Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1900)
- Date
- 1900-08-10
- Page
- Seite 377 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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377 Eintritt in >erte Bürgkonnte, s 0 chiffe nach lagemonat )er allseitiü ies scheuß frisch, noch n den vor r Herrscher, ing seiner chon heute eben wird t: die auf und innige iner Unter wrragende Zebensglück Was aber König Humbert besonders auszeichnete, was ihn: vor allem in den Kreisen unserer Glaubensgemeinschaft stets in Dankbarkeit gedacht werden soll, ist die Thatsache, daß er seine Güte und sein Wohlwollen gegen Jedermann ohne Ansehen der Person und des Glaubens bethätigte, daß man es wagen konnte, die Wohlthätigkeit des Königs auch für speziell jüdische Zwecke ui Anspruch zu nehmen und auf sichere und wohlwollende Gewährung solcher Bitten rechnen konnte. Unsere Glaubensbrüder in weitaus den meisten Ländern Europas leben ja leider noch immer in der sehr prekären Lage, daß sie jeden Beweis landesherrlicher Berücksichtigung, jede Gewährung voller Gleichberechtigung als eine Ausnahme, als einen be- »onderen Gnadenakt betrachten. In Italien hingegen ist eder Unterschied in der Behandlung der verschiedenen Bekenntnisse völlig geschwunden, die Ausschließung eines Bürgers non Amt oder Verkehr um seines Glaubens willen ist dort völlig unbekannt und klingt Juden wie Christen gleich unglaublich. Daß die religiöse Toleranz in verhältnißmäßig lnrzer Zeit diesen gewaltigen Fortschritt gemacht, daß die bürgerliche Gleichberechtigung der verschiedenen Bekenntnisse Ulen Schichten der Bevölkerung als eine selbstverständliche, unabänderliche Einrichtung gilt, das ist inehr nod) als dein esunden Sinn der führenden italienischen Staatsmänner dem leuchtenden Beispiel, der vorbildlichen Vorurtheilslosigkeit ' iner Fürsten zu danken. t, Königin nenden ge königlichen udlich gut. ,iger seiner Was der von ihrem und voll en Volkes ortes war andes Be? der Held, gUNg UUb ie die Zu winnender ganz von affen unb ) Nachsteuer ste, wo , Thränen Zeiten, dn persönlich Ringenden Trost und der Natur l, Neben zen seinem die Leiden r eigenen at helfend ldens mit lfsbereiteu ^ater; dir rmen und?s Königs- König Humbert war, was er vermöge seiner geraden, biederen und edlen Natur sein mußte, ein treuer Hüter der Verfassung, die er einst beschworen. „Die Institutionen sollen nicht aufhören," versicherte er in seiner Proklamation, und diesem Versprechen blieb er getreu bis zum letzten Tage seiner Kegieruug. Zu den besten Ueberlieferungen des Hauses Savoyen aber gehört die vorurtheilslose, völlig gleiche Bebandlung aller Bürger. Es wird dem jüngeren Geschlecht 'ehr schwer, sich das Italien am Anfang unseres Jahrhunderts ui seiner Zersplitterung und Erniedrigung mit >'tnem inneren Unfrieden und seinen Ausnahmegesetzen i orzustellen. In jener Zeit aber, da im Königreich Neapel den Juden der Aufenthalt verboten war, da im freien Toscana d ie Juden nicht einmal au alle Universitäten zugelassen wurden, Jahrzehnt noch, bevor in Bologna durch die päpstlichen bbendarmen ein unschuldiges Kind aus den Armen der Mutter rutrissen wurde, hatte König Karl Albert in der Verfassung - om 4. März 1848 alle Schranken, die Geburt und Religion der bürgerlichen Stellung setzten, aufgehoben. Und dieser Verfassung blieben seine Nachfolger treu. Viktor Emanuel. der Held und Biedermann, trug sie zugleich mit seinen siegreichen Fahnen vorwärts und verbreitete sie über das ganze, neubegründete Königreich. Unter König Humbert trat die erste Generation unserer Glaubensgenossen, die unter dem Schutze der Gesetze ausgewachsen und erzogen worden war, ins öffentliche Leben un und fand am König einen treuen Schützer ihrer Rechte, chn Heere und in der Beamtenschaft sind diejenigen Juden, die durch Tüchtigkeit dazu qualifizirt waren, ohne Zurücksetzung und Uebergehung bis in die höchsten Stellen befördert