Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1900)
- Date
- 1900-08-17
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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Elbing. Herrn Kommerzienrath Bernhard Loeser in Berlin, der erst vor knrzer Zeit durch Verleihung der Nöthen Krenzmedaille 2. Klasse, die auch zur Tragung derselben Medaille 3. Klasse berechtigt. ausgezeichnet wurde. ist vom Kaiser der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Kp. Ander Provinz Posen, im August. Der israelitische Bestattungsverein in Wr eschen hat aus eigenen Mitteln und Spenden der jüdischen Gemeinde einen Leichenwagen geschenkt. Der Uebergabe ging einer Feier in der Synagoge voran. — Der Kantor, Prediger mtb Neligiouslehrer Wolsgang in Schlverin a. d. W. ist all die Knltusgemeiude in Frankfurt a. O. berufen worden. — Vor 3 Jahren Jahren starb in Nawitsch der langjährige Bürger und Bankier Asch. Er hatte in feinem Testament für die jüdische Gemeinde daselbst 15 000 Mark zum Bau eines Krankenhauses bestimmt. Da aber für ein derartiges Unternehmen die Unterhaltungskosten weit mehr als diese Summe betragen, so verweigerte die Negierung die Genehmigung. Nunmehr hat das Nepräsentantenkollegium beschlossen, die Summe für den Bau eines Badehauses zu verwenden. y. Breslau, 16. August. Der Erweiterungsbau der „Sy nag og e zum Tempel", Antonienstraße 29/30. ist solveit vorgeschritten, daß demnächst mit der Vermiethung der Plätze begonnen und die Einweihung vor den hohen Festtagen erfolgen kann. Die innere Einrichtung wird, dem Zweck entsprechend, würdig mld komfortabel ausgestattet und mit elektrischer Beleuchtung und Heizung versehen sein. — Die hiesige j üdische S t u d e n t e n - V e r b i n d u n g „V i a d r i n a" ist bis auf lveiteres vom Rektor suspendirt worden. Veranlassung hierzu gab, daß ein inaktives Mitglied derselben einen christlichen Kommilitonen, der in der Klinik Sprache und Geberden eines schwerkranken galizischen Juden nachmachte, ohrfeigte. Die Sache sollte durch eine Mensur mit schweren Waffen ausgetragen werden. Als aber die Verbindung des Geohrseigten (Turnerschaft Suevia) hörte, daß der Jude ein vorzüglicher Fechter sei, wurde die Forderung zurückgezogen, und die Vertretung aller studentischen Korporationen, mit Ausnahme voll fünf Verbilldungeu mit nur jüdischen Mitgliedern, beschloß, den Juden und seine Verbindung beim Rektor zu deuunziren. Folge lvar die Sufpendirung. Circa 90 jüdische Studenten haben in einem Schreiben an Rektor und Senat gegen diese urlstudentische feige Dernlnziation protestirt. Man ist gespannt auf den endgiltigen Ausgang. 6. Hildesheim, 6. August. Am 2. d. M. ist einer der tüchtigsten und beliebtesten Lehrer der Provinz Hannover, der Lehrer Magnus Cahn in Sarstedt, zur ewigen Ruhe gebettet worden. Er hat feinen Beruf nach der praktischen Seite hin meisterhaft ausgeübt. Er war 46 Jahre hindurch an derselben Stelle thätig, der einzigen seilles Lebens. Die Anzahl seiner jüdischen Schüler war immer nur gering; aber er genoß so sehr das Vertrauen der übrigen Bevölkerung, daß die jüdische Schule zugleich von 20—30 christlichen Kindern jährlich besucht wurde. Der Magistrat hatte ihn mit der Leitung der dortigen Fortbildungsschule betraut. Mit seltener Herzensgüte ausgestattet, hat er im schönsten Einvernehmen mit seiner Genieinde gelebt, beven Freund und Berather er gewesen. Sein Berufseifer, der von allen angestaunt wurde, da er ihn vonl Morgen bis zum späten Abend rege erhielt, duldete es nicht, die Pensionirung nachzusuchen, und so ist er, auf dem Felde der Arbeit stehend, im Alter von 66 Jahren einer plötzlich eingetreteuen Lungenlähmung erlegen. Fast säurmtliche Bürger des Ortes ohne Unterschied des Glaubens, aus der Umgebung, besonders ans Hannover, viele ehemalige Schüler und auch viele Lehrer, unter ihnen der Vorsitzende des Hannoverschen Lehrervereins, waren erschienen, um dem theureu Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky kennzeichnete ihn am Grabe als den „Manu der Treue, reich an Segen." Treu in der Familie, in der Schule, in der Gemeinde, hat er segensreich gewirkt, und Gottes Segen hat auch auf ihm geruht. Ihn zierte „die Krone der Gelehrsamkeit, des Priesterthums und des guten Rufes." Sein Andenken wird zum Segen sortleben. M. Hamburg, 10. August. Herr Moritz Strelitz, Seniorches und Begründer der bekannten Kaufmannsfirma M. Strelitz, ist nach längerer Krankheit verschieden. Der Verblichene, der ein Alter von 70 Jahren erreicht hatte, genoß in Kaufmannskreisen eine bedeutende Hochachtung und zeichnete sich auch durch eine weitgehende Wohlthütigkeit ans. Seit vielen Jahren gehörte Herr Strelitz