Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1900)
- Date
- 1900-08-03
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 Prediger Rothschild aus Dortmund in herzergreifenden Worten im Namen der Familie, der Kollegen und Freunde von dem Entschlafenen Abschied nahm. Am Grabe schilderte in meisterhafter Rede Prediger Dr. Coblenz-Bielefeld die öffentliche Wirksamkeit des Verstorbenen in Synagoge und Schule. So hat denn die Synagogengemeinde Bochum einen wahren Seelsorger, die Schule einen bewährten ,3uQenbbtlbnei’ und Erzieher, die Stadt einen treuen Bürger und das Judenthum einen eifrigen und warmen Förderer verloren. Möge ihm die Erde leicht sein! — t. München, 29. Juli. In den antisemitischen Zeitungen wird mit großem Vergnügen erzählt, daß unter den nach China ausmarschirenden Freiwilligen kein einziger Jude sei. Nach dem „Militürwochenblatte" marschirt aber ein Stabsarzt Dr. Maukiewiz mit, der, seinem Namen nach zu schließen, israelitischer Religion sein dürste. Bei dem hier ausschließlich ans in bayerischen Regimentern gedienten Mannschaften zusammengezogenen 2. Bataillon des 4. ostasiatischen Infanterieregiments befindet sich aber, wie ich bestimmt weiß, ein Soldat israelitischer Religion, während, dem Namen nach zu schließen, noch andere in dem Bataillon befindliche Mannschaften israelitischer Religion sein dürsten. 525 München, 30. Juli. Zum Abendgottesdienst am Freitag in der hiesigen Synagoge waren zwei jüdische Soldaten, die dem hiesigen Bataillon der ostasiatischen Division zugetheilt sind, erschienen. Herr Rabbiner Dr. Finkelscherer hielt eine Ansprache, au die Kämpfe der Juden zur Zeit der Propheten anknüpsend, indem er den Kampf gegen die Unkultur schilderte, zu dem der Kaiser und die Bundessürsten das Volk anfgerufen haben. Mit einem Gebet schloß die Ansprache. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurden den Freiwilligen Gebetbücher als Geschenk der Gemeinde überreicht. Oesterreich -Ungar«. □ Wien, 30. Juli. Die ru mä Nischen Auswanderer machen uils hier große Sorge. Auf eine dringliche Drahtung der hiesigen Allianz hat die Pariser geantwortet: „Zurückschicken!" Das ist freilich ebenso leicht wie billig. Ob es aber ausführbar und gerecht, ist freilich eine andere Frage. Noch schlimmer steht die Sache in Budapest. Dorthin sind 670 Auswanderer, für deren Weitertransport die Wiener Geineinde nicht aufkommen konnte, zurücktransportirt und nach vielstündigen Verhandlungen der Behörden mittelst Extraznges unter strenger Polizeilicher Bedeckung an die rumänische Grenze gebracht worden. Außerdem wurde ein neu angekommener Trupp Auswanderer angehalteu und trotz großen Widerstrebens nach dem Schnlhause transportirt. Gelegentlich des zwangsweisen Rücktransportes der Auswanderer spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Schließlich haben die Behörden den Auswanderern einen Aufenthalt von drei Tagen gestattet, woraus der Transport wahrscheinlich über Fiume . nach Amerika erfolgt. Der Minister des Inneren ordnete an, daß nur mit einer Reisekarte bis Amerika oder entsprechenden Geldsummen versehene Auslvanderer die Landesgrenze passiren dürfen. — Soeben ist der Jahresbericht der hiesigen israelitisch-theologischen Lehranstalt für das Schuljahr 1899/1900 erschienen. Dem Berichte geht eine kritische Bearbeitung des Seder Eliahu rabba und des Seder Eliahu suta von Lektor M. Fried »na»in voran. Dem Bericht des Kuratoriums entnehmen wir, daß der im Vorjahre im Vereine mit dem Vorstande der Kultusgemeinde creirte Religionslehrer-Kurs zu Beginn des Wintersemesters 1899/1900 eröffnet wurde. An diesem Kurse nahmen 11 Volksschullehrer Theil. In der am 14. Januar d. I. statutenmäßig erfolgten Neukonstituirung des Kuratoriums wurden Moriz Karpeles zum Präsidenten, Moriz Edler von Kuffner zum 1. Vizepräsidenten, Neichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk zum 2. Vizepräsidenten und Theodor Ritter von Taussig zum Kassirer wiedergewählt. Die Zinsen aus der Osias H. Schorr'schen Hinterlassenschaft sind bereits flüssig gemacht und dürsten die betreffenden Stipendien für das kommende Wintersemester ausgeschrieben werden. An Subventionen gingen ein: Von der Regierung 10000 Kronen; vom Vorstande der Kultusgemeinde in Wien 8000 Kronen; vom Kuratorium des Mährischjüdischen Landesmaffasonds 2000 Kronen: vom Vorstande der Kultusgemeinde in Wien 8000 Kronen; vom Kuratorium des Mährischjüdischen Landesmaffafonds 2000 Kronen; vom Vorstande der Kultusgemeinde in Prag 1300 Kronen; von der Repräsentanz der Laudesjudenschaft des Königreichs Böhmen 1260 Kronen und vom Vorstände der Kultusgemeinde in Lemberg 1000 Krone»!. Von den Herren