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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-24 · Heft 34 (24.8.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 jetzt Gemeinderathswahlen stattgesunden, lind da ist es als ein besonders günstiges Zeichen zu betrachten, daß säst überall die Antisemiten unterlegen sind. Nur unser Wien bleibt konsequent! Italien. -E Florenz, 19. August. Anläßlich der Ermordung der Königs Humbert sandte der Oberrabbiner von Florenz. Dr. S. H. Margnlies, der augenblicklich in Bad Landeck i. Schl, zur Kur weilt, folgendes Beileidstelegramm an den jungen König: „An Seine Majestät, Victor Emanuel III.. König von Jtalieil, Nom. Entsetzt über die Nachricht voll dem fluchwürdigen, barbarischen Königsmord bitte ich. Eure Majestät »volle geruhen, deu Ausdruck meilles tiefsteil verehrllngsvollen (o b e v ehrerbietigsten) Beileids entgegenzunehmen. Dr. Margulies. Oberrabbiner von Florenz." Darauf ging nach einigen Tagen vom Adjutanten des Königs eine telegraphische Danksagung ein: „Oberrabbiner Dr. Margulies, Landeck, Schlesier». Der erhabene Herrscher spricht für Ihre Beileidsbezeugung seinen Dank aus. Monza, Ge»»eral E. Ponzo-Vaglia. Unßland. L. T. Odessa, 14. August. Der kürzlich i»n äußersten Osten bei Erfülluilg seiner A»»»tspflichte»» getödtete Ingenieur Jg»»az Abramo- »vitsch Bere»»steil» war ein Kiewer von Geburt. Er wurde in» Jahre 1846 geboren und absolvirte das Gy»»»»»asium in Kremenez. Später erhielt er seine spezielle Ausbildung in Petersburg i»n Institut der WegekvlunlUllikatione»», diente hieraus bei der kaukasischen Eisenbahn als Distanzches. Jl» Kiew eröffnete er ein Bureau für Kanalisationseiilrichtuugen und bekleidete die Stelle des Direktors eitler Aktiengesellschaft. Im Mai 1896 ging Berenstein mit Frau und Sohn als erster Jnge»»ieur »»ach Wladilvostock, »vo er zum Stellvertreter des Distanzchess ernannt wurde. Ein Jahr daraus wurde er nach der Stadt Zizikar geschickt, wo er den fünften Bezirk der Ost-chinesischell Eisenbahl» leitete, ul»d »vo er bis z»» den letzten Ereignissen blieb. Am 2. v. M. ging von Chardin auf dem Flusse Sungary der Dainpfer „Odessa" l»ach Chabaro»vsk ab. auf dem sich u»»gefähr 3000 Personen befanden. Am 5. überfielei» die Chinesel» diesen Dampfer, wobei 13 Personen getödtet »vurde»». Als eitles dieser Opfer fiel auch Berensteil», der diesen Dampfer beschützte. Ehre seil»em Andenke»»! — Eine aildere traurige Botschaft ist die vo»» den» Hinscheiden des auch im Auslande bekannten Künstlers I. Le »vital», der am 25. v. M. in Moskau verstorben ist. Er wurde 1861 in einer kleinen Ortschaft unserer ivestlichen Grenze (bei Eydkuhnen) geboren. Den ersten Leseunterricht genoß er in der Moskauer Maleru»»d Bildhauerschule. Aber seine Berühmtheit als einer unserer bestell Landschaftsmaler erlallgte Lelvitan durch sein Bild die „Abenddämmerung", welches den ersten Preis auf der Ausstellung der KlNlstliebhaber errang und das er selbst für die Hungerleidendei» in» Jahre 1892 schenkte. Seit dieser Zeit galt der Name Lelvitan. der bald als Mitglied der Ausstellungsgesellschast a»lfge»»ommeu »vurde. als Zierde aus deu periodische»» Bilderausstellullgen. Dar»»» malte er die berühmten Bilder „Wladimirka". „Die elvige Ruhe" und l»och andere; alle diese Bilder befinden sich in der Tretjakowschen Galerie in Moskau. 1896 gillg er nach dem südlichen Fra»»kreich, woher er einige werthvolle Bilder zurückbrachte, darunter auch „Kor»»iseh". 1897 wurde Lelvitai» zum wirklicher» Mitgliede der Münchener „Sezession" gewählt; seit dieser Zeit ließ sich Lewita»» von anderen Tende»»zen in der Kunst leiten und »»»alte das berühnrte Bild „Der Herbst", »velches sich auch iu der Tretjakowschen Galerie befi»»det. Die Akadernie der Künste wählte Lervita»» z»»n» Mitgliede und z»»»»» Direktor der Abtheilung für Landschaftsrnalerei. Nicht la»»ge vor seinen» Tode »vurde er bea»»ftragt, die Leitung des Unterrichtes in der Moskauer Maler- und Bildhauerschule zu übernehme»». Auf der Pariser Weltausstellung befinden sich folgende Bilder des vere»vigtei» Lelvitan: „Eine Insel im Nowgoroder Gouvernement". „Der Frühling", und „Der Herbst"; der Kü»»stler erhielt für biefe feine Arbeiten von der Ausstellungsjnry die große silberne Medaille. Fast die gesammte Moskauer Intelligenz, ein großer Theil des höheren Beamtenthums, darunter der Gouverneur von Moskau liebft Gemahlin, folgten hinter den» Sarge des Verblichenen. Die Grabrede hielt in deutscher Sprache Rabbiner Kahn, da»»»» sprachen der Direktor der Kunstakademie Fürst A. E. L»vo»v und einige andere Redner. Lewita»» »vird in der russischen Ku»»stgeschichte in Ehren sortleben! Von Nah und Fern. Die königliche