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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-10 · Heft 32 (10.8.1900) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
Seite 380 (sequence 10)
Language
German
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330 Schriften" zu lesen und in seinen nachgelassenen „Erinnerungen" mit Bambergers feinem Auge eine farbige Vergangenheit zu Nutz und Lehr an sich vorüberziehen zu lassen. Gerade die deutschen Inden haben allen Grund, diese Persönlichkeit hoch zu ehren und zu würdigen als einen der gediegensten und feinsten Stilisten in deutscher Sprache, wie Hartwig (S. 79) im einzelnen darlegt, als einen der glänzendsten Redner des 19. Jahrhunderts, wie sein Freund, der große Theodor Mommsen, in einem warmherzigen Nachrufe ihn rühmte. Aber auch eine besondere Pflicht haben Bambergers Glaubensgenossen dazu; mit einein bei unseren höheren Staatsbeamten sehr, sehr seltenen Freimuthe äußert Hartwig: „Ju Deutschland ist das Bürgerthum nicht dankbar gegen seine Vertreter, und man darf sich manchmal wundern, daß sich noch iunner uuinteressirte Leute finden, die für es in den Parlamenten eintreten mögen. Der Staat erweist seine Ehren nur Denen, die im Dienste der Regierung und in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Tendenzen ihren Beruf als Volksvertreter auffassen. Nun, nach diesen Ehren und nach Befriedigung persönlicher Interessen hatte Bamberger nicht gestrebt." L. F. Iur Geschichte des indischen Buchdrucks in Frankfurt a. O. fas Jubiläum der Erfindung Gutenbergs wurde in der Mark Brandenburg und vor allem in der alten Stadt Frankfurt a. O. ganz besonders festlich gefeiert. Die Tr owitzsch's che Hofbuchdruckerei hat bei diesem Anlasse eine sehr hübsche Festschrift herausgegebeu, in der u. a. auch die Aufsätze. welche der Historiograph Frankfurts, W. Spieker, über den dortigeil jüdischen Buchdruck vor mehr als fünfzig Jahren in dem heute längst vergessenen „Frankfurter patriotischen Wochenblatt" veröffentlicht hat, in dankenswerther Weise reproduzirt werden. Wir folgen dieser Quelle, die sicher noch vielfach ergänzt werden kann, in bon hier sich anschließenden Mittheilungen über diesen intereffanten Stoff. Spieker hatte die Absicht, seiner „Geschichte der Stadt Frankfurt" eine Abhandlung „Ueber jüdische Druckereien" einzufügen, aus Rücksichten auf den ihm für das Werk zu Gebote stehenden Raum aufgegeben; eine Veröffentlichung der Studie im „Patr. Wchbl." hielt er aber für wünschenswertst deshalb, ineil die jüdische Typographie aus den Handelsverkehr mit Polen, besonders in den Messen, einen wichtigen Einfluß gehabt hat. Unter der Bezeichnung „jüdische Druckereien" sind nun nicht etwa solche zu verstehen, die nur im Besitze oder unterLeitung von Inden waren und unabhängig von den Produkten ihrer Pressen, es werden damit vielmehr jene Werkstätten bezeichnet, deren Thätigkeit sich auf deil Druck mit hebräischen, rabbinischen und jüdischdeutschen Schriftarten beschränkte und die ausschließlich oder fast ausschließlich nur ein jüdisches Publikum im Auge hatten. Es bleiben daher bei dieser Untersuchung unberücksichtigt die Ausgaben der Texte des alten Testamentes, die voll christlichen Gelehrten und christlichen Druckerll zunächst für christliche Theologen besorgt wurden; unberücksichtigt bleiben nnlß auch das 1597 bei Eichorn erschielleue, dem berühmten Hai Gaon zugeschriebene Werkcheil „Musar Haskel" mit lateinischer Uebersetzung von Jakob Ebert, da es von christlicher Halld sür christliche Gelehrte berechnet war. Die eigentlich hebräisch-jüdische Typographie voll Frankfurt begillnt