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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-17 · Heft 33 (17.8.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Iaisrgang. Wc. 33. iöerün, 17. August 1900. Dev Gemeindebote. Werkage zur „Mkgemeinen Zeitung des ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 12. August. Dem Generaldirektor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Ingenieur E m i l R a t h e n a u, ist der Charakter als Geheimer Baurath verliehen worden. Emil Rathenau ist von Hause aus Maschinenbau-Ingenieur wie die meisten ihm gleichalterigen Elektrotechniker. Geboren in Berlin 1838, besuchte er das Graue Kloster und absolvirte dann eine vierjährige Lehrlings- und Gesellenzeit auf der Wilhelmshütte. Hierauf studirte er Ingenieurwissenschaften an den Polytechnischen Schulen in Hannover und Zürich, und war später bei John Penn and Sons in Greenwich und bei A. Borsig in Berlin thätig. Im Jahre 1866 übernahm er die den älteren Berlinern wohlbekannte Maschinenfabrik von M. Webers, Chausseestraße, die er bis 1873 leitete. Einige Jahre später ging Rathenau zu Studienzwecken nach Amerika und brachte von dort zwei Erfindungen nach Deutschland, die maßgebend für die Entwickelung der Starkstromsowohl als Schwachstromtechnik geworden sind: das Telephon und die elektrische Glühlampe. Auf die Einführung des Telephons in eigener Regie in Berlin, wofür ihm die Konzession bereits ertheilt war, verzichtete er auf Wunsch des damaligen Generalpostmeisters v. Stephan, stand ihm jedoch auf dessen Wunsch bei der Einrichtung der ersten Fernsprechämter zur Seite. Der Erwerb der Edisonschen Erfindungen gab ihm und der von ihn: gegründeten Edison-Gesellschaft (jetzt Allgemeine Elektrizitäts - Gesellschaft) die Grundlage, das Riesenwerk der Berliner Elektrizitätswerke zu begründen, deren technische Oberleitung noch bis heute in Rathenaus Händen ruht. ^Berlin, 12. August. Am 10. ist hier Dr. phil. Moritz Gu mb inner, einer der ältesten Journalisten Berlins, gestorben. Er war ein Berliner Kind. Am 16. Februar 1829 geboren, begann er nach Beendigung seiner philologischen Studien seine journalistische Laufbahn als Theaterreferent der „Spenerschen Ztg.", trat aber sehr bald in den Dienst der „Köln. Ztg.", für die er als parlamentarischer Berichterstatter thätig war. Später lag in seinen Händen die Leitung des parlamentarischen Büreaus der „Köln. Ztg.". Dieses Amt versah er bis 1895. Auf der Journalistentribüne des Reichstags und des Landtags war Gumbinner eine der bekanntesten Persönlichkeiten. Seine außerordentlich große Liebenswürdigkeit und sein freundliches Entgegenkonnnen hat manchem jüngeren Kollegen den Weg ebnen helfen. Der Verein „Berliner Presse" verliert in Gumbinner einen seiner Begründer. Er gehörte dem Verein von 1862—1871 und seit 1879 bis zu seinem jetzt erfolgter: Tode all. Als Gurnbinner im vergangeneil Jahre feinen 70. Geburtstag beging, ehrten ihn seine Freunde und näheren Bekannten durch ein Festmahl, das am 13. Februar v. I. in den Räumen des Presseklubs stattfand. Schon vor einigen Jahren lvar G. von einem Schlaganfalle getroffen worden, von dessen Folgen er sich nie ganz wieder erholt hat. Jetzt ist er den Folger: eines neuen Schlagansalls erlegen. G. hat durch sein ganzes Leben das blöde Borurtheil gegen die sogen. „Preßjuden" rviderlegt. Er war ein allgemein geachteter Manu und ein braver Charakter. Die Beerdigurrg fand heute in Weißensee unter allgemeiner Theilnahme statt. 55 Potsdam, 12. August. Der Senior der Potsdamer Aerzte, Geh. Sauitätsrath Dr. Bernhard Zielen zig er. vollendete heute sein 80. Lebensjahr. Der ehrwürdige Greis, der in Potsdam seit über 50 Jahren und lloch zur Stunde seines Amtes waltet, und sich in allen Kreiselt der Gesellschaft Achtung und Ansehen erworben hat, erfreut sich größter Rüstigkeit. Währelld der Kriegsjahre 1870/71 leitete er das Potsdamer Feldlazarett). Mit Kaiser Friedrich pflog er persönlichen Verkehr. Er hat in Berlin Medizin stndirt und weilte bisher sein ganzes Leben lang in Potsdam. Seine Verdienste sind von Kaiser Wilhelur I. wiederholt durch ehrenvolle Auszeichnllngen anerkannt. Welche