Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1900)
- Date
- 1900-08-31
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 wohnhaft, sei Anklage erhoben wegen Verdachts des Meineides. Diese Nachricht des Antisemitenorgans ist eine Erfindung. Aus Grund von Denunziationen haben nur Vernehmungen der Meherschen Ehelente stattgefunden. Kolberg, 5. August. An» 28. v. M. wurde das 26. Stiftungsfest des Jüdische»» Kurhospitals in Verbii»dn»»g mit dem Sabbath- Gottesdienste in der Haussynagoge der Anstalt begangen. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt hielt in Anschluß an Jesaias 1,27 die Festpredigt und erwähnte am Schlüsse derselben die im Laufe des Jahres zugefallenen Legate bezw. die neu gewonnenen „immerwährenden Mitglieder", sowie die verstorbenen Wohlthäter des Hauses. Auf die Fest- Predigt folgte eine Gedächtnißseier für die verewigten Wohlthäter. — Am 31. Abends 8 Uhr fand zur Nachfeier im Festsaale des neuen Strandschlosses das zun» Besten der Anstalt angekündigte Konzert vor einem zahlreichen kunstsinnigen Auditorium statt. Sämmtliche Künstler ernteten wohlverdienten, rauschenden Beifall. Das in allen seinen Theilen wohlgelungene Konzert wird noch lange als angenehme Erinnerung an die diesjährige Saison im Gedächtnisse der zahlreichen Besucher fortklingen. K. P. Aus der Provinz Posen im August. I»» Posen ist neulich im Alter von 81 Jahren Herr Levy Jacob gestorben. Derselbe gehörte über 50 Jahre denl dortige»» Krankenpflege- und Beerdigungsverein als Vorstandsmitglied an. Außerdem war er Vorsteher des S. B. Latz'schen Krankenhauses daselbst. — Beim Schützenfest in G o l l u b errang kürzlich der Mühlenbesitzer Her m an n Lewin die Königswürde, zweiter Ritter wurde KaufmannI. Lewin daselbst. — Die Stadtverordneten in Gollub haben den Kaufmann Simon Hirsch daselbst zum Magistratsmitgliede gewählt. — Der israelitische Frauenverein in Ko schm in veranstaltete jüngst eine größere Abschiedsfeier 511 Ehren der von dort scheidenden langjährigen Vorsitzenden Ww. Rosen bäum. — Kantor Salomon Kochanowski in Mil0slaw ist im Alter von 53 Jahren gestorben. Derselbe hat in Miloslaw 14 Jahre lang amtirt. (8) Breslau, 21. August. Am heutigen Tage ist nach kurzem Leiden Salomon Kau ff mann, der Mitinhaber und Seniorchef einer der größten Jndustriefirmen Schlesiens, Meyer Kauffmann, im Alter von 76 Jahren verstorben. Die Stadt Breslau und die Provinz Schlesien verliere»» in de»»» Heimgegangenen nicht nur einen hervorragenden Industriellen, der wesentlich dazu beigetragen hat, in beu fünf zu seiner Firma gehörige»» großen Fabriken die Textilindustrie 31t großer Höhe emporzuarbeiten, und der ganz besonders als ein Vertreter kaufmännischer Intelligenz und Solidität eine vorbildliche Stellung einnahm, sondern der auch als Repräsentant schlichten und gediegenen Bürgersinnes sich der allgemeinsten Werthschätzuug und Anerkennung erfreuen durfte. S. Kauffmann wurde an» 11. Dezember 1824 als Sohn des Fabrikbesitzers Meyer Kauffmann geboren. Er gehörte seit 1858 als ältestes Mitglied der hiesigen Handelskammer an und bekleidete seit 1886 ununterbrochen das Amt des ersten Vizepräsidenten tu dieser Körperschaft, ebenso wie der Verstorbene dort der Vorsitzende zweier wichtigen Ausschüsse, desjenigen für handelsrechtliche Frage»» und des anderen für Zoll- und Steuersachen war. Am 1. Oktober 1879 wurde Kauffmann zum Haudelsrichter gewählt, sobald diese Justitution zur Einrichtung gelangt war, und er bekleidete dieses Amt bis zu feinem Lebensende; noch am vorigen Donnerstag nahm er aktiv an einer Sitzung Theil. Vorübergehend gehörte Kauffmann, in den Jahren 1897 und 1898, auch unserer Stadtverordnetenversammlung an. Für die Stellung, die er in der Handelswelt einnahm, spricht es genügend, wenn wir die zahlreichen Aemter aufzählen, die er weiterhin inne hatte. Er war Mitglied des Aufsichtsrathes der Breslauer Diskontobank, der A.-G. Schlesische Leinenindustrie vormals C. G. Kramsta und Söhne in Freiburg, Vorsitzender des Anssichtsrathes der A.