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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-20 · Heft 29 (20.7.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Name „Samuel Wolfes" wird fortleben in der Stiftung, die anläßlich seines 50 jährigen Jubiläums von zahlreichen Freunden und Verehrern ins Leben gerufen wurde und die der Entschlafene zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen bezw. bedürstiger Familien in hiesiger Gegend bestimmt Hai. „Das Andenken des wahrhaft Frommen gereicht zum Segen!" a. Köln, 13. Juli. Am 4. d. M. ist tu Marburg der Hanptehrer a. D. Joel Goldberg nach kurzem Leiden gestorben. Derelbe hatte, nachdem er vor einigen Jahren in den Ruhestand getreten war. hier seinen Wohnsitz genonnnen. Hier wurde er am 8. d. M. beerdigt. Goldberg, der mehr als vier Jahrzehnte in Steele segensreich gewirkt hat. wurde bei seiner Pensionirnng vom Kaiser mit dem Hausorden der Hohenzollern dekorirt. Eine große Schar Leidtragender, darunter viele Lehrer von hier und auswärts, gaben dem trefflichen Manne die letzte Ehre. Auch der Vorsitzende des Vereins der Lehrer- Rheinlands und Westfalens, Hauptlehrer Graf, war erschienen. Rabbiner Dr. Frank widmete dem Verstorbenen einen warme,: Nachruf, in welchem derselbe zunächst die Wichtigkeit des Lehramts in Israel zu allen Zeiten zeichnete und besonders hervorhob, wie wichtig in der Gegenwart es sei, wo religöses Wissen und Leben abnimmt, wenn in mittleren und kleineren Genieinden gute jüdische Lehrer wirken. Solch eine wichtige Stellung nahm Goldberg in Steele ein: ein vortrefflicher Pädagoge, ein gewissenhafter fleißiger Lehrer, beliebt bei allen Konfessionen. Tausende Schüler und Schülerinnen saßen zu seinen Füßen und bewahren dem Lehrer ein dankbares Andenken. Hier in Köln gewann er bald viele Freunde und wirkte selbst nach der wohlverdienten Ruhe besonders im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur durch belehrende Vorträge. Hierauf rief der Nachfolger Goldbergs in Steele, der mit einer Deputation des Vorstandes erschienen war, Lehrer Lilienfeld, dem Verstorbenen herzliche Worte des Dankes der ehemaligen Gemeinde zu und zeichnete noch einmal in großen Zügen das Leben und Wirken Goldbergs. Alle, die den würdigen Mann gekannt haben, werden ihm ein treues Andenken bewahren. (Auch wir verlieren in dem Dahingeschiedeneu einen treuen Mitarbeiter und Korrespondenten, dessen Andenken wir stets in dankbarer Erinnerung bewahren werden. D. Red.) x. München, 16. Juli. In der an, 1. d. M. in Würzburg abgehaltenen Versammlung des Ausschusses des Landesvereins für israelitische Gemeinden in Bayern wurde ein Komitee gewählt, welches nachfolgenden Aufruf für die Israeliten Bayerns veröffentlicht: Die Noth unserer Glaubensgenossen im Osten, besonders in Rumänien und Galizien, hat in der letzten Zeit eine solche Ausdehnung genommen, daß Hilfe dringend geboten ist. Schon immer waren die Juden in diesen Landen von den schwersten Sorgen bedrückt, aber jetzt hat dort Gehässigkeit und Unterdrückung das Elend zu einer solchen Höhe gebracht, daß der Aufschub eines Hilfswerkes nicht mehr möglich ist. 1V2 Millionen Glaubensgenossen seufzen in Rumänien und Galizien unter der Wucht eines Elends, wie es die Phantasie kaum kühner ausmalen kann. In des Wortes wahrster Bedeutung leiden dort Tausende Hunger; aus Verzweiflung setzen sich jetzt gauze Schaaren unserer unterdrückten rumänischen Glaubensgenossen in Bewegung, um sich in Amerika eine neue Heimath zu gründen; Hunderte dieser Unglücklichen kamen durch Bayern und mußten von München, Nürnberg, Würzburg aus weiter befördert werden; wieviele noch Nachfolgen werden, ist gar nicht abzusehen. Die Folge der traurigen wirthschaftlichen Verhältnisse in den erwähnten Ländern ist auch die Verkümmerung des geistigen und kulturellen Lebens der dort wohnenden Juden. In wie vielen unserer Glaubensgenossen im Osten schlummert der edelste Keim, der durch die jammervollen Zustände oft erdrückt werden nmßte und oft erdrückt worden ist. Ueberall, wo jüdische Herzen schlagen, in denen noch ein Funke von Liebe zum Judenthun, und zu den Mitmenschen glüht, hat dieser Nothschrei einen mächtigen Widerhall gefunden; überall regen sich die Hände und die Herzen, um zu helfen. In Amerika, England, Frankreich. Oesterreich haben unsere Glaubensgenossen Veranstaltungen getroffen, um das materielle und geistige Elend der so schwer Heimgesuchten zu mildern; in Deutschland bemühen sich die B'nei-Brith- Logen bereits seit längerer Zelt, die helfende Hand Denen zu reichen, die nach Hilfe ausschauen. Wir Israeliten von Bayern dürfen und werden nicht Zurückbleiben; wir können, Dank der besseren Verhältnisse