Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1900)
- Date
- 1900-08-17
- Page
- Seite 396 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Nachklang zum Trostsakkath. Von Gustav Steinert. (^!^ie von Kanaans Gefilde <3% Der Allmächtige verwies, Nicht aus feinem Gnadenschilde, Seinem Vaterang' er ließ. Seine Liebe wahrt Aeonen, Ist all keinen Ort gebannt, Und zur Leuchte den Nationen Hat er uns hinausgesandt. Throne stürzten, Völker gingell Unter in der Zeitell Lauf, Doch aus dem gewalt'gen Ringen Schwangen wir lius siegend aus; Siegend auf zu seiner Ehre, Ans zu feiner Wahrheit Ruhm, Ulld der Welt zur ew'gen Lehre Trugen wir fein Heiligthum. „Wohl die Berge werden weichen; „Dich, mein erstgeboruer Sohn, „Wird Verllichtllllg ilicht erreichell. „Zeuge gilt mein eig'uer Thron, „Trageild im urew'gen Rahmen „Deines Nanlens FlalilNleilschrift — „Träfe jenlals deinen Namen, „Was nicht auch beii Zellgen trifft? „Meiner heiligen Ordnung Stühe, „Du mein Volk, mein Israel! „Liebeild ich barimt dich schütze, „Ahnde sühneild deiueil Jehl, „Daß aul heimathloseu Stannlle „Liballvlls, im Sturm erprobt, „Hoch auflod're meille Flamme!" Also hat's der Herr gelobt. Der die Wege wies den Sonnen, Sie gehüllt in Licht und Glanz, Der den Kreislauf hat begonnen, Der Gestirne ew'gen Tanz Allgeführt, hat auch die Bahnen. Juda, dir ins Herz gelegt. Deines Herzens stillem Ahnen Folge, wo dein Fuß dich trägt. Die Bedränger, die Verächter Können tödtlich dir nicht nah'n. Ewig sind bestellt die Wächter, Ewig stehet Gottes Plan. Harre aus! Es geht zn Ende Einst der Leiden bange Nacht! Daß den Morgen Er dir sende, Harre aus! Dein Hüter wacht. Sprechsaal. Geehrter Herr Redaktellr! nterhöfl. Bezugnahme auf dieMittheilungJhres — t-Korrespondeutell aus Müucheil (vergl. Allg. Ztg. d. I. Nr. 31), die alltisemitischeil Zeitullgen würden mit großeul Bergllügell erzählen, daß unter den nach China ausmarschireuden Freiwilligen sich kein eillzlger Jude befinde, sei Jhllen folgendes mitgetheilt: Kurz nach dem erlassenen Aufruf behufs freiwilliger Ausmarschirllng nach China uleldete sich der z. Z. in Nürnberg dienellde In l i Löwellthal, Sohn des Pferdehändlers Leopold Löwenthal in Rothenburg o. d. Tauber. Derselbe hielt vor versammelter Kompagnie eine begeisterte Ansprache, in welcher er betonte, daß man gern den Israeliten Mangel all Patriotismus vorwerse. Mit feiner freiwilligen Meldung wolle er beweisen, daß dies nicht der Fall, sondern der Israelit jederzeit bereit sei. für König unt> Vaterland eiuzutreten. Er schloß nlit eillem stürnlisch allfgellommellem Hoch auf den anwesenden Hauptmann, sowie auf die Koiupagilie, bei lvelcher zu dienen er die Ehre hatte. Löweuthal besiildet sich auf dem Wege nach Ostasien. A r ch s h o f e n (Württbg.). 5. August. Hochachtuilgsvoll Lehrer Heß. v» Geehrter Herr Redakteur! ^chrem Verlangen gemäß theile ich Ihnen mit, daß der aus dem in (35 der Nähe Marburgs liegenden Hess. Kreisstädtcheil Frankenberg stammende, z. Z. in Saarburg (Lothringen) in Garnison liegende Kallollier Isaak B u ch h e i m, Feld-Artillerie-Regiment Nr. 15, sich als Freiwilliger dem Ostasiatischen Expeditionscorps der deutschen Armee angeschlossen hat. Marburg. 