Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1900)
- Date
- 1900-10-05
- Page
- Seite 478 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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478 imlini ein anderes beim Zügel und gallopirte, l>on beit Wachtposten der Engländer heftig beschaffen, ins Burenlager zurück. „Kwaä Piet" (Böser Peter, der Beiname des Generals Cronje) belobte ihn für diese That vor der ganzen Truppe. Er war einer der wenigen Tapferen, die es wagten, die von den Engländern beinahe völlig aufgeriebenen Skandinavier ans der feindlichen Uebermacht herauszuhauen. Auch dafür wurde er öffentlich belobt. In den schwierigsten Lagen bewahrte er eine anhergewöhnliche Ruhe. Diese kam ihm auch bei Magerfontein sehr zu statten, als er ganz allein eine von zwei englischen Soldaten und zwei bewaffneten Koffern geführte Wasserkarre wegnahm. Er befand sich mit einem Bur auf Brandwacht, als die Karre auf ungefähr 600 Meter Abstand von ihnen nach der englischen Plänklerlinie zufuhr. Hermann erklärte seinem „maat". das Wasser könnten die Buren bestens gebrauchen; er warf sich aufs Pferd und ritt in Karriere auf die darob erstaunten Engländer los, denen er zurief, sie sollten die Gewehre oblegen, widrigenfalls sie von dem hinter dem „Kopse" ausgestellten Kommando niedergeschossen werden würden. Dieses Kommando bestand aus seinem Kameraden. Die Engländergehorchten nndHermann zogsichangesichts der kämpfenden Parteien mit seinen Gefangenen und dem mit vier Maulthieren bespannten Wasserwagen zn Cronjes Kommando zurück, wo er mit donnerndem Hurrah empfangen wurde. Für diese kühne That empfing er aus Cronjes Hand eine Belobigung der Regierung, welcher Cronje feine Unterschrift hinznfngte. Als General Liebenberg mit seinem Kommando aus Cronjes Lager anfbrach, um nach Prieska in der Kapkolonie zu ziehen, ivo man die Kapkolonisten zum Aufstand bringen wollte, desertirte Hermann, der zurückbleiben mußte, ein paar Tage nach dem Abmarsch des Kommandos aus Cronjes Lager und schloß sich dem Kommando an. Znm Flaggenträger ernannt, wußte er bei dem bekannten nächtlichen Ueberfall sich dttrch die Bastards bei Prieska dnrchzuschlagen. Am folgenden Morgen sah man unweit des Gefechtsterrains voll einem Kopje, weithin sichtbar, die „Vierkteur" wehen. Die 14 Mamt starke Patrouille, welche sich wieder versammelt hatte, trabte zu den: Kopje hin und fand dort Hermann, der mit der größten Seelenrtthe erklärte, so lange er lebe, würde kein Feind den Flaggenstock berühren. Kurz darnach wurde er mit einer Abtheilung Bürger als „padwijzer“ (Wegweiser) über Prieska hinaus gesandt, um Kolonisten zu bewaffnen. Noch unterwegs ernannten ihn die Bürger zu ihrem Kommandanten, eine Ehrung, der er sich vollkommen würdig erwies. Lange, nachdem General Liebenberg in Eilmärschen vor den anrückenden Engländern nach Transvaal geflüchtet war, durchstreifte Hermann mit seinen 100 Bürgertt die Kapkolonie, überall den Aufstand predigend. Als er sich hiervon keinen Erfolg mehr versprach, zog er sich über den Grootriver zurück und lieferte General Sir Charles Warren mehrere Gefechte. Bis Mitte Juni setzte er unermüdlich den Guerillakrieg im Rücken der englischen Hauptmacht fort, danu drang die Nachricht von seinem Tode durch die englischen Linien ins Burenlager, wo sie mit tiefster Betrübniß empfangen wurde. Aber noch beseelt sein tapferer Geist die übrig gebliebenen Leute seines Kommandos; sie sind es, welche jetzt im Freistaat den Engländern so viel zu schaffen machen; unter ihr Kommando haben sich zahlreiche Freistaatler gestellt, welche fortwährend die rückwärtigen Verbindungen der englischen Armee stören, kleine Ortschaften überrumpeln und Patrouillen aufheben. Wenn einstens ein Transvaaler die Geschichte dieses großen Krieges schreibt, wird er sicherlich nicht vergessen, in diesem Werke „Hermann de Jood" eine bleibende ehrende Erinnerung zu sichern. Are Rettung. Eine Hamburger Auswanderergeschichte von Paula Fab er. I. (9^/^I^öchtest Du nicht einmal ntitgeheu. Helene?" *n ^bfe Trauer gekleidete junge Frau schien die Anrede völlig zu überhörett. Auch als das vor ihr iu Straßentoilette stehende junge Mädchen die Worte nochmals wiederholte, verharrte sie so gänzlich regungslos auf ihrem dem Licht abgekehrteu Platz int Hintergründe des Zimmers, daß diese einen rathlosen Blick zn der dritten Anwesenden hinübersandte nitd datm sagte: „Was soll man nttr thun, Mama? Ich glaube, sie hört tm8 garnicht." Die Mutter schob die Handarbeit, mit der sie sich bis dahin beschäftigt hatte, beiseite, trat auf die Beiden zu und legte der Schweigsamett gütig die Hand aus die Schulter. „Natürlich hört sie uns," erwiederte sie, „sie kann sich nur noch immer nicht entschließen, ins Alltagsleben zurückznkehren. Nicht wahr, mein Kind? . . . Und es muß doch eintnal sein, — glaubst Du, daß Du durch Dein beharrliches Dichabschließeu von allem, was hier auf Erden Leben heißt, überhaupt im Sinne Deines guten Mannes handelst?" „Ich kann aber nicht anders, Tante Fanny," versetzte die junge Wittwe leise, „jetzt nach einem halben Jahre, dünkt mich mein Schicksal noch härter als zuerst." „Das ist immer so!" antwortete die alte Dame ernst, „gerade in der dem Leid und der Aufregung so trüber Tage folgenden Ruhe packt uns der Schmerz um unseren Verlust mit verstärkter Gewalt, und es ist fürwahr nicht leicht, danu aus ausrichtiger Seele zn sagen: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt." Die blonde Helene sah vor sich hin. Ich glaube, das werde ich nie sagen!" flüsterte sie fast unhörbar. „Helene, wie kattnst Du so reden?" rief ihre Cousine vorwurfsvoll. „An unserer Mutter hast Du das beste Beispiel, daß es wohl möglich ist, solch schweren Schicksalsschlag mit Ergebung zu tragen." „Deine Mutter hatte es leichter," sagte Helene zwischen den zusammengebissenen Zähnen, „sie hatte ihre Kinder, ich aber —" „Laß sie, Sophie!" — mit ruhiger Bestimmtheit schnitt die Mutter ihrer Tochter die Entgegnung ab, — „in einer Hinsicht hat sie nicht Uttrecht. Hart tvar es ja für utich, mit der Schaarunerzogener Kinder zurückzubleiben, aber dadurch war mir auch meine Lebensaufgabe klar und deutlich vorgeschrieben. Du, mein Kind," -- sie wandte sich liebevoll wieder zu Helene, — „mußt Dir dagegen erst eine neue suchett. Alleitt es giebt so viel Noth und Elend auf der Welt, daß es Dir leicht werden wird, eine solche zu finden. Unu dartun meine ich auch, Du