Geistesfrische noch dem Achtziger innewohnt, zeigt die erst in dell letzten Jahren erfolgte Herausgabe mehrerer Bände Gedichte. I. 8. Ans Ostpreußen, im August. Die Eidesverweigerung des Leutnants und Rittergutsbesitzers List vor einem jüdischen Assessor in Saalfeld, Ostpreußen, hat vor Kurzem ihren Abschluß gefunden. Nachdem Herr .L. am 12. v. M. zu 200 Mark Geldbuße und zur Tragung der Kosten eines neuen Termins verurtheilt wurde und seine Beschwerde hierüber vom Königlichen Landgerichte Braunsberg zurückgewiesen »vnrde, erschien Herr L. zum neuen Termin vor demselben jüdischen Assessor mit dell Worten: „Gezwungen von der Gewalt des Staates lvill ich den Eid leisten" und schwur. Der fromme Herr L., der noch Zusätze zur Eidesformel murmelte, lvurde lvegen Ungebühr vor Gericht zu 100 Mark Geldbuße verurtheilt, die er sofort entrichtete. II. Aus Westpreutzen, im August. Biel Kopfzerbrechen hat die Sorge, ob und wieviel unter ben Chinafreiwilligen sich jüdische Freilvillige befinderl und tauglich befunden wurden, den Antisemiten, den alleinigen Pächtern der Vaterlandsliebe, verursacht, wie aus den Tageszeitungen bekallnt sein dürfte. Als ihnen geantwortet wurde, daß unter den in Berliil sich Meldenden ein Freiwilliger mosaischer Konfession Namens Cohn sei, der im dritten Jahre bei den Husaren in Stolp diene ulld mit Schieß sch nur und Fechtabzeichen ausgezeichnet sei, und als sie mm gar hörten, daß der Kronprinz bei der Abfahrt des Regiments Veranlassung nahm, sich mit dem Manne zu unterhalten und dem Regimentskommandeur seine Freude über ihn auszusprechen, da »varen die Pächter des Deutschthums ganz aus deul Häuschen ulld sllchten durch schlechte Witze und noch schlechtere Wendungen sich zu helfen; es sei doch fraglich, so war ihre schiefe Kalkulation, ob der betreffenbe Cohn ein Jude ist; dem: es giebt altevallgelische ulld mennollitische Familie::, die dell Namen Cohn tragen. — Ist das Letztere auch richtig, so kann es dennoch gegen jene Thatsache llichts beweisen. Hätte irgend ein Blatt, bemerkt mit Recht die „D. Z.", berichtet, ein Herr Cohil sei wegen irgend eines Verbrechens verurtheilt. so hüttei: gewiß die antisemitischen Blätter aus diesem Fall einen Strick für die Juden gedreht. Nur: ist diese Thatsache nicht nur von autheiltischer Seite festgestellt, daß nämlich dieser Cohn ein geborener Danziger mosaischer Konfession ist, daß er sich dem kaufmännischen Berufe gewidmet, dann aber aus Neigllng Soldat getvordell lvar uild sich bei dem Blücher-Husarenregiment in Stolp, bei lvelchem er diente, mehrfache Auszeichnungen und große Beliebtheit bei seinen Kameraden erlvorben hatte, sie ist zudem von {einer eigenen Mutter nun bestätigt. Dieselbe, Frau Wittwe Saba Cohn in Zoppot, schreibt an die oben genannte Zeitung: „Der Chinasreiwillige ist mein einziger Sohn, er ist wie ich jüdischer Kollfession. Von Vaterlandsliebe begeistert, war es sein einziger Wunsch, Soldat zu werden, und obgleich ich als Wittwe und schwer leidend eigentlich feiner Stütze bedürfte, habe ich aus angeborenenl Patriotismus mit freudigen: Segen seinen Wunsch erfüllt. Auch jetzt, als mein Sohn sich freiwillig meldete, um in China für sein Vaterland zu kämpfen, hat mein schwer besorgtes Mutterherz sich bezwungen, und ich habe mein einziges Kind dem Vaterlande freudig hingegeben." — Vor längerer Zeit ist der jüdische Handelsmalu: R u b e:: st e i n aus N e u st a d t (Rußland) im Trakseder Chausseegraben ermordet aufgefunden worden. Als der That dringend verdächtig sind, lvie man hört, der Besitzersohn Lagt es aus Piktaten und der Arbeiter Baltrusch aus Pagrienen bereits verhaftet worden. Bede:n Letzteren wurde eine Schachtel Salbe, die der Errnordete in der Heydekruger Apotheke gekallft hatte, und ein blutdurchtränktes Taschentuch gefunden. Mit den: Lagies ist Rubenstein an demselben Abend in einem Gastlokale in Heydekrug zusammen gewesen. Beide Verhaftete habe:: sich durch Aeußeruugen zu dritten Personen verdächtig gemacht. — Deln Chef der durch ihre mustergiltigen Arbeiter-Wohlfahrtseiilrichtungen bekannten Cigarrenfabrik von L o e s e r L W o l s f in

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