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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-24 · Heft 34 (24.8.1900) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 406 (sequence 12)
Language
German
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406 ' i Lettern. Damit war, da die Juden ihre Kirchenfahne nicht mit dem Patron zieren konnten, wie dies die gleichzeitigen Kirchenfahnen thaten, sinnreich das Judenbanner charakterisirt. Darum ist auch der Gottesname in der feierlichen Weise des Tetragramma auf dasselbe gesetzt. Ausierdem trägt die Fahne Inschriften, welche auf die Absicht Meisels, sie zum Gemeindepanier zu machen, das bei öffentlichen Aufzügen und offiziellen Empfängen den Judenültesten vorangetragen, deuten sollte. Die erste Zeile der Inschrift giebt in geistvoller Weise das Jahr der Meiselsynagogeneinweihung mit dem Worte „Simchah" (nntttS) ~ 353, abgekürzt für 5353, entsprechend dem Jahre 1592 (September) der gewöhnlichen Zeitrechnung. Dieses Jahresanagranun paßt für die Fahne, welche dem obigen Majestätsbrief von 1598 gemäß wohl erst in diesem Jahre aufgestellt oder doch dein Gebrauche übergeben wurde, nicht, sondern bezieht sich wahrscheinlich auf die Anfertigung der Fahne. Aber das Simchat-Thorafest wurde wegen der im Jahre 1592 an diesem Tage erfolgten Einweihung des Gotteshauses alljährlich da ganz besonders feierlich begangen, und ich weiß mich aus nieinen Knabenjahren noch zu erinnern, daß bis zum Jahre 1863 ~ in welchem die Synagoge umgebaut wurde — alljährlich am Simchat-Thorafeste die Fahne feierlich aufgehängt wurde und bis zum Chauukafeste ausgestellt blieb. Die Bezeichnung „Am Freudenfeste des Jahres der Freude" (5353) tragen alle Paramente und Inschriften der Meiselsynagoge, die auf deren Gründung Bezug haben. Gelegentlich will ich auch erwähnen, daß der Umbau der Synagoge, der im Jahre 1894 wegen der Affanirung der Prager Josefstadt (früher Judenstadt> nothwendig wurde, eigenthümlicher Weise die Jahreszahl „Wörme" lswV) hat, ich daher dieses an das Datum der Gründnrrg anknüpfende Jahresakrostichon über denr nerren Portal anbringen ließ. Mögen stets nur „Freude rrnd Wonne" jliTIP) in dem alten Gotteshause wohnen! Nach dieser Eulogie lesen wir auf denr Meiselbanner aus oder vielmehr nach Erodus 29 P. 14, 10, 11, 12, 13 „Die Steine waren nach den Namen der Söhne Israels, zrvölf rrach ihren Nanren, Siegetstecherarbeit; Odem, Pitheda, Bareketh; Nophech, Saphir rmd Jahalonr; Leschenr, Schebo und Achlama; Tarschisch, Schoham und Joschphe." Die Bedeutung dieser Bibelstelle, welche über die Edelsteine im Brustschilde Aharons berichtet, arr diesem Orte, rvird erst verständlich, wenrr man hört, daß die Verleihung eines Banners mit dem heraldisch ansgesührten Wappen Davids arr Meisel durch derr Kaiser von derr Jrrderr darnals als eirre Art Nobilitirnng, als Recht, eirr Wappenschild zu führen, anfgefaßt wurde. Marrasse berr Israel erzählt irr feinem .,Spes Israel“ Kapitel 18, 65 auch ausdrücklich: ,.lttagae Nardoeliaens Meisel insignia liahuit ah imperatore Mathia ac equitum ordini ad scriptus est." (In Prag besaß Mardochai Meisel vom Kaiser- Mathias Wappen und wrrrde dem Ritterstande zugezählt.) Der Schild Ahrons mit seinen Edelsteinen war daher nicht unpasserrd in das Banner ausgenommen. Nun folgt das dreimalig Heilig und das Schema. Rings unr die Fahne sirrd die Verse aus dem zrveiten Kapitel des vierten Buches Mose, die von Bannern sprechen, gemalt, um die sich die israelitischen Stänrrne in der Wüste scharten; nach den Himmelsgegenden vertheilt: Das Banrrer des Lagers von Reuben, Elizur den Schdeur, das Banner des Lagers der Ephraimiten Elischamer ben Amihud, das Banner des Lagers der Söhne Judas, Nachschon ben Aminadab, das Banner des Lagers der Daniten, Abieser ben Amischadai. Zum Schlüsse ist noch folgende die Erneuerung des Banners betreffende Notiz angebracht: „Es war im Jahre 449 (— 1689) da brach ein Feuer aus in Jakob und verbrannte alle Kostbarkeiten, darunter das Banner, das als Panier ausgestellt war, und welches gespendet und unfertigen lassen hat der vornehme Mardochai Meisel s. A. Und im Jahre 462 (= 1701) wurde das Banner aus dem Säckel des heiligen Vereins „Ner Tomid" erneuert." EUILLETON Bcthulali. Eine Erzählung von I. Zangwill. VIII. as Trio erstarrte augenblicklich, ums sehr gut war. denn mein Pistol war nicht geladen. In ihrer grotesken Stellung, den Blick in sprachlosem Entsetzen auf mich gerichtet, sahen sie unendlich komisch aus. Ihre engen, fanatischen Stirnen, die Frömmigkeitslocken, die voll den sammetenen, pelzbesetztell Hüten herunterhiugen, zeigtell, daß sie gewohnt lvaren. Bibelterte, nicht Männer zu morden. Wäre ich nicht noch wüthend gewesen über den Streich von gefterit, hätte ich sie bemitleiden können, daß ihren llngeschickten, unbewaffneten Händen ein so unwillkommenes Geschäft von Ben David übergeben lvorden war. Einer von ihnen war ein älterer Mann, der Andere war jung. Der Mittlere hatte einen Kropf, deshalb schien er ulir der schlimmste zu fein, und ich hielt mein Auge vorsichtig auf ihll gerichtet. „Söhne des Belial," redete ich sie an, und glaubte, dieser Name würde sie schrnerzell, „warum trachtet Ihr mir nach dem Leben?" Zwei von ihnen duckten sich unter meinem Blicke, der ältere Chassid jedoch, der sah, daß es mit dem Schießen vorläufig vorbei war, sprach kühn: „Wir sind nicht Söhne des Belial, Dir bist vom Satan erzeugt, Du bist der Erzfeind Israels." „Ich, ich?" protestirte ich nun meinerseits. „Ich bin ein eillfacher, Gott fürchtender Sohn Abrahams." „Ein kostbarer Ableger vom Samen des Erzvaters, der das Kommen des Messias verhindert." Wieder diese unbegreifliche Anklage. „Du sprichst in Rüthseln," sagte ich. „Wie das? Sagtest Du llicht Ben David (sein Name sei gepriesen), daß Du alles über Bethulah wissest? Dalln mußt Du auch wissen, daß aus ihrer Keuschheit der Messias geboren werden wird am 9. des Ab." Eine Fluth von Licht brach über mich herein, mystisch doch klärend, blendend' und doch meine Dunkelheit zerstörend. Die Pistole entfiel meiner Hand. Mein Kopf schwirrte von eineni

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