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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-09-21 · Heft 38 (21.9.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 38 (21.9.1900)
Date
1900-09-21
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 zu erwarten. Lassen so einerseits die vorliegenden Verhältnisse die Einrichtung jüdischer Neligionsstnnden an der königlichen Elisabeihschnle nicht als besonders nothwendig erscheinen, so ist andererseits gerade diese Anstalt in ihren Räumen so beschränkt, daß sie keine Klassenzimmer zur Verfügung stellen kann, wenn der jüdische Religionsunterricht in dieselbe Zeit wie der christliche, d. h. auf die Eckstunden am Vormittage fallen soll. Wir sind darum zur Zeit nicht in der Lage, die Einrichtung besonderer Neligionssiunden an der königlichen Elisabethschule in Aussicht zu nehmen." Der Referent erinnert, dasi für die Augnstaschnle zur Zeit nur der eventuelle Antrag gestellt sei, da über die Zahl der Schülerinnen in dieser Anstalt keine Notizen all die Oeffentlichkeit gelangen. Jll dem jetzigen Schreiben sei jedoch nur die Zahl der Schülerinnen in der Ober- und Mittelstufe angegeben, nicht aber die der drei unteren Klassen. Darin liege ein kardinaler Fehler, der bereits von der Versammlung mehrfach erörtert und gewürdigt lvorden sei. Es entziehe sich der Kenntniß. wie die Vorgesetzte Behörde darüber denke, die Theilnahme am jüdischeil Religionsunterricht nur aus das schulpflichtige Alter zu beschränken. Gesetzlich sei diese Bestimmung seiner Meinung ilach nicht, auch zur Theilnahme am christlichen Religionsuliterricht bestehe keine gesetzliche Grenze. Für die Elisabethschule bleibe nach dem Bescheide noch ein Anzahl voll 32 Schülerinnen ill der Mittel- und Oberstufe. Auch hier feien die Schülerinnen der Unterstufe nicht erwähnt. Es sei nicht mitgetheilt. ob dieselben bereits anderlveitig oder gar feinen Unterricht haben oder aul christlichen Religionsunterricht theilllehmen. Au den städtischen höheren Töchterschulen hätte früher der Unterricht erst ill der 6. Klasse begomlell. Im letzten Jahre sei dieser auch bereits in den unterell Klassen eingeführt gewesen, und als Folge davon sei der Prozentsatz derjenigen Killder, die feinen Unterricht hätten, sehr erheblich zurückgegallgen. Möglicherweise sei auch das Provinzialschulkolleginm llnr veranlaßt worden, bei seiner Prüfung nur auf die Ober- und Mittelstufe zu rekurriren, und es scheine dort die Anfsassling vorzllherrschen, daß der jüdische Religiollsullterricht llnr für die Mittel- und Oberstufe eingeführt werden solle. Das sei ein Mißverständniß, und es sei Pflicht des Gemeindevorstalldes. itm die Einführung des Religionsunterrichtes bereits voll der 9. oder 8. Klasse an zu bitten. Die Verminderung der Frequenz der Schüleriilnen. die zu Michaelis eintreten werde, sei keiil Grund, den Unterricht nicht einzuführen, da hierfür immer die Gesanlnitzahl der Schüterillnell in Betracht kommen nlüsse. Mall müsse endlich dahin koulmen, dem Provinzialschulkolleginm die dringende Bitte vorzutragen, die Verfügung dahin abzuändern, den Religionsunterricht während der galizen Schulzeit ertheilen zu lassen. Wenn 11 Kinder am christlichen Religionsunterricht theilnehmen. so spreche dieser Unlstand ebenfalls für die Einführung des jüdischen Unterrichtes. Er nehnle davon