Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1900)
- Date
- 1900-08-24
- Page
- Seite 405 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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405 svnagoge: die mit mehr als tausend echten Perlen uttb Edelsteinen geschmückten Thoraparamente Mardochai und Frommet Meisels und die Fahne mit dem Wappen Meisels. Wie es kommen konnte, daß der Vorhang mib der Thoramantel, den Meisel bei Einweihung der von ihm erbauten Synagoge als prachtvolles Weihegeschenk übergab, bei dem großen Brande der Prager Judenstadt am 21. Juni 1680, welcher auch die Meiselsynagoge mit sammt den darin befindlichen Paramenten und Thorarollen einäscherte, nicht mit zu Grunde ging, war mir bis vor Kurzem ein Räthsel. Erst der im Jahre 1899 von der Gesellschaft „Mekize Nirdamim" in Berlin veröffentlichten „Megillath Samuel, der Primas von Prag", entnehme ich (S. 3), „daß Samuel Tanssig es in Wien beim Kaiser durchgesetzt hatte, daß „die vom edlen Mardochai Meisel herrnhrenden, über fünfzig Jahre liegenden, dem Fiskus verfallen gewesenen Grundstücke, Allrechte, Badehänser und insbesondere mit Gold, Silber und mit Perlen gestickte heilige Vorhänge, Gewänder und Mäntel wiederum frei all ullsere Gemeinde zurück ausgehälldigt wurden." So waren also die vour Staate nach dem Tode Meisels bekanntlich konfiszirten Schätze der Meiselsynagoge dadurch gerettet worden, daß sie während des verheerenden Brandes tu Verwahrung des Staates waren. Das Original des Meiselballlters, all welchent sich keinerlei Gold, Silber, Perlet! oder Edelgestein befanden, das also als werthlos der Konfiskation entgangetr lvar, hat leider das Schicksal der Synagoge im Jahre 1689 getheilt. Das vorhandene, über welches wir dem Leser einiges inittheilen wollen, ist eilte getreue Kopie des ursprünglichen und wurde von einem Vereitle „Ncr Tomid", wie die Inschrift besagt, getreu dem ursprünglichen Origittal im Jahre 1701 neu angesertigt. Bis in die neueste Zeit hinein lvar nach altem Brauche das Meiselbanner alljährlich vont Simchat - Thora feste, dem einstmaligen Einweihungstage der Synagoge, bis Chanuka an der Westwand von Nord nach Süden ausgespannt. In dem demnächst zu eröffnenden Museum der Stadt Prag wird die Fahne leihweise ausgestellt sein und eine der denkwürdigsten Sehenswürdigkeiten desselben bilden. Die Prager Judengemeinde erhielt, wie die Aufschrift auf dem Banner der Altneushnagoge besagt, im Jahre 1357 vorn Kaiser Karl IV. nach dessen Rückkehr aus Italien das Privilegillln, bei feierlichen Aufzügen außerhalb oder intterhalb ihrer Gassen gleich den übrigen Prager Städten (Altstadt, Neustadt ltnd Kleinseite) ein eigenes Banner zu führen und leinen Angehörigen vorantragen zu lassen, das in der Altneushnagoge aufbewahrt wurde. Jllt Laufe der Zeit mußte dasselbe wiederholt erneuert werden, und die jetzt vorhandene bekannte Altneusynagogen-Fahne stanrmt aus dem Jahre 1706, ist also jünger als die Meiselbattnerkopie. In der glücklichen Epoche der Prager Judengemeinde, wie Altmeister Zunz sagt, währetld Rudolf regierte, der hohe Rabbi Löw Oberrabbiner und Mardochai Meisel Führer und Primator der jüdischen Gemeinde war, wurde die in der ganzen Judenheit berühmte, von einer Sagenaureole umgebene .Altneuschul" von der neuerbautetl Meiselsynagoge überstrahlt, ltnd überall, wo Jtldetl lebten, sprach und schrieb man von diesem herrlichen Ballwerke. Jakob Segre, Rabbiner von Casale - Montferat, hat