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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-17 · Heft 33 (17.8.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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5 ähttlich verhalten. Angesichts der traurig großen Snunne voll Elend dürste es sich empfehlen, daß Ihr geschätztes Blatt den deutschen Glaubensgenossen die drillgellde Pflicht, sich der Nothleidenden kräftig allzunehmen, vor die Seele führt. Würden tu Deutschland allgemein, wie hier gescheheli, ca. 3 Mark pro Kopf (die Zahl der jüdischen Einwohner Aachens ist etwa 2000) auch tlur annähernd aufgebracht, so wäre damit einer beträchtlichen Anzahl der schwer Heimgesuchten zu helfen. Erfahrungsmäßig aber nmß das in Betracht kommende Publikum ausgerüttelt werden, ehe es sich zur Leistttllg voll Beisteuern ermatlnt. Daß dies durch Ihr geschätztes Blatt geschehen möge, dazu wollte ich hierdurch anzuregen mir gestatten. Der hiesige, sehr warm und kurz gehaltene, von Rabbiner. Vorstand und Repräsentanten unterzeichnete Aufruf wurde den Betreffenden, kurz bevor dieselben besucht lverden sollten, zugesandt. Die Besuche, ungefähr 230, wurden durch die Komiteemitglieder persönlich gemacht. Durch Boten ist nur wenig zu erwarten. In Köln regt man sich jetzt auch; von dort sind schon die ersten 10 000 Mark nach Paris gesandt worden. v. Cannstatt, 12. August. Die Plenarversammlung des israelitischen Lehrervereins in Württemberg hat aut 8.Aug.stattgefunden. Die Versammlung, unter der Leitung des Vorstandes, Herrn Lehrer Schmal aus Ludwigsburg, war ziemlich stark besucht und wurde mit einer meisterhaften Anrede des Vorsitzellden eröffnet. Nach dem üblichen Rechenschaftsberichte, vorgetragen vom Lehrer Metzger-Cannstatt, wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, und zwar: 1. Unsere Denkschrift. 2. Belohnung der Kirchendienste israelitischer Volksschullehrer. Erstere oder eigentlich die Alltwort der Kultusbehörde hieraus wurde unter allseitiger Zustimmung vom Kollegell Preßburger-Creglingen behandelt, und letztere von Sah-Affaltrach in der Weise ausgeführt, daß sie zll einer erneutelt Eingabe an die Behörde führte. Alt der Debatte betheiligten sich auch die gern gesehenen Gäste, nämlich die anwesenden drei Rabbiner, tvovou jedoch die Ansichtelt des Rabbiners Kahn-Eßlingen durchaus llicht mit den Anschauungen der Vereinsmitglieder harmonirten und fast eine Dissonaltz in die Versammlung brachten. Sehr atlffallend aber muß es utls Vorkommen, daß wie gewöhtüich intuter nur ein oder zwei Sprecher das Wort führen, und die An- und Absichten Anderer fast nie zutn Allsdruck und zu Gehör kommen können. Es ist dies ein großer Fehler unserer Versammlungell und hat die Folge, daß manche schätzenswerthe Mitglieder nnseres Vereins der Versammlung fern bleiben. Außerdenl hält man sich zu viel mit nebensächlichen Dillgen auf, so daß die Tagesordnung fast nie erschöpft wird. Daher kommt es, daß die meisten Theilnehmer sehr unbefriedigt wieder nach Hause gehen. Dem abzuhelfeil. wäre wohl für die Folge eine lohltenswerthe Aufgabe des Ausschusses resp. des Vorsitzenden und ich bin fest überzeugt, daß llltsere Mitglieder mit weit mehr Freude und Eifer unseren Versamnllungen anwohnen werden. Oesterreich-Ungar«. □ Wien, 13. August. Aus dem böhmischen Städtchen Altbenatek, in dem vor einiger Zeit das Verschwinden eines Knaben Anlaß zu aufregendelt Gerüchtetl gab. erfahren wir. daß der vermißte Junge bereits von der Gendarmerie aufgegrifien wurde, und daß derselbe den Mißhandlungen seiner Eltern etltflohen ist. — Mit dem Blutmärchen ist es also für diesnial wieder nichts, trotzdem ein neuer klassischer Zeuge in der Person eitles verlotterten Rabbiuats- Kandidaten sich den antisemitischen Organen vorgestellt hat. — Aus der Suche nach Beschäftigung passiren jedoch besagtent Kandidaten die absonderlichsten Dinge: so gerieth er statt in ein antisemitisches Lokal in die Redaktion der Prager „Bohemia" und des „Czas", wo ihm jedoch nicht der beste Empfang zu Theil geworden ist — und nun verirrt sich der klassische Blutzeuge gar zu dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Smichow, wo er bittet, ihm die Rabbinerstelle zu verleihen; da diese jedoch bereits besetzt ist, so sucht er um eine Empfehlung des Kultusvorstandes an andere Gemeinden att! Für alle Fälle ein beklagenswerther Mensch. in dessen Gehirn sich die Ideen wirr durcheinander kreuzen. — Das Wieliczkaer Bezirksgericht verhandelte vor einigen Tagen über das Ansuchen der 15 jährigen Rochnle Weiß. Tochter des Wieliczkaer Matrikensührers und Religionslehrers Marcus Weiß, um Entziehung der väterlichen Gewalt. Rochme Weiß hatte im August vorigen Jahres das elterliche Haus heimlich verlassen, sich in das Kloster der Feliciauerinneu zu Krakau begeben und sich dort taufen lassen. Protokollarisch hatte