Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1900)
- Date
- 1900-09-28
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 habe, ihm diese Würde zu verleihen. Die Regierung bringe ihm auch volles Vertrauen entgegen. Am darauffolgenden Freitag hielt Dr. Walter in der Synagoge feine Antrittspredigt. Als Negierungsvertreter waren die Herreil Regierungspräsident Mertens imb Geheimer Negiernngsrath Dr. Dnnker erschienen. Unsere Gemein demitglieder waren voll der ilach Inhalt uub Form gelungenen Rede tief ergriffen, und allgenrein ist der Wunsch laut, daß es denr neugewahlten Rabbiner beschieden sei, in unserer Gemeinde Gutes zir wirkell. <i. Versmold i. Wests«, 23. September. Unsere kleine Gemeinde hat am 14. und 15. d. M. ihr lleuerbautes Gotteshaus durch Herrn Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld einweihen lassen. Zu dieser Feier waren der Landrath Graf. v. Korf - Schniiesnig. der Amtmanll Graßhof von hier und das gesammte Stadtverordnetenkollegium erschiellen. All der Pforte des neuen Gotteshauses sprach die kleine Else Weinberg ans Boekhorst. tvelches zu unserer Gemeinde gehört, ein hübsches Gedicht und überreichte dem Herrn Landrath den Schlüssel, welcher solchen dem Herrn Amtmann übergab, der alsdann denselben dem Herrn Rabbiner reichte. Das Gotteshaus nracht trotz seiner Einfachheit in Bau und Ausführung einen würdigen, wohlthnenden Eindruck. Rach dem Gesallg des „Ma Tauwu“ von Herrn Kantor Proskauer-Bielefeld faub das feierliche Allzünden des elvigen Lichtes durch Herrll Dr. Coblellz statt. Der Chor sallg abermals ein Lied, worauf Dr. Coblenz die heilige Lade öffnete und die Thorarollen einstellte. Hierauf begalln die Festpredigt, die aus alle Hörer einen tiefen Eindruck machte. Das Gebet für Kaiser und Reich, die Stadt und Behörden schloß sich m,. Nachmittags fand ein gemeinschaftliches Mittagsessen im Hotel Bütröwe statt, wobei der Herr Amtmann als Ehrengast der Genieinde das Hoch aus den Kaiser ausbrachte. Die Feier dürste allen Theilnehmern eine unvergeßliche Erinnerung bleiben. zfcr Grünstadt, 13. September. Zur Feier des 25jährigen JnbiläumsdesLehrers Freudenthal hatten sich heute Abend ca. 80Persoilell aller Konfessionen im reich dekorirten Saale der Jakobslust eingefnnden. Herr Kultusvorstand Seelenberger begrüßte die Erschienellen herzlich und brachte dem Jubilar die besten Wünsche dar, unter Ueberreichung eines prächtigeil silbernen Tafelanfsatzes und schloß mit einem Hoch auf den Jubilar und dessen Familie, in welches die Allwesenden begeistert einstimmten. Nach dem ersten Gange ergriff Rabbiner Dr. Salvelldi-Dürkheirn das Wort, die Verdiellste des Jubilars als Lehrer und Erzieher lvährelld dessen 25jähriger Wirksamkeit in Grünstadt hervorhebend, die llicht welliger hervorragend feien als die Verdienste um das Wohl der israelltischen Kultnsgemeiilde. Mit Besriedigullg könne Herr Freudenthal auf seine langjährige Wirksamkeit zurückblicken. Kaufmann Berg hob die Thätigkeit des Jubilars als Mitglied der Kultusgemeinde besonders hervor, während Lehrer Laux des schöllen Familienverhältnisses des Jubilars und desseil in geachtetstell Stellungen befindlichen Kinder gedachte. Der Jubilar dankte in bewegten Wortell für alles Entgegenkommen seitens der Knltusgemeinde und der Stadt Grünstadt während seines Wirkens. Ein Sohn des Jubilars, Kaufinalln Eugen Freudenthal, sprach im Namen der Kinder der Familie seinen innigsten Dailk alls und ließ 'eine Rede ansklingen in einein Hoch aus die Frauen und JlUlgfraliell Grünstadts. Wir rufen denr Jubilar ebenfalls zll: „ad rnultos annos!“ F. Augsburg, 17. September. Die hiesige Kultllsgemeinde hat am 10. d. M. d a s 25 j ä h r i g e A m t s j u b i l ä u ul ihres hochverehrterl Rabbiners Dr. Heinrich Groß in feierlicher Weise begangen. Nach dem Morgengottesdienste brachte die gesamnlte Kultusverwaltllng dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche dar und überreichte in dankbarer Anelkennnng seilles segellsreichell Wirkells während dieser 25jährigen Anltsperiode eine großartige Ehrengabe. Um IOV2 Uhr versammelte sich die galize Genleillde nebst einer Vertretung der sreundnachbarlichen Kultusgemeinde Müilchell — weitere offizielle Einladungen waren nicht ergangell — in der dekorirtell Syilagoge, wo zu Ehreil des Jubilars ein Festgottesdienst abgehalten wurde. Nach eillem lvirkungsvollen Chore von Gluck, „Freudenklänge", betrat Nabbiller Dr. Werner-München die Kallzel, um in meisterhafter Rede llllter Zugrundelegullg des Textes ans denl Wochenabschnitte V. Buch Moses, 27, 4—7, die segensreiche Thätigkeit des Jubilars in feiner Wirksamkeit auf der Kanzel und dem Katheder, wie als Friedenshort, sein