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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-09-28 · Heft 39 (28.9.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 39 (28.9.1900)
Date
1900-09-28
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 helfen. Er wirkte durch die Gründlichkeit und Einfachheit seines Vortrages. durch die Ueberzeuguug, welche aus feinen Worten herausklcmg. Auch in den Dienst der Interessen der jüdischen Gemeinde hat er seine bewährte Kraft gestellt, uub mit voller Hingebung widmete er sich trotz seiner ausgedehnten beruflicher» Thätigkeit den ihm hier obliegenden Aufgaben. Er wurde im Jahre 1890 als Repräsentanten- Stellvertreter, im Jahre 1893 znm Repräsentanten gewählt und gehörte der Versammlung zwei Wahlperioden hindurch als Mitglied an. In den Jahren 1897 und 1898 wurde er durch das Vertrauen seiner Kollegen zmu ersten stellvertretenden Vorsitzenden der Repräsentanten-Versammlung berufen. Auch in seiner Eigenschaft als Repräsentant fand er sehr häufig Gelegenheit, sein strenges Gerechtigkeitsgefühl, seine Geradheit und Lauterkeit zu offenbaren. Er hielt es nicht für richtig, Entscheidungen selbst in Fragen ganz untergeordneter Natur durch Ausnahmemomente bestiunneu zu lassen. Eine Korporation dürfe sich, so sagte er, durch Persönlichkeiten nicht bestimmen lassen, denn Persönlichkeiten wechseln. Für ihn gab es keine Durchpeitschung von Vorlagen, und als einmal ein Vertreter des Gemeiudevorstandes sich über die „ewigeil Vertagungen" beklagte, da wies er diesen Vorwurf mit den Worten zurück, daß die Gründlichkeit der Berathuug doch sicher nicht darunter leiden könne, und daß dieser Modus bei weitem besser wäre, als wenn man Vorlagen aus der Pistole schießen würde. Mit Eifer verfocht er die jüdische Freiheit. Als bei der Debatte über die Statuten der Friedhossverwaltung die Bestimmung zur Berathung stand, es dem Gemeindevorstande nach Anhörung eines der Gemeinderabbiner zu überlassen, in der Ehrenreihe der Rabbiner auch andere hervorragende Männer zu begraben, da bezeichnete er diese Vorschrift für den Gemeindevorstand als ein Attentat auf die jüdische Freiheit, die keinen Unterschied zwischen Geistlichell und Laien kenne. Auch die Einsetzung einer ständigerl Fünserkommission zur Korrektive des Urtheils des Vorstandes in dieser Frage wies er schroff zurück, da hiermit ein Analogon zu einem äghptischell Todtengericht geschaffell würde. Seiil ablehnendes Votilm in der Frage der Einführung eines Sonntagsgottesdienstes war der Grund, daß er bei der Wahl ini Jahre 1898 llicht wieder in die Repräsentanten-Versammlung abgeordnet wurde. — Die Beerdigung des so früh Dahingeschiedenen fand vorgestern Nachmittag unter sehr reger Theilnahme weiter Kreise auf dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Vom Kammergericht erschienen u. A. der älteste Sellatspräsident Lettgau, Seuatspräsident Kindl, ein persönlicher Freund und Studiengenosse des Verblichenen, Präsident Haack, Justizrath Dr. Kehßner und mehrere andere Kammergerichtsräthe, die Rechtsanwälte aus dem Bezirk des Kammergerichts gaben ihren» Kollegen fast vollzählig das Geleit; es nahmen ferner mehrere Deputativllen juristischer Korporationen. Abordllungen des Vorstandes und