Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1900)
- Date
- 1900-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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64 Jahrgang. Nr. 32. Berlin. 10. Ängttst 1900. Weikrge zur „Attgerneinen JeiLung des Iuöenlhurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 6. Aug. Wie wir bereits mitgetheilt haben, kann in diesem Jahre der Gottesdienst in Arnims Hotel wegen baulicher Veränderungen des Saales nicht stattfinden. Dagegen ist es der Gemeindeverwaltung nun gelungen, in den Brunnen-Sälen einen neuen Gottesdienst einzurichten. Wie wir hören, besteht die Absicht, den vorjährigen Inhabern von Plätzen in Arnims Hotel bei der Vermiethung der Plätze im neuen Betlokal ein Vorzugsrecht einzuräumen. — Der große Andrang, der sich in den Vorjahren an einigen Tagen bei der Erneuerung und Vermiethung von Plätzen für die Hoheit Feiertage unaitgenehm bemerkbar machte und vielfach zu Unzuträglichkeitelt geführt hat, soll iit diesen! Jahre dadurch vermieden werden, daß die Billetausgabe für einen Theil der Betlokale nach ben Räumen Oranienburgerstr. 30 verlegt wird, und das; ferner die Billetausgabe für die Hälfte der Zahl der Betlokale am Vormittag, für die aitdere Hälfte am Nachmittag stattfiitden wird. Die Erneuerung resp. Neuausgabe von Billets wird für die Betlokale am 27. August und für die Synagogen aru 3. September beginnen. — Wie lvir ferner vernehmen, werden in diesem Jahre in den Betlokalen cm den hohen Festtagen nicht nur wie bisher Rabbinatskandidaten, sondern auch die Rabbiner der Gemeinde sprechen. Berlin, 8. Aug. Gestern beging unser?geschätzter Mitarbeiter Herr Max Ring sein 60jähriges Doktorjubiläum. Der alte Herr, der jetzt 83 Jahre zählt, ist als trefflicher Kenner des Berliner Lebens ein hochgeschätzter Schriftsteller. Sein „Haus Hillel" ist auch in ben weitesten jüdischen Kreisen bekannt. Unter dem Anatom Otto und dem Physiologen Purkill je studirte Ring seinerzeit in Breslau Medizin. Die Verbindung der Klillik mit der pathologischen Anatomie und Physiologie ist iveseutlich mit Rings Verdienst. Nach kurzer ärztlicher Praxis wandte sich jedoch Ring nngetheilt seinen litterarischen Neigungen zu. Die Promotion vor 60 Jahren vollzog übrigens der Medizinhistoriker Hecker, und der eine von Rings Opponenten war der spätere Führer der deutschen Freihandelspartei, Heinrich Oppenheim. Mögen dem Jubilar, der in erfreulicher Frische des Körpers nnb des Geistes unter uns lebt, noch viele glückliche Jahre beschieden sein. Berlin, 3. August. Die Universität beging heute den Geburtstag ihres Stifters durch einen Festakt in der Aula. Bei der Preisvertheilung erhielt stud. rned. Mamlock, ein Neffe des Geh. Sallitätsraths Dr. Boas, den städtischen Preis der lnedizinischen Fakultät. Von der neuen Preisaufgabe sind zwei der theologischen Fakultät für uns von Interesse. Es soll dargelegt lverden, welche biblischen Namen bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts von Griechen und Lateinern als Nusnahmen recizirt worden silld, und es sollen die Folgerungen untersucht werden, die sich aus den: geschichtlichen Verstäudniß der heiligen Schrift für den Schriftgebrauch in der Dogmatik ergeben. ££2 Berlin, 6. August. Die „Deutsche Tageszeitung" interessirt sich lebhaft kür die Frage, wie viele jüdische Freiwillige fick wohl für die China-Expedition gemeldet haben und wie viele tauglich befunden worden sind. Wie hoch der wirthschaftliche Werth des Menschenmaterials, das sich freiwillig für die chinesische Expedition gemeldet hat, zu veranschlagen ist und wie viele aus Begeisterung die Expedition mitmachen, bleibt bis aus weiteres besser uiierörtert. Vielleicht erweisen wir der „Deutschen Tageszeitung" aber einen Dienst, wenn wir ihr mittheilen, daß unter den nach China ausrückenden Mannschaften der einstweilen noch bis zun; 5. August in ihrem hiesigen Formationsort verbleibenden 3. Eskadron des Ostasiatischen Reiterregiments sich auch ein Freiwilliger mosaischer Konfession Namens Cohn befindet. Dieser diente im 3. Jahre bei den 5. Husaren in Stolp i. P. und ist mit Schiebschnur und Fechtabzeichen ausgezeichnet. Der