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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-10 · Heft 32 (10.8.1900) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
Seite 382 (sequence 12)
Language
German
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882 den Talmud gegen christliche und den Eisenmenger gegen jüdische Fanatiker. Aber wir dürfen den Talmud nicht verlassen. ohne einen Mann zu erwähnen, der gleich Gottschalk, aber in mühevollerem Sinne, an allen drei Auflagen mitgearbeitet hat. Es ist der Drucker und „Pressenzieher" Abi Esri, genannt Seelig, Sohn des Salomon aus Venedig. Er kam gerade ] 097, zu Anfang der ersten Talmudausgabe, nach Frankfurt, wohin er, der Venetianer, aber wahrscheinlich für dieses Werk gerufen wurde, und vielleicht hat er die ganze Einrichtung angeordnet, die das umfangreiche und kostspielige Werk erforderte. Außer ihm haben an alleil drei Auflagen gearbeitet der Drucker Jsaae den Salomon und der Seher Meschnllam, genannt Feibusch den Ahorn. Am Schluffe eines jeden Bandes des Talmuds, sowie bei anderen größeren jüdischen Werken, iverden in der Regel drei Setzer — deren Zahl aber viel größer gewesen sein muß — und vier Drucker namhaft gemacht, beim Talmud auch noch der Aufseher (Faktor) Zadok den Abraham. Mit dieser ausführlichen Beschreibung des vorzüglichsten Erzeugnisses der Frankfurter Presse ist die Stellung bezeichnet, die ihr in der Geschichte der Buchdruckerkunst überhaupt und der jüdischen insbesondere angewiesen werden muß. Was die Offizinen durch ihre jüdisch - deutsche Litteratur an Ansehen eingebüßt hatten, habe» sie durch den dreimaligen Druck des Talmuds wieder gewonnen, und jedenfalls ist nicht zu leugnen, daß die jüdische Presse einen Theil des früheren Glanzes der Frankfurter Gewerbsthätigkeit, wie er am hellsten im Meß- Verkehr leuchtet, sich zuschreiben dars, ebenso wie andererseits ivechselwirkend der Meßbesuch so vieler Juden den Druckereien ein sehr willkommenes Publikum znführte. Welche Summen die jüdische Preßthätigkeit in Bewegung gesetzt hat, wird schwerlich genau anzugeben sein, jedenfalls waren sie ungeheuer groß und standen in keinem Verhältnisse zu der Jndustriethätigkeit der damaligen Zeit. Spieker nimmt an, daß allein der Handel mit jüdischen Schriften in manchen Jahren einen Geldvertrieb von 80 000 bis l 00 000 Reichsthaler veranlaßt haben müsse. So hat sich uns unter der Leitung unseres Gewährsmannes folgendes Charakterbild der Frankfurter Presse ergeben: Wenngleich sie auf das wissenschaftliche Verdienst der italienischen Druckereien ebensowenig Anspruch machen kann, wie ans typographische Schönheit — für beides fehlte ihr das Publikum — so hat es doch den Drnckereibesitzern nicht an wissenschaftlichem Sinn gefehlt, une die Ausgaben des En-Jacob, des Bet-Aron, der vielen Editionen des Midrasch Rabba und des Jalkut beweisen. Aber eben mit Rücksicht auf den politischen und geistigen Druck, unter dem die Juden in Norddeutschland, Polen, Lithauen u. s. w. lebten, waren sie vor allem bemüht, dem religiösen Bedürfnisse zu genügen, in der Erkenntniß, daß die Presse nur diesem dienen konnte, und diese Aufgabe haben sie erfüllt wie keine andere. Das allein ist schon ein Verdienst, daß sie durch ihre jüdisch-deutsche Litteratur, die für die damaligen rohen Massen berechnet war, diese überhaupt zum Lesen gewöhnt haben. In den letzten Zeiten vor dem gänzlichen Verfall der jüdischen Presse in Frankfurt hat Baswitz, nicht ohne große Geldopser, manche bedeutende wissenschaftliche und sogar belletristische Werke neu aufgelegt, z. B. das große Werk von Arama, Aldo, Jedajah Ha-Penini n. s. w., „aber" — so schließt Spieker seinen Artikel — „das jüdische Geschlecht des 10. Jahrhunderts, [bei» Zeitgeist und der modernen Wissenschaft huldigend, ist der Litteratur der Väter theils aus Unkunde, theils aus Vornehmheit abhold geworden - und selbst die modernen Rabbiner sind mit derselben leider größtentheils mehr durch Werke der Litteraturgeschichte, als durch eigene Lektüre vertraut. Und so war das Loos der Presse in Frankfurt dem Wiens und anderer gleich." UILLETO Bethulah. Eine Erzählung von I. Zangwill. VI. f rotz meiner neuen spiritualistischen Kenntnisse konnte ich nicht mit solch unreifen Ideen über die hinunlische Gerichtsbarkeit sympathisiren; unzweifelhaft waren diese aus dem Buche Hiob entlehnt, welches unsere aufgeklärten westlichen Rabbiner als nur allegorisch erklären. Zeitweilige Vertiefung in die Oberseele schien die Grenze chassidäischer Erfahrung zu bilden. Außerdeni war Bethulah kein Wesen, das als übernatürlicher Fürsprecher gebraucht iverden konnte, sondern nur ein trauriges, zartes Geschöpf, das einen Beschützer brauchte. Diese Menge, die vor dem Zimmer meiner Angebeteten heulte, vergrößerte sonderbarerweise die Leidenschaft für die schöne Schwester des Leichentuches. Ich mußte sie aus dieser grotesken Umgebung retten, komme was da wolle. Ich wollte zu ihrem Vater gehen und um ihre Hand anhalten, wie es der Brauch iit diesem Lande ist. Mit diesein Entschluß schlief ich ein und Morgens erwachte ich niit demselbeii Gedanken. Sofort nach dem Frühstück nahm ich meinen Platz unter der tobenden Menge vor dem Hause mit dem Thurme ein und gewann dadurch, daß ich ein Goldstück in die Hände des Thürhüters schlüpfen ließ, einen Vorderplatz. Der Schreiber im Vorzinnner wies mich an, meinen Wunsch aus ein Stückchen Papier zu schreiben, welches ich selbst in der Hand tragen mußte. Ben David saß in einem eigenthümlichen gepolsterten Sessel mit hohem Rücken, auf dem der Schild Davids eingeschnitzt war, sonst war aber kein Anzeichen von dem, was 2)archi Charlatanerie genannt haben würde. Sein Gesicht unter dem schtvarzen Sammetbarett und den weißen Massen seines Bartes zeigte die Würde, welche zuerst einen solchen Eindruck auf mich gemacht hatte, und sein langer pelzbesetzter Talar gab ihm das Gepräge mittelalterlicher Weisheit. „Friede mit Dir. lang weilender Fremdling," sagte er, und seine Augen blitzten bedeutungsvoll. „Friede," murmelte ich, unangenehm berührt. Mit der rechten Hand führte er das noch gefaltete Papier an seine Augenbrauen. Ich beobachtete das Licht, das aus dem Persischen Smaragdsiegel am Zeigefinger seiner rechten Hand spielte. Plötzlich bemerkte ich, daß auch er auf den Stein blickte, nein, er blickte hinein, und während dieser fortfuhr zu glänzen, wurden seine eigenen Augen glasicht. „Merkwürdig, merkwürdig." murmelte er, „wieder sehe ich die feurigen Kreise und die vom Satan geschaffene Seele, die weder im Himmel noch auf Erden lebt." Und plötzlich sprühten seine Angen Feuer.

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