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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-14 · Heft 37 (14.7.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 37 (14.7.1900)
Date
1900-07-14
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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- 3 - Stadt machte et mehrfach bedeutende Schenkungen, so das silberne Modell des Niederwalddenkmals, das Brausebad am Marianplatz und in diesem Jahre noch die aus bnit Besitze der Familie Cornell erworbene Albrecht Dürer - Bibliothek. Den Armen itub Bedrängten war er stets gern zu helfen bereit. Die Stadt Frauksurt verliert in Theodor Stern einen ihrer angesehensten Bürger, dessen Wirken in den lveitesten Kreisen hochgeschätzt wurde. a. München, 5. September. Die hier erscheinenden antisemitischen Zeitungeil „Bayer. Vaterland" und „Neues Münch. Tagbl." hatten gegen ben Wiener Gemeinderath Lucian Brunner heftige Angriffe gebracht auf Grund einer demselben fälschlich zngeschobenen Aeußernng, welche derselbe in einer Sitzung des Wiener Gemeinderathes gebraucht haben sollte, lautend: „Ich verachte alle Christen." Hieraushin hatte Lucian Brullller gegen den Redakteur Georg Freiherr v. d. Tann, vom „Neuen Münch. Tagbl.", und gegen Otto Sch oh vom „Bayer. Vaterland" Klage angestrengt. Die vor einiger Zeit beim Königlichen Amtsgericht München I stattgehabte Verhandlung wurde behuss Erheblmg geeigneter, den Sachverhalt klar! egen der Momente vertagt. Nun ist im „Neuen Münch. Tagbl." zu lesen: „Zlvischen dem Gellleinderath lucian Brunner tu Wien und den Redakteuren Georg Freiherr v. d. Tann vom „Neuen Münchller Tagblatt" und Otto Schoy vom „Bayerischen Vaterland" kam zllr Beilegung des von Herrn Sucicui Brnilner gegeil die Redakteure von der Tann itub Schoy bei dem Königlichen Amtsgericht Milchen I angestrellgten Privatklage-Prozesses folgender Vergleich gl Stande: 1. Die Privatverklagten erklären, dllrch die Belveisallfllahnle nicht die Ueberzellgnllg gelvouneu zu haben, das; der Privatkläger die Aeufferung: „Ich verachte alle Christen" wirklich gebralicht habe. 2. Sie nehmen deshalb beit Vorwllrf dieser Aeußernng, den sie dem Privatkläger im Vertrauell auf die Wahrheit der ihllell zugegangenett Berichte machten. ebeilso wie die daran geknüpften sonstigeil Beleidigungen mit dem Allsdruck des Bedauerns zurück. 3. Sie übernehlnen sämmtliche kosten. So ist eille Allgelegellheit, die der Alltisenlitellpresse wieder einmal Gelegenheit bot. sich in dem bei ihr befamiten schönen Lichte;u zeigen, erledigt worden. o. Bruchsal, 6. September. Der zwölfte Bericht des Landesoereins zllr Erziehuilg israelitischer Waisell im Großherzog 1H um Ba dell konstatirt. daß das abgelaufene Jahr dem Vereine mallcherlei itub 311111 Theil schnlerzliche Veränderungen innerhalb 'es Vorstandes brachte. Am 16. Juili 1899 starb Rabbiller Dr. Sondneimer in Heidelberg. Aul 15. Noveulber schied der Vorsteher und Bezirksilteste B. Harburger in Gailingen infolge seiner Uebersiedelnng llach lürich aus dem Borstailde aus. Sodallil legte der seitherige Vorsitzende?es Vorstandes, Bezirksrabbiller Dr. Eschelbacher, iilfolge seiner Berufung llach Berlin das von ihm bisher bekleidete Amt nieder. Darüber schreibt der Bericht: „So ehrenvoll für denselben uild feine mhlreichen