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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-24 · Heft 34 (24.8.1900) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 399 (sequence 5)
Language
German
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399 icfcv Bahn )mmenheü 3 namhaft glauben es ltnißnläßig sie infolge empfillden eben rufen, besser ausu. Schulen rumänische en in der Rumänien gessen und nisch dafür ge Fragen ihrer Ent licht durch liche Noth. ht reichlich;n armen htern. August. ren Namen r legt dochmehr mü ten Partei rnens ein : „Deutsch rt, will sich m, in der esinnungs Vorgehen Centrums schreiben sin semiten" ist nach etwa: aben sie siNi tartei in die sormpartei ch auf bem n Parteitage Der brauct!- lung" wird zu nennen lig aufhelfen holl garniäit lappste ulid diese nicht liefern ver- Die Antlur bewiesen, Partei, die erstag zuu> Antisemitismus eingeschwenkt, indem sieden Rassenantisemitismus saus phrase verkündete. Dieser und der „gesellschaftliche" Antisemitismus sollen das Allheilmittel der sogenannten „Judenfrage" sein. Den Dank für diese Erklärung hat das Blatt bald darauf' empfangen, indem die Blätter der deutsch-sozialen Reformpartei, die sie selbst als „schamlose Antisemiten" bezeichnet, ihr die volle kollegiale Zustimmung aussprachen. Die Sache^wäre^an sich nicht voll Bedeutung, wenll das Blatt nicht eben das Organ der freikonservativell Partei wäre, die sich bis jetzt llicht offen zunl Antisemitismus bekannt und eigentlich auch keine Veranlassung hat, zu dieser Fahne zu schwören. Indes sind solche Artikel schon öfter erschienen, ohne daß die Partei als solche die Verantwortung dafür zu übernehmen geneigt war. Es ist nicht unmöglich, daß es auch diesmal so kommen wird. * Die Wahrheit des alten Sprichwortes, daß, wer den Schaden hat, für den Spott nicht zu sorgen brauche, konnten wir in dieser Woche all uns selbst ersahrell. Die „Volkszeitung" brachte nämlich den folgenden „lustigen" Beitrag zil denl so ernsten Kapitel, wie der Grundsatz der versassullgs mäßigen Gleichberechtigung aller Bekenlltnisse in der Praxis bethätigt wird: „In einem Bundesstaate, der Name thut im Augenblicke mrf)t§ zur Sache, haben jüdische Bewerber um richterliche Aemter, wenll sie besonders klug und tüchtig sind, neuerdings uiehr urrd mehr Gelegenheit, ihre Klugheit außer zu amtlichen Obliegenheiten zur Lösung des in der Verfassung nicht vorgeseheneil Räthsels zu verwerthen, warum die Kollegen ans arischen Häusern mit einem durch den Taufschein indizirten guten christlichen Glauben viel rascher als sie selbst vorwärts kommen. Einige dieser Räthsellöser »vollen die Bemerkung gemacht haben, als ob z. B. die sogellaunten mit dem Bezüge von Tagegeldern verbundenen Kommissorien eine spezifisch arische Einrichtung seien. Es mag dies eine optische Täuschullg sein; lvir wollell darüber nicht streiten. Jedensalls wissen lvir, was mall sich in den juristischen Kreisel» des betreffelldell Bulldesstaats von einem jüdischen „Unbesoldeten" erzählt, der schon eine lange Reihe von gratis geleisteten Dienstjahreu hinter sich gebracht hat und kürzlich mit einem höheren Vorgesetzten bescheiden über die entfernte Möglichkeit sprach, über kurz oder lang so etwas zu erhalten, was in arischen Kreisen nach weit kürzerer Diellstzeit als Anstellung empfullden »vird, sich auch bei näherenl Zusehen als solche erweist. „Ich glaube doch nachgerade, wagte der Themis-Jünger verschämt zu bemerke!», »uir eine Beförderung „ersessen" zu haben." Mit dem überlegenen Lächeln, das ein hochbesoldeter höherer Vorgesetzter einen» gänzlich unbesoldeten Untergebenen gegenüber gebrauchen darf, erlviederte der Mann der höheren Rangurid Gehaltsstufe: „Lieber Freund! Eine „Ersitzung" nach jahrelangem Dienst? Wissen Sie, was zu Ihrer „Ersitzung" fehlt? Der „gute Glaube". * Ein überaus lehrreiches Bild von der Entstehung der sogenannten „Ritualm ordfabel" dürste die nächste Sitzung des Schwurgerichts in Ulm bietell. Man schreibt darüber: In der Nacht von» 21. auf den 22. Mai 1894 wurde der Friseurlehrling Paul Müller von hier in der Fischergasse ermordet und in Stücke geschnitten