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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-10 · Heft 32 (10.8.1900) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
Seite 381 (sequence 11)
Language
German
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381 eigentlich wissenschaftlichen Werken wenig zu bemerken. Läitiones priueipes und alte Handschriften kommen nur selten vor, und in dem Zeiträume von beinahe 140 Jahren ihrer nicht wesentlich unterbrochenen Dauer hat diese Presse schwerlich 140Originalwerke (von neueren Schriftstellern) geliefert, sondern nur Abdrücke voll Schriften, die in Synagogen und Schulen eingeführt oder im jüdischen Volke populär waren. So z. B. ist der Midrasch rabba (260 SBogen stark) in wenigstens vier nicht lange nach einander gefolgten Auflagen erschienen; ebenso der En-Jakob mit vielen Kommentaren. Diese beiden Werke bilden eine löbliche Ausnahme und zeichnen sich durch strenge Kritik und Benutzung von Handschriften vor allen andererr Ausgaben nicht nur dieser, sondern der jüdischen Presse überhaupt, vortheilhaft aus. Nächst solchen Abdrücken lieferte auch diese Presse eine Unzahl von Schriften und Schriftchen in jüdisch-deutscher Sprache für das weibliche und unwissende männliche Geschlecht; Zeenah-Urenah, Josippon und Tausend und eine Nacht „mit gar zierlichen Bildlein" stehen in dieser Sammlung obenan. Eine censorisehe Approbation von Seiten der philosophischen Fakultät fiubet sich z. B. auf dem Kommentar zur Logik Biur milotli ba-higajon voll Maimvnides, gerade zu einer Zeit, wo man in Preußen am welligsten an Censur dachte, 1761. Als Druckereibesitzer werden in ben verschiedenen Zeiträumen genannt die Professoren der Universität Beckmanil, Grillo und Elsner und außerdem Michael Gottschalk, in den letzten Zeiten auch Baswitz. Beckmallns Name florirt auf den Büchern von 1680 bis Ende des 17. Jahrhunderts, und zwar auf dem von 1697 bis 99 gedruckten Talmud mit großer Lobeserhebllng, aber dort nicht mehr als Drnckherr, sondern nur als Beförderer des Werkes, während als Besitzer der Druckerei scholl Michael Gottschalk hervortritt. Dieser, damals nur „Herr Gottschalk" genannt, nimmt bei der fortschreitenden Verbindung mit dem Druckgeschäft allmülig seinen Titel an, und sein Name prangt ein halbes Jahrhundert aus den Hebräischerl Büchern Frankfurts, und bei der dritten und letzten Ausgabe des babylonischen Talmuds lvird er auf das dankbarste gefeiert. Im Arifauge des zweiten Drittels des 18. Jahrhunderts vertritt Professor Grillo die Universität bei der jüdischen Druckerei, rrachher seine Wittwe und endlich seine Tochter, sodaß dieser Name aufeinanderfolgend bis zu Alifallg des 19. Jahrhunderts genallllt wird, wo dann Professor Elsners Name und zuletzt der des Baslvitz, „des Beglailbigten der heiligen Gemeillde zu Frankfllrt", sichtbar werden. Bei der zweiten charakteristischen Erscheiliung der Frankfurter Presse, ihrer großen Thätigkeit für die Verbreitung des babhlollischen Talmuds, verweilt Spieker länger, da dieses Werk zugleich der Stolz und die Zierde der Frankfurter Druckereien ist. Frankfurt hat innerhalb eines Zeitraumes voll 40 Jahren das Riesenwerk des babylonischen Talnurds drei Mal aufgelegt und dadurch in typographischer Hinsicht das geleistet, was Bamberg und Justiniaui zu Venedig zu einer Zeit nicht leisten konnten, wo noch keine anderen Talmudausgaben vorhanden waren, was das große Amsterdam, trotz seiner ungeheuren und reichen jüdischen Gemeinde und trotz seines überseeischen Handels nicht vermochte. Nur Wien hat später, durch Privilegien begünstigt, ähnliches geleistet. Doch sehen wir die einzelnen Drucke genauer an. Nachdem zu Allfang des letzten Jahrzehnts des 17. Jahrhunderts einzelne Traktate des jüdischen Natioualwerkes gedruckt worden