Freullde feine Beruflulg in die Reichshaliptstadt fein Nlag, 0 schmerzlich ist für unseren Verein der Verlust des wackerell, uurnlüdlich thätigell Vorsitzellden. Die Lücke, die sein Scheideil verursacht, scheint uns unausfüttbar zu sein, war er es doch, der seit Gründung des Vereins dessen umfangreiche, mitunter schwierige und eweils sehr zeitraubende Arbeiten mit Freudigkeit, Liebe und größter Ineigennützigkeit besorgt hat. Wir glaubell nicht zu viel zu sagell, -venu wir die Ueberzellgnllg aussprechen, daß der so überaus wohltätig wirkellde Landesverein feiner Thätigkeit die Blüthe verdankt, m der er jetzt mit Gottes Hilfe nach außen und innen gefestigt dasteht. Wenn wir allch das Scheiden eiiles sotchell Vorsitzenden tief, bedauern, 0 tröstet ulls der Gedanke, daß Dr. Eschelbacher trotz des großen Wirkungskreises, in dem er jetzt lebt, unserem Vereitle stets ein warmer vrenlld bleiben und dessen Interesse in der Ferne stets zu fördern estrebt sein wird." Auf Grund des § 11 der SatzNllgeil wurde der seitherige Schriftführer Vorsteher Louis Marx voll hier, zum Vorsitzeildell des Vorstandes, das seitherige Vorstandslllitglied Alexander Dreysuß von mer, zunl Schriftführer und Nathan Katz voll hier zmll Vorstalldslitglied gewühlt. Zu Beginn des vorigen Jahres befailden sich in oer Fürsorge 95 Waisell, von welchelt 19 inl Saufe des Jahres entasten wurden. Voll beit aus der Schule eutlaffeneit, aber noch in vürsorge befiublictjen Waisen erhalten 10 Mädchen Beiträge für ihre Ausbildung in weiblichell Handarbeiten, eilt Knabe erlernt die Bäckerei, iner wird Cigarrenarbeiter, einer erlernt mit Unterstützung des 3er eins zur Förderung des Halldwerks unter den Israeliten in Freibürg das Sattlerhandwerk, ein anderer wird mit derjenigen des Vereins in Karlsruhe Elektrotechniker. Neu allfgenommen wurden 15 Waisen. Es sind sonlit insgesammt 94 <51 Kllabell. 43 Mädchen), die sich z. Zt. in Pflege befiuben. Von den noch schulpflichtigen Waisell silld 51 in Pflege in dafür geeigneten Fanlilieu nntergebracht. die übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bei Venvandtell. Der Vorstalld besteht alls den Herren: Vorsteher Louis Marx. Vorsitzellder, Moritz Marx, Stellvertreter desselben. Alexander Dreysuß, Schriftführer, Emil Atarx, Rechner, Ludwig Groß. Nathan Katz, Dr. I. Kusel, Rabbiner M. Appel in Karlsruhe. Vorsteher V. Herzberger in Bretteil, Rabbiner Dr. A. Lewin in Freibnrg, Rabbiner Dr. L. Löwensteill in Mosbach, Rabbiller Dr. B. Mayer in Bühl. Bezirksältester I. Nordmann iu Lörrach, Rabbiller Dr. M. Rawicz in Offenbllrg. Die Eiuliahnieu betrugen ca. 33 000 Mark incl. des Kassenbestandes aln 1. Januar 1899 von 11000 Mark, die Ausgabell ca. 22 000 Mark, das Vermögen 100 000 Mark. Oesterreich-Angarn. □ Wien, 10. September. Die „Oesterreichisch-israelitische Ullivll" sendet uns folgende Mittyeilung: Am 27. Juni d. I. verschwaild die 17jährige Szalka Sobel aus ihrem Elternhause in Podgorze bei Krakall. lvährelld die Eltern Baruch unb Beile Sobel abwesend waren. Nach einigen Tagen gelang es der Mutter, den Aufenthaltsort des Mädchetls 31t erforschen — sie befand sich im Kloster der Feltziauerinnen. Beile Sobel hat seither wiederholt mit ihrer Tochter dlrrch ein Fenster gesprochen, lmd diese bat die Mlltter, sie aus dem Kloster zu