Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1900)
- Date
- 1900-08-31
- Page
- Seite 411 (sequence 5)
- Language
- German
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411 Mein von e Vertreter Art, Bern und deinen, daß en Weisen, agesetz der Zuden „die nen in der e führende r vor, des hren vorüber darf eine Wettend das ist hdet. Am Kutter des fort. Dies le objektive digung zn rüg seines zu Juden i ch t s, be- 130, ist für Kurzem: »egründeten lkerurrg " R.-G. vom e rastlosen evölkerung :ften, ohne l erleiden, ebten, daß er vielfach i einzigen chiedensten den eigennale jene? rschiedener semitische:! äsen, weil Dadurch t straflos ix schweren :te, welche satten, die die antie Gerichts dnrch die m er den erung" im; 130 auch Antisemiten oder aus »b dadurch sen würde, i jenes die Aufreizung unter Strafe stellenden" Gesetzes-Paragraphen vor antisemitischen Hetzereien zu schützen. Nachdem jene wichtige Feststellung in den „Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen" veröffentlicht worden, sollte eigentlich keine zuständige Instanz mehr in der Lage sein, freisprechende Urtheile zu fällen, welche mit der Entscheidung des höchsten deutschen Gerichtshofes im schroffsten Widerspruch stehen. Dies ist um so mehr zu erwarten, weil die Gründe, welche bei dieser Beseitigung vielfacher Rechtsirrthümer maßgebend waren, klar und deutlich beweisen, daß das Reichsgericht den 8 130 genau so auffaßt wie tu seinen früheren Entscheidungen, die leider bisher vielfach unbeachtet geblieben sind. £ Die Agitation gegen das Schächten wird von den Thierschutzvereinen und von den Antiseniiten trotz aller Mißerfolge „unentwegt" fortbetrieben. Vor Kurzem hat sich der Verband der schleswig-holsteinischen Thierschutz-Vereine mit einer Eingabe an die Regierung gewendet, in welcher u. a. um obligatorische Einführung der Betäubung der Schlachtthiere gebeten und ausdrücklich die Ausdehnung derselben auf das Schächten gefordert wird. In der Antwort des Regierungspräsidenten Herrn v. Köller befindet sich der folgende Passus: „Der weiteren Forderung, auch beim Schächten nach mosaischem Ritus die Schlachtthiere vorher zu betäuben, steht an sich nichts entgegen; doch halte ich es nicht für richtig, für den ganzen Umfang des Regierungsbezirkes schon jetzt eine Polizeiverordnung hieri'lber zu erlassen. I:: einer ganzen Reihe von Kreiser: unserer Provi::z kommt das Schächten überhaupt nicht vor, und wo es stattfindet, sind die Ansichter: darüber, ob das Thier bei dieser Prozedur gröbere Qualen zu erleiden hat als bei der sonstigen Schlachtmethode, sehr getheilt. Ich glaube, daß es angezeigt ist, mit einem Vorgehen in obigem Sinne zu warten, bis sich die Meinungen weiter geklärt haben." Das ist aber ein Jrrthum, denn die vorhergehende Betäubung macht die ganze Prozedur ungesetzlich, so daß die obligatorische Einführung dieser Maßregel thatsächlich einem Verbot des rituellen Schächten? gleichkäme, also einen Gewissenszwang enthielte, der weder tu der Sache noch auch in der Form ihrer Ausführung auch nur im Geringsten zu begründen wäre. £ Wenn man wissen will, wer sich am meisten über die Ideen des Zionismus sreut, so muß man jetzt nur die antisemitischen Zeitungen über den Londoner Kongreß lesen. Eine derselben ist ganz enttäuscht von den Verhandlungen. Der Grund für diese Enttäuschung ist sehr charakteristisch. Es heißt nänllich in dem betreffenden Blatte: „Unter Denjenigen, die keine Freunde des Judenthnms sind, giebt es nicht wenige, die den Zionismus für eine ganz schöne Sache halten, da er die einfachste und vollständigste Lösung der Indensrage allbahne. Daß dies ein Jrrthum ist, beweist eil: Artikel des „St. Petersburger Herold" über den vom 11. bis 16. d. M. in London vereint gewesenen 4. Zioliistenkongreß. Allch lvenn das Blatt nicht ausdrücklich bemerkte, daß ihm der Artikel als „Korrespondenz" zngegangen sei, würde man sofort in demselben eine jener Reklamezuschriften erkennen, mit denen die Zionisten alle ihnen irgend zugänglichen Zeitungen versorgen. Und da heißt es: „Der Kongreß (von 1897) . . . setzte das Programm fest, das als Zweck der Bewegung die Besorgung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für solche Inder: giebt, die sich mit ihrer