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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-05 · Heft 40 (5.10.1900) · p. Seite 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 40 (5.10.1900)
Date
1900-10-05
Page
Seite 1 (sequence 16)
Language
German
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2 gestimmt haben. — Ans Grund der Ausführungen des Referenten lvurde folgender Beschluß gefaßt: „In Anbetracht, daß der Verbands- Vorstand sowohl als auch die Mehrheit der Einzelvereine für die sofortige Eröffnung der Kasse eintreten, beschließt das Kuratorium, die Kasse nunmehr am 1. Oktober zu eröffnen und die weitere Behandlung der Anträge des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens dem Delegirtentage des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche anheimzugeben." — Alsdann erstattete der Schatzmeister Herr Handelsrichter Lustig Bericht über die Kassenverhältnisse und erklärte zugleich, daß er bei seinem schwankenden Gesundheitszustände nicht mehr im Stande sei, die Geschäfte fortzuführen, zeigte sich aber bereit, das Amt eines stellvertretenden Schatzmeisters zu übernehmen. nachdem der bisherige zweite Schatzmeister auf Bitten des Vorsitzenden seine Geneigtheit erklärt hatte, die Stelle eines erstenSchatzmeisters anzunehmen, lieber die Frage, welche Schritte zu thun seien, um die Fonds der Kasse zu verstärken, entspann sich eine längere Debatte, an der sich die meisten Anwesenden betheiligten. Anregungen, wie sie namentlich von ben Herren Meyer und Haberland gegeben wurden, wurden dankend angenommen; einer spätereil Sitzung soll es Vorbehalten bleiben, die Art und Weise zn bestimmen, wie eine Agitation zur Vernlehrung der Fonds in die Wege zu leiten sei. — Znm Schluß machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß es llvthwelldig sei, eiueil neuen Vorsitzenden zu lvählen. Er schug vor, eine Subkommission einznsetzen, die der nächsten am 39. Dezember stattfindenden Versammlung geeignete Vorschläge für die Besetzung der Stelle machen solle. Die Subkommission wurde ans dem Vorstände und Herrn Balllberger gebildet. — Damit war die Tagesordnung erledigt. Berlin, 1. Oktober. Wieder einmal etwas von der Thätigkeit der Mission. In der Zeitschrift „Dibre Emeth" erzählt ein Missionär von seinen Erfolgen in Persien und rühmt das Entgegeukommen der dortigen Jllden. Missionär Norollah sei von dem Oberrabbiner in Demaveud aufgefordert worden, in der dortigen großen Synagoge zu predigen, der Sohll des Nabbillers hat sich bekehrt lind der Vorsteher der dortigen jüdischell Gemeillde litb den Missionär ein, in seinem Gartell vor einer großen Anzahl von geladenen Zuhörern zu predigen. Was mag an dieser Erzählung richtig sein? Wir empfehlen dieselbe der Aufmerksamkeit der „Alliance israelite universelle", die durch ihre Schulen in Persien am leichtesten diese Sache prüfen kailu. Man lvird begreifen, daß unsere unglücklichen Glaubensgenossen ill Persien der Versuchung am meifteit allsgesetzt sind. — In „Saat ans Hoffnung" erzählt Licentiat Dalman voll den Eindrücken seiner Reise im Orient, auf der er gerade die Missionsverhältnisse besoilders geprüft hat. Er bestätigt, ,vas voll jüdischer Seite immer behauptet lvurde, daß die Hauptanziehllligskraft