der Vers waltuug des Tempelverbandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde an. woselbst er eine segensreiche Thätigkeit entwickelte. Die Beerdigung, welche unter Thcilnahnle weiterer Kreise stattfand, legte ein beredtes Zeugniß von der Beliebtheit des Dahingeschiedenen ab. Im Sterbehause in der Badestraße hatte sich eine große Trauergemeinde versammelt; außer den Verwandten und Freunden hatten sich die Vorstandsmitglieder und die Beamten des Tempelverbandes vollzählig eingefunden, außerdem bemerkten wir zahlreiche Vertreter der Handels- und Finanzwelt. Die Trauerrede hielt Herr Prediger Dr. Leimdörser, der. anknüpfend an die „Klagelieder Jeremias", der Trauer und dem Schmerz Ausdruck gab, den der Verlust dieses Mannes nicht nur für seine Familie, sondern auch für seine Gemeinde bedeutet. Redner schilderte ben Lebensgang des Verblichenen, der es verstand, sein Haus aus den kleinstell Allfängell zu einer bedeutenden Kausmannsfirma zu gestalten, und der zll alleil Zeiten sich durch feine Wohlthätigkeit gegen seine bedrängten Mitmenschen auszeichllete. Mit Trost- und Segensworten schloß die wirklmgsvolle Rede. Der Sarg, der von einer Fülle von Kränzen und Blumeil vollställdig bedeckt war, wurde auf den Leichenwageil gehobell; ein imposanter Leichenzug bewegte sich nach dem Friedhofe in Gledorf, woselbst nach eillem Gebet des Predigers die Beisetzung ftattfanb. K. Mel. 7. August. Anknüpfend an den Artikel „Müllchen" in Nr. 31 theile ich Ihnen zum Herzeleid unserer Antisemiten mit. daß sich bei den beiden in Kiautschail stationirten kriegsstarken Bataillonen allein schon 13 Israeliten befillden, bei der Panzerdivisioil 5, bei der Torpedobootsdivision 2, im Ganzen 20 Mann, voll dellen mir 7 persönlich bekailnt sind, die sich freiwillig gemeldet haben. Allch beim Exped i t i o ll sc orps silld 3 Mann mir persönlich bekailllt. und werden es wahrscheilllich bebentenb mehr sein, worüber ich Jhilen ill billigen Wochen authentischell Bericht zuschickeil werde. Köln, 7. August. Dem Kaufmann R. ill H. lvar voll seinem Hausarzte behufs Herstellung seiner Gesundheit das kleine ruhige Seebad Juist empfohlen worden. Da derselbe noch auf einem rituellen Standpunkt steht, so ersuchte er die Badeverwaltung unl Zusendung eilles Prospekts imb nm Allgabe, ob sich am Platze ein jüdisches Hotel befände. Als Antwort erhielt er die nachstehende Karte: „Juist, 2. August 1900. Ein jüdisches Restaurant in Juist? Juden werden hier überhallpt nicht gewünscht. Den erbetenen Prospekt zll senden, hat also keinen Zweck. Die Badeverwaltung." Ein Kommentar zu dieser Karte ist wohl überflüssig! t. München, 10. August. Im zweiten Bataillon des 4. ostasiatis chen Jnfan terieregiments. - das ganze Bataillon ist nur aus Angehörigen der bayerischen Armee zusammengestellt. befinden sich zwei Juden: Löwenthal aus Rothenburg ob der Tauber und Grün selber aus Altenkunstadt in Oberfranken. Grünfelder trägt die Schießauszeichnung. Am Freitag, den 27. Juli erschienen diese beiden Musketiere zum Abendgottesdienste in der hiesigen Hauptsynagoge. woselbst der Rabbinatssubstitut Dr. Fiukelscherer aus diesem Anlasse eine Ansprache hielt; in derselben betonte der Redner, daß die Ausziehenden für das alte biblische Gesetz einzutreten berufen seien, das da lautet, der Fremde sei gleich dem Einheimischen, gleiches Recht für ihn wie die Bewohner des Landes, damit nicht fernerhin gegen dieses göttliche Gesetz die Heiden freveln und der Erhabenheit dieses Gesetzes sich nicht ferner verschließen. Mit einem Gebete sür den Sieg der deutschen Fahnen schloß die Ansprache. Die in den hiesigen Tageszeitungen enthaltene Mittheilnng. daß den beiden Musketieren auch ein Gebetbuch auf ihren Zug mitgegebeu wurde, beruht auf Jrrthum. # Aachen, 12. August. Als vor einiger Zeit ein dringender Aufruf der Alliance israelite universelle in Paris, die Roth läge osteuropäischer Glaub ensgeno ssen betreffend, an deutsche Synagogengemeinden erging, reagirten Vorstand und Repräsentanten* Versammlung der hiesigen Synagogengemeinde sofort hierauf, indem die Mitglieder beider Körperschaften sich unter Zuziehung des Herrn Rabbiners als Unterstützungskomitee konstituirten. Der Erfolg war insofern ein recht günstiger, als die in Umlauf gesetzten Sammellisten schon nach wenigen Tagen ein Ergebniß von über 3000 Mark zeigten, welche sofort nach Paris gesandt wurden, und jetzt, gegen Schluß der Sammlungen, mehr als die gleiche Summe wieder einging. Leider ist, wie aus guter Quelle bekannt, nicht in allen Gemeinden so verfahren worden, vielmehr ist in den meisten in Rheinland und Westfalen noch nichts geschehen. In anderen Provinzen dürfte es sich