Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1900)
- Date
- 1900-07-27
- Page
- Seite 351 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3228365-3228396--56665-3292986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
351 Der Haß Schmerz 35, Ztg." -he Mittik unterigen. was;en werde. >er rechten erhalte ich ldezu ver- Kvnitzer ii dortigen theilweise »en Träger u Polen, ren Orten > ein Haus i polnische nationaler egriff, ans renr hohen r Verfasser gehörenden s für recht nnissare in unter das ritz ist ein -uhen versetzt schon wird man :en können, mischen in sschließlich zu rufen was man eder eingeordnete dat Vielhmen zu lit Erfolg >en ihnen rcht" und schleswiggen, holtglied des inen Dor^ n Gegenidlerischeu der Landisemitische m Grafen durch seil', tadöten in en Landschechischen ihre Besich eine lange und lebhafte Diskussion, in deren Verlauf Masaryk nach dem Bericht des „N. Wiener Tagbl." sich über die Tagesfragen folgendermaßen äußerte: „Als echte Religion gilt mir wahrhafte Frömmigkeit. Ich habe stets jedes Glaubensbekenntniß geachtet und werde es stets achten; wenn der Bekenner sronnn sein wird, nach seiner Art. Ich wiederhole, nm die Frömmigkeit, um die handelt es sich. Aber man mißbraucht bei uns die Religion zu politischen Zielen, Zur Hegemonie. Man predigt nicht das Wort Gottes, sondern Hatz und Herrschsucht. Vor einem Geistlichen, der wahrhaft fromm ist. der rein lebt, das Volk zur Liebe und Mäßigung, zum sittlichen Bewußtsein führt — vor einem solchen Geistlichen hatte ich und habe ich stets eine wirkliche Achtung gehabt." Endlich äußerte sich Professor Masaryk über die Poluaer Affäre: „Jeder ist ein Lügner." sagte er. „der da behauptet, daß ich zum Schutze der Juden ausgetreten bin. In meinen Broschüren vertheidigte ich die Christen gegen den Aberglauben vom Ritualmord! Und jetzt sind die klerikalen und radikalen Antisemiten zu Ende und ärgern sich, daß derKassatioushos und die böhmische medizinische Fakultät meine Ansichten bestätigt haben. Ich schrieb nie gegen Juristen und Mediziner, aber gegen juristischen und medizinischen Aberglauben. Uebrigens sehen Sie nur zu: nur die Juden beuten das Volk ans? Auch Aridere, aber sie zeigen nur auf die Juden, damit das Volk nicht sehe, was Viele von ihnen treiben. Die Frage, wer das Verbrechen von Pol na begangen, und der Ritualmordglauben, das ist zweierlei! Und daß in Polna kein Ritualmord begangen wurde, das ist durch das Gutachten unserer Fakultät bereits festgestellt." Die Versammlung, zu der sich mehr als vierhundert Personen eingefnndeu hatten, verlies in größter Ruhe und Wurde. «v In Rumänien ist also ein neues Ministerium, mit P. Carp an der Spitze, am Ruder. Da ist es denn augezeigt, darauf hillzuweisen, daß der jetzige Premier schon 1893, als man damit begann, die jüdischen Kinder von den öffentlichen Schulen auszuschließeu, von der Regiermlgsbank einen flammenden Protest gegen eine so unmenschliche Absicht erließ; gebrauchte damals Worte, die mehr in dem Geiste eine» Eastelar als eines moldauischen Bojarensohnes gehalten waren. Meine Herren," sagte er, „ich bin stolz darauf, daß ich glaube, Rumänien solle auf der Balkan-Halbinsel ein Kulturcentrum sein, das nach außen Strahlen werfe; ich besitze den Stolz, zu glauben, daß wir auf dem Balkan das erste Volk seien, daß keines von den Nachbarvölkern uns übertreffen darf, daß die Zivilisation von uns zu ihnen, nicht aber von ihnen zu uns 'ich ausbreiten soll." Wie nun könne, meinte der Redner, Rumänien Anspruch erheben, sich eilt civilisirtes Land zu nennen, wenn es, statt sich durch Bildung für die Konkurrenz mit den Juden zu stärken, diesen die Pforten der Schulen fließen wolle, um sie so auf gewaltthütigem Wege zu Ignoranten zu machen? Und würden sich denn die Juden zu Unwissenden degradiren lassen? „Sie werden Schulen gründen, die besser sein werden als die unseren. Denn der Verfolgte arbeitet mehr als jeder Andere." Carp hatte damals nicht zum erstenmal der judeufeindlichen Stimmung entgegengearbeitet. Er