-G. Laubaner Thonwerke, ferner Mitglied des Kuratoriums der hiesigen Stadtbank und Mitglied des hiesigen Bezirksausschusses der Reichsbank. Wenn der Verstorbene so als Kaufmann und Industrieller zu den Zierden der Handelswelt Schlesiens zählte, so verband er mit diesen Eigenschaften zugleich ein reges Interesse für künstlerische Bestrebungen, als deren Förderer er schwer vermißt werden wird. Nicht nur, daß er sein eigenes Heim mit dem feinen Geschrnacke eines Liebhabers auszuschmücken wußte, ganz besondere Verdienste erwarb er sich als Vorstandsmitglied der Gesellschaft Breslauer Konzerthaus und als Vorsitzender des Breslauer Orchestervereins. Seiner Initiative ist das Aufblühen dieses letzteren Vereins zu danken. Was man auch im Einzelnen von beit vielen Verdiensten Kausfmanns hervorhebe»l mag, das charakteristische Merkmal dieses Mannes bleibt in allem sein liebenswürdiger, offener, freier und gerader Bürgersinn, der allen äußeren %\Uhi und Ehreubezeichnungen abhold, in der Bethätigung freiheitlicher Gesinnung, in aufopferungsfreudigem Schaffen und Helfen unablässig seinen Ausdruck fand. Wir werden diesen treuen Mann um so schmerzlicher vermissen, als sein Hinscheiden bei der Rüstigkeit und Frische, bereu er sich trotz seines Alters erfreute, völlig unerwartet gekommen ist. Zeugniß für die Beliebtheit des Verstorbenen legte auch die Theilnahme am Begräbniß ab. Mit einem ertjebeubeu Gesäuge des Gemeindechors begann die Trauerfeier. Rabbiner Dr. Rosenthal ergriff dann das Wort, um die Verdienste des Dahiugeschiedenen zu würdigen. Der Spruch des Psalmisten „Siehe, ein Edler in Israel ist dahin", war das Motto der ergreifenden Worte, in denen der Verblichene als Förderer der Industrie, als thätiger Freund und Beschützer der edlen Künste, und endlich als das liebende Haupt einer ebenso zahlreichen wie angesehenen Familie gewürdigt wurde, deren Bande er durch sein edles Gemüth stets fest geeint hatte. Alsdann -sprach der Vorsitzende der Breslauer Handelskammer, Geh. Kouuuerziel»- rath Molinari, in warmen Worten über die große»» Verdienste, die sein nun verstorbener Freund sich um die Breslauer Handelskammer erworben habe, und daß er sich durch sein meist der Arbeit für das Gemeiuwohl ein gewidmetes Leben ein dauerndes Denkmal in den Herzen aller Derer gesetzt habe, die mit ihm zusammen gestrebt und gearbeitet und seinen bescheidenen, anspruchslosen Sinn erkannt hätten, mit dem er sich allen äußeren Ehrungen entzogen, da ihm das Erreichen seines Zieles als hinreichender Lohn erschienen sei. Das Andenken an diesen vortrefflichen Mann, so lauteten die letzten Worte, wird nie aus unseren Herzen entschwinden. Dr. Rosenthal sprach noch ein schlichtes Gebet, und nach einem Palmgesang wurde der Sarg gehoben und zur Familiengruft getragen. n. Kattowitz (Oberschlesieu), 27. August. In der am Sonntag den 19. d. M. in Beuthen (Oberschlesieu) abgehalteuen Sitzung des Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens lvurde unter anderem auch beschlossen, in das Kaisergebet eine Fürbitte für die nach China entsandten Truppen einzufchalten. Von den meisten der anwesenden Herren war es bereits früher aus eigener Initiative geschehen. AI. Hamburg, 28. August. Herr A. Goldschmidt, Seniorchef der bekannten gleichnamigen Buchhandung und Verlagsfirma, wurde in Travemünde, wo er sich zur Sommerfrische bei seinem Sohne aufhielt, im Alter von 83 Jahren vom Tode ereilt. Der Verstorbene, der früher in Heidingsfeld bei Würzburg feinen Wohnsitz hatte, kam im Jahre 1875 nach Hamburg, wo er die ehemalige W. Kaufmannsche Buchhandlung übernahm, welche er im Verein mit seinem Sohn Herrn S. Goldschmidt (dem Vorstandsmitglied der Litterarischen Gesellschaft) zu hoher Blüthe brachte. Der Verblichene war ein bedeutender Kenner des hebräische»» Schristthunls unb altjüdischer Handschriften und genoß auch in weiteren Kreisen seines lauteren Charakters wegen große Hochachtung. In viele»» Gemeindeinstitutionen war er in der Verwaltung thätig, mehr als zehn Jahre fungirte er als Vorstandsmitglied der Beerdigungs - Brüderschaft. Die Beerdigung der Leiche fand gestern aus denl Israelitischen Friedhof tu Ohlsdorf statt. In der Friedhofskapelle hatte sich eine große Trauergemeinde eingefunde»»; von der Litterarischen Gesellschast waren die Herren Otto Ernst, Dr. Löwenberg und Dr. Spanier anwesend. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner M. Hirsch, der, anknüpfend an die Worte aus Deuter. Kap. 20, Vers 19 den Lebensgang des Verstorbenen entwickelte, hierauf lvidlnete Dr. S. P. Nathan dem Dahingeschiedenen einen tief empfundenen Nachruf. Unter Gebet unb Segen wurde die Leiche in die Gruft zur ewigen Ruhe gesenkt. Oesterreich-Ungarn. m Wien, 26. August. Die Christlich-Sozialen beginnen ihre Thätigkeit damit, daß sie Lehrer, die der antisemitischen Partei gegnerisch gegenüber treten, ganz einfach maßregeln; diesem Geschick, das ist entlassen und brodlos zu werden, sind bereits mehrere Lehrer verfallen. — Der Kaiser hat den Rabbiner in Linz, Dr. Moritz Friedmann, zum Mitglieds des Landesschulrathes ernannt. — Vor einige». Tagen ist in Gainfarn der Gutsbesitzer und Armee-Arendator Ignaz Le-