waren, erwarb sich Frankfllrt beu Ruhm, die erste deutsche Stadt zu fein, ill der das aus zwölf starken Foliobänden bestehende Buch vollständig mit allen feinen Noten, Glosseil und Kommentaren gedruckt wurde. Im Jahre 1697 begann der Druck dieser siebenten Ausgabe des Talnlllds überhaupt „mit Gottschalkischen Typen" und, wie scholl erwähllt, unter Mitwirkung Beckmallns, aber die Kostell trug freiwillig der fromme Mäceu Jsaschar Behrmann aus Halberstadt. Die Buchstaben sind groß und gleichen beiten in den Tatmudausgaben von Velledig Mld Basel. Auch das Papier ist für die Verhältnisse lobeuswerth, aber die Ausgabe hat feinen kritischen Werth. Obgleich, wie es scheillt, viele Exemplare abgezogell wurden, so war doch die Allslage sehr bald vergriffell, da eine bebeutenbe Anzahl von Exemplaren nach deul durch die Kriege verheerten Polen ging und außerdem klirz nach denl Erscheinen (1701) große Feuersbrünste in Frankfurt a. M. und Altona viele hundert voll Exemplaren verschlangen. Um nun dem Bedürfnisse au Büchern und Tatmuden, das sich infolge dieser Ereignisse fühlbar machte, abzuhelfen, erlaubte Behrmaun anderen Unternehmern, aufs neue beit Talmud zu drucken, obgleich er ileben einem Kaiserlichen Privilegium noch ein solches von denRabbinen Deutschlands und Polens hatte, kraft beffeit sie einen jeden Nachdrucker des Talmuds vor denl Zeitablaufe von 20 Jahrell mit dem schrecklichstell Banne belegt hatten. Aber Behrmaun erlaubte nicht nur den Druck einer neuen Ausgabe in Frailkfurt a. M., auch in unserem Frallkstlrt selbst nulrde gleichzeitig eine neue Ausgabe veranstaltet. Das ist die zlveite von den Frankfurter Talmudallsgaben, die aber ebenso wie die dritte die Druckorte Frankfllrt llnd Berlin allgiebt. Sie ist zwischen 1715—24 zu Stande gekonimen, und der berühmte Hofprediger Ja bl olls k i widmete ihr seine Theilnahlue. Der Besitzer der Druckerei ist wieder Michael Gottschalk. Die Typen fiub kleiner als bei der ersten Ausgabe, aber schärfer und feiner, und jedenfalls hat sie kritische Vorzüge der ersten gegellüber. Dieser Fortschritt erklärt sich daraus, daß der Wohlstand und der weit gerühmte Wohlthätigkeitssinn der Frankfurter jüdischen Gemeinde die beruh ultesten aus Polen und Lithanen geflüchteten Rabbiner hierher zog, wo sie sich, abgesehell voll der Unterstützung dllrch die Glaubensbrüder, auch lvegen des Schutzes, den sie von der Unioersitütspresse genossen, leichter niederlassen konnten, lmd daß nun diese Gelehrten lvesentlich zu jenen ungewöhnlichen Vorzügen -beitrugen, die die neuen Ausgaben des Talmilds und der Bibel auszeichnen. ©in bibliographisches Unikum und eine der größten bibliographischeil Seltenheiteil überhaupt ist ein Exemplar des Talinuds, auf Pergament gedruckt, das sich der berühulte Oberrabbiner David Oppenheimer abziehen ließ; es kostete ihm 1000 Thater. Die dritte Ausgabe 1735 ist ettt fast unveränderter Abdruck der vorhandenen. Gottschalk ist dabei wieder ein betheiligter Beförderer Zllnl Druck und wahrscheinlich der buchhändlerische Versender. Aber als eigentlicher Druckherr ist ein Jude, Aron ben Mose, Hofe (Arzt) aus Lissa, angegeben. Erwähnellswerth ist noch der Umstand, daß säst gleichzeitig mit der ersten privilegirten Talmudausgabe zu Frankfurt Eisenmenger sein berüchtigtes „Entdecktes Judenthum" erscheilleil ließ, ilnd daß kurz vor der zweitell Ausgabe eben dieses Bllch Eisenmengers, des mächtigerl Anklägers des Talmuds, lllit dein besonderen Schutze des Kölligs voll Preußen, trotz kaiserlichen Verbotes, in Preußen wieder gedruckt wurde, ein Beweis, daß die damalige Regierung den Widerspruch der gelehrten MeillUllgen in Glaubensallsichten nicht durch gewaltsame Niederdrückung der einen Seite lösen wollte; sie schützte

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