Umgebung nicht assinnliren kö::ne:: oder wollen. Dies läßt klar erkennen, daß die Bewegung nicht darauf zielt, daß alle Juden nach Palästina znrückkehren sollen." Da ist es doch klar und deutlich ausgesproche::, daß eine Verwirklichung der Bestrebungen des Zionismus uns keineswegs von dem Judenübel erlösen würde. Vielmehr soll nur eine Centrale des Judenthnms geschossen werden; die Mehrzahl der Stanunesgenossen würde auch dann, wie sie es ja bereits lange vor der Zerstörung Jerusalems that, zerstreut unter den anderer: Völkern wohne::, rurd die „öffentlichrechtlich gesicherte" Centrale würde sie bei jeder Gelegerrheit „vor Verfolgungen schützerr", d. h. sie würde sich unter dem Vorwände, daß die Inder: unterdrückt rvürden. überall in die inneren Angelegenheiten unserer Knltnrstaaterr einmischen, wie es ja schor: jetzt die Alliance isvaelite, und rächt immer ohne Erfolg, versucht." Was hier negativ von den Feinden ausgesprochen, das denken sicher im Positiven Sinne die andersgläubige!: Freunde des zionistischen Gedankens, wenn sie es auch nicht innner sagen lverden. Darum hat jede Empfehlung des Zionismus von nichtjüdischer Seite für den Denkenden innner einen so seltsamen Beigeschmack. * Das Sündenregister des rumänischen Volkes hat sich in den letzten Tagen um einige weitere Gräuelthaten gegen die Juden vermehrt. Man berichtet darüber aus authentischer Quelle folgende haarsträubeilde Einzelheiten: „Ir: Lnsa. Kreis Kaslan, hat die Gemeinde beschlossen, die Inder: aus der Stadt zu vertreiben. Der Beschluß rvurde vorn Kreisvorsteher bestätigt, und am 12. Juli konnterr die Bürger zur Ansführrrrrg ihres Beschlusses schreiten. Sie thater: es aber ir: einer so bestialischer: Weise, daß man Zweifel Heger: muß. ob die Rumänen ir: Lnsa noch überhaupt zum nrenschlichen Geschlecht zn zählen sind. Sie schlossen nämlich die Inder: in ihren Wohrrnrrgen ein, quälten und marterten sie die ganze Nacht hindurch rrrrd banden sie schließlich gegen Morgen an herbeigebrachte Wage::, die vorher mit ihrer: Habseligkeiten bepackt wurden, um sie ir: Gen:einschast mit einigen Strolcher: so nach Wastar: zu transportiren. Eines anderen nicht minder scheußlicher: Verbrechens hat sich die Polizei ir: Verlad schuldig gemacht. Dort prügelte ein Schutzmann ein sechsjähriges jüdisches Kind, weil es — eben ein jüdisches Kind war. Von dessen Mutter deshalb zur Rede gestellt, erklärte sie der Mann in einer Schutzmannsunisorrn für verhaftet und schleppte sie unter Püffer: und Stößen zur Wache. Hier wurde die Unglückliche von dem Wütherich und seinen Amtskollegen zunächst geschändet urrd dann furchtbar verhauen. Auch die auf der: Hilferuf der mißhandelten Frau herbeigeeilten Inden aus der Nachbarschaft wurden schwer geprügelt. Danr: aber wurde ihnen Bart- und Haupthaar der einen Kopshälfte abrasirt. Die Frau ist ihren Schmerzen erlegen urrd die geprügelten Mänrrer liegen jetzt, 20 an der Zahl, in: Krankeuhause. So steht zu lesen in der „Hazefira", der wir für diesen Bericht die Verantwortlichkeit überlassen, obgleich wir selbst den edlen Rumänen schor: viel zrrtrauen." Solche Scheußlichkeiten, die sich gewiß nicht vereinzelt auf Lusa und Verlad beschränken, weisen auf die Motive hi::, welche unsere unglücklichen Glaubensgenossen mit aller Macht aus Rumänien treiben. Die Schmach, sich von den Rumänen so etwas bieten lassen zu müssen, veranlaßte sie mehr als die bitterste materielle Roth, diesem verkommenen Volke den Rücken zu kehren. Dementsprechend sind in den ersten zehn Tagen dieses Monats trotz allen Hindernissen nicht weniger als 6012 Personen aus Rumänien ausgewandert. Ferner haben sich bis zum 1. August 31 Auswanderungsvereine mit je 50 bis 700 Personen gebildet. Alle diese Vereine haben Mittel genug, um auch ohne Hilfe ihrer weisen Beschützer in Wien, Paris und London bis Kanada zn gelangen. * Abermals haben die russischen Juden den Tod eines ihrer wärmsten Fürsprecher zu beklagen. Am 13. d. M. starb in einem Dorfe nahe Moskau Professor Wladimir Sergejewitsch Solowjew. Obgleich der große russische Denker kaum 47 Jahre alt geworden ist, nahm er dennoch in der wissenschaftlichen Welt einen hervorragenden Platz ein. Ein tiefer, origineller Denker, war er von einem glühenden Eifer