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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-05 · Heft 40 (5.10.1900) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 40 (5.10.1900)
Date
1900-10-05
Page
Seite 480 (sequence 14)
Language
German
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480 Litterarische Wittheilungen. SamuelDavid Luzzatto. Ein Gedenkbuch. Herausgegebeil vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland. Berlin 1900. A.Katz. Zum hundertsten Geblrrtstage des grvßell Dellkcrs und Forschers ist dieses Gedellkbllch erschienen, das aus Beitragen von hervorragenden Gelehrten besteht. DieBiographie Luzzattos und die Bibliographie seiner Schriften rührt von Dr. S. Bern fel d her; die Geschichte der Familie, die in der jüdischen Litteratur eine so ansehnliche Rolle spielte, hat Dr. M. Braun geschrieben; über die religions-phi losophische Anschauungen Luzzatto's handelt Dr. P h. B l o ch, über dessen Exegese Dr.A. Berliner. SeinenBriefwechsel mitZeitgellossell beleuchtet Professor Dr. W. Bacher, und seme Verdienste als Litteraturhistoriker sowie die Beziehungen zu Zunz, Rapoport, Geiger, Sachs, Fürst u. A. erörtert Dr. M. Kayserling. Alle diese Arbeiten sind von hohem Interesse und bleibendem Werth für die Litteraturgeschichte. Den würdigen Abschluß bilden einige vortreffliche Uebertragungen von Gedichten Luzzattos. die Henriette Hirschberg beigesteuert hat. Das ganze Werk ist ein sehr verdienstliches Unternehmeil und wird sicher seinen Zlveck erreichen, das Andenken des edlen itnb großen Mannes neu 311 beleben und die Kunde von feinem Wirken und Schaffen in weite Kreise zn tragen. — D. Santob de Carrion, welcher die stattliche Reihe der Dichter jüdischen Glaubens in spanischer Sprache eröffnet mld zn den gefeiertsten spanischen Poeten des vierzehnten JahrhlMderts gehört, hat. seitdem wir vor mehr denn vierzig Jahren in unserem „Sephardim. Romanische Poesien der Juden in Spanien" (Leipzig 1859) ihll und seine Dichtungen zuerst behandelt haben, keine Bearbeiter gefunden. Um so freudiger begrüßen wir die ji'lngst erschielleneil „Untersuchungeil über die Proverbios Morales von Santob de Carrion mit besonderem Hinweis auf die Quellen und Parallelen von Dr. Leopold Stein (Berlin, Mayer und Müller. 1900, 109 S.) Santob, der feinen eigentlichen Namen Schemtob keineswegs geändert hat — Sailto oder Sento für Schemtob war bei den Juden in Spanien allgemein gebräuchlich — lvar weder Rabbi noch Leibchirurg Pedro des Grausamen, dem er seine Consejos y documentos, wie der eigentliche Titel seiner Poesien lautet, gewidmet und bei dessen Vater D. Alfonso XI. er gewiß schon in Ansehen gestanden hat. Er hat seine Dichtungen wahrscheinlich auch schon unter diesem Könige begonnen, beenbet aber sicherlich erst später, als er schon iln Greisenalter stand; er widmete sie dem Könige D. Pedro aber vor 1357 — in diesem Jahre, nicht 1360, lvie es Seite 19 heißt, wurde die prächtige Synagoge Samuel Halevis nicht erbaut, sondern vollendet und eingeweiht. Die Consejos oder die Proverbios Morales enthalten eine Reihe von Sprüchen voll heilsanien Lehren und Lebeusregeln. ähnlich der Spruchsammlung, welche der Arzt Jehuda Bonsenyor in Barcelona iln Aufträge D. Jaimes II. von Aragonien für die königlichen Prinzen 1300 in eatalonischer Sprache kompinirt hat. Ob Santob von diesem seinem Glaubensgenossen in Barcelona ertheilten ehrenvollen Aufträge Kenntniß hatte und dadurch zu seiner Dichtung veranlaßt worden war? Daß Bibel. Talmud und frühere Spruchsammlungen jüdischer beziehungsweise arabischer Denker und Dichter von Santob berücksichtigt, auch benutzt worden sind, das haben alle, welche sich mit seinem Werke beschäftigten, erkannt. Herr Dr. Stein, mit der einschlägigen Sprnchlitteratur vertraut, hat nun mit großem Fleiße nachznweisen versucht. — und das ist das besonders Verdienstliche seiner empfehlenswerthen Schrift — ans welchen Quellen der Dichterseine Sprüche geschöpft hat. Mußte er sich bei dieser schwierigen Arbeit auch häufig auf bloße Vermnthungen beschränken, so ist doch die Schrift ein sehr beachtenswerther Beitrag zur Litteratur der Sentenzen und Spruchsamn'.lungen. Gelegentlich die Bemerkung, daß voll Herr Jgn. Bernstein in Warschau, der unstreitig die reichhaltigste Sammlung von Sprichwörtern besitzt, ein sorgfältig gearbeiteter Katalog dieser seltenen Sammlung demnächst erscheint. Dr. M. Kayserling. Sprechfaul. Verehrliche Redaktion! cfen Ihrer Beilage „Der Gemeindebote" vom 14. d. M. brachten Sie einen Artikel über die angeblich 100 jährige