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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-24 · Heft 34 (24.8.1900) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 401 (sequence 7)
Language
German
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401 i* gegen bie hten. Am > hausten da e, schlüget, m in bliebte Thoralbe zu der- Verein mit S der Uni- .tseinanbert Poßwetii, tging, ein »ersteckt, un. Nettem in :awallisten' anntag da§ gelt Lngum lwetin und von ihren, Kompagnie sichrer fest, jetzt ist die )en Pfaffen , wird den n ltoch zu ttelftab ge en Mvrmt inch lang htsanwaN Lebens sich freund be vnnte trat einen mir Heren ein. amfeit für kaner An um dackurz narb Jahre er velche die m mußte. , um die he zu de zenheit, in arken und t brechen Juden in Viderstand gen Jahre die Juden Bei dieser gen Worte dem Gotte ßten aller i beklagen, und eifrig russischen Der vierte Zionistenkongreß. t. London, im August. ^^^achdem die Zionisten ihre ersten drei Kongresse in Basel abgehalten haben, kehrten sie dieser schönen Stadt an den grünen Ufern des Rheins unerwartet den Rücken, um ihre alljährliche Heerschau fortan in London abzuhalten. Dieses war durchaus nicht aus purer Undankbarkeit gegen die gastliche Schweiz geschehen, vielmehr sind die Zionisten dabei einem dringenden Gebot der Nothwendigkeit gefolgt. In der That konnte kein geeigneteres Mittel gefunden werden, dem Zionismus für einige Zeit neues Leben einzuflößen! Die Größe seiner jüdischen Bevölkerung wird wohl für die Wahl Londons maßgebend gewesen sein. Die 50 000 Juden von o-ast-London sind im Stande, dem Kongresse ein ganz anderes Prestige zu verleihen, als die wenigen Juden in Basel, welche überdies dem Kongresse stets eine eisige Kälte entgegenbrachten. jn der That soll die Volksversammlung in Mile-end am Sonnabend Abend von 8000 Entree zählenden Juden und der Sitzungssaal des Kongresses von 4000 zahlenden Menschen besucht worden sein, ein Umstand, der nicht verfehlt hat, auf die Delegirten aus den russischen Zwergstädten einen unvergeßlichen Eindruck zu machen. Obwohl so die äußere Umgebung des vierten Kongresses, die Atmosphäre, in der er wirkte und athmete, von der seiner drei ersten Vorgänger so grundverschieden war, so ist doch 'eine eigene Physiognomie ganz wie ehedem geblieben. Der Kongreß ist in London ebensowenig englisch, wie er in Basel ichweizerisch war. Er war sogar kaum noch international, sondern fast rein russisch. Das Ueberwiegen des russischen Elements, das schon beim zweiten Kongresse auffiel und dem dritten Kongreß seinen Stempel aufdrückte, mußte auf dem inerten Kongresse in London auch dem Kurzsichtigsten auffallen. Pebst den 300 Delegirten, welche trotz der größeren Entfernung direkt von Rußland nach London gekommen sind, haben sich;ahlreiche österreichische und deutsche Zionisten von Rußland ait§ delegiren müssen. Unter den russischen Delegirten befanden sieh auch sehr zahlreiche Rabbiner, nicht etwa von der Regierung Angestellte Kronsrabbiner, sondern veritable Talmudrabbiner mit Löckchen und Käppchen. Ebensowenig wie durch seine Physiognomie unterschied sich der vierte Kongreß durch den Charakter der auf ihn gehaltenen Sieben von seinen drei Vorgängern. Nach wie vor bildete Max Nordaus „Uebersicht über die Lage der Juden" den „Clou" des Kongresses, und gar mancher Delegirte würde dem Kongresse fern bleiben, hätte ihn der zu erwartende Hochgenilß, Dr. Max ianbau sprechen zu hören, nicht immer wieder und wieder >um Besuch veranlaßt. Nachdem Nordau gesprochen hat, leert 'ich der Saal merklich, und die Verhandlungen fließen träge vor einer auf die Hälfte rednzirten Zuhörerschaft dahin. Der nilhalt dieser Reden ist fast immer derselbe. Nebst der Behauptung, daß der Zionismus in unaufhaltsamem Wachsen begriffen sei, besteht das Rezept dazu darin, daß man einen Popanz malt, um daun auf den Widerstandslosen tapfer losstrschlagen. Hört man die Herren reden, so möchte man glauben, alle jüdischen Blätter, sämmtliche Rabbiner und Prediger solvie das gesammte jüdische Volk habe das ganze Jahr über nichts Besseres zu thun, wie den Zionismus zu bekämpfet!. In Wirklichkeit liegt aber die Sache ganz anders. Auch die großen Fortschritte des Zionismus sind schon oft verkündet worden. Aber der Charter wird erst „nächstens" konnnen, und die Höhe des Schekels bewegt sich noch immer in dem Rahmen der niedrigsten sechsstelligen Zahl. Dazu werden sie zu nahe 80 Prozent in Rußland und zwar größtentheils