Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 37 (14.7.1900)
- Date
- 1900-07-14
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 der Hingeschiedene seine Ausbildung erhalten, vertrat der Direktor Professor Dr. Bellermann. Einen Kranz mit blauer Schleife widmete die Loge Nopal Dort, deren Tochterloge Friedrich Wilhelm 311 v gekrönten Gerechtigkeit der Verstorbene angehört hatte. Dem vieljährigen Theaterarzte galten die Kränze, die Direktion und Mitglieder des „Berliner Theaters" übersandt hatten, dein verdienten Anssichtsrathsmitgliede der Kranz der Gesellschaft „Urania". Auch der Kindersparverein brachte einen Kranz. Weitere Kränze widmeten der bitrcf) Dr. Blinden vertretene Deutsch-Israelitische Gemeindebund, der Vorstand der jüdischen Gemeinde, die den Verstorbenen während eines Zeitraumes von fast 20 Jahren zum Oiepicifeutanteu berufen hatte, die Gesellschaft der Freunde, die den Stadtverordneten Heilmann entsandt hatte, die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen, deren Arzt Marcuse seit 35 Jahren gewesen. der vollzählig erschienene Verein „Freunde der Taubstummen", die israelitische Taubstummenanstalt in Weißensee und das Reichenheim'sche Waisenhaus, welche beide Abordnungen der Zöglinge an der Feier theilnehmen ließen n. A. Nach einleiteubem Gesänge des Chors nahm Nabbiiler Dr. Maybanm das Wort zur Gedächtnißrede, tu der er ui großen Zügen mit gewohnter Meisterschaft ein Lebensbild des Verstorbenen entlvarf und dessen unermüdliche Thätigkeit als „Mann der Treue und des Segens" zum Wohle der leidenden Menschheit mit beredteli Worten schilderte. Im Namen der medizinischen Kreise Berlins sprach, einem letztwillig geäußerten Wllnsch des Geheimraths Marense entsprechend, Geheimer Sanitätsrath Dr. Becher, welcher die Verdienste des Verstorbenen, der Ehrenmitglied des Vereins für innere Medizin war. um die niedizinischen Wissenschaften hervorhob. Der llächste Redner war Syndikus Dr. Minden, der im Namen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes sprach. Schließlich ries noch Professor Dr. Betlermann dem Frelllide herzliche Erinnerungsworte in die Grujt nach. Damit falid die lvürdige Feier ihren Abschluß. L2 Berlin, 10. September. In delll Heim für israelitische Lehre rill neu in Steglitz sind noch zlvei Stetten frei. Damen, die das 55. Lebensjahr überschritten haben oder sonst dauernd unfähig sind, ihren Berns auszuüben, können sich melden bei Herrn Sanitätsrath Dr. Wiesenthal, Lindenstr. 3. 20 Berlin. 11. September. Die „ W i ss e n s ch a f t l i eh e Vereinigung j ü di sch er S chu lm ä n 11 er zu Berli n " hielt ihre erste Sitzung nach den Ferien unter Leitung des Herrn Auerbach ab. Nachdem derselbe zu recht reger Betheilignng an den Arbeiten des Vereins ansgefordert, machte er einige geschäftliche Mittheilungen. Der Verein jüdischer Neligionstehrer Ostpreußens hatte in betreff der Verbands-Pensiollskasse Angriffe gegen dell Verein wie gegen einige Mitglieder des Kuratoriums gerichtet. Die Antwort auf diese Allgriffe brachte Herr Dr. Fiegel zur Verlesung, lieber die auf die Antwort erfolgte Erklärung beschloß der Verein zur Tagesordnung überzugehen. — Alsdann wurde das vom Vorsitzenden vorgeschlagene Winterprogramm ausführlicher besprochen. Zum Schlüsse verlas Herr Hirschfeld seine Leitsätze betreffend den Anfangsunterricht im Hebräischen und fugte einige Erktäiniigen hilizu. Da diese Leitsätze eine eingehende Berathung erfordern, wurde die Diskussion über dieselben aus die uäehste Sitzung verschoben. 20 Berlin, 11. September. Im April d. I. beging die frühere Köchin Friederike Wolf die Feier ihres hundertsten Geburtstages. Unsere Leser erinnern sich des hübschen Artikels, den Lina Morgenstern über ihren Besuch bei der Jubilarin damals in unserem Blatte veröffentlichte. Die Greisin, die durch ihre ungewöhnliche geistige und körperliche Nüstigkeit allgemein auffiel lind ihre Wirthschast noch ganz allein führte, erhielt aus Anlaß ihres Jubeltages llicht nlir zahlreiche Glückwünsche, sondern auch reiche Gescheilke an Geld und Lebensmitteln, die es ihr wohl ermöglicht hättell, ihre letzten Tage sorglos zu verbringen. Sie hatte jedoch beschlossen, in einer Alterversorgungs-Anstalt ihren Lebensabend zu beschließen lind war dieserhalb bei der jüdischen Gemeillde Vorstellig geworden. Es war selbstverständlich, daß mau der Jnbclgreisin diese Bitte nicht abschlng, und ihre Ausnahme in die Anstalt wurde verfügt. Es waren jedoch noch vorher einige Formalitäten zu erfüllen. In den Instituten finden nur Personen Unterkunft, die ehrenrührige Strafen nicht erlitten haben und, wie üblich, holte der Vorstand Auskunft bei dem Polizeipräsidium über die Hundertjährige ein. Der von der Behörde gegebene Bescheid brachte das überraschende Resultat, daß die „Centenar-Jubilarin" gar kein Recht gehabt, ihren hundertsten Geburtstag zu feiern, lveil sie erst im — 71. Lebensjahre stehe! Die unwahren Angaben hatten, so berichtet eine Lokalkorrespondenz, die natürliche Folge, daß die alte Köchin in der betreffenden Anstalt nicht ausgenommen wurde. 