgen der jüdischen Lehrerschaft in dieser Richtung initznsprechell, darf man füglich auch allderer Meinnllg sein wie das Kuratorinnr der V. P. K., denl diese sachverständigen Stimmen offenbar ungelegen kommen. 5. Der Herr Referent zieht daun noch — gewiß nicht zltnl Vortheil der Verballdsillteressen —- eine persönliche Differeltz des Vorstandes des ostprellßischen Lehrervereins mit ihm uub denl qeschäfteführenden Vorsitzenden des Kuratorinlus, Herrn Lehrer Hallff, in bio Oeffelltlichkeit. Die tu bem Berichte gegebene Darstellung davoll kann nicht als unparteiisch bezeichltet lverdell. Die vorgeilalnitell Herren haben eingestandenermaßen verschiedene künstliche Mauipulationrn vorgeltoulmen, die geeigliet warett. vorweg gegen die ostpreußischclt Anträge Stimmung zu ntachen und die sachliche Berathutlg darüber in dell interessirten Eillzelvereinetl zu behinderrt. Daß der Vorstand des ostpreußischen Lehrervereins zur Wahrung der von ihm vertretenett Kassettbestrebullgen im Interesse der Gesammtheit dagegen energisch Protest erhoben hat. wird ihnt wohl kauln verdacht werden können. Die persöltliche Ehrenhaftigkeit der Herretl ift dabei llicht berührt worden nlld sollte auch nicht iu Frage gezogen werden, lvie um* überhaupt der Ueberzellgung sind, daß es nur der persönliche Uebereifer der Herren für ihre sachliche Ueberzeugnng in der streitigetl Kassenfrage ist, der sie verleitet, jede Rücksicht auf ihre hohe Stellung im KuratorillNl zu vergessen und parteilich in den Sachstreit der Vereine einzugreifen. Daß es auch einntal anders gewesen nnb das Kuratorium sich ulls, besonders bei der Drucklegultg der Allträge, sehr entgegenkommend gezeigt, soll llicht bestritten iverden; doch möchte ich ausdrücklich bemerken, daß nufere Wünsche in dieser Beziehung nie mehr etlthielten, als billigerlveise von eitler llllparteiischetl. allein auf Förderung der wahren Erkeltntlliß in dem Sachstreite der Vereine bedachten Geschästsleitlntg erlvartet lverdeil durfte; wie unserer Meinung itach auch die Drucklegung imt> Verbreitung unserer Ali träge an sich ztl beu Pflichten gehörte, die bem Kuratorium, als unmittelbar atis seiner amtlichell Aufgabe erlvachsen, zugerechltet lverdell büvfeit. Jenen lobeuslverthenStandpllnkt llltparteiischerZurückhaltultg habetl die teitenbeu Herrett des Kuratoriums später zu llnserem Bedauern verlassen, lieber alles Weitere in eitler späterett, ausführlichen Darlegtutg. Zum Berständtliß Fernstehender sei mir ltoch ztl bemerken erlaubt, daß die vielgenannten ostprenßlschen Abältdernngsanträge ztun Statllt der V. P. K. die Tetldenz haben, eine centrale Verbindung zwischen den bestehenden und noch zu gründenden provinziellen Versorgnngskassen für jiibifdtje Lehrer in Deutschland herztistetten, als deren kassenllläßiger Mittel- und Stützpunkt die Verbands-Pensionskasse gedacht ist, und bereu Zweck es seilt soll, das Versorgungswesett der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands einheitlicher und ratiotteller zu gestalten. Adolf Peritz, Königsberg i. Pr., Schriftsührer des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpretlßens. * Verehrter Herr Redakteur! /^^estatten Sie mir einige Bemerklmgen zu bem in der Nr. 40 der A. Z. d. I. sich findenden Auszug aus meiltem Monatsblatt „Dibre Emeth". Ihr Mitarbeiter ntuß den betreffetlden Abschnitt tneiner Zeitschrift sehr flüchtig gelesen haben. Dieselbe berichtet im laufenden Jahrgattg ans Seite 64 (Nr. 8) über die angezweifelten Vorgänge ans Grund der in „Jewish Missionary Intelligence " von 1900 auf Seite 71 f. veröffentlichten Reisebeschreibung des Missionars Novollah. Dagegen tritt der letztere in meinem Blatte llicht selbst als Erzähler auf, wie Ihr Korrespondent dies behauptet. Ferner wird in der „Dibre Emeth" nicht gesagt „der Sohlt des Rabbiners", d. h. des Oberrabbiners, habe sich bekehrt, sonderil es heißt wörtlich: „Der Sohn eines bartigen Rabiners" (im Original steht: „the son of one of the rabbis”). Drittens steht der Satz Ihres Blattes: „Der Vorsteher lud den Missionar ein, in seinem Garten vor einer großen Anzahl von geladeueit Zuhörern zu predigen," — im Widerspruch mit meinem Bericht: „Der Vorsteher stellte ihm seinen schölten Garten zur Verfügung. Viele Israeliten luden ihll zum Mittag- und Abendessen ein." Für die Nichtigkeit m eilt es Berichts bürgt die Gewifferthaftigkeit des mir persönlich bekannten Missionars Novollah. Verehrungsvoll Friedenau. 5. Oktober. W. Becker, Prediger, Herausgeber der „Dibre Emeth." Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. Drtlck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die

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