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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-17 · Heft 33 (17.8.1900) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
Seite 394 (sequence 12)
Language
German
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r Am 31. Januar 1864 verschied Dr. Michael Sachs und wurde auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee zur ewigen Ruhe gebettet. Eine wehmüthige Stimmung bemächtigt sich des Besuchers dieser Ruhestätte, und ein Hauch unsterblicher Poesie umschwebt unsere Seele, wenn wir die von Samuel David Luzzatto gedichtete Grabinschrift, die wir hier in deutscher Uebertragung vonHenriette Hirschberg folgen lassen, lesen: Hier ruht — der Stein, er Nagt es — der Thora köstlichen Saat Ein Säemann, herrlich aufragend als Säule im Gottesstaat, Wie war er voll Deiiuith und Milde, und schwang doch mit wuchtiger Kraft Des Wortes gewaltigen Hammer, der Rede Speeresschaft! Und drang durch den Kieselpanzer, durchspaltet' das spröde Erz. Und schnitt in die Brust dem Sünder, und traf ihn ties ins Herz. In Gottesstammen eutbreuueud erweckt' er Glaubensglut. Entzündend alle Seelen zu inuiger Gotteshut. Tief glühte sein feurig Denken ins Ohr des Sünders sich ein; Gewissensbraud entfachte dem Frevler er zur Pein. Und sie, die verstockten Herzens, erweicht hat er sie all', Die Schlafenden erwachten bei seines Rufes Hall. Des Abend- und Morgenlands Weisheit als Krone mnglänzte ihn klar; Das Erbe seiner Väter ihm theuer vor allem war. In dunkle Talmudsprache, bedeckt mit Staubesschicht. Bracht', weither ans der Ferne, er leuchtend Helles Licht. Und die unsre Ahnen gesungeu, die Lieder ernst und trüb, In unserer Zeiten Sprache macht' er sie aufs neue uns lieb. Vor ihm die Verzweifelnden klagten, die Thräne des Armen stob; Die niedergebengte Seele des Frommen ihm sich erschloß. Kühn stand er vor dem Risse, wenn rings die Feste kracht', Die Pflanzung Gottes schirmend bei Tage und bei Nacht. Und jetzt seine reine Seele, daheim im ewigen Licht, Herab zu uns Trauernden drunten voll gütigen Trostes spricht. Gine Judenverfolgung in Fe;. Von Dr. M. Kayserliag. fez, eine der größten und schönsten Städte Afrikas, hatte von jeher viele Juden zu Bewohnern; auch viele spanische Exulanten suchten dort Zuflucht, so daß gegen Anfang des sechzehnten Jahrhunderts ihre Zahl sehr bedeutend war. Nach dein spanischen Chronisten Bernaldez wohnten dort zehntausend Juden; der Portugiese Hieronymo de Mendoxa iveiß nur von tausend jüdischen Bewohnern. Die Juderia in Fez, wie der den Juden eingeräuinte Stadttheil genannt wurde, mit ihren hohen, stattlichen Häusern, hatte nur ein Thor, an dessen Eingang königliche Beamte beständig Wache hielten und von den Ein- und Ausgehenden den Tribut einzogen. Einige Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Spanien fand in Fez eine große Judenverfolgung statt. Es lebte nämlich in Fez ein Jude Namens Aron, der sehr gelehrt und weise war und bei dem damaligen König in so großer Gunst stand, daß er auch auf die Regierungsgeschäfte Einfluß nahm. Dies erregte den Haß der vornehmen Mauren sowohl gegen den König wie gegen die Juden. Das aufgewiegelte Volk tödtete an einem und demselben Tage den König und seinen jüdischen Günstling, drang dann in die Judenstadt, demolirte die Häuser, plünderte nach Herzenslust und tödtete Viele der nichts Böses ahnenden Juden; nur Diejenigen wurden verschont, welche sich zum Islam bekannten. Die in der Hauptstadt ausgebrochene Revolte verbreitete sich mit Blitzesschnelle über die anderen Städte des Landes; überall wurden die Juden ihrer Habe beraubt und niedergemetzelt. Tie gewaltsam bekehrten Juden waren aber ebensowenig Bekenner des Islam, wie sie in Spanien gläubige Christen waren. Das war dem Nachfolger des ermordeten Königs nicht entgangen. Er erließ daher den Befehl, daß alle zwangsweise bekehrten, in Fez wohnenden Juden sich auf freiem Felde versammeln, und dann stellte er es ihnen frei, eutiveder zu ihrer väterlichen Religion zurückzukehren, oder sich freiwillig zum Islam zu bekennen. In diesem Falle sollten sie den Mauren gleichgestellt und wie Mauren behandelt werden, als Juden aber vielen Ausnahmegesetzen nnd Beschränkungen unterworfen bleiben. Die Juden durften nicht wie die Mauren lederire Schuhe tragen, sondern mußten sich einer groben, aus Hanf geflochtenen Fußbekleidung bedienen, sie durften kein gesatteltes Pferd besteigen, in der Stadt nicht reiten, keine Waffe tragen, mußten i» groben, schwarzen Mänteln gehen und dergleichen mehr. Den Jüdinnen war das Tragen von Schleiern und von olivensarbenen Mänteln streng untersagt. Trotz dieser drückenden Gesetze kehrten die Meisten der zum Abfall Gezwungenen freudig zum Judeuthnm zurück. Ein glänzendes Zengniß für ihre Glaubenstreue! Einen anderen Beweis ihrer Ueberzeugungstreue und ihrer Festigkeit im Glauben gaben die Juden in Fez im Jahre 1532. Im Januar des genannten Jahres kam der Franziskaner Andreas de Spoletv dorthin und erbat sich von dem Könige Mulei Ibrahim die Erlaubniß. mit den dortigen Juden über ihre Glaubenssätze disputiren zu dürfen. Er veranstaltete öffentliche Religionsdisputationen; es gelang ihm aber nicht, sie für das Christenthum zu gewinnen. Aus Gram über seine mißlungenen Versuche nahm sich der eisrige Franziskaner das Leben. EUILLETON Bethulah. Eine Erzählung von I. Zaugwill. VII. rad) und nach erkannte ich die Braut von vorher, die für die Zeremonie unter der Chuppe so verwandelt worden war. Und nun kam plötzlich das Verständniß. Bethulahs Kleid war ein Hochzeitskleid, sie war eine ewige Braut. Aber von wein? Zu welchem kabbalistischen Geheimniß war dies der Schlüssel? Die Hynnle der FreitagSnacht fiel mir ein: Der Braut entgegen, Freund, wohlan! Laßt froh den Sabbath rms empfah'n. Einen Augenblick glaubte ich, ich hätte die Lösung gefunden, mein erster Argwohn wäre gerechtfertigt gelvesen. Die heilige Sabbathkönigin als Sabbathbraut dargestellt, diese doppelte Allegorie von Bethulah versinnbildlicht. Oder vielleicht war Israel selbst die Gottesbraut. Aber ich war noch immer nicht befriedigt. Ich fühlte, die Wahrheit läge tiefer, sei nicht nur eine poetische Metapher oder Maskerade. — Ich entdeckte sie endlich, aber mit Gefahr meines Lebens. * 5fC * Ich setzte meine nächtlichen Spaziergänge auf dem schmalen Pfade zwischen Gebirge und Fluß fort, ich wandelte dort wie

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