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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-19 · Heft 42 (19.10.1900) · p. Seite 500

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
Seite 500 (sequence 10)
Language
German
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500 verschiedenen Landern, hebräische Lehrer suchen da ihr jüdischpädagogisches Wissen zu bereichern. Junge Rabbiner kommen gewöhnlich vor den Feiertagen, um Musterpredigten zu lesen, rnanches sich daraus anzueignen und ihren Gemeinden zum Besten zu geben. Mitarbeiter von Zeitschriften, wenn sie über jüdische Angelegenheiten zu schreiben habeil, finden da sehrergiebige Quellen. Junge Mitglieder der Debattirvereine kommen dahin nach Material für ihre bevorstehende Debatte. Jedermarm übrigens. der sich für irgend einen Zweig der jüdischerr Wissenschaft iilteressirt und sich darüber auf dem Laufenden zu Halter: wünscht, kann rvohl nicht umhin, diese Abtheilrrng der Bibliothek oft zu benutzen. Auch von außerhalb Nerv-Norks konrmen Hebraisten öfter dahin, um Werke einzusehen, welche irr Amerika sonst nirgerrds zu finden sind. Die Nerv-Yorker Mitarbeiter der Jüdischen Enchklopädie, rvelche jetzt in jener Stadt im Erscheinen begriffen ist, sinder: es natürlich am bequerrrsteu. ihre Arbeiter: irr der jüdischer: Abtheilung der Bibliothek zrr machen. Die fleißigsten Besrrcher aber dieser Abtheilnng sind die arrs Rußland rrnd Polen eingewarrderten „Maskilim", die zur intelligentesten Klasse der jüdischen Gerneirrde gehörerr, von der letztererr aber sehr fetten gewürdigt oder verstanden werden. Die Fertigkeit derselben irr: Hebräischen übertrifft bei weitem diejenige der tüchtigsten Orientalisten und vieler modernen Rabbiner. Denn für sie Alle ist die hebräische Sprache eine lebendige Sprache, eine zweite Mrrttersprache. Diese Maskilim widmen ihre Mußestunden dem Studium unserer Litteratur aus reiner Liebe zur Sache, ohne daß sie in der: meisten Fällen irgend welchen materiellen Nutzen daraus ziehe::. Unter ihnen giebt es mehrere Schriftsteller und Gelehrte, die sich einergroßen Popularität überall, wo die jüdische Litteratur gepflegt wird, erfreuen, sowohl diesseits als auch jenseits des Ozeans. Dem Besucher der Bibliothek wird also oft die Möglichkeit geboten, die besten Repräsentanten der jüdischen Gelehrsamkeit in der neuen Welt auf einmal kennen zu (erneu. New-Hork, die Stadt der Großindustrie und des Welthandels, mit ihrem gewaltigen Verkehr, ihrer hin und her wogenden, nach Dollars haschenden Menge, hat also auch ihren ruhigen gemüthlichen Winkel, wo Idealisten und Träumer ihre gewohnte Atmosphäre finden. Selbst der jüdische Gelehrte und der polnische Maskil finden da auch ein höchst iutereffantes 6 et!: -waad I ä-eh ach am im! Prof. Mar Koner und seine Familie. Nemiuiscenzen von Anno Segert-Stein. stiller Weltabgeschiedenheit an: Waldesrand liegt die ) Wanzkaer Papiermühle in Mecklenburg - Strelitz. Jl: diesem idyllisch gelegenen Fleckchen Erde mit den kühlen, schattigen Laubgängen, in denen die Nachtigallen sangen, mit dem klaren, kleinen Teiche und dem kunstvoll angelegten Garten verlebte der so früh aus seiner glänzenden Laufbahl: dahingeschiedene Professor Max Koner als Kind seine Sommerferien in: Verein mit seinen: älteren Bruder Ernst und dem Sohn und der Nichte des verewigten berühmten Sprachforschers Professor Dr. Daniel Sanders. Die Nichte des letzteren erzählte mir mit Entzücken von