Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-09-21 · Heft 38 (21.9.1900) · p. Seite 456

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 38 (21.9.1900)
Date
1900-09-21
Page
Seite 456 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228404--56842-3293177
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

456 Kprerhsaal. Äls Anwalt des Fabrikschlossers Samuel Klei::. früher in Budapest, jetzt in Miscotz, berichtige ich die Mittheilung in Nununer 36 der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, Seite 2, in folgender Weise: Es ist nicht wahr, daß Pauline Polatsik (Qlajecik) ihre Aussage, daß Samuel Klein sie mitten in der Nacht aus die Straße gejagt habe, nur wesentlich abgeschwächt habe. Vielmehr hat dieselbe als beeidigte Zeugin vor dem Budapester k. Strasbezirksgerichte am 11. Mai 1900 Folgendes angegeben: „Nachdem ich bemerkt hatte, daß die Kinder nicht leben, versteckte ich dieselben in der Küche unter einen: Tische. Ich stand um 6 Uhr früh auf, um welche Zeit die Frau Samuel Klein gewahrte. daß nur etwas fehle und auf ihre Fragen entdeckte, was mit mir während der Nacht geschehen ist . . . Die Frau Samuel Klein und auch ihr Gemahl gaben mir nun, ohne auf mich zu zürnen, den Rath, ich solle 311 meiner Quartiersrau gehen und solle mich dort aufhalten, bis ich mich wohler fühlen werde; dann kann ich wieder zurückkommeu. Darin, daß Samuel Kleii: und seine Frau mich anläßlich der erwähnte!: Gelegenheit auf mein Quartier geschickt hatten, erblickte ich keine:: Böswilleu und keine Ausweisung ihrerseits; ich glaube, daß die Genannten blos das Aufsehen vermeiden wollten." Auf die von mir erhobene Privatklage hat nun allerdings das Amtsgericht München I über den Sachverhalt bei der Polizeibehörde ii: Budapest Erkundigung eingezogen, während es nach 8 200 der Strafprozeßorduuug für das Deutsche Reich lediglich berechtigt gewesen wäre, einzelne Beweiserhebungen anzuordnen, und diese durch die gerichtliche Vernehmung der Zeugen auszuführen; eine Anfrage bei der Polizeibehörde war aber außerhalb des gesetzlichen Rahmens gelegen; allerdings ist darauf von den: Leiter der Staatsanwaltschaft in Budapest wörtlich uiitgetheilt worden: „Der Polizeirapport lautet: Die Olajeeik giebt an. daß sie des Nachts bei ihren: Dienstherrn Saniuel Klein die todten Zwillinge vorzeitig zur Welt brachte und von ihren: Dienstherr:: aus den: Hause gewiesen wurde." Bezüglich dieses Rapports hat nun die Strafkannner des Landgerichts München I auf nieiue Beschwerde hin unter Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die Verklagte!: sich dahin ausgesprochen, das; aus diesen: Polizeirapporte nicht ersichtlich sei. ob derselbe auf verlässige Mittheilungen hin gemacht worden sei; es steht dernnach gar nicht seit, daß die Polatsik überhaupt je angegeben hat, was in den: Polizeirapporte, dessen Entstehung nicht aufgeklärt ist, behauptet ist, und daß sie eine frühere Aussage abgeschwächt hat, sondern sie hat vielmehr als Zeugi»: die Unwahrheit der von der: Angeklagten aufgestellten Behauptung bestätigt. Feust, Rechtsanwalt. $ Hochgeehrter Herr Redakteur! qkn der Nummer von: 17. d. M. der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" befindet sich die Mittheilung eines Herrn Felix Sander in Sachen der seiner Zeit hier geplanten großen Protestversaunnlung gegen die Blntlüge, welche in folgenden! Satze gipfelt: „Keineswegs aber hat der Breslauer oder gar der Berliner Gemeindevorstaud in irgend einer Weise gegen das Zustandekounnen der Versanunlung agitirt." Dieser Satz bedarf der Berichtigung. Die Behauptung, daß der Berliner Geineindevorstand gegen d:e Bersannnlung agitirt, beruht allerdings auf einen Jrrthun:; wohl aber hat der Breslauer G e n: e i n d e v 0 r st a i: d dies g e t h a n. Der letztverflossene Vorstand des hiesige:: Jüdischen Rede- und Diskntirklubs „Graetz", dessen Vorsitzender zu sein ich die Ehre hatte, und mit welchen: der gegenwärtige Vorstand in keinem einzigen seiner Mitglieder identisch ist, legte über die Angelegenheit eil: eigenes Aktenstück mit vielen urkundlichen Belägen an. Dasselbe befindet sich in meinen Händen. Zn bei: Belägen gehört der Brief eii:es hiesigen Professors, welcher in der Versanunlung sprechen wollte, und ii: den: Briefe steht mit dürren Worten geschrieben, daß von: hiesiger: Gerneindevorstande gegen