0. Königsberg i. Pr., 4. Septbr. Die Beerdigung Dr.Ferd. Falksons, dessen am 31. v. M. erfolgten Tod ich Ihnen bereits gemeldet, hat am 3. d. M. unter großer Betheiligung der Leidtragenden vom Trauerhanse aus stattgefnnden. In deruselben schlichten Raume, in dem vor genau vierzehn Tagen der 80. Geburtstag gefeiert wurde, fanden sich dieselben Deputationen und Freunde ein, um ihm die letzten Ehren zu eriveisen! Da waren die Vertreter der Stadt, an ihrer Spitze die Oberbürgermeister Hoffmauu, Bürgermeister Brinkmann, die stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Vogel II und Wiehler nebst dem Bureau der Versammlung, viele Stadträthe und Stadtverordnete, ferner Abordnungen der Vereine, denen der Verstorbene uahegestanden, eine Deputation der Burschenschaft „Chernscia" und viele andere. Den Gefühlen, unter denen die Trauerversammlung stand, gab Rabbiner Dr. Vogel stein beredten Ausdruck. Der Neduer gedachte des Festes am 20. August, au dem der Verstorbene sein Ende mit prophetischem Blick vorausfühlte und davon mit der Ruhe eines Weltweisen sprach, er gedachte seiner letzten Tage und seines Einganges zum ewigen Frieden — so schon, daß sich wohl ein Jeder ein gleiches Ende wünschen mochte — und er gedachte der Treue, mit der Dr. Falksou bis zum Tode den Idealen und Zielen augehaugeu hat, die dereinst das jugendliche Herz so hoch erblühen machten. An dieser Bahre trauere eine große Gemeinde, Vereine und Körperschaften und die Stadt selbst, die einen ihrer besten Bürger ins Grab sinken sieht, trauerten vor allem die Angehörigen. Zwar sei Falksous Leben vollkommen gewesen nach menschlichen Wünschen, denn er habe sich ausgelebt in des Wortes bester Bedeutung, dennoch aber könne sich Niemand der Wehninth verschließen, daß das geistvolle Antlitz fürder nicht mehr leuchten und der beredte und liederreiche Mund stumm sein werde für immer.... Nach der kurzen Feier ordnete sieh der Zug, so gut es gehen wollte, und hinaus ging es nach der Todteustadt vor dem Köuigsthor. wo delu verdienten und verehrten Manne ein letztes Heim bereitet war. Noch eine kurze Grabrede, und der sterbliche Theil eines ausgezeichneten Mannes wurde der Erde anvertraut. z. Gleiwih, 9. September. Zu der hier vom 8.—12. d. M. währenden Großen Allgemeinen Proviuzial-Gartenbau-Ausstelluug hatte auch das israelitische Waisenhaus zu Rybnik durch ein Geinüsesortiment, einen Gartenplan und eine dort neu gezüchtete höchst fruchtbare Frühkartoffel beigestenert. Der hierorts erscheinende „Oberschlesische Wanderer" hebt lobend die Waisenhausausstellnng hervor, die von dem immensen, aus den Gartenbau verioaudteu Fleiß beredtes Zeugnis; ablege und erivähnt die schönen Erfolge gerade in Berücksichtigung der Bodenverhältnisse, die nicht günstig seien. Das Preisrichterkollegium hat die Ausstellung der Anstalt mit der bronzenen Medaille prämiirt. o. Frankfurt a M., 6. September. Einer der angesehensten Männer unserer Geineiude, Herr Theodor Stern, der Senior des bekannten Bankhauses gleichen Namens, ist am 4. d. M. im 63. Lebensjahre gestorben. Sterli gehörte seit dem 1.Januar 1873, also seit fast 28 Jahren, der Stadtverordnetenversammlung an rnid zählte zu ihren dienstältesten Mitgliedern. In der Versammlung erfreute er sich wegen seiner großenpersönliehen Liebenswürdigkeit und wegen seiuesvorsichtigen reifen Urtheils allgemeiner großer Beliebtheit. Sein Hinscheiden lvird in den Kreisen der Stadtverordneten und in denjenigen der gesammten städtischen Verwaltung überhaupt lebhaft beklagt werden. Neben den finanziellen Fragen interessirte Theodor Stern sich besonders auch für das gesammte Schulwesen. Er gehörte seit einer Reihe von Jahren dem Curatorium der höheren Schulen und der städtischen Schuldkpntation an und zeichnete sich auch in diesem Amte durch eifrige Mitarbeit aus. In unseren milden Stiftungen nahm Stern seit vielen Jahren an der Verwaltung der Taubstummen - Erziehungsanstalt hervorragenden Antheil. Mehrfach fanden wir ihn auch in der Leitung gemeinnütziger Vereine, so bei dem neugegründeten Städel'schen Museumsverein. Ferner war er in der Verwaltung der von seinem Onkel Siegmund Stern gestifteten W a i s e n st i f t u n g sowie in der Kö n i g sw arte r' s che 11 Stipendienstistung thätig. Reich mit Glücksgütern gesegnet, förderte er jedes gemeinnützige Unternehmen. Der