von alten Chowaweh-Zion aufgebracht, welche nur des lieben Friedens wegen bei der Fahne bleiben. C’est tont! Doch nun zu dem Bericht über den Kongreß. Am Montag. beti 13. August. Vormittags 10 Uhr. wurde der Kongreß durch Dr. T h e o b o t Herzl als dem Vorsitzenbeu des Wiener Aktionskomitees eröffnet. Er sprach erst einige englische Sätze mit bann deutsch fortzufahreu: England gehört zu den sehr wenigen Ländern auf der weiten Welt, wo bas alte Volk Gottes ltoch nicht verfolgt wird. Dennoch würbe man den Juden einen schlechten Dienst leisten, wenn man sie zu einer Masseneinwandernng in England veranlassen wollte. Sie würden dadurch in die neue Heimath nur bas ntitbrittgen, vor dem sie eben geflohen sind — den Antisemttismus. Unsere Gegner haben uns ivährend des ganzen Jahres mit Feindseligkeiten überhäuft, laßt uns daher mit einigen scharfen Axthieben den Schwamm etttfernen. der sich an dem Bannt des Zionismus festgesetzt hat. Dieser Baum blüht trotzdem aber und gedeiht. Vor vier Jahrett hat man jedelt Jndett ausgelacht, welcher behauptet hat, die Juden seien eine Nation, heute aber macht inan sich lächerlich, wenn man die Existenz einer jüdischen Nation leugnet. Die Lösung der Judensrage in Palästina wäre nicht allein ein Glück für die Inden, sondern würde auch von glänzenden Folgen für die gesamtnte Mettschheit sein. Die asiatische Frage wird von Tag zu Tag verwickelter, es wäre ein Segen für alle civilisirten Völker der Erde, wenn man auf den kürzesten Weg nach Asieit einen Posten errichten wollte, auf dem die Civilisatiou iit Asieit bewacht werden könnte. Ein solcher Posten ist Palästina, und die Juden sind bereit, unter Suzeränität des Sultans diesen Postett mit ihrem Blut und ihrer ganzett Existenz zu bewachen. Unsere Feinde verhöhnen uns und kvtnmett tuts mit allerhand Fragen, von denen eine sehr positiv lautet: Habt ihr schon beu Charter? Darauf antworten wir: „Nein!" Auf die Frage aber, ob begründete Aussicht vorhanden sei, diesen Charter zu bekommen, ntiiffeit wir mit einem ebenso unzweideutigen „Ja!" antworten. Wir haben gegenwärtig Grund, mit der Aufnahme tinserer Bestrebungen an einer atterhöchsteit Stelle sehr zufrieden zu sein. Fragt nicht viel. Ihr dürft in dieser Hittsicht zum Aktionskomitee volles Vertrauen haben. Dagegen will ich das offizielle Jndenthuni fragen, was habt ihr für die rumänischen Juden gethan, deren unerträgliche Lage euch schon seit 4 Jahren bekanttt sein mußte? Man spricht von Komitees und von großen Anstrengungen; will uns Jemand sagen, was diese vollbracht haben? An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Nachdem Nedlter die Beschuldigung, die Zioitisten hätten die rnntänischeit Inden in Bewegung gesetzt, mit Entrüstung zurückgelviesen hat, stellte er in Aussicht die Sammlung von Fonds, um. int Falle solche Katastrophen wie in Rumänien sich wiederholen werden, gerüstet dazustehen und nicht mehr auf die bankerott gewordene jüdische Philattthropie angewiesen zu sein. Aus Antrag des Rechtsanwalts Dr. Bodettheimer wird in das Bureatt des Kottgresses gewählt: Dr. Herzl, Präsident. Dr. Nordau, Dr. Gaster, Dr. Mandelstamnt. Vizepräsidentett, Dr. Kohan-Bernstein. Rechtsanlvalt Jasinowskh, Prof. Dr. Gottheil. Dr. Alexander Marmorek. Sir Francis Motttefiore, David Wolfsohn, S. Pineles uiib Dr. Schur als Beisitzer. Ferner wurden als Schristsührer gewählt: I. Usischkin utld Dr. Levin für hebräisch imb Jargon. Dr. I. Tschlenow und Temkin für russisch, Mr. Josef Cowen für englisch, Frau Professor Gottheil für französisch, Dr. Friedernattn und Dr. Mettezl für deutsch und Ellntattn für rumänisch. Darattf ergriff Dr. Nordau das Wort zu seinem Bericht über die Lage der Jtiden. Das verflossene Jahr ist für die Inden ein sehr trauriges gewesen. Der Antisemitismus hat wie ein Steppenbrand um sich gegriffelt und nimmt ltnnmehr Formelt an, welche die schlimmsten Befürchtungen rechtfertigen. Alle bösen Geister des Mittelalters, die man schoit längst todt und begrabett wähnte, siitd zu nettem Lebet! erwacht und treten ins Helle Tageslicht. Selbst die Blntbeschuldigung findet beim gemeinen Volke immer mehr Glauben und erregt ihren Haß in einem für Lebett und Eigenthum der Juden überaus bedrohlichen Grade. In czechischen Distrikten Böhmens ist die Gebärde des Halsabschneidetts gegenüber den Juden allgemein, und in Westpreußen und Pommern waren viele Inden geuöthigt, vor dein antisemitischen Pöbel ans-

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