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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-19 · Heft 42 (19.10.1900) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
Seite 501 (sequence 11)
Language
German
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501 Aluminium und Metall oxygen), das auf kaltem Wege Eisen schmilzt. Die Kousine Max Koners heirathete den Dr. Kerflen, eiiren der wenigen überlebenden Teilnehmer der am 2. Oktober 1864 ermordeten von der Deckenfichen Expedition in Ost-Afrika. Ueber diese Expedition gab er zusammen mit den ersten Fachgelehrten ein Werk in drei Bänden heraus: „Baron Klaus von der Deekens Reisen in Afrika 1859—1865". Die einzige Tochter des Herrn Lemmelssvhn heirathete den durch die Erfindung der Panzerplatten berühmt gewordenen verstorbenen Besitzer der Eisenwerke in Magdeburg-Buckau, Geheimen Kommerzienrath Erusou, der auch durch sein Buch „Im Reiche des Lichts", das er nach einer Reise nach Aegypten verfaßte, litterarisch bekannt wurde. Und nun, last not least, fei noch die Gemahlin Max Koners, Sophie geb. Schäffer genannt, die als bekannte tüchtige Malerin in dem Kranze der berühmten Glieder der Familie Koner nicht fehlen darf. Im Hinblick aus ihren so jäh aus der vollen Schaffenskraft durch den Tod heransgerissenen Gatten möchte ich mit dem Ausspruche des Kaisers Wilhelm ll. schließen, daß der durch seinen Tod unersetzliche Verlust die Kirnst und alle Diejenigen trifft, die den früh Dahingegangenen in seinem Talent und schöpferischen Wirken hochgeschätzt haben. EUILLETON Nie Rettung. Eine Hamburger Answanderergeschichte von Paula Fab er. I1J. ine ältere Dame löste sich, sowie sie der Nenankommenben allsichtig wurde, aus der Gruppe nnb trat mit lebhafter Begrüßung auf sie zu. „Sv viele schöne Sachen wieder, Fräulein Marcus!" rief sie erfreut, „verteilen Sie das alles selbst oder geben Sie etwas davon drinnen ab?" „Das Meiste möchte ich allerdings gleich ben Betreffenden geben, den Rest kann Lina dort abliefern," entgegnete Sophie nnb ertheilte der alten Dienerin hierauf die entsprechende Anweisung. „Recht so. Und das ist brav, daß Sie uns Frau Wagner mitbrachten. Sie glauben nicht," ivandte sie sich an diese, „wie sehr wir jede neue Kraft gebrauchen können, gnädige Frau. Sie wollen uns doch auch helfen, nicht wahr?" „So viel ich kann!" begann Helene schüchtern. „Mehr wird von Keinem begehrt!", warf hinzutretend der Gatte der Dame, ein bekannter Rechtsanwalt, ein, „wenn das nur Jeder solchem Elende gegenüber thun wollte! Sie sind zum erstenmale hier?" Helene nickte. „Nun, Sie fiub ja unter der erprobten Führung von Fräulein Sophie, die, wie ich sehe, darauf brennt, ihre Schützlinge aufzusuchen." „Das stimmt," erwiederte Diese offenherzig, „schwatzen können wir ein anderes Mal auch. Vor allem möchte ich gern zu der krallten jungen Frau dort drüben. Wie geht es ihr heut?" Frau Rechtsanwalt Schwarz zuckte stumm die Achseln. „Sie werden es ja nachher selbst sehen," sagte sie dann, „jetzt schläft sie, ein wenig müssen wir uns noch gedulden. Wenn Sie übrigens erlauben, begleite ich Sie, ich gebe eben nur noch drinnen Instruktionen." Damit verschwand sie in dem sogenannten „Büreau", während ihr Gatte bemerkte: „Jener eine Fall ist in der That besonders traurig und zeigt wieder, wie wenig die Einzelnen hier ausrichten können. Wohl geschieht genug, und verhältnißmäßig an, „leisten gerade von Denen, die selbst hart um ihren täglichen Unterhalt zu kälnpfen haben. Was aber will das sagen solch ungeheurem Jammer gegenüber? Und wie selten hört inan dabei eine Klage von den Unglücklichen! Meist heißt es: der Herr hat es so gewollt, der Name des Herrn sei gelobt, er wird uns nicht verlassen!" Helene fühlte eine leise Röthe in ihre Wangen steigen. Sv gab es also thalsächlich Menschen, deren demnthdolle Ergebung unerschütterlich war! Sie sah tim sich, neben sich Gestalten, denen Hunger, Roth und Qual das Mark aus den Knochen gezogen hatten, die völlig unfähig zur Aufnahme des Kampfes ums Dasein in einem fremden Lande unter Menschen, deren Sprache sie nicht verstanden, von deren Lebensführung sie nichts wußten, schienen. Und sie mußte jener Hamburger gedenken, die Davousts Grausamkert während der Franzosenherrschaft vom heimischen Herd vertrieb, und dessen nnlnenschliche Handlungsweise Friedrich Rückerts anklagende Verse an den Pranger der Weltgeschichte genagelt haben. Auch für diese Bedauernswerthen paßten seine Worte: Er Hot uns ansgestoßen, Im Winter zur Stadt lfinaus. Die Hungernden, Nackenden Bloßen, Wo finden wir Kost und Hans? Ja, wo? . . . Sie sah vor sich das Massengrab der todteu Hamburger zu Ottensen, von denen es im Gedicht heißt: Darillnen liegt begraben Ein ganzes Volksgeschlecht, Väter, Mütter, Söhne, Töchter, Kinder, Knaben. Beisammen Herr und Knecht. Würde es Jenen in der neuen Welt ebenso ergehen wie den hilflosen Zwölftausend? „Es sind so furchtbar viele Arbeitsunfähige darunter," sagte sie mitleidig, „rnußten sie Alle mitgenonlmen werden?" „Selbst wenn sie hätten dahein, bleiben dürfen, die Ihren hätten sie nicht dort gelassen. Fragen Sie einen von Jenen, ob sie ihre Schwachen und Wehrlosen der Gnade und Barncherzigkeit ihrer einheimischen Behörden überlassen hätten. „Wie ist'tz?" wandte er sich an einen hochgewachsenen Jüngling, der, einen sehr alten Mann sorglich stützend, an ihnen Vorbeigehen wollte: „hättet Ihre Eure Eltern zurückgelaffen, wem: Jhr's gekonnt hättet, Simon Hirsch, um sie vielleicht später zu Euch zu holen?" Die Augen des jungen Burschen blitzten. „Sie schutzlos in den Händen Jener wissen?" fuhr er in seinem fremdartig aceentuirten Deutsch auf. „Niemals, so lauge ich arbeiten kann! Gesund unb kräftig genug bin ich, um für sie mitzuschaffen. Gott der Herr hat noch Jedem beigestanden, der sich sein Brod verdienen wollte." Aus seiner ganzen Haltung sprach eiserne Entschlossenheit, als er sich hierauf zum Gehen anschickte. „Reden alle Auswanderer Deutsch?" fragte ein zu der Gruppe Hinzutretender. „Die Meisten wenigstens etwas. Was wünscht Ihr, Reb Hirsch?" unterbrach er sich, als der eben von seinem Sohne vorübergeführte Greis nochmals zurückkehrte und dem Sprecher eine Frage zuflüsterte, aus der nur das Wort „Misrach" deutlich hervorklang. „Ach so, dort" — er wies mit der Hand nach Osten, - „dort ist Misrach."

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