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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-14 · Heft 37 (14.7.1900) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 37 (14.7.1900)
Date
1900-07-14
Page
Seite 441 (sequence 11)
Language
German
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441 wenn nicht anders, so doch den nothwendigsten Beamten, Kantor und Schächter, ohne fühlbare Belastung besolden zu können. Mit Genugthuung müssen wir es anerkennen, daß es eine große Anzahl Gemeinden giebt, auf welche das vorstehende, nach strenger Wahrheit gezeichnete Bild keine Anwendung findet, Gemeinden, welche vernunftgemäß nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft nach Möglichkeit Sorge tragen. So besteht beispielsweise für die Gemeinde, in welcher neben dem Gemeinderabbiner auch ein sogenanntes Klausrabbinat unterhalten wird, selbst in prekären Zeiten keine Gefahr, des Rabbiuers entbehren zu müssen. Leider muß zugestanden werden, daß der gegebene Hinweis für Gemeinden, welche wegen allzu geringer Leistungsfähigkeit bereits dem Verfall entgegengehen, nicht mehr gut ausführbar ist; aber noch ist es für andere nicht zu fpät, diese Winke zu ihrem eigenem wie zum Gesammtwohl zu beherzigen. Von aufrichtiger Freude wird unser Herz erfüllt, wenn wir wahrnehmen, wie so viele Edelgesinnte und Hochherzige unter den Juden für wohlthätige Zwecke, wie für Waisen- und Krankenhäuser, Altersversorgungsanstalten und sonstige humanitäre Stiftungen von ihrem Segen in reichster Fülle spenden und sich so ein dauerndes, ehrendes Denkmal setzen. Aber zu den hochherzigen, freigebigen Spendern gehören auch solche welche, ohne spezielle Angabe des Zwecks, den Gemeinden beträchtliche Summen übermachen. Hier gerade wäre, um, wie oben angedeutet, einer „Aufzehrung" des Geldes vorzubeugen in manchen Fällen angelegentlich zu empfehlen, daß der freigebige Spender die ausdrückliche Bestimmung betreffe, die Spenden zum dauernden Gemeindewohl zinsbar anzulegen. Ein solches Geschenk gereichte dann nicht nur dem Empfänger, sondern auch dem Geber zum wahren Segen. EUILLETON Bethulah. Eine Erzählung von I. Zangwill. XI. fei meinem Anblick richtete sich Bethulah in majestätischer Würde auf, wie einst Ben David, und schaute mich an mit stolzen, unbewölkten Augen. Es war eine wunderbare Schönheit des Alters in ihrem Gesicht und ihrer Haltung. Das Silberhaar an ihren Schläfen glänzte malerisch zu dem Grün und Gold ihrer Krone. „Ah, Fremder," sagte sie, „Du bist zu uns zurückgekehrt?" „Du erkennst mich?" murmelte ich erstaunt. „Es ist das Antlitz, das ich in meiner Jugend liebte," sagte sie einfach. Seltene glückliche Thränen traten in meine alten Augen, wie ein entschwundenes Gefühl von Jugend, Liebe und Gott. „Du bist noch immer jung," sagte ich, „Dein Gesicht ist noch so süß wie damals, Deine Stimme klingt noch immer wie Musik." Der alte begeisterte Blick leuchtete in ihren Augen auf. „Gott hält mich jung, bis der große Tag heraufdämmert." Ich war überrascht. Was? Sie hoffte und glaubte noch immer? Diese Voraussetzung hatte in meinein pathetischen Schluffe nicht figurirt. Ich blieb äußerlich ruhig, aber der alte Tumult der Gedanken wühlte in mir. „Ist denn der Tag nicht für immer vorbei?" fragte ich. Das Licht in ihren Augen wurde zum Fener. „So lange Leben ist in den Adern Davids," rief sie. Und während sie sprach, fiel mein Auge auf den Glanz des Persischen Smaragds an ihrem Zeigefinger. „Und Deine Anbeter, wo sind sie?" Ihre Augen wurden traurig. „Nach meines Vaters Tode — sein Andenken sei gesegnet — fielen die Pilger ab, nnd als die Jahre dahinschwanden ohne das Wunder, fingen sogar seine Anhänger in Zloczczvl an, schwach zu werden. Und langsam wuchs eine neue Generation heran, ungeduldig und gleichgiltig, die nicht mehr am Glauben ihrer Väter hingen, die mich verspotteten, mir auf der Straße nachliefen und riefen: „Seht, seht, dort kommt die Träumerin!" Und dann kam das schwarze Feuerungehener, das täglich auf den stählernen Schienen hin- und herfährt und Dämpfe der Untreue ausspeit, und die jungen Leute sagten: „Das ist unser wahrer Erlöser." Und mit den kommenden Jahren, die Silberschatten über mein Haar warfen, wurden sogar die Treuesten ungläubig und sprachen: „Noch ein Paar Jahre und der Tod wird sie fordern, und das Licht von Israels Hoffnung erlischt. Vielleicht haben wir die Prophezeihung mißverstanden; nicht hier wird das Wunder geschehen, dies ist kein heiliger Boden, denn der Herr lebt in Zion," riefen sie mit dem Propheten „Nur ans geheiligtem Boden, nur in Palästina hat Gott stets seine Wunder gezeigt, hier nur kann Israels Erlöser geboren werden. Denn es steht geschrieben: Aus dem Berge Zion wird Freiheit und Heiligkeit wohnen." Dies und die Spötter überzeugten mich, und da ich fühlte, daß ich alt wurde, verkaufte ich meines Vaters Haus, das jetzt einen hohen Werth hatte, und mit dem gewonnenen Gelde machte ich mich fertig zur Reise nach Jerusalem. Am Tage vorher war ein furchtbarer Wirbelsturin und Schneefall, und ich wollte meine Reise verzögern, aber sie sagten, ich müßte am Eres Chanukah in der heiligen Stadt anlangen. Ich nahm Krone und Sterbehemd ab, da ich einsah, ich könnte nur in Jerusalem Braut sein, und vertraute mich dem Feuerungeheuer an; eine große Gesellschaft ging mit mir zur Station, Solche die glaubten, und Andere, die meiner spotteten. Kanin aber war das Ungethüm unter Gottes freiem Himmel, da ergriff Gott mich und Diejenigen, die mit mir waren (denn meine Heiligkeit deckte sie) und setzte uns in Iveiter Entfernung nieder, während sich ein furchtbarer weißer Donnersturm über dem Gebäude, den Spöttern und Denen entlud, die von Zion geschwatzt hatten, und wehe! sie sind Alle dahin. Das Volk Moab ward wie ein Strohhalm dahingerafft und das Feuerungeheuer ward zu Staub zermalmt. Da erhob sich ein furchtbares Wehklagen in der Stadt und auf den Bergen, und sie trauerten in Sack und Asche. Und Viele kehrten zu mir zurück; denn Gottes Hand hatte gezeigt, daß hier, nur hier, das Wunder geschehen wird, wie es im fünfundzwanzigsten Kapitel Jesaias geschrieben steht: „Und tilgt auf diesem Berge die Hülle, die alle Völker umhüllt und die Decke, die alle Nationen bedeckt. Er tilgt den Tod auf eivig.

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