die Versanunlung agitirt lvorden ist. Ein zweiter hiesiger Professor sprach sich den: Unterzeichneten gegenüber in demselben Sinne aus. Es wäre richtiger und der jüdischen Sache würdiger gewesen, wenn der gegenwärtige Vorstand des qn. Vereins, welcher für die Sache nichts that, geschwiegen hätte, wie bisher der letztverflosfene Vorstand, welcher für die Sache alles that. Breslau, 26. August. Mit ausgezeichnetster Hochachtung Heinrich Schwarz, Rechtsanwalt. Sehr geehrter Herr Doktor! /^.estatten Sie mir, Ihnen von einer selten schönen Beziehung ^5 zwischen Christ und Jude Kenntniß zu geben, die ich während :uei::er diesjährigen Sommerkur kennen lernte, und die so eigenartig in ihrer Art und so idyllisch in unserer antisemitischen Zeit sich ausninunt. daß sie werth ist. Ihnen ui:d Ihren: zahlreichen Anhang bekannt zu werden. Ich lvohlcke bei eil:em älterer: Fräulein, das die Zinsen eines größeren ererbten Vermögens dazu verwendet hatte, sich ein Pensionat einzurichten; das Vermögen selbst hatte sie festgelegt, uu: sich jeder Verfügung darüber bei Lebzeiten zu begeben. Mit diesem letzterer: hatte es nämlich folgende Bewandtuiß: Fräulein H. — eine Christin — war Gesellschafterin bei einer jüdischen reichen Wittwe gewesen :u:d hatte die letztere derart sorgfältig gehegt und gepflegt, daß das beiderseitige Verhältniß sich mit der Zeit zu einen: innigen Freundschaftsb::ude gestaltete. Die Jüdin starb und hinterlieb der Christin aus Dairkbarkeit das gesaunnte Vermögen mit der Testamentsklansel, daß — falls letztere früher stürbe oder die Erbschaft nicht antreten wolle — dasselbe der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. Zufällen solle. — Fräulein H. trat das Erbe an :u:d verwendete es in der oben augedenteten Weise. Warum hatte sie sich aber der Verfügung über das Kapital begeben, trotzdem sie es für sich und ihre unbemittelten Geschwister sehr wohl hätte brauche!: können? Sie hatte nämlich, u:n das Andenken ihrer verstorbenen Freundin zu ehren :u:d um in derer: Sinne zu handeln, ebenfalls ein Testaurent gemacht und zur Erbi>: des ererbten Vermögens die-jüdische Gemeinde ii: Frankfurt a. M. eingesetzt. Nur über die Zinsei: traute sich Fräulein H. die Verfügung zu! Dieses idyllische und edle Verhältniß zlvischen de:: beiden Freundiunel: hat mir eine wahre und reine Herzensfreude bereitet; vielleicht ist es mir gelungen, bei Ihnen dieselbe Empfindung zu erregen. Berlin, 1. September. Hochachtungsvoll Ihr sehr ergebener Wilhelm G 0 l d st e i u. Geehrter Herr Redakteur! <^u der in Ihren: Artikel „Vor: der Reise" (Nunuuer 34, Seite 408) Cff erwähnten Legende betreffs des am Rathhause zu Kissingen eiin gernauerten bärtigen Männerkopfes (Peter Heil, beziehungsweise Jud Schweb), der „förnckich zum Wahrzeichen der Stadt geworden", sei hier ans eine gleiche Hildeshei:ner Sage hingewiesen. Nach Wachsmuth („Die Zustände in Hildeshein: gegei: Ende seiner Selbständigkeit", in der Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte, 1857, Heft 1, Seite 6) wurde auch ein bärtiger Judenkopf an: Zifferblatt der Thurmuhr des Nathhauses zu Hildesheiur zu den Wahrzeichen der Stadt gerechnet. In seiner „Geschichte von Hochstift und Stadt Hildeshein:", 1863 Seite 244 verzeichnet derselbe Historiker die „an bei: Mittelalterlichei: bösen Ruf der Juden erinnernde" Sage, daß einst ein Jude die Stadt habe verratheu wollen, jedoch ans dem Rathhause eingekerkert und zum Hungertode verurtheilt lvorden sei. Diese Legende hat auch Karl Seifart in die Sammlung der Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim, II. Auslage, Hildesheim, 1889, Seite 114 (s::I). Nummer 108, „Judeukopf") ausgenommen. Hildesheim, 24. August. Dr. Lewinsky. Sehr geehrter Herr Dr.! fu der Bemerkung des Herrn Dr. Tietz in Nununer 36 kann man ergänzend hiuzufügen, daß Luzzatto auch für die „Zeitung des Jndenthums" geschrieben hat. So Jahrgang I., 1837, Nr. 18, Korrespondenz aus Padua; II., 1838, pag. 293, Notizen über das Collcgio Rabbinico, pag. 345 und 386 lieber die Familie Triefte; III., 1839, pag. 65, Nekrologie von Jacob Vita Pardo; X.. 1851, pag. 56, Preisausschreiben. Außerdem einige Zeilen im VI.. 1842, pag. 621 und ein Stück der Teolog. dogmatica XVIII., 1854. pag. 418 und 430. Mit bester Empfehlung hochachtungsvoll Dr. Elb og en. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.