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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-08-10 · Heft 32 (10.8.1900) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
Seite 376 (sequence 6)
Language
German
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376 Ham Konstantinos kann als reich gelten. Er ist ein Groszkaufmann und gleichzeitig ein hochgelehrter Doktor, der beim Volke sowohl wie bei den Behörden ein großes Ansehen genießt. Konstantinos hat sich auch der rumänischen Auswanderer nach Cypern angenommen und für sie feine Kräfte weit übersteigende Opfer gebracht. Die Gemeinde besitzt eine Synagoge und einen Rabbiner, der zilgleich die Funktionen eines Chasan ausübt. * In dem ewigen Kleinkrieg, den die russischen Juden seit 18 Jahren mit den Behörden in betreff ihres Wohnrechts führen muffen, gelang es den Ersteren mit Hilfe des Senats eine neue wichtige Position zu erobern und zu befestigen. Der Senat entschied: 1. daß Juden, welche im Besitze eines akademischen Grades sind, nicht allein überall in Rußland wohnen, sondern im ganzen russischen Reiche auch Handel und Gewerbe treiben durfern Im Gesetz, welches den jüdischen Akademikern das Anfeuthaltsrecht im ganzen Reiche gewährt, sei nichts davon erwähnt, daß sie an ihrem Aufenthaltsort sich nur mit ihrem Spezialfach zu beschäftigen haben. 2. Jüdische Apothekergehilfen, Zahntechniker, Feldscher und Hebammen dürfen überall in Rußland nwhnen, selbst Moskau nicht ausgenommen. Durch das Gesetz vom 13. November 1897 wird den Juden, welche die letztgenannten Fächer studiren, nicht aber denen, welche diese Studien bereits vollendet haben, der Aufenthalt in Moskau verboten. 3. Apothekergehilfen, Feldschere und Hebammen darf das Aufenthaltsrecht in ganz Rußland in keiner Weise verkürzt werden, selbst dann nicht, wenn sie es vorziehen, statt sich mit ihrer Spezialität zu beschäftigen, Handel oder Gewerbe zu treiben. 4. Daher dürfen auch jüdische Hebammen, Dentisten. Feldschere und ApothekergehilfeninMoskau wohnen und daselbst ungehindert Handel treiben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Regierung der Bereinigten Staaten entschlossen ist, den jüdischen Emigranten ans Rumänien das Gastrecht zu versagen nub ihnen den Eintritt in Newyork zu verbieten. Zwar bietet ihr das bestehende Gesetz dazu nicht die geringste Handhabe, aber auch in Amerika hat inan nach berühmten Mustern gelernt, daß gar Manches, was auf gesetzlichem Wege nicht zu erreichen ist, sich sehrgut auf dem Verwaltungswege erzielen läßt. Diesen neuen Tric mußte die erste rumänische Emigrantenpartie am eigenen Leibe erfahren, welche in einer Stärke von 175 Köpfen am 11. Juli in Newyork landen wollte. Die ersten 67 Personell ließ man anstandslos passiren, der Rest von 108 Personen wurde aber zurückgehalten und drei Tage lang von der Einwanderungskommifsion streng verhört. Obgleich jeder von ihnen die vorschriftsmäßigen 30 Dollar in der Tasche hatte, wurde dennoch jeder Einzelne von ihnen aufgefordert, eilten Bürgen zu stellen, der Garantie dafür leistet, daß der Emigrant nach erfolgter Landung nicht der öffentlichen Wohlthätigkeit zur Last fällt. Die von verschiedenen rumänischen Gesellschaften angebotene summarische Bürgschaft wurde mit der Erklärung zurückgewiesen. daß nur die Bürgschaft von nahen Verwandten aeceptirt werden könne. Als besonders erschwerend fällt gegen die rumänischen Emigranten der Unlstand ins Gewicht, daß sie zu Fuß bis Hamburg gewandert sind, und