den: reizenden Ferienaufenthalt: „Ost tonnte man vor Nachtigallengesang nicht schlafen, es war so herrlich dort, daß mir später nichts mehr, keine großen Gebirge, keine Seen so imponirten wie jene bescheidenen Berge dort, jene Laubgänge und das kleine Gewässer, das die Mühle trieb. Jetzt ist es nicht halb so schön mehr dort, es ist alles verändert." Von der Wanzkaer Papiermühle stammt die Großmutter des Professors Max Koner. Sie war die Schwester des Herrn Lennnelssohn, des Besitzers der Papiermühle, der als Lütz ower Jäger in den Befreiungskriegen mitkämpfte. Er erhielt verschiedene Orden- und Ehrenzeichen und hielt diese, wie auch seine Uniform und seinen Degen (letzterer hing stets über seinen: Bette bis zu seinem Tode), sehr werth. Seine und seiner Gattin letzte Ruhestätte ist wenige Schritte von der Wanzkaer Papiermühle entfernt in der Nähe des Gartens am Waldessaum, die alten ehrwürdigen Buchen rauschen ihnen ihr Schlummerlied. Die oben erwähnte Schwester des Herrn Lennnelssohn heirathete den Großvater Max Koners, den Geheimen Medizinalrath Professor Koner, Leibarzt des Prinzen Georg von Preußen, bei den: er :u:d seine Familie in hohem Ansehen stand, und der sich auch überaus lebhaft für die schon früh ausgesprochene phänomenale Begabung seines Eukels Max interessirte. Dieser Mann ist in jener traurigen Zeit schon als Student zum Ehristenthum übergeireten, während seine Brüder dem Judenthnn: treu blieben?) Die beiden Brüder des Medizinalraths Professor Koner waren der verstorbene Kauflnann Pinder Koner in Neustrelitz (der Vater der Schriftstellerin Bertha Tremnann - Koner) und der ebenfalls verstorbene Dr. n:ed. Bernhard Koner in Strelitz (der Vater des Herrn Alexander Koner-Sanders, des Stiefsohnes des Professor Dr. Daniel Sanders). Die Mutter der drei Brüder Koner war eine geborene Sanders, die Schwester des verstorbenen Kaufmanns Hendel Sanders in Strelitz, des Vaters des Senators Alexander und des Professors Dr. Daniel Sanders, dem letzterer sein 1844 erschienenes Buch „Das Volksleben der Neugriechen" widmete, und von dem er sagte, daß er außer seinen: Vater keinen Menschen getroffen hätte, in dem mehr die Goetheffche Forderung zu Tage getreten wäre: „Der edle Mensch Sei hilfreich und gut! Unermüdlich schaff er Das Nützliche, Rechte, Sei uns eil: Vorbild Je::er geahneten Wesen!" Professor Max Koner gehört also einer Farnilie an, deren Mitglieder zum größten Th eil zu hohem Ansehen gelangten. Sein verstorbener Vater, der Geheime Rath Professor Wilhelm Koner, Oberbibliothekar an der Berliner königlichen Bibliothek, hat sich litterarisch hervorgethan durch ein Werk: Guhl und Koner „Leben der alten Griechen und Römer". Er war Vorsitzender der geographischen Gesellschaft, der er sein eifrigstes Interesse zuwandte; und die Koldeweyffche Nordpolexpedition nannte eine neu entdeckte Insel im nördlichen Eismeer ihm zu Ehren „Koner-Insel". So lebt der Na:ne Koner auch unvergänglich zwischen Schnee und Eis. Der Vetter Max Koners, der Dr. Hans Goldschmidt in Essen, inachte sich kürzlich berühmt durch eine Erfindung neuesten Datums, durch die Erfindung des „Thermit" (einer Mischung von >> Ein Zeugniß dafür, daß es nicht immer die „welken Blätter" sind, mit denei: man sich so oft über den Abfall hinwegtäuscht, giebt die Geschichte dieser berühmten Familie, die die Leser sicher auch von diesen: Standpunkte aus ausfassen werden. Die Red.

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