vielmehr fast hnlldert Jahre später, um dieselbe Zeit, wo sich für Süddeutschland die Druckerei zu Sulzbach erhob, um 1680. Außer dieser gleichzeitigen Entstehung hebt Spieker noch folgende Bergleichungspullkte zwischen den beiden Druckorten hervor: Beide entftanben oder blühten unter dem Schutze oder der Mitwirkung voll christlichen Gelehrten, dort Knorr v. Rosenroth, hier Becklliaml. Sulzbachs Pressen sollten die durch ben 30 jährigen Krieg ulld Ludwig XIV. veranlaßten Lückell der Büchersammlungen ausfüllen, die Pressen in Frankfurt sollten das wiederherstellen, was die Schweden in Norddeutschland, die Kosaken in Polen vernichtet hatten. Hier wie dort warell jüdische Einwanderer ans Wiell die Förderer; hier wie dort blieben sie, voll mancherlei Jammer und Elend tief gebeugt, in der Pracht der Ausstattullg meit hinter den italienischen und Amsterdanler Drucken zurück. Das llorddeutsche und polnisch-jüdische Publikuni war arm, politisch gedrückt, ihm fehlte der Kunst- und Schönheitssinn, um Prachtwerke zu bezahlen. Bei deil vielen Verfolgungen hat sich allch der wissenschaftliche Siml bei ihnen verloren, der die italienischen und selbst türkischen Druckherrell bei der Auswahl ulld Korrektur begleitete. Denn hier in Frankfurt wie dort in Sulzbach hatte mall nur deil praktisch-religiösen Zweck, für die lernuild lesebedürftigell Massen zu wirken. Das rächte sich aber auch an beidell gleichzeitig, deiln beide kamen in Verfall, als im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ein neuer wissenschaftlicher Geist die Juden zu beleben anfing. Sulzbach erhielt den Todesstoß von der durch Privilegien geschütztell, durch die Verhältllisse begünstigten und durch gefälliges Aellßere sich empfehlenden jüdischen Presse Wiens ulld in der letzten Zeit auch Prags — ben Niedergang der Frankfurter Presse führteil mehrere Faktoren herbei, so die zahlreichell Nengrüudllngeu von Druckereien in Polen und Rußland, die jener die Hauptquellen abschnitten, so ferner die Abnahme des Meßbesuches ulld die Elltfernung der Universität. Doch kehren wir nun mit Spieker zur Charakteristik und Geschichte der Frailkfurter Presse an sich zurück. Charakteristisch sind zwei Erscheinullgeu dieser Pressen: einmal ihr Verhältniß zur Universität, sodanll die Verbreitung des Talmuds und der Bibel mit allen Targnulim und Kommeutaren, besonders deneir des Pentateuchs. Was den ersten Punkt anbelangt, so scheint das Verhältniß der Frankfurter jüdischen Presse zur hiesigen Universität ein ganz äußerliches gewesen zu sein. Die Dinge lagen ungefähr so: Die Presse sowohl als auch ihr Personal stand unmittelbar unter der Jurisdiktion und Aussicht der Universität. Bei der unsicheren bürgerlichen Stellung, in der sich die Juden befanden, bei den vielfachen Plackereien, die sie bei der Verheirathung ihrer Kinder und sonstigen Niederlassung fanden, und bei dem wachsamen Auge der Regierung, daß die uormirte Zahl der Schutz-Juden nie überstiegen werden sollte, konnte den Juden der Schutz und die Jurisdiktion der Universität — gleichviel, unter welchem Vorwände — nur erwünscht sein. Irgend ein Professor gab seine Wohnung und seinen Namen für ein gewisses Honorar zu der von einem Inden gekauften Druckerei. Dem Juden war auf diese Art der Schutz der Uniuerfität für sich, seine Familie und Freunde und somit auch der Aufenthalt gesichert. Dagegen haben sich die gelehrten Herren der Universität weder um die Auswahl der Druckwerke, noch um deren Kritik gekümmert, vielmehr alles den jüdischen Eigenthümern und Schriftstellern überlassen. Daher ist von

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