Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1900)
- Date
- 1900-07-27
- Page
- Seite 353 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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353 für mittels imen. Wo wild mehr, end einem Gebot der rde. Zur .wingendeu m Großen, eich", kann von jedem verhandelt, h an West' em Kultur ins zurück i traurigen ürdig sind, ch und die in StolP oiv waren, einer nicht eine wahn- ) noch „der alles mithinzutrat;er und so Zeit gefehll Ende der er Schwur- : mit mehr Die Hetzer Dunen nie jer Hinsicht ' die antiffen haben noch sind h auch in r, die den ort vorgr Und in anhängig lg gelangt latten diese tte kürzlich die „Heppn feststellen )as hiesige!ark Geldichen Tage .- mit einer Latte um sich. Er wurde wegen Körperverletzung zu vierzehn Tagen Gefänglliß verurtheilt. Da wir diese Klagen mit dem Schlochauer Schöffengerichtsurtheil noch nicht für endgiltig erledigt halten und da außerdem von unserer Seite nie an einenl Gerichtsurtheil gedeutelt wird, verzichten wir auf eine eingehendere Behandlung des Falls. Nur das Eine: Der Junge, der einen angesehenen Kaufmann mit Hepp- Hepp-Rufen behelligen zu können geglaubt hatte, war nach der Darstellung des konservativen Blattes der Angreifer. Der jüdische Kaufmann befand sich irr gewissem Sinne irr der Nothwehr. Was dem Jungen pafsirt ist, erfahren wir nicht, rvohl aber daß der Kaufmann zu 500 Mark Geldstrafe verurtheilt wurde. Wir werden die Serie fortsetzen, nach Bedarf. Wir rvissen daß in Preußerr der Jude nicht schutzlos ist. Urrd wir hoffen, daß dieser Schutz ausreichen wird, um auch dem Blindesten zu Äemüthe zu führen : der Jude ist nicht Freiwild. Nicht einmal für den Pöbel .... E. Pli. Samuel David Luzzatto. Von E m n n n e l Vaumgarte n. nt 22. August d. I. wird ein Jahrhundert seine Wende vollzogen haben, seitdem am Firmamente des litterarischen Judenthums ein neuer Stern erschien, der seine hellleuchtenden, glanzvollen Strahlen in die weitesten Distanzen der Diaspora entsendete — am 22. August 1800 erblickte Samuel David Luzzatto das Licht der Welt. Wenn man über die Bedeutung dieses großen Mannes sich einige Klarheit verschaffen will, so thut man am besten, seine cigeneu Ausschreibungen, die unter dem Titel in der hebräischen Zeitschrift erschienen sind, seine bis Utm Umfange einer Bibliothek gediehene, mit den hervorragendsten Gelehrten geführte Korrespondenz, die von seinem Dohne, Notar Dr. Jsaja Luzzatto, herausgegebene Schrift Autobiografia" und die von dem wackeren Professor Castiglioni über ihn verfaßte Monographie zu lesen. Aber sein lebenstreues Konterfei wird man damit noch lange nicht gewinnen. Denn Luzzatto zählte zu jenen Gestalten, deren Bild sich nicht mittelbar, sondern nur unmittelbar durch persönlichen Verkehr rnpragt. Die Vielseitigkeit und die Tiefe seines Wissens, die Ehrlichkeit seiner Gesinnung, die Bescheidenheit seines Wesens, die Anhänglichkeit an den Glauben seiner Väter gaben seiner äußeren Erscheinung ihr Gepräge. Wer das Glück hatte, ihm persönlich näher zu treten, der erhielt einen bleibenden, unverwischbaren Eindruck dieser edlen Persönlichkeit für sein Leben lang. Nie werde ich des Tages vergessen, an dem ich ihn sah. (is war am 15. Januar 1860, als ich — geschäftlich in Italien — meinen Geburtstag nicht schöner begehen zu können glaubte, als indem ich Luzzatto, mit dem ich bereits einen brieflichen Verkehr unterhielt, in Padua aufsuchte. Ein heiliger Zauber lag aus dem Manne. Passender konnte kein Epitaph sein, als das von seinen Verehrern für sein Denkmal gemähte :nbnfi jTöVl *[b „Dein Lob ist - beredtes Schweigen." Denn so viel man auch von Damuel David Luzzatto als Gelehrten, Exegeten, Grammatiker, Theologen, Philosophen und Dichter Rühmliches hervorheben wollte, immer wieder wird die Frage unerledigt bleiben:?'