Abstand, einen forncellell Antrag zu stellerl, um dem Vorstallde llicht eine gebundene Marschrollte vorzuschreiben. Doch empfehle er die mit mehreren Mitgliedern der VersalllUltlillg verfaßte Resolutioll zur Alillahme, die Gründe des Bescheides zu widerlegen Ulld einen erneuten Alltrag beim Provinzialschulkonlmissioll um Einsührullg des jüdischell Religionsunterrichtes an den beiden königlichen Mädchenschulen zu stellen. Dr. Veit Simon kann sich des Gefühls llicht erwehren, daß auf die Eltern der 11 Killder. lvelche an: christlichen Religionsnllterricht theilnehmen, ein gelinder Zwang ausgeübt sein nlüsse, und bittet, in dieser Frage recht eilergisch vorzugeheu, da ein solches Verhältniß demoralisirend auf Schule nnb Halls wirken müsse. Diesell Ausführullgen schließen sich in der weiteren Diskussioll Shndikus Dr Milldell lind Professor Bagillsky all. Jur Schlußwort bittet der Refereilt, die gegebenell Gesichtspunkte zu prüfen und von Dem Erfolge des Vorgehens des Gemeindevorstalldes der Versammlung Kenntlliß zu geben. Die bealltragte Resolution wird eillstimulig angenommen. Danlit ist dieser Gegenstalld erledigt und die Tagesordnung erschöpft. Wie Herr Professor Blaschke llach Schlllß der Sitzung deill Verfasser dieses Berichts gütigst mittheilte, besuchell llach einer neuerlichen Auskunft des Provinzialschulkollegiulns die int Bescheide erwähnten 11 Kinder die Unterstufe der Schule und werden im Sommer im Alten Testament unterwiesen. 2XD Berlin, 17. September. Nach längerer Vorbereitung ist hier ein K o m i t e e z u r U u t e r st ü tz u n g der r u m ä ll i s ch e il I u d e n ill das Leben getreten, das für diesell Zweck eilergisch die Sammlungen ill Angriff nehnlen lvird. Au der Spitze des aus deil hervorragelldsten Mitgliedern unserer Gemeiilde zllsammengesetzten Komitees steht General-Koilsul Engen Landau. Auch in den Provinzen werden solche Organisationen ill das Leben gerufen werden, wo sie noch nicht bestehell, um gemeinsam mit dem Berliner, dem Frankfurter und Pariser Komitee das Hilfswerk für die rumänischen Judeil thatkräftig sortzuführen. Wir wünschen diesem Unternehmen beit besten Erfolg. £2 Berlin, 17. September. Die Lehranstalt f ü r d i e W i s se n - schaft des Judellthums sendet uns das Verzeichniß der im Wintersemester 1900—1901 zu halrellden Vorlesungen. Dr. Balleth wird lesen: 1. Talmud Babli stat.: Chullin Kap. VII (Fortsetz.). 4 Stulldell, Montags und Donilerstags 8—10 Uhr; 2. Talmlld Babli kursorisch; Baba Mesi'a, Kap. VI, 4 Stundeil, Solllltags ulld Mittlvochs 8—10 Uhr; 3. Jore De'a (Tnr nnb Schnlchan 'Aruch LVI—LX, 2 Stunden, Molltags und Dollnerstags 10—11 Uhr; 4. Eben ha'ezer Hil. Gittin (Fortsetz.), 1 Stunde, Donnerstag 11—12 Uhr; 5. Mischne Tora. 3. Bllch (Fortsetzung), 2 Stunden, Dieilstags und Freitags 12—1 Uhr; 6. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde. Montags 11—12 Uhr. Dr. Maybaum lvird lefen: 1. Homiletik, 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr; 2. Homiletische Uebullgell, 2 Stullden, Freitags 8—10 Uhr. Dr. Schreiner lvird lesen: 1. Alte Pelltateuchkonmlentare. 2 Stundell, Solllltags 10—12 Uhr; 2. Erklärung des Buches Hiob, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr; 3. Chasdai Kreskas, Or Adonai, 2 Stullden, Mittwochs 11—1 Uhr; 4. Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie. 1 Stunde, Dienstags 9—10 Uhr; 5. Geschichte der Inden, 2 Stunden, Solllltags 12—1 ulld Mittwochs 10—11 Uhr; 6. Historische Hebungen, 1 Stunde, Freitags 11—12 Uhr. Die Eröffnung des Wintersemesters fiildet am 11. Oktober um 11 Uhr Vormittags statt. £2 Berlin, 16. Septenlber. Ullter allgelneiller, lebhafter Theilllahme ihrer zahlreichell Freunde ulld Verehrer feierte heute die durch ihren Wohlthätigkeitssinn und ihr humanitäres Wirken ill den weitestell Kreisell bekaullte Frau Johanila Levh geb. Salomon ihren siebzigsten Gebllrtstag. Der Jubilarin wnrdell voll ihren zahlreichen Freunden sowie von den gemeinnützigen Allstalten, denen sie ihre Thätigkeit widmet, zu dem feftlicfjen Tage die herzlichsten Wünsche dargebracht, in die Alle freudig mit einstimmen. die das edle Herz uild den seltenen Wohlthätigkeitssillil dieser allsgezeichneten Frau je fenneit gelernt haben. Auch anläßlich ihres Ehreiltages hat Frau Levh wieder viele städtische und jüdische Stiftungell mit ansehnlichen Gaben bedacht. Möge es der allgenlein geschätztell Jubilarin nocb sehr lange vergönnt sein, denl Wunsche ihres Herzens folgend, Gutes zu thun, Noth zu 1tnbern und Thränen zu trocknen! 3. Berlin, 19. September. In der am 9. d. M. abgehaltenen Vorstalldssitzullg der G es e ll sch a f t zur Verbreitung der Hand - werke uild des Ackerbaues uilter den Judeil im preußischen Staate, wurde bezüglich des am Sonntag Nachmittag voll 3—5 Uhr stattfiildendell Religionsunterrichts verhalldelt, da wegen Tag und Zeit in der letzten Generalversammlung einige Anregungen gegebell lvurdell. Die Beschlußfassnllg ist bis Eingallg weiterer Vorerhebullgen ausgesetzt worden. Dem Ersuchen der kölliglichen Staatsbibliothek, um Zllsendung von Jahresberichten aus früheren Jahren wird, so weit thunlich, entsprochen werden. Zum Gottesdienst an ben hohen Festtagen werden auch diesmal beit Zöglingen Freikartell zur Verfügulig stehen. Zlvei Lehrlinge, Bäcker und Lithograph wurden ausgenommen; dagegen mußten die Gesuche zlveier Lehrlinge aus persönlichen Gründen abgelehnt werden. An zwei Tuchweberll wurden Stipendien zur fachwissellschaftlichen Ausbildung verlieheil. Alle Gesuche und AilmeldlUlgen sind au den Vor sitzelldell, Herrll Leopold Lesser, Oranienburgerstraße 73 zu richten. Die Lehrlinge haben den Lehrvertrag ulld Schlllzellgnisse mit einzll reicheil. Allfilahnle-Bedillgungell sind: Besuch der Fortbildungsuild Religionsschnle und wo es nlöglich, Eillschreibnllg in die Jnnullgsrolle. £2 Berlin, 19. Septenlber. Das in diesem Frühjahr neu er öffnete jüdische Genesungsheim z ll Lehnitz bei Oranienburg ist im Verlaufe des Sonlmers voll monatlich über 50 Pfleglillgeil be setzt gewesell. Die Jllsassen wareil hauptsächlich Rekonvaleszellten uild bleichsüchtige, überarbeitete weibliche Persollen, die mit besten Erfolgen die Anstalt verlassen und ihre Thätigkeit wieder aufuehmen konnten. Der Vorstand beabsichtigt, die mit allen Vorkehrungen für die rauhere Jahreszeit versehelle Anstalt lloch zullächst während der folgeilden Monate für erholungsbedürftige Personen offen zll halten, welche sich an das Büreau, Gr. Präsidentenstr. 3, schriftlich wenden können. R. Graudenz, im September. Anr 2. d. M. traten in Graudenz (im goldenen Löwen) die Mitglieder des westpreußischeu

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