Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1900)
- Date
- 1900-09-28
- Page
- Seite 461 (sequence 7)
- Language
- German
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461 in dieser besonders n haben. M keinen Parteien, e Minder-; ja noch und den ib indem ehr gegen Faktoren Schaden Empfinwegs abese unsere u immer h zu erin täglich tz greifen, klerikalen, uns ein elligenten tlose und mit der M diese in erne um beim n Eltern af, einen zu haben. Das sind LlUfl. nmer be- ^udenheit ir Selbstt bettelnd eder aus Die über , gebietet inen der ürfen nie z ist doch Momente utschland ffcheidene n bleiben und erbekannte »laubens" folgt hat. ce Verein enst, den r. Allein, rein doch , und es wesentlich )en hochherzigen Führer haben kein greifbares Mandat, im Dtameu der gesammten deutschen Judenheit zu sprechen. Hier kann unr Eines helfen: ein Allgemeiner delltsch er Judentag, und zwar nicht als einmaliges Ereignis;, sondern als bleibende Institution. Freilich, er kann nur helfen unter der Voraussetzung, das; er thatsächlich seinem Namen entspricht, daß er aus ganz Deutschland besucht wird und zwar von den berufenstell Vertretern des deutschen Judenthunis. Unsere süddeutschen Glaubensbrüder müßten sich hier bereitwillig zu den norddeutschen gesellen. Ein verfehltes Experiment, eine nur theilweise oder ungeeignete Betheiligung würde ma- Schaden bringen, die innere Verwirrung, die Geringschätzung seitens der Außenwelt steigern. Er müßte also sorgfältig vorbereitet werden und allseitige Bethütigung erwecken. Dann aber würde er den wesentlichsten Nutzen schaffen. Was hätte der deutsche Judentag 51t thun? Es wäre eine Anmaßung. wenn wir in diesem vorbereitenden Aufsatze den Beschlüssen einer solchen Versammlung vorgreifen wollten. Wir möchten nur ganz unmaßgeblich andeuten, wie wir uns ihre Aufgaben denken. Erstens müßte der deutsche Judentag eine feierliche Erklärung unserer verfassungsmäßigen Rechte erlassen, die diesen dauernd zugefügten Kränkungen in gemäßigter aber scharf bezeichnender Weise eindringlich darstellen und, mit Hinweis, auf die stets bethätigte, staatsbürgerliche und patriotische Gesinnung unserer Glaubensgenvssenschaft, einen lebhaften und kräftigen Aufruf an die gesetzliche und verfassungsmäßige Pslicht der deutschell Regiernngen und Bevölkerungen erlassen. Immer lviederholt, in der Presse, tu Versauunlungen, in Petitionen zum Ausdruck gebracht, katm lind wird ein solcher Appell an das eigenste Wesen des Staates seine Wirkung nicht verfehlen. Zweitens aber müßte der deutsche Jndelltag eine dauerrtde Organisation zu politischen Zwecken vornehmen. Es kantt sich hier selbstverständlich nicht darum handeln, eine Einwirkung auf die Lehre, die Wissenschaft oder gar das Kultusleben der deutschen Judenheit zu üben. Dafür sind ganz andere Einrichtungen uiib Behörden vorhanden. Nein, diese Orgatiisation ist lediglich bestinnnt zur Vertheidigung der staatsrechtlichen Stellung der Inden, sowie zur Eirnvirkung auf die öffentliche Meinung und die leitenden Kreise der Staaten und des Reiches. Unter anderm: zur Verhandlung mit den Regiernngen und den Politischen Parteien, zur Erzielung der Wahl solcher Abgeordneten jüdischen Glaubens, die thatsächlich das Interesse und die nöthigen Kenntnisse besitzen, um der Sache der Gleichberechtigung llnd der Freiheit zu unseren Gtmsten wirkliche Dienste leisten zu köntten. Es tväre zu erwägen, ob nicht scholl der erste deutsche Iudentag eine ernste Petition um Wiederherstellung des in llns gekränktetl Rechtes all den Herrn Reichskanzler und an den Herrn Vizepräsidenten des preußischen Ministeriums richten lind den geuanllten hohen Beamten durch eilte angemesseit ansgewählte