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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-24 · Heft 34 (24.8.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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L gerichtet: „Die bei unserer gestrigen Unterredung Ihrerseits in Anregung gebrachte Idee, durch die Allianz israelite wenn möglich einen größeren Komplex Landes in Kanada oder beu Vereinigten Staaten zu erwerben, um so Ihren unglücklichen rumänischen Glaubensgenossen eine bleibende Heimath zu gründen, hat mich noch lange beschäftigt. Vor allen Dingen glaube ich, daß die Vereinigten Staaten sich zum Zwecke der Ansiedelung und des Fortkommens der, wie Sie mir mittheilten, ja zum größten Theile aus Ackerbauern bestehenden Leute »veit besser eignen würden als wie Kanada, mib zwar ist es besonders der Staat Texas, welchen ich für die Ausführung Ihres Projektes als den vortheilhaftesten bezeichnen möchte. Wie ich aus privaten Mittheiluugen entnehme, legt der Gouverneur von Texas besonderen Werth aus zweckmäßige Besiedelung, und gerade in diesem Staate giebt es noch große Komplexe äußerst fruchtbaren Landes, welches brach daliegt und nur der Urbarmachung harrt, um reiche Erträgnisse zu liefern. — Selbstverständlich müßte bei dem Ankäufe der Ländereien mit der äußersten Vorsicht verfahren werden, und möchte ich Sie ganz besonders warnen vor den Anpreisungen der Laudagenten, welche nur ihren eigenen Vortheil im Auge haben und an dem Wohlergehen der Ansiedler selbst wenig interessirt sind. Texas hat, wie jeder andere Staat auch, neben den fruchtbarsten Ländereien seine Sümpfe und Sandwüsten. Ganz besonders muß auch darauf Rücksicht genomnren werden, daß sich in der Nähe des zu erwerbenden Landes Eisenbahnstationen befinde»», nach denen die Erträgnisse der Ernten zu Markte gebracht »verde», können, da natürlich der Staat selbst nicht konsumtionsfähig genug ist, um die Erträgnisse einer ausgedehnten und planmäßigen Bewirthschastung selbst zu absorbiren. Den Ansiedlern müßte», für das erste Jahr genügende Mittel zur Beschaffung von Sämereien und zum Ankauf des erforderlichen Ackergeräthes zur Verfügung gestellt werden, desgleichen die Mittel zur Errichtung der unbedingt erforderlichen Baulichkeiten sowie zum Lebensunterhalt. Nach Ablauf dieser Zeit und unter normalen Verhältnissen glaube ich, werden die Leute schon auf eigenen Füße», stehe», können, und besonders auch der zu erlvartende Nachzug »vird gegen Arbeitsleistung sich seinen eigene», Unterhalt und die Grundlage zur späteren Selbständigkeit schaffe», können. Ich bin gern bereit, mich persönlich der Sache »veiterhin zu widmen und meine durch langjührigen Aufenthalt in den Vereinigte», Staaten gesar»,melier, Erfahr,,»,gen dem Projekte, sollte es zur Ausführung gelangen, zu Gute konnnen zu lassen. Hochachtu»,gsvoll. v. Helrnolt. z. Münster, 17. August. Eine erhebende Abschiedsfeier fand an, gestrigen Tage »»ach Schluß des Unterrichts, der gleichzeitig der Schluß des Semesters »var, im hiesigen Seminare statt. Sie galt de»», scheidenden Direktor D r. G „ t m a r,,,. Eingeleitet wurde dieselbe durch einen mehrstiulmigeu Gesang des Seminarchors. Nunmehr ergriff der älteste Lehrer des Kollegiurus, Herr Dr. Mansbach, das Wort, um i», einer herzliche», An