worden. Hervorragende Parlamentarier wurden in die Ministerien berufen, Offiziere, Richter und Lehrer, die Angestellten der Post- und Steuerverwaltung stiegen aus bis in die obersten Grade, verdienstvolle Beamte, Gelehrte, Schriftsteller oder Großkaufleute wurden auf besonderen Wunsch des Königs in den Senat berufen. Es ist bekannt, mit welcher Gunst der hochselige Fürst den General Ottolenghi stets auszeichnete, wie er ihm u. A. den Ehrendienst bei Anwesenheit Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. in Rom übertrug, wie der jetzige Unterstaatssekretär Romania Jaeus, der Generaldirektor im Ministerium des Auswärtigen Malvano, der berühmte Gelehrte, Professor Ascoli und von Verstorbenen Jsaae Artom, Sausone d'Ancona, David Levi, Dina und viele Andere sich besonderer Gunst am Hofe erfreuten. Die Zahl unserer Glaubensgenossen, die zu Hoffestlichkeiten zugezogen wurde, war in und außerhalb Roms eine sehr große, ebenso ivie der König, außerhalb Roms, in einer ganzen Anzahl jüdischer Häuser gern und wiederholt zu Gaste war. Viktoria Kava, der jetzige Chef des italienischen Volksschulwesens, hatte als junger Beamter bereits die Ehre, in Gegenwart der Majestäten den Festvortrag zum Centenarium Froebels im Jahre 1882 zu halten. Diese persönliche Auszeichnung wurde ein Segen für die jüdische Gesammtheit, vor allem für die römische Gemeinde, denn Kavus Bestrebungen zur Einführung des Froebels-Shstems in den Asili infantili israelitici fanden bei den Majestäten hohe Anerkennung und gnädige Förderung. Das Jahrhunderte laug an den Inden im Ghetto geübte Unrecht schmerzte König Humbert, so oft er daran erinnert wurde. Darum half er gern, die Spuren dieser mittelalterlichen Grausamkeit beseitigen. Die Niederreißung des römischen Ghetto, die Unterbringung der armen Bevölkerung in den anderen Stadttheilen, die Regulirung und Eindämmung der Tiber fanden in König Humberts edlem Herzen warme Theilnahme und Wohlwollen. Gelegentlich eines längeren Besuches in Florenz in den achtziger Jahren besichtigte der König auch das alte Ghetto eingehend. Die Thore desselben waren bereits 1814 gefallen, aber der ärmere Theil der jüdischen Bevölkerung wohnte noch immer in den verfallenen Häusern der engen dumpfen Gassen. König Humbert, der in Begleitung des Bürgermeisters und des Prefetto, von dem Jammer und dem Elend, das dort hauste, eingehend überzeugt, konnte nicht genug Worte des Abscheus finden über jene Unmeuschlichkeit und Barbarei; seiner energischen Fürsprache ist es zu danken, daß jene Zeugen des Glaubenshasses gar bald vom Erdboden verschwanden. Ueber des Königs Verweilen im Ghetto von Venedig geht durch die Tageszeitungen eine schöne Anekdote, die für des Königs milde Denkungsart recht bezeichnend ist. Dieselbe möge auch hier ihre Stelle finden : In früheren Jahren pflegte das italienische Königspaar alljährlich einmal, und zwar im August, Venedig zu besuchen. Während der Anwesenheit in der Lagunenstadt ließ es sich die Königin Margherita nicht nehmen, eine Gondelfahrt nach dem Ghetto zu machen, um die Wohlfahrts-Einrichtungen der dort seßhaften Juden zu besichtigen. Nach einem solchen Besuche wurde stets der Rabbiner von der Königin, die sich bekanntlich sehr lebhaft für das Hebräische interessirt, zur Audienz befohlen. Als gelegentlich einer solchen Audienz der König einmal die Gemächer seiner Gemahlin betrat, sagte er lächelnd zu dem Geistlichen.- „Meine Frau interessirt sich so lebhaft für das alte Testament, daß ich Lust hätte, sie auszuquartieren und ihr im Ghetto ein Palais zu bauen." Thatsache ist, daß das Königspaar den venezianischen Ghetto-Bewohnern allezeit ein warmes Interesse bekundet hat. Wenn daher vor einigen Tagen in den Klageliedern gelesen wurde: „Unseres Lebens Odem, der Gesalbte des Herrn, ward gefangen in ihren Schlingen, er, unter dessen Schutze wir leben konnten unter den Völkern", so hat ein Jeder wohl im jj I!i | j I;;;* i: li!i: 1 P