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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-14 · Heft 37 (14.7.1900) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 37 (14.7.1900)
Date
1900-07-14
Page
Seite 444 (sequence 14)
Language
German
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444 deuten Krüger sind auch hier in allen Schaufenstern zu sehen. Im 17. und 18. Jahrhundert waren nicht Paris und London, sondern Ainsterdain das „Wunder der Welt". Es ist daher kein Wunder, daß man auch die Reichthümer der Juden übertrieben hat. Aber auch heute noch ist Amsterdam eine der interessantesten Städte und wird es bleiben. Mir wenigstens will cs so scheinen. In einem Schlnßartikel will ich noch über die weiteren Eindrücke berichten, welche ich in dieser alten Handelsstadt empfangen, insoweit sie für meine geneigten Leser, ivelche noch immer nicht die Geduld verloren hoben, mir auf meinen Wanderungen zu folgen, etwa von Interesse sein dürften. 0. K. Fitterarische Mittheilungen. — Lev in. Dr. M., Lehrbuch der israelitischen Religion. Zweite nmgearbeitete Ausgabe. Berlin 1900. M. Poppelauers Buchhandlung. Bon allen uns bekannten Religionsbüchern unterscheidet sich dieses Lehrbuch durch einen völlig neuen und vortrefflichen Plan. Da wird nicht mehr die übliche Eiutheiluug von Glaubens- und Sittenlehre beibehalien, da werden nicht die Eigenschaften Gottes aufgezählt und die Glaubensartikel behandelt, da wird nicht Sittengesetz, Zeremonialgesetz und Geschichtliches kapitelweise aneinander gereiht. Hier wird der gesaunnte Stoff nach drei Theilen gegliedert: einem theoretischeil. praktischen und historischen Theile. Im ersten kommen die religiösen Lehreli zur Darstellung, im ztveiten das religiös-sittliche Leben, im dritten die Volks- und Religionsgeschichte. wie sie die Feste und Gedenktage und das Schriftthum zmu Gegenstände haben. Die Sprache ist dem Lehrzlveck angeiuessen, knapp und klar, und bei aller Kürze ist die größte Vollständigkeit erzielt. Dem Lehrer ist der weiteste Raum überlassen, die betreffenden Themata zu entivickeln. um daun in dem Buche die Zusammenfassung zu finden, die dem Schüler die Repetition ermöglicht. Wo die Darstellung gar zu kurz ausfällt, verweist der Versasser auf seine beiden Lehrbücher der biblischen und der jüdischen Geschichte, die sich allgemeiner Anerkennung zu erfreuen hatten, iure er denn überhaupt den systematischen Religionsunterricht nur auf der obersten Stufe gehandhabt tvissen will, nachdem auf den Vorstufen in Anlehnung an die Geschichte Lehre und Gesetz durchgenounnen toorden sind. Die Belege für die Lehrsätze nimnit der Verfasser mit volleut Recht ausschliesslich aus deni biblischen Schriftthuln, tveil ihn der Gedanke leitet, daß schon dort die Lehre von Gott und Welt, von Mensch und Menschheit, wie auch das Sittengesetz den höchsten Ausdruck gefunden haben: dagegen zieht er das nachbiblische Schriftthum überall da heran, wo es zur Erklärung biblischer Aussprüche dient. Eine besondere Beachtung verdient die Einrichtung, daß die biblischen Hauptsätze, die zu erläutern sind, voraugestellt werden, und zwar nicht nur in der Uebersetzung, sondern auch in der Ursprache. Wie schon bei seinen anderen Lehrbüchern, befleißigt sich der Verfasser einer ehrlichen Objektivität, die die aufrichtigste Anerkennung verdient, so daß wir in der Lage sind, auch dieses Buch wie alle früheren desselben Autors den Schulen aller Parteirichtungen aufs Wärmste zu entpfehlen. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir behaupten, daß dieses Lehrbuch allen Anforderungen der Pädagogik in vollem Maße entspricht. Rabbiner Dr. Acker m a n n: Hamattif. Eine Sammlung von Predigten zeitgenössischer Kauzelredner. Erster Theil: Festpredigten. Berlin 1900. H. Jtzkowski. Sehr zu rechter Zeit konnnt dieses praktische Unternehmen, das nicht nur jüngeren Rabbinern Material und Anregung zu Vorträgen, sondern auch den Lehrern, die in Gemeinden ohne Rabbiner amtiren. eine Anzahl Reden bieten null, die sie entweder wörtlich oder nach entsprechender Uruarbeitung zu benutzen vermögen. Die Sannnlnng enthält Predigten von Blumenthal, Eschelbacher, Feilchenfeld, Güdetnaun. Kroner, Leimdörser, Levin, Placzek, Rosenberg, Rosenthal. Seligkotvitz und dem Herausgeber. Es sind 5 Peßach-, 4 Schabnoth-, 5 Roschha-Schana, 7 Zorn Kippur- und 6 Sukkotpredigteu. Eine Kritik der einzelnen Reden ist tvohl nicht angebracht; aber es darf sicher gesagt werden, daß sie alle dem guten Zwecke in jeder Weise entsprechen, und daß somit das ganze Unternehmen in