Deputation übergeben lassen sollte. Wir sind überzeugt, daß diese Herren den ganzen Umfang des uns zugefügten Unrechtes nicht eiltmal kennen. In der heutigen Welt uild zumal in dem noch unter dem Einflüsse Bismarckscher Ueberliefernng stehenden Deutschland muß man sich selbst zu wehren verstehell, muß man laut und kräftig reden, wenn turnt gehört und erhört werden will. Das hat die Erfahrung bei vielen in der Erinnerung Aller lebenden i |! j I Anlässen gezeigt. Wer sich furchtsam duckt, wird nnnachsichtlich zu Boden getreten. Wir haben uns nicht zu entschuldigen, lvir haben nicht die Güte und Nachsicht der Mächtigen zu erbitten, wir müssen als furchtlose, überzeugte, thatkrästige Männer ltnser gutes Recht als Deutsche fordern. Es gilt, das öffentliche Gewissen aufztrrühren ob der schmählichen Behandltlttg, die ttns zu Theil wird; es gilt, uns selbst Würde llnd Zllversicht zurückzugeben. Einigkeit, Beharrlichkeit, utterschütterliches Rechtsgefühl ntacheu attch die Schwachen stark. Und also zttr Thal, ihr detltschen Juden, mit Hilfe Gottes und eures gllten Rechtes! Aus Württemberg. Herr Redakteur! Sie haben mich ueuliugs ersucht, für Ihre werthe Zeitutlg öfter etwas zu L) schreiben. Offen gestandell lvundert es mich scholl lattge, daß Sie aus Süddeutschland, speziell aus Württemberg so wertig in Ihrem Blatte berichten, und es sllchen Ihre Leser fast vergebens, aus Süddeittschland Interessantes oder Neues zu erfahren. Es köntlte fast den Allschein erlveckeu, als ob mart hier fast nichts votll Judellthllme inerten würde. Dem ist aber durchaus llicht so. Vielmehr scheillt es lnir ein Beweis dafür zu sein, daß lvir fast durchweg gut geordltete Zuställde innerhalb unserer Gemeiilden haben. Eilt lvesentlicher Grund dieser geordltetell Zustände dürfte wohl der seilt, daß die Leitung unseres Gemeindewesens in der Halld tüchtiger, erfahrener Beamten liegt, die mit ben Bedürfnissen und Verhältnissen unseres lvürttetnbergischen Keuteindelebeus durchaus vertraut sind und denen das Wohl 1111b Wehe ihrer Gemeinden so sehr wie ihr eigenes am Herzen liegt. Es ftub dies die Rabbiner llnd Lehrer ullseres Landes. Wenn auch lltailches gegen diese Einrichtung einzutoenden wäre, Thatsache ist, daß eilt einheitliches festes Prinzip durchweg zur Geltung kontlllt. Detlll diese Bealnten lvissen und kettnen die Eiltrichtllltgen der Gemeinden wie die Anordnllltgen der Behörde attfs Geltaueste, wenn auch jüngere Angestellte sich erst dltrch lültgere Praxis in dieselben eillführen müsselt. Zweifellos ist, daß die Gemeüldelt bei dieser Eiltrichtltng sehr gttt fahren, wenn auch vereiltzelte Ausnahmen ztl verzeichtten sind. Mit der geplanten Gerneinde-Reorganisation, die von iltm ausgeht, ist gegenwärtig die Behörde erttstlich beschäftigt. Ob jene altbelvährte Organisation zu Falle komlllt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls lväre es llicht zttm Nlttzen unserer Gemeiltden. Dettn bis jetzt war das Autt des Vorstandes und gleichzeitigen Sekretärs ein ltnbezahltes. Je nach der Größe der Gemeindell nimmt es fast eine ganze Manneskraft in Allspruch, Ulld die Getneillden würden, wenn sie eilten bezahlten Sekretär respektive Protokollführer anstellen müßten, schölte Äugelt ntachen. Dettn bei beit heutigen Verhältnissen könnte dieses Amt von einem Laiett und wäre es auch der tüchtigste Kaufmanll — llnnlöglich als Nebenamt geführt werdert. Man müßte es dann doch wieder dent Rabbiner oder Lehrer übertragen — aber gegen Bezahlung. Alleill die Herrn Tonangeber hätten dann ihren Willen dltrchgesetzt, daß sie, respektive einer von ihlten den Vorsitz führen bürfteu, und die Gemeinde hätte dafür große pekuniäre Opfer zu bringen — nur des Ehr-