«n irbia nrna ’ö Die Gelehrsamkeit Luzzatos war keine ans dem Wege der bloßen Lektüre erworbene, sondern eine ans dem Wollen geschöpfte. Ihm galt als Grundsatz: Non multa sed mul tum. Als Reggio ihn ermunterte, Algebra zu studiren, antwortete er: -irn bsa emo «bi pam nn« “ü"r jrrb -ima Er bewährte das ebenso als Lehrling der Mechanik und Uhrmacherei; auch hierbei entwickelte er viel Eifer und Fleiß. Wenn Luzzatto seinen Freimuth selbst gegenüber den Masoreten und der autoritativen Geltung der Männer des Talmuds bewahrte, so hatte dies doch seine Grenze, sobald dabei das religiöse Moment in Betracht kam. Um keinen Preis wollte er dulden, daß die Schrift eine Interpretation auf Grund einer herrschenden philosophischen Anschauung erhalte, und sicher ist es nur diesem Umstande zuzuschreiben, daß er von Haß gegen den Spiuozismus erfüllt war. Seine Forschuugsdevise lautete: 'i r)>TP im D Wl Sein frommes Gemüth — David Oppenheim nennt ihn: Trums £rön pnsc - ließ ihn Bachjas mmSl DÜin als Lieblingsbuch wählen. Viele Jahre hindurch ließ er es sich angelegen sein, die sich in alten Ausgaben und Manuskripten vorfindlichen Varianten des Textes desselben zu sammeln. Meine Ausgabe dieses Buches (1858) verdankt ihm die Publikation der klassischen des Jbn Baknda. Wenn ihn ein Merkmal auch äußerlich zunr Gelehrten stempelte, so war es die traurige Thatsache, daß an ihm sich die Sentenz des biblischen Schopenhauer bewährte: 21^ D'Mnb 8^ Ich habe bereits in einem ihm 1865 gewidmeten Nachrufe bittere Klage darüber erhoben, wie es kommen kann, daß solche Männer mit der Noch des Tages zu kämpfen haben. Wenn nun die Reichen in Israel ihre Pflicht gegenüber dem lebenden Luzzatto vergessen konnten, so möchte ich es vermieden sehen, daß die Gelehrten unseres Volkes derselben Schuld gegenüber dem todten Luzzatto verfallen. Ich gebe mich vielmehr der Hoffnung hin, daß in allen jüdischen Gemeinden, in denen ein Lehrhaus oder ein Litteraturverein sich befindet, es nicht verabsäumt werden wird, den Manen des seltenen Mannes am kommenden 22. August, seinem hundertsten Geburtstage, piätvoll den Tribut aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit durch eine entsprechende Feier darzubringen. „Die hebräische Litteratur," ruft ihm Abraham Geiger 1865 nach, „verlor an ihm einen ihrer tüchtigsten Pfleger, das Judenthum einen warmen Vertheidiger, das Paduaner Seminar seine ergiebigste Lehrkraft. Seine Wahrheitsliebe und unerschöpfliche Wissensqnelle riefen viele gediegene Schriften und Abhandlungen hervor, welche allgemeine Verbreitung und Anerkennung fanden, und alle hebräischen Zeit- und Wochenblätter erfreuten sich seiner litterarisehen Beiträge. Wer wissenschaftlicher Hilfe bedurfte, wendete sich au Luzzatto, welcher die exorbitantesten Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, möglichst zu befriedigen suchte. Viele Editionen aus Handschriften konnten nur durch seinen wissenschaftlichen Beistand zur Geburt reifen. — Wer kann diese verlorene Kraft ersehen, wer diese Lücke aussüllen?" rust wehmuthsvoll Geiger aus.! H II