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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-17 · Heft 33 (17.8.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Charles Emile Blin. Musikchef. Mathias Celestin Alphonse Klein. Adjunkt im Geographiedienst, Moyse, Grü»»der der französischen Vereinigung in London. Dr. Alexander Schwöb, Arzt des französischen Generalkonsulates in Genf, Henri Luzatti, Industrieller in Marseille. Eine große Anzahl von kleineren Ordensauszeichnuugen, besonders goldenen und silbernen Medaillen, fitib außerdem an Glaubensgenossen verliehen worden, doch wurde dies zu weit führen, alle aufzuzählen. Nur Weiller. Sergeant der Sapeurs Pompiers, d. h. der Feuerwehr, in St. Mandv soll noch hervorgehoben werden. Derselbe wurde mit einer Medaille ausgezeichnet, weil er mehrmals sein Leben bei Rettungen aufs Spiel gesetzt hatte. Rußland. y. St. Pltirsburg, im Juli. Hier ist dieser Tage eine Aktien- Gesellschaft gegründet »vorder», deren Grundkapital von 500000 Rubel aus 2000 Aktien L 250 Rubel vertheilt wurde, und deren Aufgaben darin liegen, der armen jüdischen Bevölkerung und vorzugsweise den Arbeitern >der westlichen und Wolgagouvernements billige Woh nur» gen zu verschaffen. Dieselben sollen allen hygienischen Anforderungen entsprechen und auch Werkstätten enthalten. Für einen geringen Entgelt werden Gärten und Gemüseäcker neben jedem Hause abgegeben werden. Von dem Reingewinn des Unternehmens werden 4 Prozent zu Gunsten der Aktionäre, alles Uebrige jedoch dazu verwendet werden, um ein Kapital zu sammeln zur Unterstützung bedürftiger Handwerker und Landleute, die etwa billige Herbergen, Asyle. Kaffeehäuser u. drgl. m. eröffnen wollen. Die Gründer der Gesellschaft sind Baron Günsburg und Bankier Wawelberg. — In Wilna ist durch eine andere Initiative mit einer Geldstistung der Baronesse Hirsch schon ein ähnlicher Versuch mit der Beschaffung billiger Wohnungen für arme jüdische Handwerker gemacht worden, und derselbe sieht sich vom schönsten Erfolge gekrönt. Amerika. Newyort, in» August. Mit William Steinitz, dessen Tod der Telegraph soeben meldet, ist einer der ruhmreichsten Schachspieler der alten Schule dahingegangen. Steinitz stammte aus einem kleinen Städtchen Oberschlesiens. Schon als Knabe von zwölf Jahren zeigte er im Spiele mit seinem Lehrer, dem Rabbiner des Ortes, eine hervorragende Begabung für bas königliche Spiel. Nachdem Steinitz seine Studien in Europa beendet hatte, siedelte er zu dauerndem Aufenthalt nach New York über, wo er eine Schachzeitung herausgab. An allen größeren Schachturnieren der letzten zwanzig Jahre nahm er Theil und erzielte hierbei größere Erfolge als irgend ein Spieler vor ihm. Seine Spielweise war geistreich und glänzend. Er war keinVertreter der korrekte»» Schule, die nur sorgfältig aualysirte Züge bevorzugt, sondern er sah sich seinen Gegner an und richtete danach seine Spielweise ein. Fast zwei Jahrzehnte lang hatte er die unumstrittene Weltmeisterschaft iune, und galt er für den genialsten Schachspieler der Welt, bis er vor sechs Jahren von dem jugendlichen Lasker in der Weltmeisterschaft abgelöst wurde. Dieser überwand ihn in zwei aufeinander folgenden Zweikämpfen, und seither hatte er auch in Turnieren keine Erfolge mehr aufzuweisen. Freilich war Steinitz durch ein körperliches Leiden zuletzt stark iudisponirt geworden. Gelegentlich eines Aufenthaltes in Moskau vor drei Jahren war er bereits auf kurze Zeit in einer Irrenanstalt internirt. Dasselbe Schicksal widerfuhr ihm kürzlich in Newyork. Vor wenigen Wochen erst wurde er aus der dortigen Irrenanstalt entlassen, jetzt hat ihn der Tod vor langem Siechthum bewahrt. In alle»» Lehrbüchern des Schachspiels wird sein Name sortbestehen bleiben. Von Nah und Fern. Den» Privatdozenten an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Professor Dr. Hermann Dessau, ist eine wissenschaftliche Beamteustelle bei der königlichen Akademie der Wissenschaften übertragen worden. — Zu Notaren sind 10 hiesige Rechtsanwälte ernannt worden. Es befinden sich darunter der durch seine Bearbeitungen des Handelsgesetzbuchs bekannte Justizrath Dr. Hermann Staub, ferner Dr. H. Veit Simon und Dr. Felix Landau. — In Königsberg i. Pr. ist am 10. d. M. der eurer. Rabbiner I. Joseph, der Vater des Professor Dr. Joseph hier, im 69. Lebensjahre gestorben. — In Oppeln ist am 3. d. M. nach längerem Leiden im Alter von 65 Jahren der Fabrikbesitzer Jacob Engel gestorben. Außer vielen Ehrenämtern war der Verschiedene 28 Jahre ununterbrochen ein ganz besonders thätiges Mitglied des Repräsentantenkollegiums. — Gelegentlich der Anwesenheit des Kaisers in Bielefeld zur Euthüllungsfeier des von ihm der Stadt geschenkten Denkmals des Großen Kurfürsten ans dem Sparrenberge am 6. August war auch Rabbiner Dr. C o b l e n z als Vertreter der Syuagogengemeinde geladen und nahm ail der Feier Theil. — Dem durch seine chronologischen Arbeiter» bekannten Volksschullehrer Levy Cohen zu Rees. Regierungsbezirk Düsseldorf, ist der Adler der Inh. des K. Haus-Ord. von Hohenzolleril verliehen worden. - 40 Prozent jüdische Schüler darf die am 29. März vom Finallzn'.inister konzessionirte Haildelsschule in Warschau ausirehmen. Dieselbe ist von der „Warschauer Kaufmannschaft", d. h. von den Juden Warschaus errichtet lmd besitzt alle Rechte eines Realgymnasiums.