Bergrath Max Ritter von Gutmann und Rudolf Ritter von Gutmann erhielt die Anstalt je 500 Kronen und von Dr. Ludwig Ritter von Gutmann 200 Kronen als Jahresbeiträge pro 1900. Für die Unterstützung der Hörer wurde der Betrag von 7000 Kronen ins Budget gestellt. Der Bericht des Rektors konstatirt, daß von den 37 Hörern welche vor sieben, respektive vor sechs Jahren eingetreten sind, kaum die kleinere Hälfte ihre Prüfung an der israelitisch-theologischen Lehranstalt abgelegt hat, und daß säst alle bisher aus derselben hervorgegangenen Rabbiner in amtlichen Stellungen »virken. Bei den diesjährigen Rabbinerprüfungen haben säiumtliche Kandidaten beständen. Es sind dies die Herren: Dr. H. P. Chajes aus Brody, Dr. S. Friedniann aus Köresfö in Ungarn. D. Keßler ans Zurawno in Galizien, Dr. S. Rosenzweig in Boryslaw und Dr. M. Schorr aus Przemysl. Seit dem vorigen Jahre erfolgten nachstehende Berufungen: Dr. Abeles wurde zinn Vereinsrabbiner im 3. Bezirke von Wien, Dr. Landau zum Leiter der Vereinsschule im 10. Bezirke von Wien, Dr. Mandel von der israelitischen Kullusgemeinde Wien znm Religionslehrer an Mittelschulen und zum Exhortanten, Dr. Segal zum Rabbiner in Sziszek (Kroatien) berufen. Dr. Bergmann, Rabbiner in Loschitz, folgte einem Rufe nach Fridek-Mistek, Dr. S. Guttmann wurde zum Direktor der jüdischen Volksschule in Lemberg ernannt. Von den diesjährigen Kandidaten erhielten drei noch vor ihrem Examen eine Berufung, und zwar Dr. M. Schorr als k. k. Neligionsprosessor an das Lehrerseminar in Lemberg. Dr. Keßler als Rabbiner nach Gewitsch und Dr. Rosenzweig als Rabbiner nach Kojetein. Dr. L. Hirsch wurde von der Gemeinde Wolin in Böhmen zürn Prediger und Religionslehrer gewählt. — Infolge eines falschen Gerüchts, daß der Kaufmann Pick das Kind eines Feldarbeiters ermordet hätte, fanden irr Altbenatek antisemitische Unruhen statt. Der Pöbel versuchte die Demolirung des Pick'schen Hauses, und erst nachdem die Gendarmerie eingeschritten und das Kind lviedergefunden worden war, konnte die Ruhe »viederhergestellt »verden. — Bei der vor den Ta r n op o ler Geschworenen wider den rnssischen Staatsangehörigen Leib Kwasinann lvegen betrügerischer Crida am 12. d. Dt. abgehaltenen Hauptverhandlung leitete der öffentliche Ankläger seinen Schlnßantrag folgendern»aßen ein: „Nach dem gänzlichen Niedergange des Handels und Gewerbes irr Galizien verblieb uns blos der Kleinhandel, der sich in der schmutzigen jüdischen Nasse, die sich zu uns sogar aus dem A»»slande eindrängt, konzentrirt; diese hat nicht nur den ganzen Adel um dessen Erbe gebracht, sonder»: auch in den Städten u»:d Dörfern die Bevölkerung jeglichen Ver»nöge»»s entblößt. Sie haben sich wie ein Krebsschaden eingewurzelt, und wir können sie in keiner Weise los werden. Ihre Religion gestattet nicht blos, sondern sie gebietet, Betrügereien zu ihrer Erhaltung zu verüben und dergleichen. Zn solchen Jüdlein gehört auch dieser A»»geklagte!" Der Reichsrathsabgeordnete Dr. En»il Byk hat sich m einem Schreiben an den Justizminister gewendet, um Remedur gegen die Ausschreitmige»» dieses anmuthige»: Staatsan»valts z»» schaffen. Budapest, 28. Juli. Der rön»isch-katholische Bischof von Ober Ungarn, Paul Szmrcsanyi. weilte dieser Tage im Arvaer Komitate. Die jüdische Kültusgemeinde Also-K»»bin bem»tzte diese Gelegenheit, um denr Kirchenfürsten bei der auch sonst üblichen Huldigung für das hochherzige Hirtenschreiben, welches er anläßlich des Rameßtoer „Falles" an die Geistlichkeit seiner Diözese gerichtet, den Dank der ungarischen Jndenheit auszndrücken. Der Kirche»»fürst hat sehr viel zur Beruhigung der Gemüther beigetragen, indeu, er rechtzeitig eingegriffen n»»d geivissenlose Hetzer dara»: verhindert, ei»» zweites „Tißza-Eßzlar" ans dieser „Affäre" zu schmieden. Eine zwölfgliederige Deputation erschien unter Führung des Also-Kubiner Oberrabbiners I. Horovitz und des Ge»neindepräses Dr. W. Reicher bei den: Bischof, der aus die Ansprache des Dr. Reicher Folgendes erwiderte: „Mit tiefgefühltern Danke nehme ich die warme Begrüßung des sehr geehrten Redners entgegen. Der Hinweis aus den Hirtenbrief berührt mich angenehm, aber dafür gebührt mir kein Dank. Ich habe blos meine Pflicht gelhan, indem ich die geistlichen Kollegen mei»»er Diözese sowie die Gläubigen zur Ruhe gemahnt und es verhindert habe, daß die Verirru»»g der Volksmaffen größere Dimensionen annehme. Es freut mich sehr, daß die Herren erschienen sind, und ich erividere die schöne Ansprache des geehrten Redners mit patriotischen und religiösen Empfindungen. Ziehen Sie doch auch Ihre Begeisterung aus einer Religion, die die Grundlage unseres Glaubens ist. Aus einer Quelle