Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-17 · Heft 33 (17.3.1838) · p. Seite 131

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 33 (17.3.1838)
Date
1838-03-17
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224890--00893-3293094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

131 zensehen. Wenn ich nur hoffen dürfte. Ihnen öfter hier zu begegnen?" „Das sollen Sie, Jonathan! Ich kann es um so eher, je öffentliche,; es ist, und da ich seit lange hier um die Mittagsstunde zu lustwandeln pflege. Er beugte sich auf ihre Hand und küßte sie. Dann trennten sie sich, und wahrend Julie nach dem nahen Thore cinlenkte, hing Jonathan noch lange in den Gängen seinen Gedanken und süßen Träumen nach. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Herzogth. Bremen und Verden, 1. Marz. Religiöser und bürgerlicher Zustand. Da6 Herzogthum Bremen und Verden, bekanntlich schon seit langer Zeit dem Königreiche Hannover einverleibt, zählt unter seinenjELnwohnern etwas über 1000 Seelen jüdischen Glaubens. Schon diese geringe Anzahl unserer Glaubensgenossen, die dazu noch in der ganzen Provinz fast gleichmäßig verrheilt ist, läßt erwarten, daß das religiöse Leben hier keine besonders merkenSwerthe Seiten darbieten werde. Ohne kirchliches Oberhaupt, denn das Rabbinat des Herrn Dr. Adler in Hannover erstreckt sich nicht bis zu uns, ohne Gesetze, welche das Schulwesen der israelitischen Jugend bestimmten, lebt jede Gemeinde und jeder Einzelne in religiöser Hinsicht/ wie es ihm am besten convenirt. Einige Gemeinden haben zwar sogenannte Lehrer, welche der Zufall ihnen zuführte, da es bei bewandten Umständen keine Prüfungs-Commission für dieselben gibt, Andere ziehen es aber vor, ihre Kinder christlichen Schulen zu übergeben, und nur wenn die Zeit der Zar - JVlizwa kommt, das heißt drei bis sechs Monate vor derselben, sucht man den Confirmand irgendwo unterzubringen, wo dem etwaigen Privatunterrichte von Seiten der Eltern im 0ren noch etwas nachgeholfen werden kann, und so schließt sich der ausgezeichnete Cursus des Religions-Unterrichtes für das Leben. Der Unterricht der Töchter in dieser Beziehung, macht natürlich den Eltern noch weniger Sorge, denn dieselben brauchen ja nicht confirmirt zu werden! Nur in Verden und in einigen andeen kleinern Orten ist eine Synagoge, wo regelmäßig am Sonnabend und an Festtagen Gottesdienst streng nach allem RüuS gehalten wird; die andern Gemeinden nehmen nur an Bosch Ha - Schana und Jom Kipur an gemeinschaftlichen Andachtsübungen Theil. So klein nun auch im Ganzen die Zahl der hiesigen Juden sein mag, so hat doch der verschiedene Unterricht, welchen derselbe^ der Zufall zu Theil oder nicht zu Theil werden ließ, die entferntesten Extreme in ihrer religiösen Ueberzeugung hervorgebracht. Entfernung nemlich von allem Ceremoniellen, Durch den Mangel an einem zweckmäßigen und zeitgemäßen Gottesdienste so wie auch durch vernachlässigte Jugend-Btldung bedingt, und von der andern Seite die krasse Orthodoxie des Mittelalters ebenfalls hier durch Unwisscnhett begründet, sind die beiden dirigirendcn Pole, und ich mag nicht mehr über ein religiöses Leben sprechen, wo gar keins ist. — Ich bin übrigens weit davon entfernt, die- Schuld dieser verkrüppelten Religiosität den hiesigen Israeliten allein zuzuschreiben, dieJsolirung derselben von einander ist zu groß, und die Gemeinden daher zu klein, um den religiösen Bedürfnissen der Zeit, mit Einschluß des nöthigen Unterrichts ohne thätige Theilnahme des Gouvernements abhelfen zu können. Die Regierung hat übrigens schon damit angefangen, für unsere Provinz vier jüdische Districts-Vorsteher zu ernennen, welche von jedem zahlungsfähigen Oberhaupte der istael. Familien, nach ihrem Vermögen eine bestimmte Abgabe entnehmen müssen, um dürftige Familien damit zu unterstützen, und unbemittelten Knaben die Erlernung