— Die Eheschließungen unter den Inden Warschaus sind laut osfiziellen Mittheilungen int Jahre 1899 bedeutend hinter den Eheschließnllgen unter den Christell zurückgeblieben, ebenso blieb die Zahl der Geburten mit 39,1 Prozent hinter der der Nichtjuden zurück. Es spiegelt sich in diesen beiden Thatsachen die tratlrige ökonomische Lage der Juden Polens ab. Um so erstaunlicher ist die Thatsache, daß die Zahl der Todesfälle bei den Juden sich nur auf 17,24 Prozent belief, während sie bei den griechisch-orthodoxe»» 21,50 Prozent, bei den Katholiken gar 29,82 Prozent betrug. — Ueber die Judenkrawatte in Odessa schweigt sich die russische Presse völlig aus. Infolgedessen gehen dort die unheimlichsten Gerüchte herum. Mau spricht von 7 getödteten und 120 verwundeten Juden. Von dem traurigen Umfange der Krawatte und der von der Regierung zu deren Unterdrück»,ug getroffene»» energischen Maßregeln zeugt mehr als alle Berichte die offizielle Bekannt»»tachung des Stadtoberhauptes von Odessa, Grafen Sch»nvalo»r>, daß vo»» der Polizei und de»» zur Unterdrückung der Krawalle mobil ge»uachten Truppen an den beiden Schreckeustage»» nicht weniger als 1041 Unruhestifter verhaftet wurden. Au diese»» wurde schnell Justiz geübt. Die nicht in Odessa ständig »voh»»e»»den Arbeiter »verde»» per Schub nach ihre»»» Heimathsort befördert, während die „Nichtarbeiter" (es »var also, »vie ja bei allen Judenkrawallen auch Pöbel im Cylinder betheiligt), sowie die in Odessa ständig wohnende»! Arbeiter oh»»e Unterschied der Person drei Mo»»ate Gesängniß erhalten. — Den antiseruitischen Exzessen in Odessa sind nach der „Tiu»es" ähnliche Unruhen in andere»» Gebieten, besonders im Gouver»»eu»ettt K o w n o gefolgt. Im Bezirk von S ch a u l e»» »vurden 60 Persone»» verhaftet, und die Lage »var so kritisch, daß die Behörden befahleit. die Läder» geschlossei» z»» halten u»»d dieselbe»» zu verbarrikadiren. — Unter den russische»» Truppen, welche in Odessa nach dem „Fer»»en Osten" eingeschifft werden, befinden sich zahlreiche Juden. Allein in der „Eisernen Schutzbrigade". »velche sich in» rnssisch-türkischen Kriege rühn»lichst hervorgetha»» hat, diene»» über 1000 jüdische Soldate»», vo»» de»»e»» sehr viele »vegen Tapferkeit vordem Feinde Ehrenzeiche»» erhalten haben. Von dieser „Eiser»»en Schützenbrigade" »vurden die Regin»e»»ter Nr. 14, 15 u»»d 16 vergange»»e Woche »»ach China eingeschifft. A»n Abend vor der Abreise wurde in der Odessaer Hauptsynagoge, in Beth-Hamidrasch. sotvie in den übrigen Synagogen von Odessa feierlicher Gottesdienst abgehalten. An» nächsten Tage wurden de»» jüdische»» Schütze»» eines jeden Regiments eine Thorarolle überreicht. — Oberst Francis A. Lu ca s ist zum Komnlandeur der Harwich-Brigade ernannt »vorden. — I»» Tunis ist am 28. v. M. der Oberrabbiner M a r d o ch a i S ch e m a j a im Alter von 80 Jahren plötzlich verschieden. Das Begräbniß »var ein großartiges. Mehr als 15 000 Me»»schen folgten dem Leicher»zuge. Der Verstorbene »var auch der Präsident des jüdische»» Gerichts, das nach hier geltendem Gesetz alle Civilu»»d ein Theil der Krimi»»alsälle. »velche die J»»den betreffen, zu entscheiden habe»». — Ein offizielles Dekret verbietet die Einwanderung armer Juden in Kanada. Was nun? — In Shanghai fand aiu 14. Mai unter Den» Vorsitz des Mr. Simon A. Levy eine von 30 europäische»» und indischen Juden besuchte Versa»nmlu»»g statt, in »velcher der Vorsitzende den Anwesenden über die von ihm gernachtel» Versuche, »nit den Juden von Kai- Feng-Fu in Verbindung zu treten, Mittheilung machte. Danach hätte General Meßny den in der Versammlung anwesenden Herrn Gensburger aufgefordert, nach Kai-Feng-Fu zu gehen, um von da einige Juden nach Shanghai zu bringen. Nach einigen Debatten wurde ein „Verei»» zur Rettung der Juden in China" gebildet, deren Mitglieder n»onatlich einen Dollar beiz»»trage»» haben. Der neue Verein hat sich sofort »nit der Anglo-Jewish-Association in Verbindung gesetzt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Vau'chwitz in Berlin.

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