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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-31 · Heft 35 (31.8.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 35 (31.8.1900)
Date
1900-08-31
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang. Ar. 35. 0$£4 Berlin. 31. August 1900. Weikage zur „Aktgerneinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 5. Berlin, 27. August. Der neueste Jahrgang des Statistischen Handbuchs für den preußischen Staat bringt einige interessante Ziffern über die Gebrechlichen in der B e v ö l k e r u n ö , das heißt die Blinden, Taubstummen und Geisteskranken. Leider stellt sich dabei wieder heraus, daß die Inden einen ungewöhnlich großen Antheil zu btefeu Kategorien stellet!. Die Gesammtbevölkerung des Staates zählte am 1. Dezember 1895 31855123 Seelen, davon waren 379 716 Inden, also 1,19 Prozent. Dagegen giebt es im ganzen 21442 Blinde, davon sind 315 Inden, während nach dem Verhältniß der Bevölkerung nicht mehr als 255 hätten sein dürfen. Taubstumme giebt es im ganzen 28721 Personen, davon sind 516 Inden, während die Norntalzahl 341 wäre. AlN schlimntsten ist das Verhältniß bei den Geisteskranken, voll denen es im ganzen 82851 Personen giebt. von denen 1889 Inden sind gegen 984 nach der Normalzahl. Während das äußerst ungünstige Verhältniß bei der Geisteskrankheit bekannt ist und seine Erklärung in einer ganzen Anzahl von Ursachen findet, unter denen Veranlagung, sorgfältigere Beobachtung der Personen, die Anlage zu dieser Krankheit zeigen, vorwiegende Berufe, die den Geist stärker anstrengen rc., die Hauptrolle spielen, ist es schlver, für die merkwürdige Erscheinung des so viel häufigeren Vorkommens von Taubstummheit bei den Inden eine Erklärung zu finden. Eine medizinische Schule findet bekanntlich in den Verwandtenehen den Grund zu vielen derartigen Erkrankungen, während eine andere Schule diese Wirkung der Verwandtenehen immer bestritten hat. Nach obigen Ziffern scheint aber die erstere Anschauung im Rechte zu sein, die vor den Ehen naher Verwandten warnt. 6. Berlin, 27. August. Der Religionsverein „Ahawas- Aehim" auf dem Gesundbrunnen hat seit seinen! kurzen Bestehen bereits gute Erfolge zu verzeichnen. Der Gottesdienst, der anfänglich nur an Sabbathen und Festtagen stattsand, hat sich bald zu einen! alltäglichen erweitert, bei den: nicht bezahlte Minjanleute, sondern ständige, zahlende Mitglieder die regelmäßigen Besucher find. Um den vermehrten Anforderungen gerecht zu werden, hat der Religionsverein sich entschlossen, das gegenwärtige Bethaus mit einem größeren zu vertauschen. Dasselbe ist gegenwärtig Prinzen - Allee 87 noch im Bau begriffen und wird zu den hohen Festtagen bereits fertig gestellt sein. Aul verflossene!! Sabbath versammelte sich die Gemeinde, um den Abschied aus dem bisherigen Bethause durch einen letzten Gottesdienst zu feiern. Der Stinunung der Versammelten gab in der Predigt Rabbiner Dr. Pick den entsprechenden weihevollen Ausdruck indem er zugleich die Verdienste des Vorstandes mu die Hebung des Religionsvereins gebührend hervorhob. Der Vorstand, welcher derzeit aus den Herren Wolpe, Rosenbach, Baer, Kurz, Dr. Buttermilch, Schreyer und Joseph besteht, trägt mit regem Eifer Sorge für den Bestand und das Gedeihen des Religionsvereins. Nächst dem Gottesdienst ist das Augenmerk des Vorstandes dem Religionsunterricht zugewendet. Derselbe wird seit dem Juni l. I. in der städtischen Gemeindeschule, Prinzen-Allee, von Dr. Pick geleitet. 2£2 Berlin, 24. August. Verspätet, aber doch nicht zu spät, um das Andenken eines braven Mannes zu ehren, gedenken wir heute des am 28. v. M. verstorbenen ersten Vorstehers der Synagogengemeinde Marienbnrg, Dr. A. Pincus, der hier in Berlin vom Tode ereilt lvorden ist. Der siebzig Jahre alte Herr, der sich auf der Durchreise nach seiner Heimath befand, brach bei einer Wanderung durch den Zoologischen Garten in Berlin plötzlich zusammen und wurde nach der im Garten befindlichen Unfallstation gebracht. Hier starb er nach kurzer Zeit, wahrscheinlich an einem Herzschlage. Der Verstorbene, der lange Jahre als Arzt der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Marienburg thätig lvar. hat. wie die Vorsteher und Repräsentanten der dortigen Synagogengemeinde in dem am 1. d. M. veröffentlichten Nachruf rühmend