sie beim dortigen Gerichte um Aberkennung der väterlichen Gewalt angesucht mld dies datilit motivirt. daß i()r Vater sie mit einem Messer bedroht und beschimpft habe. In dem Protokolle hatte sie weiter altgegeben, sie lvolle nicht mehr nach Hanse znrückkehren. sondern in der katholischen Religiolt. die sic als die einzig richtige anerkenne, verbleiben. Die Vertretung des Vaters bei der gestrigen Verhandlung hatte auf Ersuchett der österreichisch-israelitischen Uniott der Krakauer Landestittd Gerichtsadvokat Herr Dr. R. Landau überttommen. Der Vater Marcus Weiß erklärte auf Befragen des Richters entschieden, er habe seine Tochter niemals mit einem Messer bedroht noch beschimpft, er verzeihe ihr den Diebstahl, ben sie beim Verlassen des Hauses an ihm verübt, und den sie auch bei Gericht eingestandeu hatte; er verlange. daß sie in das elterliche Haus zurückkehre, mag sie auch fernerhin Christin bleiben. Die Mutter und Schwester des Mädchens bestätigten, daß Rochnte weder bedroht noch beschimpft wurde. Die schwerkranke Mutter gab überdies an, sie und ihre Töchter hätten wiederholt unt eine Zusammenkunft mit Rochme ersucht, seien aber stets von der Oberin abgewiesen worden. Zwei Schwestern uttd die Mutter deponirten seriter, daß sie einigemale heimlich, vou der Oberin unbemerkt, mit Rochme durch das Gitter des Klosters gesprochen haben, wobei Rochme heftig weinte und sich bereit erklärte, ztt den Eltertt zttrückzukehrett, jedoch hinzttfügte, daß man sie im Kloster gelvaltsam daran hindere. Auf Grund dieser Anssagen stellte Dr. Lattdau den Alttrag, das Gericht möge die sofortige Herausnahme der Rochme Weiß aus dem Kloster und deren Uebergabe an den Vater verfügen. Dr. Landau verlangte ferner, für den Fall, als das Gericht noch weitere Erhebungen pflegen sollte, daß zur nächsten Verhandlung Rochnte Weiß persönlich erscheine, da der Vater befürchte, daß sie nicht freiwillig handle, sondertt unter dem Einflttsse fremder Personen stehe. Sie soll ihm. dem Vater, ins Gesicht sagett, daß sie thatsächlich nicht mehr zurückkehren wolle, da er diesbezüglich begründete Zweifel hege. Der Richter vertagte die Verhandlung mit dem Beuterkett, daß er über diese, auch juristisch eingehend ntotivirten Anträge schriftlich etttscheidett werde. Der Fall ist insofern von prinzipieller Tragweite, weil hier zutn erstettmale zeugeneidlich festgesteüt lvurde, daß eines der im Kloster der Felicianerinnen zurückgehaltenen Mädchen ttach Hattse zurückkehrett will, hieran jedoch vott der Oberin des Klosters gehindert wird. — Als Kuriosum mag ein giftiger Artikel des atttisentitischett „Volksblatt" betrachtet und belacht werdett. in dem der Stadtrath aufgefordert wird, die Heine-Gasse im V. Bezirke umzutausen! — In reichent Maße laufen allerorts die Spettden für die armen r u m ä n i s ch e tt Inden ein, tt. A. haben die Freiherren Albert und Nathaniel v. Rothschild 50,000 Kronett gespendet. — Der Kaiser hat dem Fabrikbesitzer Hermann Kufsner in Lundenburg den Adelstand verliehen. — Wie aus Czernowitz berichtet wird. wurde dortselbst ein Mantt zu Grabe getragen, welcher zu den bekanntesten Persönlichkeitett tticht allein in der Landeshauptstadt Czernowitz, sondern im ganzen Lande Bukowina gehörte; es ist dies der k. und k. Hauptmann d. R. Bernhard Bal t ine st er. Er war Ehrettbürger, ferner Gemeinderath und Stadtrath von Czernowitz und gleichzeitig viele Jahre hindurch Vice-Präsident der isrtelitischen Kultnsgemeinde. An seinem Leichetlbegängniß betheiligten sich die Generale und das Offizierscorps der Czernowitzer Garnison, der Landespräsident Baron Bourgignou mit ben Chefs der Staatsbehörden, Bischof v. Repta und die Vertreter der autonomett Vertretungskörper. Am Grabe sprachen Ober-Rabbiner Dr. Rosenfeld, Vice-Bürgermeister Negierungsrath Dr. Reiß und Bankdirektor Ferdittand Mayer uametts der Kultusgemcinde. — Wie im Vorjahre die israelitischett Religiottslehrer Dr. Weiß und Dr. Pollak in Wien. Dr. Grünfeld und Dr. Redisch itt Brünn, hat mm der Kultus* und Uttterrichtsminister auch beit Rabbiner Dr. Alexander Kisch in Prag zutn wirklichen Gymttasialprofessor ernannt. Frankreich. Paris, 5. August. Der diesjährige O r d e n s r e g e n hat eine Anzahl jüdischer Persönlichkeiten mit Ritter- und Offizierskreuzen der Ehrenlegion beglückt. Es haben, soweit tvir erfahren konnten, folgende Glattbensgenossett das Offizierskreuz der Ehrettlegion erhalten: Renü Weil, Kontroleur der Armeeverwaltung, Gustave Louis Picard, Oberstleutnant im 125. Jnfattterieregiment, M. Bamberger, Administrator der Battque de Paris et Pays-Bas; Ritter der Ehrenlegion wurden Lucien Levy, Geniekapitän, Panl Simon, Bataillonschef. Louis Victor Picard, Kapitän. Sylvain Engene Rayttal, Leutnattt. Georges Lotus Eduard Astrnc, Kapitätt. Raoul Charles David, Käpitän, Adolph

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