daß ferner die Ueberfahrt nach Amerika auf Kosten der jüdischen Wohlthätigkeit erfolgt ist. Dieses beweise ganz unzweideutig, daß die rumänischen Flüchtlinge paap6i'8 wären, denen der Eintritt in die Vereinigten Staaten verboten ist. Da die geforderte Bürgschaft von den Meisten llicht beigebracht werden konnte, so werden die Zurückgelviesenen mit dem nächsten Schiffe nach dem gastlichen Kanada wandern. König Humbert. tage schwerer nationaler Trauer hat der alte Klagemonak Ab über uns gebracht; König Humbert, der allseitig geliebte, großmüthige Fürst, ist als Opfer eines scheuß lichen Verbrechens gefallen. Noch ist die Wulide zll frisch, noch ist zu unmittelbar der Schmerz und die Trauer um den vor zeitig und so unerwartet aus dem Leben abberufenen Herrscher, als daß das Urtheil über die politische Bedeutung seiner Regierung gesprochen werden könllte. Was aber scholl heute feststeht, was unvergänglich mit seineul Nameil fortlebeil wird ist das Bild seiner edlen hochherzigen Persönlichkeit: die axv richtige Liebe zu seiner Nation, die seltene Herzensgute und innige, wohlwollende Theilnahme an dem Geschick aller seiner XXntev thanen. Die all Tugendell und Geist gleich hervorragende Frau, die Italiens Thron bisher zierte und deren Lebensglück nunnlehr mit einen: Schlage gewaltsam zerstört ist, Königin Margherita, hat im ersten Augenblick des übermannenden ge wattigen Schmerzes das tresfelldste Urtheil über den königlichen Gatten ausgesprochen: „König Humbert war ullelldlich gut. Niemalld liebte sein Volk so innig wie er, kein einziger seiner Unterthallen konnte etlvas Böses von ihn: sagen." Was der ertauchtell Fürstin in der Stunde des größtell Leids voll ihrem Herzen eingegeben ward, findet warmell Widerhall und voll gütige Bestätigung in allen Schichtell des italienischen Volkes Edel, hilfreich und gut im bestell Sinlle des Wortes war König Humbert. In den Feldzügen für des Vaterlandes Be freiung und Einigung bewährte er sich nicht nur als der Held, der allein ein leuchtendes Vorbild war an Entsagung iuib Tapferkeit, sondern erwarb sich und seiner Dynastie die Zu Neigung allerKamPfgenossen durch fein lauteres, herzgewinnender Wesen. In Friedenszeiten vollellds konnte er sich ganz von den edlen Regunger: seiner großen Seele (eiten lassen uno seine Herrscherpflichten mit höchster Selbstlosigkeit und Nächsteuliebe erfüllen. So war König Humbert überall der erste, wo es galt zu helfen, Trost zuzusprechell, Noth zll (inbent, Thränen zu trocknen. Es ist bekannt, wie er m den trüben Zeiten, dn die schreckliche Geißel Cholera Italien heimsilchte, persönlich durch die Baracken eilte llnd den mit den: Tode Ringenden seine landesvätertiche Theilnahme bezeugte, itjiten Trost uno Aufrichtung brachte. Wo die entfesselteil Elemente der Natur der Menschen Wohlstand zerstörteli, Erdbeben, lieberschwemmullgen und ählllichen Plagen die Provillzell seinem Landes verwüsteten, stets fühlte der hochherzige Fürst die Leiden seines Volkes wie schwere Heimsuchungen in der eigenen Familie, stets zeigte er sich bereit, mit Wort und That helfend beizustehen, opferwillig an der Ausbesserung des Schadens mit zuwirken. Die Armen hattell an ihm einen allezeit Hilfsbereitei! Gönner, die Bedrällgten einen stets fürsorglichen Vater; dic Versuche der lleueren Gesetzgebung, das Los der Armen und Bedrückten zu erleichtern, gehen größtentheils auf des Königs eigene edelmüthige Initiative zurück.

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