in einem begeisterten Gedichte die Einweihung der Meiselsynagoge gefeiert, und Manasse ben Israel erzählt mit Würute voll den Großthaten des hochherzigett Prager Judenprimators wie von Weltwundern. In Prag selbst ftcutnU man das im gothischen Stile von zwanzig Pfeilern getragene Gotteshaus bewundernd an, und der heimische Chronist David Gans, der sonst so trockene Zahlenmensch, wird zum Hymnensänger, da er von diesem Baue spricht. An Größe, Baustil (die Altneusynagoge hat nur einen Pfeiler), Licht und Glanz überstrahlte also die lteue Synagoge die altberühmte Altneuschul. Die Vorsteher besuchtetr nun ebenso wie die Prager Oberrabbiner oder doch die Appellattten (Mitglieder des religiösen Obergerichts) die Meiselsynagoge, dort wurden nun die offiziellen Verlautbarungen der kaiserlicheil Behörden, des Judenrichters und der Vorsteher durch den Gemeindeaktuar verkündet, wurden gleichzeitig mit den Festlichkeiten in der Altneuschul die behördlich angeordneten offiziellen Feierlichkeitetl veranstaltet — aber eines fehlte noch, die Fahne. Das offizielle Wahrzeichen der Prager Judenheit ^befand sich in der Alttteuschul und dadurch war das Primat noch offiziell an dieses Gotteshaus gebutldetl. Da erwirkte Meisel für wichtige Dienste, die er dem Kaiser zu leisten Gelegenheit hatte, im Jahre 1598 eilt Privilegium, das zwei Angelegenheiten ordnete, die ihm ganz besonders am Herzen lagen. Der Kaiser ertheilte ihm das Recht, obwohl er keine Leibeserben hatte, über sein Vermögen frei testiren zu dürfen und gab ihm die Erlaubnis, in seiner Synagoge eine Fahne aufzustellen. Leider hat die böhmische Kammer später trotz dieses Majestätsbriefes das gesammte Vermögen Meisels, 516 250 Gulden bar, viele Häuser und Grundstücke sammt dem werthvollen Syltagogeninventar konfiszirt und das Wichtigste trotz des fast zweihundertjährigen Prozesses, den die Judellgenteillde darum führte, auch behalten. Nur die Meiselsynagoge, die beiden Badehäuser (das Meiselbad und der Badehof) und die Syltagogenparatuellte erlangte die Judengemeinde, wie die oben angeführte „Megillath Samuel" bestätigt, auf Verwenden des genanntetl Primators Samuel Tatlssig zurück. Die Stelle im Majestätsbriefe von 1598, welche sich auf die Meiselfahne bezieht, lautet wörtlich: „Endlich geruhtetl Se. kaiserliche Majestät ans Allerhöchster Gnade überdies zu bewilligen, Markus Mardochai (Meisel) damit zu beschenken, daß dieser für die neulich von ihm erbaute Judenschnle die Fahne Davids (soll heißen das Wappen Davids), das sogenannte „Magen David" in derselben Art wie sie in der „alten großen Schule" ist und dort gesehen wird, ansertigen lassen dürfe, und daß die Inden dieselbe dann frei in dieser Schule gebrauchen sollen." Ob der einschränkende Zusatz am Schlüsse des Majestätsbriefes, der denn doch die Altneuschnlfahne allein als Gemeindefahne bestehen ließ und dem Meiselbanner nur synagogale Bedeutung beilegte, in dieser beschränkenden Weise aufgefaßt wurde, wissen wir nicht. Die Fahne ist, wie bereits oben erwähnt, sechs Meter latlg und am Fahnenstock zlvei Meter breit, verjüngt sich nach ungefähr 1V2 Meter zu einem dreieckigen Bantter und trügt auf rother Seide mit Gold, in Form und Stil der Altneuschnlfahne ähnlich, das Wappen Davids mit Heltn und Decke, aber heraldisch korrekter als dort, in riesigen Dimensionen gezeichnet. Die Inschrift zeigt zunächst, wie die der Altneusynagoge, das Beketlntniß der Israeliten „Schrna Jisroel" in riesigetl