der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde soivie zahlreiche Vertreter der Berliner Bank- und Handelskreise all der BeisetzlNlg Theil. Die stimmungsvolle Trauerfeier wurde in der räunllich völlig unzureichelldell Leichenhalle lnit Gesang des Syuagogenchors eingeleitet; alsdann nahm Rabbiner Dr. Mahbaum zu einer ergreiferlden Tralierrede das Wort, in welcher er unter Zugrundelegung des Textwortes: „Süß ist der Schlaf des Arbeiters" ein Lebensbild des Verblichenen entwarf. Er rühmte den Verstorbenen als einen Arbeiter im besten Sinne des Wortes, schilderte zunächst seine anwaltliche Thätigkeit, sprach alsdann über die Thätigkeit Tiktins in der Gemeinde lind rühmte zlinl Schluß das Wirken desselben im Hause, welches ben Mittelpunkt seines ganzen Lebens bildete. Alsdann widmete Nanlens der Anwaltskannner des Kammergerichtsbezirks der zeitige Vorsitzende derselben, Geheimer Justizrath Dr. Lesse, dem Verstorbellen einen warmen und zu Herzen gehende»» Nachruf. Er hob besonders die außerordentliche Pflichttreue des Verblichene»». seine unermüdliche Arbeitsaulkeit hervor, und stellte ihn als niustergiltiges Vorbild bezüglich der Verfolgung wissenschaftlicher Grundsätze itnb des Festhaltens an Jdealell hin. Mit Gebet und Chorgescmg fand die würdige Feier ihren Abschluß. Ehre dem Andenken des Mannes! v. Posen, 20. September. Au» verga»»genen Sonnabend feierte hier Herr Rabbiner Dr. Max Landsberg seinen 70. Geburtstag. Bereits am frühen Morgen wurden ihm in seiner Wohnung mit entsprechenden Begleitworten zwei prächtige Blume»,arrangements überreicht von dem Lehrerkollegium und den jüdischen Schülern des hiesigen Bergergymnasiums, »vo Herr Dr. Landsberg eine lange Reihe von Jahren als Religionslehrer wirkte. Zu gleicher Zeit trafen ein Paar kostbare Arinleuchter ein, das Festgescheuk des Humanitätsvereins, dessen Seelsorger der Jubilar ist. Um halb zehn Uhr begann in» festlich geschmückten Tempel dieses Vereins der Festgottesdienst; in dessen Verlaus hielt Herr Rabbi»»er Dr. Feilchenfeld die Festpredigt, in »velcher er auf die schwere u»»d erhebende Aufgabe ei»»es Lehrers in Israel hinwies : ein Auge, zu sehen, ein Ohr, zu hören, nnb ein Herz, das empfindet — das sei das Ziel, »velches zu erreichen titcm gehalten sei bei all Denen, tvelche sich seiner geistlichen Fürsorge anvertraut hätten. In rveihevoller Andacht folgte die zahlreich erschie»,ene Gemeinde den begeisterten und begeister»»den Worten des greisen Redners. Die Ehrungen, »velche der Hurnanitätsvereir» den» Jubilar darbrachte, die große Zahl der Gratulanten, »velche ihm ihre Glückwünsche noch persönlich übermitteln »vollten, legten Zeug»»iß ab von der Gesinnung, tvelche »nan Herrn Dr. Landsberg hier allenthalben entgegenbringt. Ad multos annos! 0 Köttigsdorff-Jastrzemv, 18. September. Die in den» altbewährten Soolbade im Jahre 1890 gegrü»»dete Israelitische K i n d erh e il st ä t te entfaltet »»»»»»mehr seit elf Jahre»» eine überaus segensreiche Wirksa»nkeit. Die beiden festen Säule»», auf die das Werk in hoffnungsfreudiger Zuversicht errichtet »vurde — göttliche Hilfe und »verkthätige Menschenliebe — haben das gemeinnützige Unternehmen in de»» »vechselvollei» Zeiten sicher getragen und es an Kraft und Segensfülle zu»»eh»nen lassen. So ist die Anstalt