10. August. Hochachtungsvoll Lehrer Strauß. * tnter Bezugnahme auf den in Ihrem geschätzten Blatte vom 13. cr. wiedergegebenen Artikel des Wiener „Jüdischen Volksblattes, (Beilage „Der Gemeindebote" ) erlaubt sich der Vorstand des Unterzeichneten Vereins, Ihnen folgeilde Mittheilung zu machen mit der Bitte, dieselben in Ihrem lverthen Blatte aufnehmen zu wollen. Wohl hatte der „Jüdische Rede- und Diskutirklub Graetz" den Plan gefaßt, seiner Zeit anläßlich der Konitzer Affäre eine große Protestversauimlung gegen die Blutlüge zu veranstalten, für die hiesige Geistliche sowie namhafte hiesige und auswärtige christliche Gelehrte ihre Bereitwilligkeit, die Versammlung zu leiten uub in ihr zu reden erklärt hätten. Die Versammlung hat jedoch nicht stattgefunden, da die betreffenden Herren durch private Beeinflussung ihre Zusage zurückgezogen haben mit der Begründung, daß die Versammlung von einem privaten Verein und nicht, wie sie zuerst anuahmen, von dem Vorstande der Breslauer Gemeinde geplant wäre, und wir der Ansicht waren, daß eine derartige Protestversammlung nur dann den gewünschten Erfolg haben könne, luemi sie nicht ausschließlich von Juden eutrirt und geleitet worden wäre. Keineswegs aber hat der Breslauer odergar der Berliner Gemeiudevorstaud in irgend einer Weise gegen das Zustandekommen der Versammlung agitirt. Breslau, 27. Juli. Hochachtungsvoll Der Vorstand des Jüd. Rede- und Diskutirklubs Graetz I. 21.: Felix Sander, Schriftführer. * Löbliche Redaktion! tor zehn Tagen habe ich den Durchzug voll 300 rumänischen Juden mit angesehen, die von ihrer Heimath. wo ihre Urahneil ruhen, mittellos vertrieben und auswandern mußten, um nach Kanada zu geheil, wo sie hoffen, eine neue Heimathstätte zll fillden. Es fiub dies meistens Handwerker, junge, kräftige, starke Mäniler mit ihren Frauen und Kindern, darunter auch Greise, denen die Thränen über ihre Wangen rollten, ob des großen Unglückes, das über sie hereingebrochen. Dieser Transport von 300 jüdischen Auswanderern, die nur kurze Zeit Halt machen und das trockene Land nicht betreten durften, wurden voll der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde, lind zwar von der Wohlthätigkeitssektioll mit Geld unterstützt, wieder Andere unserer bemittelten Gemeindemitglieder lieferten Brod llnd Wein, llild als sie gesättigt und das Sigllal zur Weiterfahrt gegeben wurde, verabschiedeten sie sich unter Hurrahrufen auf unsere Gemeinde und anf unser theures Ungarland. Ist es nicht herzzerreißend, zu wissen, daß 200 000 Jllden ohne Verschllldeu. nur blos darum, weil sie sich Judell nennen, in der barbarischsten Weise vertrieben und answanderu müssen, die nichts andere? als Brod und Unterricht verlangten? Ist Nnmänien nicht strafbarer als Ostasien? In China, wo tausende Europäer hiugemetzelt werdeil, da greifen die europäischen Mächte ellergisch ein, um die Fremden zil schützen — in Rumänien hingegen geschieht ein moralischer Mord all 200 000 Meilscheu, die auslvandern müssen — sei es direkt oder indirekt, weil sie weder von der Regierung lloch vom Gesetze geschützt werden. Und nun erlaube ich mir zu fragen: Haben wirkein österreichischungarisches Konsulat in Rllmänieu? Habell wir feinen österreichischungarischen Gesandten in Rlimänien? Die 2lufgabe der Israelitischen Allianz wäre es, beim Ministeriunl des Aeußeren Schritte zu thun, damit dieser Massenallswallderullg Eillhalt geboten und die rlimänische Regierung angewieseil werde, dem Berliner Vertrag Rechnung zu tragen, damit ihren Unterthanen welcher Konfession sie immer angehören mögen, gleiches Recht und gleicher Schutz zu Theil werden möge. Budapest. 16. Juli. Hochachtungsvoll Siegmund Lauser. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.