Kronprinz nahm bei der Abfahrt des Regiments Veranlassung, sich mit dem Manne zu unterhalten und dem Regimentskommandeur seine Freude über ihn auszusprechen. Um die Neugierde des Agrarierblattes zu stillen, bitteil wir unsere Leser, uns auch weitere Mittheilungen über jüdische Freiwillige zugehen zu lassen. Die Geschichte des jüdischen Freiwilligen Hayinann in Altona dürfte dem Blatte auch nicht unbekannt sein. Gebracht hat es dieselbe aber nicht. Berlin, 5. August. Die G e s e l l s cb a f t z n r Beförderung des Christentums unter den Juden hat folgendes Preisausschreiben (500 Mark) für eine Schrift: „Judenthum, Christenthum, Weltreligion" erlassen: 1. Ausgabe. Es ist zu untersuchen, ob dem Ansprüche des. Jndenthnms, Träger einer der christlichen überlegenen Kultur und Religiosität zu sein. Berechtigung zukommt. Es ist darzuthnn, daß das Christenthnm alle Erfordernisse für eine vollgenügende Geistes- und Herzensbildung in hervorragendem Mas;e in sich vereint, und daß ihn; das Judenthum in keiner Gestalt den Rang als Weltreligion wird streitig machen können. — 2. Als Leserkreis sind gebildete Juden gedacht. Gelehrter Apparat innerhalb des Textes ist zu vermeiden. — 3. Dein Ermessen der Verfasser bleibt überlassen, ob sie die biblisch-theologische, die religionsphilosophische oder die historische Betrachtungsweise in den Vordergrund stellen wollen. Der Umfang der Schrift soll vier Druckbogen nicht übersteigen. 4. Die Manuskripte silld bis zum 1. Juli 1900 ohne Namellsnilterschrist, aber mit einem Motto, au deil Schatzmeister, den Unterzeichneten Rechnungsrath Sauer, Berlin SW., Schützenstraße 26, einzusenden. Ein außen mit demselben Motto versehener verschlossener Briefumschlag soll ben Namen des Verfassers enthalten. — 5. Das Preisrichteramt lvollen freundlichst übernehmen die Herren Konsistorialrath Lic. H. Keßler, Professor Dr. R. Seeberg uild Professor Dr. H. L. Strack. — 6. Das Recht, die preisgekröllte Arbeit zu veröffentlichen, gehört der Unterzeichneten Gesellschaft, fällt aber, wenn innerhalb eines Jahres davon kein Gebrauch gemacht wird, den: Verfasser wieder zu. — 7. Alle auf dies Preisausschreiben bezüglichen Mittheilungeu werderl iil der Zeitschrift „Nathanael" veröffentlicht werden." Wir sind auf die Preisarbeit wirklich gespauut! ££2 Berlin, 7. August. Nach der „Deutschen Wacht" (28. Juli) ist Anzeige erstattet 1. gegen den Grafen Pückler. weil er in der dritten Konitz-Versammlung des Wahlvereius Berlill geäußert haben soll, die einzige mögliche Lösung der Judensrage. „furchtbar durchhaueu und rausschmeißen." Der Staatsanwalt sieht in dieser Aeußerung eine Aufforderung zu Gewaltthätigkeiten. 2, Wegen desselben Vergehens soll gegen den Schriftsteller Böckler vorgegangen werden, da er in derselben Versammlung sein Bedauern darüber ausgesprochen hat, daß sich in Bütow christliche Eiuwohner gegellüber ben rohen Beschimpfungen des Christenthums und der Christen durch Judeil ail die Fellsterschelbell der Inden gehalten hätten, anstatt, wie es solcher Frechheit gegenüber angebracht gewesell sei. die Jlldell selbst „nach dem Rezepte des Grafen Pückler" zu behandeln. y. Berlin, 5. August. Der Verein ehemaliger K ll a b e n schüler d. j. G. veranstaltet am 12. August eine große Dampferpartie llach Neptunshain all der Oberspree. Außer den Mitgliedern nebst Familien ist auch Freunden des Vereins nebst Angehörigen die Theilnahme gestattet. Billets sind bei Herrn Dr. Lachulailii, Laudsbergerstraße 89, zu haben. — Könitz, 3. August. Die von anderer Seite verbreitete Nachricht. I sr ael sk i sei aus der der Haft ellttasseu, ist unrichtig. Jsraelski befindet sich noch immer in Hast, doch ist seine baldige Eiltlassung zn erwarten. Ebenso unrichtig ist auch, daß die Abberufung des Militärs demnächst erfolgen wird. In maßgebendeil Kreisen ist von eitler Abberufung nichts bekannt, das Militär bereitet sich im Gegentheil immer mehr für einen längeren Aufenthalt vor. Vielleicht wäre auch die Abberufung für gelvisse Elemente nur das Signal zu neuen Ausschreitungen. wurden doch in der Nacht zum Montag dem kaum zu seinem Amte zurückkehrendell ersten Bürgermeister Deditius einige Fenster*