seit ihrem Bestehen ei»»e Quelle von Wohlthaten für viele Hunderte von kranken, siechen Kindern aus alle»» Theilen Deutschlands gervorden. In der eben abgelaufenen Saison 1900 halten in de»n Institute 105 Kinder Aus»»ahn»e gefunden. Bei den Pfleglingen »var ein d»»rchaus günstiger Heilerfolg zu verzeichne»». Die Kinder, die bleich und erschöpft ankan»en, kehrten gestärkt und neubelebt in das Haus der hochbeglückten Elter»» zurück. Das segensreiche, hu»naue Werk »vird durch »nilde Beiträge erhalten u»»d ist in hohen» Maße der thatkräftigen Förderung edler Menscheufreuilde »vürdig. Sicherlich »vird es nur dieser Anregung bedürfe,», »»»», den Kreis seiner Gö»»»»er und Wohlthäter zu vergrößern. Hält doch an der Schwelle dieser von erbarmungsvoller Menschenliebe geleiteten Arrstalt ein guter Genius Wacht: der Segen aus unschuldiger Kinder M»»nd! Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Rabbiner Dr. Wilhelm M ü r» z i», Gl ei Witz, zu ertheilen gern bereit. M. Hamburg, 23. September. Die Einweihung des »»euerballten Altenha uses fand an» Don»»erstag Abend in feierlicher Weise in der nenerba»»ten Synagoge des J»»stit»»ts statt. In der festlich erleuchteten Synagoge hatte sich eine andächtige Versammlung eingefundeu; außer dem Ge»nei»»depräses Herrn Levin Lion »varen auch die Gemeindevorsteher M. W. Hi»»richsen und Jos. Schönfeld erschienen, ferner die Herren Prediger Dr. Leimdörser und Dr. Seligmann, solvie Delegirte der übrigen Gemeindeinstitutioueu. Nachdem die Pfleglinge des Institutes ihre Plätze eingenommen, begann die Feier mit dem Vortrag des „Nab tauwuh“, hierauf »vurde»» die mit kostbarem Silberschmuck versehenen Gesetzesrolle»» durch die Herren Gerneindevorsteher und Prediger in die heilige Lade gestellt. Nach der Recitation einiger Psalme»» bestieg Herr Oberrabbiner M. Hirsch die Kanzel u»n die Weiherede zu halten. Anknüpfeild an die Worte des Psalr»»isten „Wie lieblich sind Deine Wohnstätten Herr Zebaoth" schilderte der Redner die Bedeutung des Gotteshauses solvie die humanitären Zwecke und Ziele dieses so segensreichen J»»stitutes. Der Redner schloß mit den Worten: „O möge Gott dieses Haus schützen und schirmen u»»d die Alten bewahren vor Ungemach und Sch»»»erzen, »nöge Gott segnen Alle, die zum Auf- und Ausbau dieses Institutes beigetragen, möge es glücklich gedeihe»» und segensreich wirken. Das »valte Gott! Amen!" Vor geöff»»eter Lade »vurde hiera»»f vom Oberrabbi»»er das Gebet für Se. Majestät den Kaiser und den Senat unserer Stadt gesprochen, »voran sich ein Gebet für das Seelenheil der verewigten Stifter des Hauses auschloß. Die Synagoge sowohl wie der ganze Neubau ist nach den Plänen des Negierungsbaumeisters Friedheim ausgeführt »vorden. Nach beendeter Feier fand »rnter Führung der Verwaltungs- »nitglieder eine Besichtigu»»g des Institutes statt. 6. Dessau, 23. Septernber. Unser neugewählter Rabbiner Dr. Walter, hat seine Stelle angetreten. Am 5. d. M. »vurde er von der herzoglichen Regierung als Landesrabbiner vereidigt. Der Regierungspräsident überreichte ihn» die vom Herzog Unterzeichnete Ernennungsurkunde zun» Landesrabbiner, »vobei er hervorhob, daß der Landesfürst auf Grund der vorliege»»den Zeugnisse nicht gezögert

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