befreieil. Allein alle Allstrengungen der linglücklichell Fratl, sich Zutritt zu ihrem Killde zu verschaffen, blieben bisher erfolglos. — Am 7. Juli d. I. wurde die 15jährige Deborah Sattler, Tochter der Wittlve Sarah Sattler in Gosprzedowa bei Lllpllice mnrowana voll der Pfarrersköchin Bojarska überredet, alls der elterlichen Wohnung in das Pfarrhaus 311 fluch teil. Sie übernachtete dort, lvurde anl fotgelldell Tag, als Knabe verkleidet, von dem Lehrer des Dorfes mittelst Fiakers nach Slotlvina unb voll da mittelst Bahn llach Krakau ins Kloster der Felizianeriuneil gebracht. Ein kleilies Mädchelt alls demselben Dorfe wird in dem Kloster zu leichteren Diellstleistlmgell verwendet. Diese brachte der Mutter die Botschaft, daß Deborah Sattler unaufhörlich jammere uild meine und sie dringend bitte, llach Krakau 31t kommeu und sie zu befreien. Als die Felizianerilnien sich ail fallgs loeigertell, das Mädchen freizugebell, inen bete sich Sarah Sattler an beit Magistrat, der jedoch die erbetene Assisteilz versagte. Nun begaull die Mlltter vor dent Kloster derart 31t lärmen, daß die Nonnen das Thor öffneten und das Mädchelt freiließen. Und das alles in einem kvnstitntione llen Lall de! — Hellte sind es zlvei Jahre, seitdem das gräßliche Verbrechen an der u»lvergeßlichen K a i s e r in Elisabeth verübt lvurde. Zltnl Andenken an die edle Fürstin filldet heute Abend int israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse ein Trauergottesdieuit statt. — Die beiden Herausgeber eines antisetllitischen Btättcheils, Johanll Köllig und Hans Hrabi, lvurden wegen utlgerechtsertigter Beschlttdigling eitles Rabbiners zu höheren Geldstrafen verurthcilt. — Der Kaiser hat den Ulliversitätsdozelltetl Dr. Emil Redlich und Dr. Leopold Königs!ein beit Titel eines al>ßervrdellttichen Universitätsprofessors verliehen. Dr. Redlich ist Ordinarius des Sanatoriums in Jnzersdorf unb Dr. Leopold Königstein seit einer Reihe von Jahren Dozeilt für Augenheilkunde an der Wiener Universität. — Bei der am 6. d. M. stattgeftindenell Ergänzungswahl für detl Bukowinaer Latldtag wurde Reichsrath-Abgeordneter Dr. Benno Strauch er in Czernowitz mit 954 voll 957 abgegebenen (Stimmen gewählt. — Schrecklich uiiiffeu die Znstände in dem unglücklichen Poltta sein, wenn die Mitlheiltnigen der antifemitifcbeu Blätter lvahr sind, daß dort wegetl großer Volkserreguttg die jüdische Volksschule habe geschlossen werden müssen. Nähere anthetttische Berichte wären drillgetld erwi'ntscht. — Die hiesigen Blätter aller Parteien ergehetl sich jetzt in allerlei Kombinationen über die Zusammensetzung des nächsten Rei chsra tHs, nachdem der jetzige aufgelöst worden. Ich muß bekennen, daß ich für ltns Jltdett ttichts Gutes erwarte. Es ist lllögtich, daß lvir ltoch einen oder detl anderen jüdischett Abgeordneten 31t den früher gewählten erhalteit; aber da die radikalen Parteien ohne Frage eine wesentliche Verstärkung erfahren werden, so steht auch zn befürchten, daß die Christlich-Sozialen, die Deutsch-Nationalen, der antisemitische Theil der Jllngczechen in erheblicher Verstärkung in den neuen Reichsrath einziehen werden, während es nicht ausgeschlossen ist, daß Viele von denen, die dort für uns eingetreten sind, nicht wiedergewählt werden dürften.

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