Akademie der Künste schreibt für das nächste Jahr wieder den ersten Michael Beer-Pr eis in Hohe von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien für jüdische Bildhauer aus. Der zweite Michael Beer-Preis in gleicher Höhe ist für Musiker bestii»»u»t. desgleichen der Preis der Giacomo Meyerbeer-Stiftung für Tonkünstler in Höhe von 4500 Mark zu einer ein- und einhalbjährigen Studienreise. Die Zuerken»»u»»g des letztere»» Preises »vird voraussichtlich erst im Jahre 1902 erfolgen, die der übrigen bereits im März 1901. — Dem Privatdozenten in der philosophischen Fak»»ltät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Dr. Richard M. Meyer ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. — Der 6. allge»neine Parteitag der (antisemitischen) deutsch-sozialen Res or»npartei findet vom 8. bis 10. September in Magdeburg statt. — Der Seniorchef der Firma Meyer Kauffmann. Handelsrichter Salo»non Kaufs mann, istan»21.d.M. in Breslau infolge einer Operation verschiede»». Der Berstorbe»»e erreichte ei»» Alter vor» 75 Jahren und hat es vermöge seiner persönlichen Tüchtigkeit und geschäftlichen Solidität versta»»de»», sei»» Etablissement zu einer Weltfirma erste»» Ranges emporz»»heben. — In Hanau ist Dr. Salomo»» Bamberge r-Burgpreppach zn»n Proviuzialrabbiuer mit 3 gegen 3 Stimmen geivählt worden, die ans Dr. A. Cohn-Basel fiele»». Der Vorsitzk»»de des Vorsteheramts gab de»» A»»sschlag. — J»n Großherzogthun» Hessen si»»d bis jetzt zi» Gu»»ste»» der run»änischer» Juden gesa»»»n»elt »vorder»: In Rhei»»hessen 20119,10 Mark, hiervon entfallen aus Mainz 17 430,15 Mark, auf Bingen 1000 Mark. I»» Starkenberg 10179.17 Mark, hieran ist Darmstadt mit 9000 Mark betheiligt. In Oberhessen 874.35 Mark, zusamruer» 31 172,62 Mark. Von dieser Summe soll der größere Theil der „Alliauce israelite“ zur geeigneten Verlveudung iu Numäuien selbst zur Verfügung gestellt »verden. »vähre»»d der Rest des Betrages einstlveileu »»och zur Verlveudung für die au» Orte D»»rchreise»»den oder für spätere Entschlüsse an der Depotstelle verbleiben soll. — Von de»» in Frankfurt gesam»nelten Beträgen, die sich »vohl aus insgesam»»»t 400000 Mark belaufe»» dürsten, sind etwa 100 000 Mark an» Platze selbst beziehur»gsweise in Rotterdam verwendet »vorder», während de» Allia»»ce iu Paris einstweilen 80 000 Mark gesa»»dt wurde»». Ei»» größerer Theil des übrig bleibenden Betrages soll den Absichten der Spender gemäß für Galizien verwendet werden. — In Münche»» wurde»» über 60 000 Mark gesammelt. — Bei de»»» in diesen» Sommer in Steinheim gefeierten Schützenfeste wurde Herr Abr. Weil Schützenköuig. Bei deu» Einzug desselben in die Stadt zeigte sich in dem Jubel der Bevölkerung, welcher Sympathien sich derselbe hier erfreut. Derselbe hat in den» Krieg von 1870171 beim 2. Garderegiment rnitgekänrpst. — Die israelitische Oberkirchenbehörde in Stuttgart hat eine Fürbitte für die »»ach China ausgezogeuen Truppen angeordnet, »velche allsabbathlich in das Gebet nach der Predigt einzuschalten ist. — In Amsterdam und Haag haben die portugiesisch-israelitischen Gemeinde»» daselbst die bisherigen Daja»»im zu Oberrabbi»»ern gewählt. Es sind dies die Herren I. van Palachio und E. Pereira. De» erstere ist seit 70 Jahre»» der erste Oberrabbiner der sefardischen Gerneiude zu Ainsterdam. Er ist in dem dortigen Waiseirhause erzogen worden. Die Einführung in das »»eue A»»»t fand an» 12. d. M. unter großen Feierlichkeiten statt. — An»31.v. M. ging ein Bataillon der in Wilna i»i Garnison liegenden Sapenre nach Odessa ab, um von da nach China eirlgeschifft z»» werden. Das Bataillon zählt 18 jüdische Soldaten, für die i»» der „großen Sch»»l" ein Gottesdienst mit Predigt abgehalten wurde. — Der Jahresbericht der neuen Gemeinde z»l Koustar»ti»» opel »veist ein Jahresei»»kornmen von 468309 Piaster»» und eine Ausgabe vo»» 491570 Piastern auf. Von der Einnahme kam der »veitaus größte Theil 391 789 Piaster auf die Fleischsteuer, »vährend von den Ausgaben 94 826 Piaster auf wohlthätige Zwecke und 47 250 Piaster auf Erziehungszwecke verwendet wurden. — Die »»eueste amerikanische Ei»»wa»»deruugsstatistik konstatirt die starke Einwanderung vo»i russischen Juden. Sie »verden von der Einwanderu»»gsbehörde ausdrücklich als Inden, nicht als Russen klassifizirt, »vährend den aus anderen Lär»dern kommenden Inden die Nationalität ihres Herkunftslandes zugesprochen wird. So besteht ein großer, aber nicht festgestellter Theil der einwandernden .Polen aus Juden. Ai» russischen Juden kamen in» letzten Jahre 44 520 gegen 27 086 in» Vorjahre. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch»vitz in Berlin.

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