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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-12 · Heft 41 (12.10.1900) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 41 (12.10.1900)
Date
1900-10-12
Page
Seite 491 (sequence 13)
Language
German
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491 Babylonien gekommen war. (Abraham itm DandsChronik Sepher hakkabala). Moses Charis in Lemberg (17. Jahrhundert) räumt seine Stelle dem Abraham halevi Katzenelnbogen (BnberAnscheschem. S. 8). Mendel Krochmal, Rabbiner in Nikolsbnrg, befragt von der Gemeinde Hollescham was er von Sabbatai Kohen denke, erwiedert getreulich, daß ihm Rabbi Höschel aus Krakau, Sabbatai Kohens Lehrer, gesagt habe, er selbst (Krochmal), solle auf seine Stelle verzichten, um sie diesem Wundermanne einznräumen. Die Unmöglichkeit dieses Berichtes hat CH. N. Dembitzer in Kelilat Jofi, Bd. 11, 56 s. nachgewiesen, was aber nicht verhinderte, daß Frankl-Grün in seiner sonst verdienstlichen Geschichte der Juden in Kremsier «Band I, 95) sie aufrecht erhält, indem er sich ans das Zeugniß Josef Weißes beruft, der sie von Jesaias Dresnitz hatte u. s. w. Run waren Josef Weiße und Jesaiah Reiniger - Rabbiner in Weißkirchen starb Ende der fünfziger Jahre und wurde nach seiner Heimath Straßnitz, verstümmelt Dresnitz, benannt - ehrenwerthe Männer, aber die von ihnen erzählten Ereignisse lagen zwei Jahrhunderte zurück, und in viel kürzerer Zeit können die absurdesten Legenden entstehen, wie die Memoiren der Kaiserin Augusta beweisen, die erzählen, daß Zunz ein häufiger Gast bei ihren Theeabenden gewesen sei und von seinem Festhalten am Judenthum als der großen Grille seines Lebens gesprochen habe. Die Unmöglichkeit dieser Erzählung hat S. Neumann in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthuins" 1893, Seite 110, überzeugend nachgewiesen. Wie leicht sich in der Erinnerung einzelne Züge der Tradition verschieben, hat Frankl-Grün selbst bewiesen, indem er diese Aeußernng über Sabbatai Kohen Höschel Lublin, Verfasser des Magine Schelomv, in den Mund legt. Der Verfasser des Magine Schelomo hieß aber weder Höschel, noch war er aus Lublin, sondern hieß Josua, war aus Wilna und starb als Rabbiner von Krakau am 16. August 1648, während der sogenannte Rebbe Reb Höschl aus Lublin am 20. Oktober 1660 als Rabbiner in Krakau starb und kein gedrucktes Werk hinterlasseu hat. Solche Namensparallelen sind überhaupt verführerisch. Grätz Xi, 350 ff. spricht immer von dem im Jahre 1755 verstorbenen Frankfurter Rabbiner Jakob Josua als Jakob Josua Falk, ebenso Hvrovitz: Frankfurter Rabbinen 111., obwohl er aus dem Grabstein, dem Memorbuche, sowie aus dem Titelblatt der Werke R. Jakob Josuas sich überzeugen konnte, daß dieser niemals den Namen Falk sich beilegte. Offenbar liegt eine Verwechselung mit der» älteren Zeitgenossen Josua Falk Hakohen aus Lemberg vor. Wie schnell sich solche Legenden bilden, geht aus einer Anekdote in der kürzlich veröffentlichten Biographie Jsaac M. Wises: Selected Writings of Isaac M. Wise, Cincinnati 1900, Seite 15, hervor. Dort heißt es, Wise «ei im Jahre 1846 in Gesellschaft von Delitzsch, Berthold Auervach und Fürst gewesen, als Fürst an Auerbach die Frage richtete, welche Inschrift er für das damals gerade geplante Monument Kaiser Josef 11. in Wien Vorschlägen würde, worauf Auerbach momentan antwortete: „Josef erkannte seine Brüder, sie aber erkannten ihn nicht." Nun ist es Thatsache, daß das Monument Kaiser Josef II. schon 