wärmster Weise empfohlen werden darf. — Dr. A d olp h K o h u t. Berühmte israelitische Männer und Frauen. (Leipzig 1900. A. H. Pal)ne, Lief. 1 und 2.) Eines der originellsten Werke ist das soeben in Lieferungen erscheinende illustrirte Prachtwerk, von dem uns die beiden ersten Hefte vorliegen. Die Absicht des auf diesem Gebiete wohlrenonnuirteu und allgemein bekannten Autors ist es, zu zeigen, wie groß die Kulturarbeit war, welche die hervorragenden Söhne und Töchter Israels im Laufe der Jahrhunderte vollbracht und was sie auf dem Gebiete der Knust, Litteratur, Wisseuschaft, des Welthandels, des Gewerbes und der Industrie, der Humanität, der Sitte und Moral re. geleistet haben. Auf Grund der besten und zuverlässigsten Quellen, in volksthümlichem, schlichteni Tone und in durchaus anregender und fesselnder Weise, von jeder Tendenz und Parteilichkeit entfernt, schildert Kohut zuvörderst tu den beiden Heften die namhaftesten Tonkünstler, beztv. Komponisten und Jnstrumentalisten, und nur sehen in Reih' und Glied all' die großen Tonschöpfer und Virtuosen aufmarschireu. die durch ihre Schöpfungen und Leistungen ihren Namen unsterblich gemacht haben. Kohut beschränkt sich nicht auf die berühmten Juden Deutschlands allein, sondertt bietet im Nahmen seines Buches zugleich auch die großen Tonsetzer aller Länder und Völker, und so fiudelt tvir sie hier alle vereint. Aus der Fülle der Gestalten neuneu tvir ltur Halövh, Goldutark, Meudelssohn- Bartholdh. Meherbeer, Rubinstein, Offenbach, H. W. Ernst, Miska Hauser rc. Das mit zahlreichen, prächtigen Originalillustratiouen aus jeder Seite, mit den Porträts. Faksimiles, den Wohnitnb Sterbehäuseru rc. der KünstlergeschinückteWerkistnichtallein sehrbelehrend,souderu auch unterhaltend. da es uiit einer Fülle unbekaintter Züge und Anekdoten gespickt ist. Wir empfehlen das trotz der glänzenden Ausstattung überraschend billige Werk, auf das wir noch ausführlich zurückkommen tverdeu. unseren Lesern aus's Beste. Jüdischer Volksun d Hauskalender für das Jahr 1901. Mit eineui Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung. Herausgegeben voll Dr. M. Braun. Breslau, Th. Schatzkh. Bei deni Heranuahert des neuen Jahres findet sich — nun znm 48. Male — ein alter lieber Bekannter ein: „Braun's Jüd. Volks-und Hauskalender. Der erste Theil bringt das sehr sorgfältig abgefaßte Kaleudariuiu. das bis Ende 1901 (Tebeth 5662) reicht; auf dasselbe folgen noch Tabellen zur Feststellung der Tagesdauer sowie ein Verzeichniß der Messet! und Jahrluärkte. Aenßerst tverthvolle Beiträge bringt das diesjährige Jahrbuch; der Essay des Herausgebers über „Das deutsche Judenthum au der Wende des Jahrhunderts" zeichnet in kurzen, markigen Strichen ein Bild der Euttvickeluug des Judenthums und der Judenheit; lebhaftes Interesse tverdeu bei den Lesern auch die sorgfältigen, auf gründlichen Studien beruhenden Mittheilungen des Seniors der jüdischen Wissenschaft. Prof. Dr. Steinschneider, über einen Vezir jüdischen Ursprungs, Jakob ibn Killis. sotvie der Artikel über die jüdischeuPostbeamten Haber und Mohses in Breslau (1722—1738) begegnen. Für die Leserinnen ist die spannende Erzählung von Frau Dr. Treitel, die die romanhafte Lebensgeschichte des Tucheler Judelnuädchens Bertha Wohlgemuth wiedergiebt, eine daukenswerthe Beigabe. So sei denn auch an dieser Stelle dem Kalender die verdiente Verbreitung in jüdischen Häusern als Wunsch auf den Weg gegeben. — R. Brainin: Abraham Mapu. Warschau 1900. Verlag der Tuschija. 2 Bve. Der unerinüdliche hebräische Litterarhistoriker giebt uns hier zuln ersten Mal ein Bild von dem Leben und den Schriften eines der begabtesten nenhebräischen Autoren, dessen Romane „Die Sünde Samarias" und „Die Liebe zu Zion" Meisterwerke in der Erfindung wie itt der Ausführung sind, die jeder Litteratur zur Zierde gereichen lvürden. Leider tvar das Leben M.. wie das der meisten neuhebräischen Schriftsteller, ein sehr trauriges. Er hatte mit uuzähligen Widerwärtigkeiten zu kämpfen und lebte inmitten eitler Bevölkerung, die seinen Geist und sein Wissen nicht zu schätzen wußte. Brainin, der sich an den besten tuoderneu Meistern herangebildet bat, schildert uns dieses Milieu in sehr fesselnder Weise. Ebenso interessant weiß er den Lebeusgang seines Helden den Lesern darzustellen. Sein klassisches Hebräisch unterstützt ihn dabei itt sehr wirksamer Weise. So ist das Buch für die, welche der heiligen Sprache kundig sind, eine interessante Lektüre. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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