Wirkeil in Freud lind Leid, feine Bedeutung als Mann der Wissenschaft zu schildern. Nach dieser Festrede, die in Atter Herzen einen tiefbleibenden Eindruck hinterließ lind nad) einem trefflich vorgetrageneu Solo des ersten Kantors Steillfeld — Psalm 92 von Lewandolvsky — erwiderte der Jubilar, sichtlich gerührt, unter Zugrundelegung seiner vor 25 Jahren gehaltenen Antrittspredigt: „Ein Fremdling bin ich unter euch! Nehmet mich freundlich auf!" Dieser folgte er Schritt für Schritt, um darzuthun, daß „er lebte, wie er lehrte und lehrte, wie er lebte," daß er stets eifrigst belnüht war, durch rastloses Schaffell imb Wirken der Genieinde, die ihn als Führer erkoren, zur Ehre zu gereichen. Der schwierigen Aufgabe als Rabbiner und Lehrer unserer Gemeinde ist Dr. Groß stets in jeder Weise gerecht geworden. Als Seelsorger wie als Forscher erfreute er sich hier des größten Ansehens. Dies bekundete auch der Regiernllgspräsident von Schwaben und Neuburg, Ritter von Lermann Exc., in einem Schreiben an den Jubilar, lvorin er demselben herzlich gratulirte, seine Bedeutung als Gelehrter feierte und namentlich betoilte, daß der konfessionelle Friede in der hiesigen Stadt und in ben Landgemeinden, welche zum Distrikte unseres Rabbiners gehören, nicht zum wenigsten auf dessen weise Führung zurückzuführen sei. — Nach Beendigung des Gottesdienstes mit dem Psalm 121 war allgemeiile Gratulationskur beim Jubilar, wo u. A. die Vorstälide der verschiedenell Lokalkomitees der israelitischen Wohlthätigkeitsvereine vorsprachen, so die Alliance israelite, des Sterbe- und Wohlthätigkeitsvereills, des jüdischen Liiteratnr- und des Syuagogeilbau-Vereins. dalin eine Depntatioli der akadeniischen Jugend, die bei Herrn Dr. G. Unterricht genossen hatten und hierauf die Kultusbeamten u. s. w. Abends vereilligten sich die Mitglieder der Verwaltung und des Ausschusses, solvie mehrere geladelle Herren zu einem Festbanket im Hotel „Drei Mohren". Nach einer herzlichen Begrüßungsallsprache des ersten Vorstandes N.-A. Dr. Bauer, welche in eill Hoch auf ullsereli vielgeliebten Prinzregenten allsklang. wurden in nicht weniger als 23 Toasten die Verdienste des Jubilars auf Kanzel ulld Katheder gefeiert. Dr. Werner brachte bei dieser Gelegenheit dem Jubilar im Namen des Deutschen Nabbinerverbandes, und im Namen der Konferenz der bayerischen Rabbiner die herzlichsten Glückwülische dar. Möge es dein verehrten Manne noch lange beschieden sein, zum Heil unserer Gemeinde und zum Segen der Wissenschaft des Judenthums gedeihlich zu wirken! Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 23. September. Vergangenen Freitag wurde in feierlicher Weise der neue Tempel in der Klnckigasse im XX. Bezirk in Anwesenheit zahlreicher offizieller Fnilktioiläre seiner Bestimmung übergeben. Der Kultusminister war bei der Feier durch Hofrath v. Plazek, der Polizei - Präsident durch Negiernngsrath Frankel, der Bürgermeister durch Gemeinderath Ritter v. Goldschmidt verteten. außerdem hatten der Statthalter ulld das Nlagistratische Bezirksanlt ^Brigittenau Delegirte entsendet. Von Seitell des Bezirksvorstehers war als Antwort ans die Eillladullg eine Zuschrift eiugelangt, in der er es begrüßte, daß der Bezirk um ein neues, stattliches Bauwerk bereichert worden sei; zllm Schlüsse heißt es: „daß die Bezirksvertretling der Brigittellall nicht in der Lage sei, an der religiösen Feier theilznnehmen." Die Weihe nahm Oberrabbiner Dr. Güdemann vor. Der Predigt des Dr. Templer folgte das Kaisergebet. — Bndapester Blätter bringen die Mittheilung einer bevorstehenden Verlobung der geschiedenen Baronin Matteucloit, einer Tochter des verstorbenen Ministerpräsidenten Grafen Ta affe mit dem jüdischen Arzte Dr. Feldmann. Die Baronin, die auf ihr großes Besitzthum zu Gunsten ihrer Kinder verzichtet und für sich blos eine herrschaftliche Besitzung behält. lernte den jungen Arzt, während sie von ihm behandelt wurde, schätzen und lieben. Aber die Nachricht wird von dem Schwager der Dame dementirt. Uebrigens hat ein Sohn Taaffes schon eine Jüdin zur Frau, die allerdings vor der Hochzeit zum Christenthum übertrat. — Der Kaiser hat dem Fabrikbesitzer G 0 t t l i e b T a u s s i g das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens verliehen. — Professor Dr. Sigmund Herzb erg-Fräukel wurde zum Dekan der philosophischen Fakultät an der Universität Czernowitz gewählt. — In Lemberg ist am 17. d. M. der durch seinen Humanitäts- und Wohlthätigkeitssinn wohlbekannte Dr. Salomon Landsberger, Präsident des Vereins „Oiesed schel Eines“ gestorben. B. Budapest, 19. September. Welche Früchte die Minenarbeit der antisemitischen Volkspartei trägt, zeigen die aus der Umgebung