eines Handwerks möglich zu machen, und wie es der edelgesinnte Geist unserer Provinzial-Regierung erwarten läßt, wird sich deren Wirksamkeit auch bald auf Cultus und Bildung der Jugend erstrecken muyen. Die politischen Verhältnisse der jüdischen Einwohner des Königreichs Hannover überhaupt, sind hinlänglich durch öffentliche Blätter bekam t; doch hat jede Provinz in dieser Hinsicht ihre Eigenthümlichteit, und die unsrige eine höchst erfreuliche. Zuvörderst wird es hier keinen Juden verwehrt, so viel unbeweglichen Besitz sich zu erwerben, so viel er vermag, die Bcnu^ung und Veräußerung desselben bleibt Jedem wie dem christlichen Einwohner selbst überlassen. Eine nicht geringe Zahl Juden besitzt daher Häuser und Ländereien, und Gemeindevortheile als Benutzung gemeinschaftlicher Wiesen, Holzungen rc., wenn sie zufällig zu einem Orte gehören, kommen auch den Häusern der Israeliten zu gute. Es gibt hier auch mehre jüdische Meister, denen auch nicht die entfernteste Schwierigkeit zur Erlangung der .Conccssion gemacht wurde, einige Knaben lernen gegenwärtig zünftige Professionen, andere junge Handwerker sind auf Reisen, und .Keiner derselben braucht nur irgend besorgt zu sein, sein Judenrhum werde ihm Beschränkung in Ausübung seines erlernten Faches zuziehen. Auf dem Lande ferner genießen die Juden dieselbe Gewerbe-Freiheit, wie die übrigen Bewohner, und nur in den Städten treten einige drückende Beschränkungen, als unter andern das Verbot 5uch verkaufen zu dürfen, ein. ALS Beweis, wie sehr unsere Provinzial- Regierung und die übrigen Behörden über alle religiöse Vorurtheile erhaben sind, darf wohl nur folgendes Beispiel angeführt zu werden. Ein seit Kurzem in Staoe concessionirter iüoischen Arzt, der Dr. med. Rose, genoß nicht nur während seines Schulunterrichts auf dem Gymnasium Ln Verden,sondern auch während seiner academischen Studien zu Göttingen, nicht unbedeutende Stipemüa, welche ibm mit der humansten Bereitwilligkeit, tbeils von dem SchuL-Coüegium zu Verden, theils von der Landdrostei zu Stade, bewilligt wurden. In geselliger Beziehung endlich scheint man in den meisten Orten unserer Provinz durchaus keinen Unterschied zwis^en Juden und Christen mehr zu kennen; der Jude, welcher für gtite Gesellschaft paßt, findet ohne den geringsten Anstand Aufnahme in die ersten derselben und er genießt in derselben so viel Ansehen, wie er als Mensch sich zu erwerben weiß. Unser bürgerliches Glück, welcher uns in hiesiger Provinz in Vergleich mir andern Gegenden unseres Landes zu Theil wird, verdanken wir aber mehr dem menschenfreundlichen aufgeklärten Sinn unserer Lauddrostei, welcher demselben schon seit mehreren Generationen inwohnt, als eigentlich feststehenden Gesehen, die überdies ja auch nur Beschränkungen, keine Freiheiten für die Juden enthalten; aber wie gesagt, durch die schon so lang bewahrte Humanität unserer Regierung empor gehoben, mögen wir wol mit ungetrübterem, zuverläßigeren Blick in die Zukunft schauen, als die meisten unserer übrigen Glaubensbrüder in anderen Ländern es sich getrauen. Und so schließen wir denn über unser kleines Landchen unseren Bericht, mit der festen Ueberzeugung, es werde die Zeit kommen, daß Jude und Christ es kaum begreifen werden, daß es bürgerliche Beschränkungen gegeben habe, welche die verschiedene religiöse Ueberzeugung hervorzubringen rm Stande gewesen w,re. N. Hamburg, 28. Febr. Noch ein Wort über den Telegraphen für Deutschland. —. Leute, wie die Angreifer dieser Zeitung im Telegraphen, Leute, denen es nicht um das Recht und die Wahrheit, "sondern nur um Verunglimpfen und Rechtbehalten?u thun 'ft, lassen Repliken, wie in No. 13. dieser Zeitung nicht unbeantwortet. Sie sollten, H. R., die Antwort im heutigen Telegr., als Curiosnm aufnehmen, wenn es nicht um den schönen Raum Schade wäre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.