hervorheben, durch sein hervorragendes Wirken sich um diese Gemeinde unvergeßliche Verdienste er- »vorben. Auch allen Angelegenheiten des Judenthums widmete der Dahingeschiedene stets ein warmes Interesse, welches er u. a. dadurch knndgab, daß er in der Zeitschrift „Im deutschen Reich" eine im Januar 1898 von ihm nach archivalischen Qnellen verfaßte „Chronik der jüdischen Genleinde zu Marienburg" veröffentlichte, welche als Beispiel für die Rechtsentwickelung der deutschen Juden von wesentlichem Interesse war. Das Andenken dieses Mannes wird in Ehren fortleben. — Berlin, 28. August. Die jüdischen Kolonien in Palästina dürfen aberuials ans einen schönen Erfolg, ja. den glänzendsten, den sie bisher errungen haben, verweisen: wie uns ein Privat-Telegranun aus Paris mittheilt, hat die Preisjury der Weltausstellung die Weine der Kolonien mit der goldenen Medaille, die von denselben ausgestellten verschiedenen Frnchtarten mit der silbernen Medaille ausgezeichnet. Diese Anerkennung seitens eines Kollegiums der berufensten, sicherlich völlig unbefangenen Beurtheiler kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Gestaltet sie sich zunächst zu einem Ehrenzeugnih für die Tüchtigkeit der jüdischen Bauern und für die hervorragende landwirthschaftliche Eignung des heiligen Landes, so bildet sie zugleich einen Ansporn und eine Ermuthigung zur kräftigen Fortsetzung der aus die Kolonisation Palästinas gerichteten Bestrebungen, deren Erfolgen und darurn Unterstützungswürdigkeit Voreingenommenheit und Skepsis in gewissen Kreisen noch innner nörgelnde Zweifel entgegenstellen. Schon einmal ist den Kolonien bekanntlich dieAnerkennung der fachmännischen Beurtheiler zu Theil geworden, indem sie vor drei Jahren auf der Internationalen Ausstellung in Hamburg mit der großen bronzenen Medaille bedacht wurden. Zn diesen! Erfolge ist nunmehr ein fernerer, ungleich bedeutsamerer hinzugekommen. Aber sicherlich werden auch die wünschenswerthen materiellen Wirkungen dieser Auszeichnung nicht ausbleiben. Die Obstsrüchte. welche nur in konservirtein Zustande exportirt werden können, haben bisher nur in sehr beschränktem Umfange in Europa einen Markt gesunden, was zürn Theil seinen Grund in der relativ geringen Produktion und vor allem in der nicht fabrikmäßigen Herstellung der Konserven gehabt hat. Die jetzige Prämiirung dieser Erzeugnisse der Kolonien bildet die beredteste Rechtfertigung und Unterstützung des Beschlusses der Franksurter Palästina-Konsereuz, der JewishColonisation Association die Errichtung von Konserven-Fabriken in Palästina zu empfehlen. Handelt es sich hierbei um Exportartikel, die erst in Zukunft den Weltmarkt werden anfsuchen können, so ist dies bekanntlich mit dem Hauptprodukt der Dörfer, mit den verschiedenen Weinsorten, bereits seit Jahren durch die zu diesem Zwecke gebildeten Verkaufs-Gesellschaften (in Deutschland durch die hier domizilirte „ I m p o r t - G e s e l l s ch a f t P a l ä st i n a ") auf das Wirksamste geschehen. Nun, wo sie die höchste Auszeichnung, welche für diese Ausstellungsobjekte überhaupt gewährt wird, erhalten haben, bedarf die jeden Vergleich aushaltende Vorzüglichkeit der Weine keiner weiteren Empfehlung mehr. Das Votum der Preisjury der Pariser Weltausstellung sichert ihnen eine namhafte Erweiterung des Käuferkreises. Da das Gedeihen und der Ausbau der Kolonien selbstverständlich von dem Absatz ihrer Erzeugnisse abhängt, wird die den letzteren zu Theil gewordene Auszeichnung auch aus die Kolonisation überhaupt ihre Segenswirkungen äußern. © Königsberg, 21. August. Das dem Junkerhof gegenüber gelegene. schlichte Haus Kneiphöfische Hofgasse 3 war gestern das Ziel vieler Deputationen und Einzelgäste, die seinem ältesten Bewohner, Dr. Ferdinand Falkson, der sein achtzigstes Jahr vollendete, ihre Glückwünsche darbringen wollten. Dr. F. hat eine durch schwere Krankheit und Sorgen getrübte Zeit hinter sich, und von den drei Operationen, die er im letzten Jahre bestanden hat, war eine sogar lebensgefährlich; nichtsdestoweniger erfreut er sich einer unter diesen Umständen bewunderungswürdigen Frische, zumal sein geistiges Leben fast von derselben Regsamkeit wie vor Jahrzehnten ist. Davon gab der Gefeierte heute die schönsten Beweise, als er unermüdlich die viel-

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