Köchin Friederike Wolf, welche, wie das Polizeiattest feststellte,.erst im — 71. Lebensjahre steht. Dieser Artikel schließt mit ben Worten: „Die unwahren Angaben hatten, so berichtet eilleLokalkorrespondenz, die natürliche Folge, daß die alte Köchin in der Altersversorgungs- Anstalt nicht ausgenommen wurde." Hierzu erlaube ich mir im Interesse der Altersversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde, deren Vorstand ich anzugehören die Ehre habe, zu bemerken, daß der Schlußpassus nicht den Thatsachen entspricht. Wir hatten vielmehr beschlossen, auch die 71 jährige in unsere Anstalt aufzunehmeu und ihr die Mittheiluug gemacht, daß ein Zimmer einer Spezialstiftung ihr zur Verfügung stände. Darauf erhielten wir dann eine Zuschrift des Herrn Stadtverordneten Kalisch. der sich vorher für die qu. Wolf bei uns verwandt hatte, daß Petentin von ihrem ursprünglichen Wunsche, bei uns Unterkunft zu finden. Abstand nehme, da sie hinlänglich Mittel erhalten hätte, um noch ferner selbstständig ihr Dasein triften zu können. Also nicht wir haben ihr unsere Pforten verschlossen, sondern die hat freiwillig darauf verzichtet, nachdem reichliche Sammlungen für sie vorgenommen waren. Berlin. 26. September. Mit aller Hochachtung ganz ergebenst Emil Pincus. Rendant der Altersversorgungs-Anstalt. Verehrliche Redaktion! (Mn Ihrem geschätzten Blatte vom 21. d. M. wendet sich der frühere Vorsitzende des Diskntirklubs „Graetz" in Breslan, Herr Rechtsanwalt Schwarz, gegen eine Mittheilung, welche Herr Felix Sander über die von diesem Diskutirklub geplante Protestversammlung gegen die Blntlüge veröffentlicht hatte. Herr Sander hatte mitgetheilt: „Keineswegs aber hat der Breslauer oder gar der Berliner Gemeindevorstand in irgend einer Weise gegen das Zustandekommen der Versammlung agitirt." Herr Rechtsanwalt Schwarz läßt diesem Satz eine Berichtigung zu Theil werden und behauptet, daß der Vorstand der jüdisch eil Gemeinde zu Breslau gegen die Versammlung agitirt habe. Zum Beweise nimmt er ein aus „vielen urkundlichen Belägen" bestehendes Aktenstück zur Hand, das er zur dauernden Beurkundung des sür^ihn denkwürdigen Verlaufs der Versaurmlnngsaffäre angelegt hat. Zn diesen Akten gehört nämlich der Brief eines Universitätslehrers, in welchem — wie der Herr Einsender bemerkt — mit „dürren" Worten geschrieben stehe, daß vom Gemeindevorstand zu Breslau gegen die Versammlung agitirt worden sei. Diese Berichtigung entspricht nicht dem Sachverhalt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Breslau hat über die von dem Diskutirklub Graetz betriebene Veranstaltung einer Versammlung niemals Berathungen abgehalten. Dagegen waren freilich diejenigen Personen, denen sonst die verantwortliche Vertretung der hiesigen Gemeinde zufällt, darunter meines Wissens auch sämmtliche Mitglieder des Vorstandes, in der bestimmten Ueberzeugung einig, daß die geplante Versammlung und der jugendliche Thatendrang ihrer Befürworter weniger zu nützlicher Aufklärung als zu schädlicher Aufregung gewisser Kreise und Blätter führen müsse, und daß dem $lane aus diesem Grunde keinerlei Vorschub zu leistell sei. Da nun die Uliiversitätslehrer, deren redllerische Hilfe der Diskutirklub für die Versammlung beanspruchte, in dem Jrrthum befangen waren, daß die Herrell, welche die Vorbereitung der Versammlung energisch betrieben, zugleich als Träger des Willensausdrucks der ganzen Gemeinde und ihrer Führer anzusehen seien, so schien es geboten, diesen Jrrthum aufzuklären. Demnächst hat der Unterzeichnete, ohne jedell Auftrag, im Gefühle der eigellen Pflicht dem einen der betheiligten Universitätslehrer die wahrheitsmäßige Mittheilung gemacht, daß die Veranstalter der Versamnllung weder von dem übereinstimmenden Willen der Gemeinde, noch besonders,voll dem ihrer Führer und Vertreter gestützt seien. Nach dieser Aufklärung lehilten die Herren ihte fernere Betheiligullg all der Versamnllung ab, weil die nothweudigste Voraussetzullg berfelben sich als fehlend herausgestellt habe. Hiernach hat — entgegen der Behauptung des Herrn Rechtsanwalts Schwarz — zur Vereitelung der geplanten Versammlung weder überhaupt eine Agitation noch eine solche des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde stattgefunden. Die Berichtigung beruht somit in ihrem wesentlichen Inhalte auf einem völligen Mißverstehen des thatsächlichen Vorgangs. BreSlau, 27. September 1900. Dr. Ernst Samuelsohn, Rechtsanwalt. Drrrck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwiß in Berlin.

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