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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-12 · Heft 41 (12.10.1900) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 41 (12.10.1900)
Date
1900-10-12
Page
Seite 488 (sequence 10)
Language
German
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488 Um aber dieses Problem zu lösen, bedarf es der Mitwirkung weitester Kreise. Bereits hat der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands einige hundert Mitglieder, und in einer Anzahl Orte haben sich Lokalkomitees gebildet, die nun in Wechselwirkung mit der Centrale ihre Thätigkeit entfalten sollten. Die Bildung von Ortsgruppen in allen größeren Städten des Reiches wird diesen Winter in die Hand genommen, und Herr Generalsekretär Dr. Ernst Tuch soll in einer größeren Anzahl voll Städten durch Vorträge über unsere Zwecke das Interesse wachrufen. Durch unser Vorstandsmitglied Herrn Rittergutsbesitzer Dr. Papilski ist eine Enquete über die Allzahl und Lebeilsbedingungen der jüdischen Landwirthe in Deutschland inszenirt, ulld soll diese Statistik vervollkommnet und fruktisizirt werden. Nebenher soll aber auch besondere Fürsorge den in der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahleni ausgebildeten Gärtnerlehrlingen zugewandt werden, und wenn dieselben sich als tüchtige Gehilfell bewährt haben, müßte der Verein ihllen zll ihrer Etablirung förderlich sein. Es sollte auch ins Auge gefaßt werden, so lange der Verein nicht über größere Mittel verfügt, jüdischen Landwirthell zur Pachtung von Gütern Subventioll zu gewähren. Aber auch den gröberen Aufgabell, insonders der Auftheilung von Güterll nach dem Vorschläge von Herrn Rosenthal, sollte, schon um einen größeren praktischell Versuch zu lllachen, der Vorstand baldmöglichst näher treten. So richte ich hiermit einen Appell an alle wohllvollerldell Glaubellsgenossen, sich all dieser großen Aufgabe zu betheiligen. Selbst Diejenigen sollten nicht abseits stehell, welche alls irgend welchell Bedenken sich als Gegner betrachten; denn soll der Gesammtheit ein Segen erwachsen, so muß das Für und Wider sorgfältig erwogen werden. Prüfet Alles und wählet das Beste. Me Cypern-Frage. Von Davis Trietsch. ^eit etwa Jahresfrist ist viel über die Cyperufrage geschrieben worden. Vieles ist übertrieben, vieles auch nicht genügend beleuchtet worden. Die folgende Darstellullg will die Jrrthümer berichtigen, Vergessenes nachholen llnd den heutigen Stand der Angelegerlheit präzisiren, wie es sich aus derl letzten Vorkommnissen ulld aus dem dokumeutirten Verhalten der cyprischen Regierung ergiebt.y Der enge Rahmen eines kurzen Artikels zwingt zu einenl knappell Bericht, doch ist der Schreiber gern zil ausführlicher Jllformation bereit. Ich kam auf die Idee, daß Cypern ein geeignetes Feld für jüdische Kolonisation sei. auf folgende Weise: Ich wohnte in New-Iork, nicht weit von dem Judenviertel, der „East-side“, die allein V4 Million Juden zählt (im gesummten Stadtbezirk wird ihre Zahl auf 4 —500 000 geschätzt). Die Art ihres Lebens, die Schwallkungen im amerikanischen Arbeitsmarkt, der herübersickernde Antiseulitismus und die Brutalität des nichtjüdischen Pöbels zeigten mir deutlich, daß eine weitere Eiu- 0 Anmerkung der Redaktion: Wir haben in die betreffenden Aktenstücke Einsicht zll nehmen Gelegenheit gehabt.! Wanderung von jährlich 50—100 000 Juden aus dem Osten Ellropas (die Ziffern entsprechen der Wirklichkeit) die schlimmsten j Folgen haben würde. Die Beschränkung der Einwanderung mußte > mir als das kleinere iwu zwei Nebeln erscheinen. Aber ein! Ausweg war schwer zu finden. In England lagen die Dinge I ähnlich. Canada schlägt deutlich einen gleichen Eutwickelungsweg l ein wie die Vereinigten Staaten. Von Südafrika und Australien; ist dasselbe anznnehmen. Deutschlands Grenze ist gesperrt, die! romanischen urtd nordischen Länder Europas sind aus dein! einen, die wilden oder übervölkerten Länder Asiens und j Afrikas aus anderen Gründen ungeeignet. Von Argentinien : kamen schlimme Berichte und in Syrien und Palästina besteht! das Einwauderungsverbot.! Da ging vor fünf Jahren die Notiz durch die Blätter, daß i England die Insel Cypern wieder aufgeben wolle. Da mau! sie beit Türken zurückzugeben nicht geneigt war, und kein j Grund vorlag, den Griechen damit ein Geschenk zu machen, so j sollte sie eine autonoine Verwaltung bekommen und unter englischem Schutze stehen. Die Sache interessirte mich. Eine orientalische Insel, in der England direkt oder indirekt für eine gute Verwaltung sorgt, und die gleichzeitig aus klimatischen und sonstigen Gründen für englische Ansiedler nicht in Betracht > kam - eine solche Insel war ein ideales Land für die Ansiedelung vertriebener Juden. Die Nähe zu Ost-Europa, die Nachbarschaft Palästinas sprachen gleichfalls zu Gunsten des Planes — auch eine wundervolle jüdische Geschichte voll Cypern habe ich gefunden, unb bei näherem Eingehen auf die Sache fand ich, daß die trockene Sachlichkeit der englischen Regierungsberichte eine fast noch enthusiastischere Sprache redeten als die Bücher der Reisenden, die Alle mehr oder welliger in Cypern verliebt erscheinen. Dabei steht der großen Eutwickeluugsfähigkeit des Lalldes eine solche Rückständigkeit der Eillgeborenen und eine solche Primitivität der Verhältnisse gegenüber, daß ich mir staunend die Frage vorlegte, was aus diesem verzallberten Paradiese lverden kölinte, welln sich dahin auch nur ein kleiner Bruchtheil der jüdischen Energie und allderen Geistesqualitäten ergösse, die — abgesehen von allell Leistlingen in der Vergangenheit heute — vor unseren Augen, und inmitten der civilisirtesten Nationen so viel geholfen j haben, die Länder zu entwickeln, Reiche zu gründen undWeltj städte zu bauen. Und schließlich will ich gestehen, daß ich von jeher für Inseln ein Faible gehabt habe. In nleinen Knabellträumen lvar ich ein Seefahrer, vor dem kein noch so fernes Gestade sicher war. Später als die modernen Verhältnisse anfillgeu nlir komplizirt zu erscheinen, und die Nothwelldigkeit einer Spezialisirung (die mir verhaßt lvar) sich zeigte — da sehlüe ich mich nach der verhältnißmäßigen Abgeschiedenheit irgend einer Art „Insel", wo der Einzelne eine Möglichkeit behielte, sich llach allen Seiten auszuleben — und als ich auch über diese Zeit hinweggekommer:, da sah ich an immer neuen Beispielen, wie merkwürdig freie und gesunde Zuställde auf den Inseln der Meere sich fanden und eine wie ullgestörte Entwickelllng dort möglich war. Aehnlich bevorzugte Verhältnisse haben sich allenfalls die Schweiz und einige kleinere Bergländer erhalten, und diese fiub eben gleichfalls in gewissem Sinne Inseln. Noch war für ulich ein Hinderlich zu überwinden, bevor ich wagte, meinen Gedanken all die Oeffentlichkeit zu briugell. Jüdischen Angelegenheiten frenld, konnte ich mir nicht vor-

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