der Missioll im ganzen Orient die unentgeltliche Leistung voll ärztlicher Hilfe lind die freie Anfllahme im Krankenhanse ist. In Kollstantillopel freilich sollen der spagnolischen Predigt des christlichen Missivllärs nicht weniger als 140 Juden beigewohnt haben. Von Jerusalem sagt Dalman, daß es sich gegeilüber den aubereu Städten des Orients dllrch seine „raschen Fortschritte" ailszeichnet. Es habe jetzt 75000 Einwohiler, davoil 50000 Inden; in den Schulen der Mission seien ca. 100 Knaben, außerdem feien die Hospize, Lehrwerkstätten rc. nicht unwirksam, das wichtigste Hilfsmittel sei aber auch hier, ebenso wie ill Sased ulld Liberias die ärztliche Thätigkeit. Daher seien auch in Jerusalem 35—40 Taufberverber. „Aber im Allgemeinen ist es lvahr, daß Palästina nicht der Ort ist, worauf die Mission ihre Arbeit zn viel konzelltriren sollte. In anderen Orten hat Gott die Thür weiter aufgethall." 8. Stargnrd I.P., 26. September. Am vergangenen Freitag fand vor Beginn des Abendgottesdiellstes die feierliche Eillsührullg des neugewählten Rabbiners Dr. Emil Silber st ein statt. Die Vorsitzenden des Vorstandes und des Repräsentantellkollegiuuls, Rentier Zachan und Rechtsallwalt Moses, geleiteten ben neuen Rabbiner unter den erhebendell Klängeil der Orgel in das Gotteshaus vor den Altar. Ill herzlicheil Ansprachell begrüßteil sie ihn hier und versicherten ihn des Vertraliens der gesammten Gemeillde. In seiner Erwiederung dallkte Dr. Silbersteiu zunächst für das allseitige Vertrauen, das man ihm entgegellbringe, und das er durch treue ulld gewisseuhaste Pflichterfüllullg rechtfertigen wolle. Sodann wies er darallf hin, daß der Rabbiner der Gegeillvart nur dann eine segeilsreiche Wirksanlkeit enthalten kö.'ne, welln er seine religiöse Ueberzeugung auch da mit Festigkeit u?ld Beharrlichkeit vertrete, wo er nicht auf die Zustimmung Aller rechnen dürfte. Nachdem Dr. Silbersteill mit einem kurzen Gebete geschlossen hatte, wllrde er von den genannten Herren zn dem mit Guirlanden geschmückten Rabbinatssitz geführt. Am ersten Tage des Neujahrsfestes hielt Dr. Silberstein seine eigentliche Antrittspredigt. Anknüpfend an Jesaia 61, 1 entwickelte er feine Auffassung vom rabbinischen Lehramte, wie von Religion und Judenthlim. Möge es dem neuen Rabbiner beschieden sein, lange und segensreich in unserer Gemeinde zn wirken. Kp. AnS der Provinz Posen, im September. Lehrer Frisch all der Gemeindeschule zu Po s e n tritt in Kurzem in den Rlihestaild. — Das langjährige Vorstandsmitglied des Hnmanitätsvereins in Buk. Kaufmann Buch daselbst ist gestorben. — Der Arbeiter Olzack aus Jauowitz ist kürzlich dafür, daß er einen Juden daselbst mit „Hep Hep"- rusen belästigte, vom Schöffengericht zu Znin zu acht Tagen Gesällgniß verurtheilt worden. — Der Kultusbeamte Kaspar ill Posen ist als Kantor nach Schokken berufen worden. — Der Lehrer Grünfeld in S ch wersenz tritt demnächst in den Ruhestand. Grüilfeld ist Vorstandsmitglied des Vereins jüdischer Lehrer in den Ostprovinzeu. — Der seit vielen Jahren all der Syllagoge des Hulnallitätsvereills ill Posen als Rabbiner und Prediger wirkende Herr Dr. Landsberg feierte neulich unter reger Theilnahme seiner Gemeindemitglieder feiiien 70. Geburtstag. — Die Regierung zn Bromberg