in unserem geliebten Vaterlande, uns von dem Elende kaum eine Vorstellung machen, von dem unsere Glaubensgenossen im Osten, besonders in Rumänien und Galizien, heimgesucht sind. Beweisen wir unsere Dankbarkeit gegen Gott dadurch, daß Jeder nach Kräften mtthilft, wo geholfen werden muß. All die Hilfsaktionen, die;etzt für unsere Glaubensgenossen in Rumänien und Galizien im Gange sind, werden sich verbinden, um nach einheitlichem Plane das Hilsswerk zu organisiren. Auch wir werden uns selbstverständlich dieser Organisation an schließen; vorerst ist es unsere nächste Ausgabe, die Bayern durchziehenden, nach Amerika auswandernden rumänischen Glaubensgenossen weiter zu befördern. Es gilt, die wirthschaftliche und geistige Noth unserer rumänischen und galizischen Glaubensgeilossen in ihrer Heiniath selbst zu mildern und, wo es nöthig ist, eine planmäßige Emigration zu veranlasseil; es gilt, ein Rettnngswerk zu fördern, das die größteu Opfer erfordert, aber auch deu reichsten Segen bringt. Unser Ruf geht an alle Israeliten unseres Vaterlandes: Gedenket der Unglücklichsten aller Unglücklichen! Wir wollen Alle nach Kräften dazu beitragen, die Thränen von Hlluderttausenden zu trocknen uild die Wohlfahrt von Hunderttausenden zu begründen. Niemand bleibe zurück! Beiträge nimmt jeder der Unterzeichneten entgegen. Die Vorstandschaft des Komitees besteht aus folgenden Herren: Rabbiner Bamberger - Würzburg, Justizrath Gnuzenhäuser - Fürth, Justizrath Josephthal-Nürnberg, Geheimer Hofrath, Rabbiner Dr. Neubürger- Fürth, Rechtsanwalt Ofner-München, Rabbiner Dr. Weruer-Münchell, Rabbiner Dr. Ziemlich-Nürnberg. Dem Konlitee selbst gehören an: Rabbiner Adler-Kitzingen, Moritz Apfelbaum-Fürth, Nechtsanivalt Ludwig Bauer-Augsburg, Rabbiner Dr. Bcunberger - Burgpreppach, Rabbiner Dr. Cohn - Jchenhausen, Rabbiner Dr. Eckstein - Bamberg, Rabbiner Dr. Einstein-Landau, Salomo Forchheimer - Nürnberg, Kommerzienrath Fränkel-Fürth, Siegmund Fränkel-München, Neumann Frank-Bamberg, Kommerzienrath Gallinger-Nürnberg, Theodor Greis- Nürnberg, Rabbiner Dr. Groß-Augsburg, E. Gutlnalln-Allgsburg, Rabbiner Dr. Goitein-Burgkundstadt, Adolf Haimann-Fürth, A. Hamburger-Aschaffenburg. E. Heimann-Schweinsurt. HeinrichJnng-Nüruberg, Jakob Kramer-Fürth, Kommerzienrath Kirchdörser-München, Rabbiner Dr. Kohn-Ansbach, Rabbiner Dr. Kußnitzki-Bayreuth, Albert Landauer- München, Heinrich Landauer-Augsburg. Rabbiner Dr. Landsberg- Kaiserslautern, Martin Lebrecht-Nürnberg, Theodor Löwenhaar-Fürth, Dr. Eugen Merzbacher-München, Rabbiner Dr. Meyer-Regensburg. Rabbiner Dr. Meyer-Zweibrücken, Heinrich Morgenroth-Bamberg. Michael Nußbaum-München, Meier Oppenheilner - Würzburg. Jakob Reinemann-München, Rabbiner Dr.Salveudi-Dürkheim. Ignatz Schnebel- Nürnberg, Benno Seligsberg-Bayreuth. I. Selling-Ansbach, Rabbiner Dr. Stein-Schweinfurt, B. Stern-Kitzingen, Rechtsanwalt Dr. Stern- Würzburg, Michael Sulzer-Jchenhausen, Simon Snndheimer-Regensburg, Rabbiner Dr. Wachenheimer-Aschaffenburg, Emil Wassermann- Bamberg, Rabbiner Dr. Weinberg-Sulzburg, Rechtsanwalt Werner- Bamberg. Rabbiner Wißmann-Schwabach. — In N ü rnberg, lvo die meisten rumänischen Allswanderer Station machen, hat sich außerdem ein besonderes Komitee gebildet, das gleichfalls einen Aufruf erlassen mtb seine Wirksamkeit bereits in sehr umfangreicher Weise begomlell hat. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, im Juli. Einer der hervorragendsten lllld beliebtesten Redakteure der „N. Fr. Pr.". Josef Oppenheim, ist am 12. d. M. in Baden gestorben. Josef Oppenhein: war in Arheiligen bei Danilstadt als Sohn eines jüdischen Lehrers im Jahre 1839 geboren. Er begalln seine journalistische Laufbahn bei der „Ostd. Post". Hierauf kam er zur „Presse" ulld später zur „Dtsch. Ztg.". Im Jahre 1872 kam Oppenheim zur „N. Fr. Pr.". Seinen glänzeilden Ruf begründete er durch die Veröffentlichung seiner „Briefe einer Schauspielerin", die wegen ihres Geistes und Witzes viel gelesen wurden. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde betrauert den Heimgang eines seiner ehrwürdigsten Mitglieder, des vierjährigen Präsidenten uild Ehrenmitgliedes der Chewra Kadischa und des Bethausvorstandes Jakob Brandeis. Seit seiner frühesten Jugend staild dieser Mann im Dienste des Judenthums; er war Vorstandsmitglied und Vizepräsident der Kultusgemeinde, Vorstandsmitglied der Israelitischen Allianz und des Handwerkervereines und hing an allen jüdischen Instituten mit Treue. Sein Andenken sei gesegllet! — Zu allem Unglück, das die galizischen Juden getroffen, kommt jetzt noch das Hochwasser. Boryslaw, Neusandec, Stryj haben furchtbar gelitten, in

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