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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-09-07 · Heft 36 (7.9.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 gegenwärtige Vorstand der Nachbargemeinde hielt sich für verpflichtet, dem Dahingeschiedenen die letzte, wohlverdiente Ehre zu erweisen. Sein Andenken sei gesegnet. r. Kreuzburg, 24. August. Am 12. und 13. d. M. feierte die hiesige jüdische Gemeinde ein Fest besonderer Art. Es galt die Ehrung des ersten Vorstehers, des Herrn Gotthold Proskaner, der. sich während seiner 25jährigen Amtsthätigkeit besondere Verdienste um die hiesige jüdische Gemeinde erworben hat. Am Sonnabend nach dein Gottesdienste begaben sich der Vorstand und das Repräsentantenkollegium in corpore zu dem Jubilar. Herr Guttmann feierte den Jubilar als umsichtigen Leiter und vortrefflichen Verwalter aller Gemein deangelegenheiten. Der Repräsentantenvorsteher Herr Danziger sprach tiefgefühlte Worte der Verehrung und des Dankes und überreichte eine Dankadresse des Vorstandes und der Repräsentanten. Auch die Gemeindebeamten gratulirten dem Jubilar, indem der Sprecher die gewissenhafte und treue Pflichterfüllung desselben als nachahmungswnrdiges Vorbild rühmte. Nachmittags brachten die Kinder der Religionsschule unter Führung ihres Lehrers ihre Glückwünsche dar. Am Sonntag fand zu Ehren des Jubilars ein Festessen statt. Dr. Süßmann weihte das erste Glas der Gesundheit unseres erhabenen Kaisers. Herr Guttmann toastete auf den Jubilar, Herr Danziger auf die Familie namentlich auf die in Liebeswerken sich anszeichnende Frau Alwine Proskauer. Daraus dankte Herr Proskauer mit herzlichen Worten, in denen er seiner verstorbenen Mitarbeiter rühmend gedachte. Kantor- Cohn und die als Gäste anwesenden Herren Bach-Berlin. Liebrecht- Breslau, ferner Lehrer Militscher toasteten auf die Gemeinde, den Vorstand und das Repräsentanten-Kollegium. Kantor Cohn, der zwar erst kurze Zeit hier amtirt, sich aber trotzdem schon allseitiger Beliebtheit erfreut, und andere Sangesknudige thaten ihr Möglichstes, um eine heitere Stimmung hervorzurufen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, in frischer Kraft auch das 50 jährige Amtsjubiläum. zu feiern. — Dresden, 3. September. Der zweite Vorsteher der hiesigen Stadtverordnetenversammlung, Hartwig, der von 1884—1887 Dresden- Altstadt als konservativ-antisemitischer Abgeordneter im Reichstage vertrat, hatte sich mit einem Herrn Bargou vor Gericht ans einander zu setzen. In den Gründen des gefällten Urtheils heißt es nach dem „Vorw.", daß Hartwig ein gegebenes Wort trotz aller Mahnungen und Verfügungen von Behörden nicht gehalten hat; daß er aus der ganzen Angelegenheit materiellen Nutzen zu ziehen suchte, daß er sich nach den im gewöhnlichen Leben geltenden Begriffen einer „Schiebung" schuldig machte. daß er seine moralische Verpflichtung Andern gegenüber verletzt hat, und daß man nach alledem die Ansicht Bargous, Hartwig gehöre nicht auf den verantwortlichen Posten eines Sta dtverordneten - Vizev orstehers, für berechtigt habe ausehen müssen. g. Nordhauser», 2. September. Gestern fand in unserer Synagoge ein würdiger Gottesdienst statt anläßlich der Aruvesenheit des Herrn Rabbiner Dr. Leimdörfer aus Hamburg, welcher ans der Durchreise seine ehemalige Gemeinde in treuer Anhänglichkeit wieder besuchte. Dr. L.. welcher vor nunmehr fast 25 Jahren seine seelsorgerische Thätigkeit hier begann, ließ sich auf allgemeinen Wunsch bewegen, am Sabbath zu predigen. Nach den eiuteiteubeu Worten, mit denen Dr. L. feine ehmalige Gemeinde begrüßte und voll Wehmuth der dahingeschiedenen Freunde gedachte, verkündete er mit hinreißender Beredtsamkeit das Gotteswort unter Bezugnahme auf den Text des vorgelesenen Wochenabschnittes: „Vollkonnnen sei mit dem Ewigen, deinem Gotte," welches nach der überzeugenden Ausführung in dem Gedanken gipfelte: „Wirke menschlich in der Gottheit und göttlich in der Welt." Voller Spannung lauschte die Gemeinde auf jedes Wort des beliebten Redners. Wir können nur wünschen, « daß Herr Dr. L., der. wie bereits erwähnt, seit bald 25 Jahren in Deutschland mit seltener oratorischer Begabung das Gotteswort verkündet zum Wähle und Segen des Jndenthums. auch uns noch viele Jahre seine Anhänglichkeit bewahren möge. z. Münster, 28. August. Am 29. v. M. fand hier die Sommer* konferenz des Bezirksve^eins j ü d i s ch e r L e h r e r f n r d a s Münsterland statt. In seiner Begrüßungsansprache wies der Vorsitzende. Kollege Baum-Rheine, auf die Thatsache hin, daß, wie der Besuch der Konferenz beweise, es hauptsächlich die älteren Kollegen seien, die den Konferenzen noch warmes Interesse entgegenbrächten, während