ausgefunden. Obwohl in Stadt und Umgebung nur wenig von ausgeprägteul Antisemitismus bis dahin zu merken war, wurden doch bald Stimmen laut, die den danlaligeu Schächter der hiesigen israelitischen Gemeinde, einen in Ehren ergrauten Mann, der Mordthat bezichtigten und das Verbrechen zu einem Ritualmord stelnpelten. Der Schächter wurde verhaftet, jedoch, da sich die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen ergab, nach einiger Zeit wieder freigelassen. Der wahre Schuldige blieb unentdeckt. Am letzten Dienstag Abend nun wurde auf dem Bahnhöfe der Stiefvater des Ermordeten, der Wagenwärter Eisenhardt, gerade, als er vom Dienst mit dem Zuge miftun, verhaftet. Seit geraumer Zeit lvnrden j Anzeicbe:' gefunden, die darauf hindeuten. daß Eiscnhardl entweder! selbst den Mord begangen habe oder zum miubeften Beihilfe geleistet I habe. Die Verdachtsgründe wurden seit dem am 6. Juni erfolgten! Tode der Ehefrau des E. so belastend, daß die sofortige Verhaftung des Verdächtigen vorgenommen lvurde. E. wollte am 1. September wieder heiratheu. Wir erinnern uns noch sehr wohl, daß damals die antij semitischen Blätter ein wahres Jndianergeheul anstimmten.! Die Menge habe an dem Schächter — Bernheim hieß derselbe — fast Lynchjustiz geübt, so berichteten sie. Aber von der schon nach wenigen Tagen erfolgten Freilassung des Mannes nahmell sie dann natürlich keine Notiz. Ausschlaggebend für diese Freilassung war das Gutachten der Tübinger medizinischen Fakultät, daß die für Menschenblut gehaltenen Flecken an dem Messer, der Strecknadel und den Kleidern Bernheims theils Rostflecken, theils Thierblutflecken waren. Die Geschichte ist, wie gesagt, gerade in diesem Augenblicke sehr lehrreich, um, nachdem in Könitz wenigstens einigermaßen die Ruhe hergestellt, in anderen Städten, wie Filehne n.a.O., wieder Stinunung für „Ritualmorde" gemacht wird. * In Hessen ist ein freisinniger Mann, der Oberbürgermeister Gnauth aus Gießen, zum Finanzminister ernannt worden. Diese Ernennung ist nun den dortigen Antisemiten schwer auf die Nerven gefallen. Eines ihrer Blätter droht bereits. „Bei der Reichstagswahl ini Jahre 1890 richtete er, damals noch Kreisingenieur, einen Brief an seine Kollegen, worin der konfessionslose Herr sie aufforderte, rücksichtslos gegen die deutsch-soziale Reformpartei aufzutreten. Sollte der neue Herr Finauzulinister diese Tendenz in Darnlstadt fortsetzeu lvolleu, so sitzen Leute itn hessischen Landtag, wie die Herren Wolf, Köhler mld Bahr, die ihm, wenn nöthig, auch mit „rücksichtsloser Schärfe" dienen können." Es soll Leute geben, welche sich auch vor den hessischen Antisemiten nicht fürchten. * Im englischen Parlament ist in der vorigen Woche die rumänische Judenauswanderung besprochen worden, und zwar im Hause der Gemeinen. Der Staatssekretär Brodrick antwortete auf eine diesbezügliche Anfrage und erklärte, daß die Judenailswanderungell in Rumänien, die von verschiedenen Zeitungen der schlechten Behandlung zugeschrieben werden, denen dieselben seitens der rumänischen Behörden ausgesetzt sind, durchaus nicht diesen angeblichen Verfolgungen zuzuschreiben seien. Die englische Regierung sei nach eingeholten Informationen davon überzeugt, daß die Behauptungen der Zeitungen unbegründet ^ien. Es ist wahr, daß die Juden in Rumänien die Naturalisation nicht erlangen, es ist aber bis jetzt in dieser Beziehung bei der englischen Regierung noch keine Klage eingelanfen, folglich konnte dieselbe »roch keine Reklamation au die rumänische Regierung richten. Ob sich das Haus mit dieser mehr als seltsamen Antwort zufriedengeberr wird, ist noch die Frage. Wie anders klang der Ton aus England zur Zeit der Verhandlungen über die rumänische Judenfrage auf dem Berliner Kongreß! £ Ueber den Zionistenkongreß, der in London tagte, berichten wir an anderer Stelle. Die Verhandlungen brachten kein neues Moment, das zu besprechen oder zu widerlegen wäre. Unsere ablehnende Stellung dem Zionismus gegenüber haben wir schon so oft und entschieden präzisirt, daß es absolut unnöthig erscheint, hierüber auch nur ein Wort noch

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