hatte es wiederholt früher gethan, einmal in einem Augenblicke sogar, als so leidenschaftliche Erregung im Laude herrschte, daß mau dem Anwalt der Menschlichkeit das Haus anzünden unb ihn selbst ermorden wollte. Der Zufall will es, daß er an die Spitze der Regierung irr einem Moment tritt, da wieder viele Juden aus Noth den heimathlichen Boden verlassen. Menschen, die Carp gut kennen, nehmen an, er werde es nicht an Mitteln fehlen lassen, den furchtbaren Drangsalen der Juden Rumäniens zu steuern. Jedenfalls gelangt mit Carp ein Manu zur Regierung, der den Geist der Zeit versteht und für sein Vaterland eine Aera herbeisehnt, in der er au den großeil Aufgaben der Civitisatiou mitznarbeiten berufen wäre. Er wird sicherlich seinem Könige ein Berather iu der Richtung sein, daß dieser, wie es ihm der besrelmdete Oxforder Gelehrte Max Müller vor eitlem Bierteljahrhundert wünschte, „ein Markgraf europäischer Kliltur an der Donan sei". Der in die Weisheit der Inder tief eillgeweihte Deutsch-Engländer schrieb deul Fürsten, der noch llicht König war: „Unsere Nächsten zu lieben oder zu bessern, ist oft schwer," und er ermahnte ihn, Schlllen zu errichten, denn „unsere nächstkommendell Geschlechter zu liebelt und zu bessern, das können »vir Alle." Peter Carp, der wiederholt gegen alle Ausnahinegesetze in Rumänien eingetreten unb stets auch die Errichtung von Schulen befürwortet hat, karm nun zeigen, daß er int Sinne Max Müllers ein Herz hat für die Nächsten unb die Nächstkommenden. V Eine der ersten Aufgabeil des netten Kabinets müßte die gesetzliche Regelung der Staatsangehörigkeit der itl Rumänien eiltheimischen Israeliten sein. Wie bekannt. hat der Versuch des Bukarester Vereilts israelitischer Armeereservisten, durch Veranstaltung von Versammlttugen und Petitionen für die gesetzliche AnerkelMtlttg ihrer Staatsangehörigkeit zu wirken, den Vorwand für die Bukarester arltisemitischen Verwnstungs- und Plünderungsszenen vont 5. Dezember 1895 abgegeben. Wenn aber die Hintermämter dieser für das Ansehen Rumäniens als zivilisirter Staat so überaus nachtheiligen Exzesse der Meinung sein sollten, daß von einer Wiederkehr der in so brutaler Weise bekämpften israelitischett Reservistenbewegung keine Rede mehr sein körnte, so geben sie sich einergroben Enttäuschilng hin. Die Forderung der Staatsangehörigkeit für die im rtMtänischeu Heere aus Grund der allgemeinen Wehrpflicht dienenden Israeliten ist eine so uatürliche uitd eine so vollkommett berechtigte, daß sie von den an ihrer Erfüllung interessirten Kreisen so lange erhoben werden wird tlnd erhoben werden rnnß. als ttur überharlpt ein rumänischer Israelit zum Militüreid für König unb Vaterland zugelassen beziehungsweise verpflichtet wird. Da aber die Fortdauer einer solcheir Bewegung ebensowenig im Interesse Rumäniens gelegelt sein kann, wie der Verlust au Arbeitskraft, lvelchen das Land biti’d] die Auswanderung der an der Erfüllung ihrer Hoffnungen auf Anerkennung ihrer Staatsangehörigkeit verzweifelttden jungen Israeliten erleidet, so wäre die ehestmögliche Lösung der sogeltanuten israelitischen Reservistenfrage auf gesetzgeberischem Wege nm so dringender zu empfehlen, als durch eine solche Lösung auch die rnmänische Judenfrage in ihrer Gesammtheit viel an ihrer Schärfe und gehässigem Charakter verlieren lvürde. Erwerbslos gewordene israelitische Arbeiter und Handlverker werden zwar in der Folgezeit ebenso auswandern, loie ja atlch jetzt viele Arbeiter tlltd Handwerker christlicher Glanbetlsbekenntniffe unter dem Drucke der Krisis ihre Bündel gesrhltürt haben. Aber eine solche lediglich durch die Lage des Arbeitsruarktes verursachte Emigration würde dann nicht mehr, wie die jetzige Judenauswanderung, einen kottfessionellen Charakter haben und nicht, tute es jetzt der Fall ist. neben dort wirklich dtirch Roth zur Auswanderung Gezwungenen auch solche Elemente mit sich fortreißen, bei welchen das Gefühl eines andauernd erlittenen Unrechts das Hauptmotiv zum Verlassen des Landes adgiebt.