die jüngeren Lehrer sich nahezu völlig theilnahmslos verhielten. Zum Theil seien die Ursachen des schwachen Besuches seitens der jüngeren Kollegen freilich in der zu engen Begrenzung des Bezirkes Zu suchen. Er behalte sich in dieser Richtung seine Anträge vor. Die Versammlung nahm nmlmehr das Referat des Herrn Seminarlehrers Feinstein über das Buch Professor Dr. Tachaus: „Die prophetischen Bücher der heiligen Schrift nach ihrem Gedankeninhalte gewürdigt" entgegen. An den sehr anregenden Vortrag schloß sich eine interessante und lebhafte Debatte. Die Anwesenden zeigten sich mit dem Vortragenden darin einverstanden, daß das Tachau'sche Buch aus pädagogischen Gründen nicht für die Hand des Schülers geeignet sei, dafür aber für jeden Religionslehrer eine Fülle des Anregenden biete, einem wirklichen Bedürfniß Nachkomme, eine hervorragende Erscheinung ans dem Gebiete der religionsunterrichtlichen Litteratur sei, die jeder Lehrer besitzen müsse. Eine weitere Frucht der Debatte ist die voll der Versamnllullg gefaßte Resolution: „Die am 29. Juli zu Münster i. W. tagende Bezirkskonferenz jüdischer Lehrer erklärt es als ein dringendes Bedürfniß, daß unter Anlehnung an die Zunz'sche Bibelübersetzullg eine neue Uebersetzung der heiligen Schrift im modernen Sprachgewaude hergestellt werde." In den nun folgenden „freien Besprechungen" nlachte der Vorsitzende im Anschluß an seine Eingangs erwähnten Worte den Vorschlag, die Konferenzbezirke Münster und Hamm-Minden zu verschmelzen. Die Versammlung erklärte sich hiermit einverstanden, und der Vorsitzende sowie ein anweselldes Mitglied des Bezirkes Hamm-Minden, Kollege Steinweg-Rheda, übernahmen es, das Nöthige in die Wege zu leiten. Nunmehr ergriff der Vorsitzende das Wort, um an Herrn Seminardirektor Dr. Gutmanu vor seiner Uebersiedelung nach Berlin einige herzliche Worte des Abschiedes zu richten. Er hob u. a. hervor, daß das Scheiden des Herrn Dr. Gutmann einen herben Verlust für die Bezirkskonsereuz bedeute, zu deren Mitbegründern er gehöre und deren Interesse er stets mit warmem Eifer gefördert habe. Namentlich werde die überaus anregende Art, mit der er durch Vorträge und in den Debatten an den Konferenzverhandlungen theilgenommen habe, vernlißt werden. Auch seiner Wirksamkeit als Vorsitzellder der Schulkomnlission des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens gedachte der Vorsitzende dankend. Irr ähnlichem Sinne äußerte sich nunmehr namens des Vereins jüdischer Lehrer von Rheinland und Westfalen dessen Vorsitzender, Herr Hauptlehrer Graf in Essen, der hervorhob, daß Herr Dr. Gutmann sich seit seinem Wirken in Westfalell die Sympathiell der jüdischen Lehrer Westfalens und des Rheiulandes in reichem Maße erworben habe. In seiner Erwiderungsrede betonte Herr Seminardirektor Dr. Gutmann, daß er es stets als eine Ehre angesehen habe, Volksschullehrer zu sein und mit Volksschullehrern zusammen zu wirken. Lebhafter Beifall folgte den Worten des Redners. Der Vorsitzende schloß hierauf die Versammlung. r. München, 4. September. In der letzten Nummer dieses Blattes war die merkwürdige Notiz aus den» statistischen Jahrbuch für Bayern übernommen, daß die j ü d i s ch e n Kul tusstistun gen i n B a y e r n nur 31664 Mark betragen. Woher diese Berechnung stammt, ist nicht ganz klar; soviel sei nur bemerkt, daß die israelitische Kultusgemeinde München allein Stiftungen besitzt, deren Kapital an 1 Va Millionen Mark beträgt. Ebenso verfügen Gemeinden wie Nürnberg. Fürth u. s. w. über große Stiftungen. Auch giebt es ganz kleine Kultusgemeinden in Bayern, die früher größer waren und von dieser Zeit her noch namhafte Stiftungen besitzen. N* München, 31. August. Am 29. d. M. standen vor dein Schöffengericht der verantwortliche Redakteur des „Bayer. Vaterland", Otto Schoy, und der Herausgeber des „Deutschen Volksblatt", Ludwig Wenng. Beide brachten in ihren Blättern einen Artikel mit der Spitzmarke „Christenmädchen in Jndenhäusern" auf Grund einer Privatkorrefpondenz aus Pest, laut welcher ein gewisser Klein daselbst seine Magd, Namens Paula Olajieik, die Zwillinge geboren, mitten in der Nacht auf die Straße gejagt habe; dort sei sie von der Polizei gefunden und in das Spital gebracht worden. Die Zwillinge waren todt. Klein, der diese Anschuldigung bestreitet, klagte. Das königliche Amtsgericht München, unter dein Vorsitze des Oberamtsrichters Frhrn. v. Gumppenberg, lehnte jedoch die Klage ab, nachdem auf entsprechende Recherchen die Polizei den Inhalt der inkriminirten Artikel als ben Thatsachen entsprechend bezeichnet hatte. Nun hat sich aber Klein mit diesem Bescheid nicht zufrieden gegeben.

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