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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-17 · Heft 33 (17.8.1900) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
Seite 388 (sequence 6)
Language
German
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S88 Thatsache aber ist. daß in der russischen Armee in Port Arthur sehr viele jüdische Soldaten bienen, die iw großer Proportion schon seit drei Jahren nach China gesandt wurden und dort makellos ihre Dienste leiften. Sehr auffallend ist die Erscheinung, daß die erlogene Nachricht zu der Zeit austauchte, als dort leider heftige Iudenkrawalle entstanden, die nachher in allgemeine Plündereien übergingen." Freiwild. ii. ie Szenerie hat sich nicht geändert. Es ist wieder Könitz, dasselbe Könitz, welches zu so eigenartiger Berühmtheit gelangt ist. Und auch die handelnden Personen sind dieselben, nur anders ist es geworden, aber nicht klarer. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Fleischermeister Herr Gustav Hoffmann, der Mann, von dessen Unschuld das Attest der Behörde Beweise liefert. Herr Hoffmann (bei dessen Namensnennung die unbefangenen konservativ-antisemitischen Preßorgane nie das Epitheton „Herr" vergessen, etwas, was sie bei der Nennung von Juden aus Prinzip nicht thun, wenn sie es nicht gar vorziehen, den ebenfalls vollständig intakten Persönlichkeiten mosaischer Konfession Spitznamen anzuhängen), Herr Hoffmann also hat die stimmungsvollen Worte des Antheils und der Freude über seine Rehabilitirung entgegen genommen. — Die Stadtverordneten sind um ihn, die berufensten Vertreter für die Aufrechterhaltung des Friedens in der Stadt, und auch der Magistrat ist vertreten, dessen Aufgabe nicht zuletzt darin besteht, das gute Einvernehmen der verschiedenen Religionsgemeinschaften unter einander zu fördern. Herr Hoffmann ist auch Stadtverordneter, was ist natürlicher, als daß er seinen Kollegen in der Stadtvertretung für die Sympathiekundgebungen danken möchte? — Und er thut es. Er thut es, indem er schildert, wie hart einen ehrlichen Mann ein unbegründeter schwerer Verdacht trifft. Das ist schön, lieblich und es ist zutreffend. Und er spricht weiter. Doch der Mann, der alle Schmerzen unschuldiger Verdächtigung durchgekostet zu haben meint, thut jetzt dasselbe in Bezug auf eine ganze Menschenklasse, was ihn, den einzelnen, so schwer getroffen hat. Indem der Herr Hoffmann in einer für ihn feierlichen Stunde einen Dank ausspricht — verdächtigt er von Neuem „die Juden", nicht etwa vor einem Tribunal von Richtern und Staatsanwälten, sondern in der Stadtverordnetenversammlung, vor der kommunalen Vertretung. Herr Hoffmann thut es und rings herrscht Schweigen. Die Juden sind nicht Freiwild, hieß es doch. Der Herr Fleischermeister Hoffmann hat schon häufig bewiesen, daß in seinem Wortschätze antisemitische Redensarten einen Hauptbestandtheil bilden. Das ist etwas, was wir ihm neidlos gönnen. Daß er aber mit antisemitischer Zeitungs- Weisheit vor die Stadtvertretung kommen darf, das ist etwas, was nicht nur intra, sondern auch extra muros entschiedene Mißbilligung verdient. Ist es denn schon dahin gekommen, daß in einerkommunalen Versammlung pathetisch erklärt werden kann: „Die Juden wollten mich mit allen Mitteln verderben, damit die jüdischen Mörder unentdeckt bleiben?" Darf so das Judenthum, darf so die Justiz beleidigt werden? Aber das Berliner Antisemitenblatt, gewiß eine Autorität für den Fleischermeister Herrn Gustav Hoffmann zu Könitz in Westpreußen, hatte ja wohl das richtige Gefühl, als das den Bericht über die Rede des Herrn Fleischermeisters Gustav Hoffmann mit der Vorbemerkung versah „Politischer Theil". Vielleicht sollte es ein politisch Lied, aus dem Fenster heraus tönend, sein. Herr Hoffmann ist entschieden dadurch bekannt geworden. Und sein Auditorium, die Konitzer Stadtverordneten auch. Aber, um Gottes Willen nicht, die Juden sind nicht Freiwild. -5 * * Mit ganz besonderem Tonfall versichern die Antisemiten, die Konitzer Affäre würde bald liquidirt werden. Deshalb gilt es noch rasch, und weil es leichter und gefahrloser ist, all bei einem Einzelnen, der g es am inten „Judenschaft" dar- Odium der Schreckensthat anzuheften. Nach dieser Richtung hin arbeiteil jetzt die ehrlichen Blätter. Sogar der famose getaufte jüdische Strafgefangene ist ausgetaucht, der Kenntnißreiche, der die Weisheit über jüdische Gerichte zuerst verzapfte. Habeant sibi. Schade, daß nicht der Name dieses durch seine Strafthaten zu besonderer Glaubwürdigkeit prädestinirten Weisen bekannt wird. Der Man» wird aber auch namenlos fortleben in der Geschichte der antisemitischen „Aufklärungen", und wir gönnen ihn den - Antisemiten. So klingt es weiter fort: Die Juden sind die Thäter. Indessen — es giebt kein Freiwild mehr. A. »AM Michael Seer. ^s^m 19. August sind es hundert Jahre her, daß der Dichter des „Paria" und des „Struensee", der Bruder (j“ des großen Komponisten Meyerbeer, hier in Berlin als der dritte Sohn von Jacob Herz- und Amalie Beer geboren war. Er war Jude und ist Jude geblieben bis zu seinem Tode. Er hat in der deutschen Litteratur sich einen allgemein geachteten Namen erworben. Er hat dem großen „Judenschmerz" in seinem schönsten dramatischen Gedicht verhüllten, darum aber nicht minder tiefen Ausdruck verliehen. Grund genug, daß wir heute seiner in Ehren gedenken. Aber nicht von seinem Leben möchten wir diesmal sprechen, das auch in diesein Blatte oft schon geschildert wurde, sondern vielmehr von seinem Tode. Die Erzählung, die August Lewald, ein getaufter Jude, in seinem „Panorama von München" (Stuttgart 1835. I. 76ffo darüber bringt, ist authentisch, gleichwohl aber nur sehr ivenig bekannt. Die ganze Geschichte ist aber so lehrreich und ein so beachtenswerthes Spiegelbild auch für die Gegenwart, daß es wohl zweckmäßig ist, sie in vollem Wortlaut und ohne jede Bemerkung zu bringen. — Lewald berichtet über den am 22. März 1833 verstorbenen Michael Beer folgendermaßen: „Das Palais dieses Prinzen (Herzog Max) ist einige Male im Jahre der Schauplatz glänzender Feste und dann geschieht eS wohl, daß hin und wieder einer aus der Rotüre, wenn er sonstige Qualitäten besitzt, dabei Zutritt erhält. Diese Ehre sollte auch dem bekannten Dichter Michael Beer aus Berlin zu Theil werden und ward ihm so Verhängnis; voll, daß er darüber das Leben einbüßte. Der Vorfall war folgender:

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