1807 errichtet wurde, und daß Auerbach diesen Text in seiner Skizze „Josef und Benjamin" „Zur guten Stunde". Band 1) auf Kaiser Josef anwendete. Wir können also niemals vorsichtig genug sein, wenn wir Ereignisse korrekt, im richtigen Zusammenhänge mit ihren Motiven und verständlich für Zeitgenossen und Nachkouunen behandeln wollen. Das soll im Folgenden meine Aufgabe sein. EUILLETON Die Rettung. Eine Hamburger Allswanderergeschichte von Paula Fader. II. ophie störte sie nicht in ihren Betrachtilngen. Helenens Tgjf} proforma gethanenes Anerbieten, ihrer Gefährtin einige der Packele, die sie zur Vertheilung unter ihre Schützlinge trug, abzunehmen, hatte diese sofort für baare Münze genommen! und die leise Zurückschreckende gelassen mit zwei ziemlich umfangreichen Collis beladen. Wie sie so, gefolgt von einer gleichfalls Verschiedenes für die Auswanderer tragenden Dienerin, dahin wandeltell, die Eine in ihrem Hellen Herbstkleide, schlank und kräftig, mit leuchtenden Augen auf das allmälig lebhafter um sie herum pulsirende Treiben schauend, die Andere in ihren düsteren Trauergewändern achtlos vor sich hin blickend, gleichen sie, um einen nagelneuen Vergleich anzuwellden, dem rüstig vorwärts strebenden, schaffensfrohen Tage irnd der träumerisch hinschleichenden Nacht. Nach und nach änderten sich die sie umgebenden Straßenbilder. Sie hatten längst das Villenviertel verlassen und befanden sich nunmehr, nach Durchwandernng der dasselbe mit der Stadt verbindenden Allee schöner alter Bäume sowie der über die früheren Wallalllagen der ehemaligen Festung führend eil „Ringstraße", im Lärm und Straßengewirr der sogenannten „Neustadt". Unter den Bewohnern dieses dicht bevölkerten Stadttheils bilden die minder begüterten Israeliten oiiteu erheblichen Prozentsatz. Fleißig ihrem Berufe nachgehend, treu am altüberlieferten Glauben hängend, leben sie in den engen krummen Gassen, die Jahrhunderte kommen und gehen sahen. Weiter, weiter ging der Weg. Je mehr sie sich dem Hafen näherten, desto zahlreicher wurden in den Straßen die Häuser, deren Schilder mit beit Inschriften „Auswandererhaus" oder „Zimmer für Auswanderer" zeigten, daß sie bestimmt waren. Denen ein letztes Obdach auf europäischem Bodelt zu bieten, die denselben für immer verlassen wollten. Heilte, fett die Hamburg- Aiuerika-Liltie eigene, große Auswanderer-Logirhäuser auf dem direkt an der Elbe belegenen „Grasbrook", sowie auf einer der Elbinseln erbaute, findet man dergleichen in jener Gegend nur noch vereinzelt. Dazumal indeß, vor etwa fünfzehn Jahren, noch ehe der Zollanschluß so vieles irr Hamburg änderte und umschuf, war es damit anders und die Umgebung des Hafens dicht mit solchen Herbergen besetzt. Schön waren sie nicht, — den besten Eindruck machten noch die wertigen uninittelbar am Wasser belegenen. die zum Mindesten für Enge und Unbehaglichkeit durch ben Ausblick auf die weite, schimmernde Fläche der Elbe entschädigten, und dadurch Denen die sich in der greltzenlosen Misere ihres bisherigen Daseins, überhaupt noch die entsprechende geistige Spannkraft bewahrten, die HoffllUllg auf eilten, ihnen die Fristung menschenwürdigerer Tage gestattettden Winkel jenseits der sich vor ihnen ausdehnenden, scheinbaren Unendlichkeit einflößeit konnten. Die Quartiere in ben Straßen und Gängen hingegen, - nun, besser ist's, matt redet llicht allzuviel davon. Vergraben in einem düsteren Chaos vor: Höfetl und Tlvieten, schienen sie

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