bat die beideil Synagogengemeilldell Witkolv o llnd Miltschlli ,;u eitler Gemeinde vereinigt. Gegell diese Anordnung hat die Gemeinde Witkowo Einsprlich erhoben, lveil die Gemeinde Miltschlli auu ist ulld ihr mir Nachtheile hieraus erwachsen können. — Kalltor Ster n ill Argeilrod in Hessen ist zum Kantor der jüdischell Gemeillde ill Tirschtiegel geivählt worden. — Der Rentier S. Radt in Berlill hat seiner Heimathgemeinde Ostrowo zwei Synagogensitzplätze im Werthe von 300 Mark bedingungslos geschenkt. — Kantor ulld Schächter Jäg er ill Rogaseu ist ill gleicher Eigeilschaft ilach Kouitz berufen worden. — Das Li ttha n er' sche Ehepaar in Sch wetz feierte neulich das Fest der goldenen Hochzeit. Litthauer ist daselbst laiigjähriges Mitglied des Repräsentantenkolleginnls uild der Friedhofskomnlission. — Die israelitische Gemeinde in Ostrowo hat den Bau einer neuen Leichenhalle und des Wächterhallses auf dem Friedhofe für etwa 7000 Mark beschlossen. — Der Kaiser hat der Wittwe Helene Chaskel in Znin für deren Tochter Rebekka eine Nähmaschine geschenkt. — Der praktische Arzt Dr. med. MaxPeiser in Ostrowo ist znm königlichen Assistenzarzt der Reserve ernannt worden. — Die Regierung zu Posell hat den Beschluß der Synagogengemeinde in Ostrowo. zu baulichen Zweckell eine Anleihe von 21 000 Mark aufzunehrnen und zil diesen! Zwecke Legatgelder in dieser Höhe zu verwenden, bestätigt. — Rittergutsbesitzer Rohr auf Langgnhle hat der Gemeinde Bojanowo 1000 Mark zum Ban einer Kleinkinderbewahranstalt geschenkt. — In Ostrowo ist neulich im Alter von 67 Jahren Frau Susanne Snßmann gestorben. Dieselbe war Vorstandsdame des dortigen israelitischell Fraueuvereills und zeichnete sich als solche eine lauge Reihe von Jahren durch umfangreiche Wohlthaten aus. © Dessau, 19. September. Die hiesigen Tageszeitungen bringen heute zwei Inserate, die eine ganze Seite einnehmen. Sie lauten: Heute am 19. September, dem Geburtstage des verstorbeueil Ehrenbürgers unserer Stadt, Seiner Exzellenz des Herrn Baron Moritz von Cohn, ist die Schenkung von 250000 Mark, welche des Heimgegangenen edle Tochter, Frau Baronin von Cohn-Oppenheim, am 16. Mai er. mit der Bestimmung zugesagt hatte, zum Gedächtniß ihres edlen Vaters ein Armenhaus zu errichten, ins Leben getreten. Die ursprüngliche Absicht, eine feierliche Grundsteinlegung heute zu veranstalten, hat sich noch nicht verwirklichen lassen. — Indem wir das Grab unseres Ehrenbürgers, dessen niarkante Persönlichkeit für alle Zeiten mit der Geschichte unserer Stadt verknüpft ist, als Zeichen unserer Dankbarkeit und treuen Gedächtnisses mit einem Kranze schmücken, grüßen wir die hochherzige Spenderin, unsere Mitbürgerin Frau Baronin von Cohn-Oppenheim, rvelche sich nach ihrem eigenen schönen Bekenntniß beglückt fühlt, wenn sie zum Blühen und Gedeihen unserer lieben Residenz beitragen kann. Dessau, 19. September 1900. Der Magistrat. Dr. Ebeling, Oberbürgermeister. Die Stadtverordneten. Dr. Döring, Justizrath. „Und ferner: „Am heutigen Geburtstage des verewigten Herrn Baron von Cohn, Exzellenz, kommen zum erstenmale die Zinsen des im Sinne des Heimgegangenen von seiner hochherzigen Tochter Frau Baronin von Cohn-Oppenheim mit

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