spräche die Verdienste des Herrn Dr. Gutman», um die Marks-Haindorfsche Stiftung zu würdigen. Besonders »vies er auf das schöne Verhält»,iß hin, »velches stets zwischen den, Leiter der Anstalt und dem Lehrer-Kollegium bestände», hat. Herr Dr. Gutman», habe es trefflich verstanden, sich durch sein bestinnntes und gelviunendes Wesen die ungetheilte Verehrung des Kollegiums zu erwerben. Seine Pflichttreue und sein reger Eifer seie», den Lehrer», stets vorbildlich gewese»,. Mit aufrichtigem Bedauern sähen Alle ihn scheiden. Das Lehrerkollegium »verde seiner nicht vergessen und bitte auch ihn um ein treues Gedenken. Als zweiter sprach der Ser»ri»,arälteste Rosenbau»u, »velcher de», Gefühlen der Seminaristen beim Scheiden ihres Direktors und geliebte», Lehrers in »varmen Daukesworten Ausdruck verlieh. Nunmehr verlas der Vorsitzer»de des Kuratoriu»r,s, Herr- Stern, ein außerordentlich ehrendes Schreiben des Kuratoriums, in welchen, den großen Verdiensten des Herr», Dr. Gutman», um die Anstalt hohe Anerkennung gezollt »vurde. Sodann wandte sich Herr Stern an die Seuünarister, und legte ihnen i», eindringliche», Worte», ans Herz, den scheidende», Direktor sich als Vorbild zu nehmen. Darauf „ahm Herr Dr. Gutman», selbst das Wort, „»», tiefergriffen von der», Ernste des Augenblicks de»», Kuratorium, den, Lehrerkollegiuu, und den Seminaristen für die vielen Beweise treuer Gesinnung und herzlicher Liebe zu danken. Was er erreicht habe, habe er nur erreichen können durch die »vackere Mitarbeit der Kollegen, durch das freundliche Entgegenkommen des Kuratoriums, durch den treuen Fleiß der Seminaristen. Er »verde die Anstalt nicht vergesse», ,n,d bitte, auch ihn in guter Erinnerung zu behalten. Abermaliger Chorgesang beschloß die stiln,»,u»,gsvolle Feier. Sie »var ei», schöner Beweis für das herzliche Verhält»,iß, in welchen, Herr Direktor Dr. Gutmann zu dem Seminar und allen an demselben Wirkenden gestanden hat. Nees, Io. August. Das Jubelfest der 50 jährigen Amtsthütigkeit unseres Lehrers L. Cohen am Mittwoch den 18. d.M. gestaltete sich zu einer großartige», Ovation für den Gefeierten. Von »,ah und fern waren die Freunde und Verehrer des u»„ die Wissenschaft des Judenthums u»,d Hebn»,g des Lehrerstandes verdienten Mannes herbeigeeilt. Die Feier »vurde durch einen Schulakt eröffnet, »vobei der Ortsschulinspektor, Herr Superintendent Greeven, von hier in tiefergreifender Rede die große», Verdier»ste und die Pflichttreue des Jubilars »vürdigte, welchem durch Verleihu»»g des Hoyenzollernscheu Hausordens auch seitens der Vorgesetzten Behörde», die gerechte Anerkennung zu theil geworden ist. Na»»,e»»s des Ge»»,ei»»devorstandes überreichte der Vorsitzende desselben, Herr Kaufmann W. Wolf, mit Worten warmen Dankes ein äußerst gesch»»,ackvolles Ehrengeschenk. Oft von Rührung übermannt, dankte Herr Cohen in geistvoller Weise für alle diese Ehrungen. Sodann erfreute die Schuljugend, der sich auch eine Reihe christlicher Schüleri»,neu augeschlosse», hatte, den Jubelgreis durch passende Deklamationen und beendete mit Schlußgesang die herzerhebende Feier. In, Nachlnittagsfeftgottesdienste. dem auch die Herren Bürgermeister Sahler u»,d Sr,perintende»,t Greeven beiwohnte»,. ent»varf Herr Lehrer Spier aus Wesel in formvollendeter Rede unter Anlehnung an Maleachi Kap. 2 V. 6 und 7 in großen Zügen ein Lebensbild des Jubilars, »vorauf bei sehr zahlreicher Betheiligung das Festbankett seinen Ar,fa»,g nah»,,. Nach einen, schwungvollen Prologe brachte Herr Bürgern,eister Sahler de», mit Begeisteru»,g aufgeno»nu,eue», Kaisertoast ans. Die Festrede hielt Herr Superi»,te»»dellt Greeven, »velcher nochmals in überaus herzliche», Worte», Herrn Cohen feierte und durch seine rvaru,e», n»,d gehaltvolle», Ausführunge», stürmischen Beifall entfesselte. Es »var deshalb in, Si»,»,e Aller gesprochen, als Herr- Lehrer Lilienfeld ans Steele de,, Redner als einen echten Lehrerfreund, als ein Muster edler Toleranz und »vahre», Priesterthums schilderte. Noch manche schöne Triuksprüche, so vor, de», Herren Lehrern Spier-Wesel und Nußbaum-Bochold, u»»d frohe Festeslieder »vürzte», das Baukett. Ganz besonders aber trugen zur», schönen Gelingen des Festes die Gesangvorträge des christl. Lehrervereins bei, als dessen Sprecher Herr Hauptlehrer Schwarzkopf der Liebe und Verehrung für Herr», Cohe», beredte», Ausdruck verlieh. Ueberhaupt zeigte die rege Antheiluah»»? der christlichen Bevölkern»,g, die sich iu, Beflaggen der Häuser und in der großen Theilnahr»,e an der Feier dokulnentirte. »velch großer Beliebtheit sich der Jubilar zu erfreue», hat. Hatten doch z»vei der bedeutendster, hiesigen Gesangvereine es sich nicht „ehruer, lassen, schon an, Vorabende durch eine Anzahl Lieder ihr Ehrenmitglied zu erfreuen. Auf alle ihn, zu theil gewordenen Ehrungen »vußte der 70jährige Jubelgreis mit seltener Geistesfrische zu antlvorteu und verharrte bis zur späten Festesstuude im Kreise seiner Freunde und Verehrer. Hunderte vo», Telegra»„»»,en und Briese», aber be»viese„, daß mau auch iu der Ferne des Mannes gedachte, der durch seine», rastlosen Fleiß u»,d sei», tiefes Wisse», sich zu einem der ersten Chronologen emporgerungen hat. Sei», Ehrentag »vird jeder»» Theil»,ehlner u»,vergeßlich bleibe»,, und ehrt zugleich in hohen, Maße die sestgeberrde Gemeinde. Möge», den, verdienten, wackeren Manne „och lauge Jahre der Ruhe u»,d ei», glücklicher Lebensabend beschiede», sein. Oesterreich-Ungarn. Q Wien, 20. August. Anläßlich des siebzigsten Geburtstages uuseres Kaisers haben in alle», israelitischen Synagogen Fest-Gottesdienste stattgefunden. J»„ Stadttempel iu der Seite»,stätte»,gaffe »vurde der Gottesdienst besonders feierlich abgehalten. Nach Absingung ei»,es Festpsalmes durch Oberkantor Singer hielt Oberrabbi»,er Dr. Güdemann die Festrede, nach dere», Beendigung die Anwesende», in die vor», Chor gesungene Volkshyrune ei»,stimmten, während »velcher die Bundeslade geöffnet »vurde. Das reich dekorirte Bethaus »var überaus zahlreich besucht. — Am 18. d. M. feierte Herr Carl Grünfeld das Jubiläu»,, seiner 25 jährigen Thätigkeit als Kantor des Sechshauser orthodoxe», Tempels. Er repräsentirt die fünfte Generation einer alten ungarischen Kantorensamilie, deren Starnmbaum »veit über 250 Jahre zurückreicht. — Anläßlich der Vollendung des 70. Lebensjahres des Kaisers hat Frau Baronin K ö n i g s »v a r t e r den, Verbände zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen den Betrag von tausend Kronen zuge»ve»,det. — In vielen Gemeinden Nieder öfter reichs haben

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