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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-20 · Heft 29 (20.7.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 aus unserer Stadt. Herr Dr. Michael Rvsenstein, seit 1861 Rabbiner unserer Gemeinde. hat seine segensreiche Laufbahn am 12. d. M. »m Bade Salzbrunn beschlossen, und verwaist steht die Gemeinde an dem Sarge ihres treuen Seelsorgers, mit dem sie in Eintracht und Liebe fest verbunden war, und dessen Andenken in Ehren sortleben wird. Der Verewigte hat es verstanden, sowohl durch seine von Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Predigten, als auch durch feinen gediegenere anregendere Religionsunterricht die Liebe zum Judenthum. die Ehrfurcht vor den religiösere Traditionen und die Auhärrglichkeit an die durch eine ehrwürdige Vergangerrheit geheiligten Ueberlieferungen zu fördern und zu stärken. Zrrgleich war er in allere wichtigen Angelegerrheiten der treue Berather der Gemeindemitglieder, die ihm unbegrenztes Vertrauen entgegenbrachten. Seine Merrschenfreundlichkeit und Friedensliebe, die er auch unter schwierigen Verhältnissen bewahrte, seine Wohlthätigkeit urrd seine Nachsicht mit den Schwächen Anderer machten ihn zu einem ehrwürdigen Priester rrnd verliehen seinen Worten Nachdruck urrd Weihe. An der Begründung des westprerrßischen Rabbinerverbandes, des westprenßischen Gemeindeverbandes und an der Eirrrichturrg der Schulinspektion hatte er hervorragenden Antheil, und er nahm überharrpt eirre führende Stelle unter den Kollegerr seiner Provinz ein. Anläßlich des Schechitaverbots seitens der Regierung zu Marienwerder hat er sich große Verdienste um die Rücknahme dieser Verfügung erworben. Von der Liebe und Verehrung, deren er sich erfreute, legte sein Leichenbegängniß beredtes Zeugniß ab; alle Klassen der Bevölkerung nahmen daran Theil, und auch von der Ferne eilten Amtsbrüder und Freunde herber, um denr Verklärten den Tribut der Hochachtung darzubringen und mit seinen Kindern nur den Hintritt des treuesten Vaters zu klagen, der auch durch ein nursterhaftes Familienleben sich auszeichnete, urrd dessen Haus eine Stätte edler Gastlichkeit war. Rabbiner Dr. Vogel stein-Königsberg hielt dem Hingeschiedenen eine warmempsirndene und tiefergreifende Gedächtnisrede. Hierauf widmete Rabb. Dr. Rosen th al-Stargardt dem so plötzlich aus dem Kreise seiner Freunde abberusenen Collegen Worte treuer Erinnerung. Segen folgt seinen Spuren bis über das Grab hinaus' Breslau, 12. Juli. Die Beerdigung des am Freitag verstorbenen ordentlichen Honorarprofessors der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität, ersten Prosektors des Anatomischen Instituts, Dr med. Gustav Born, fand heute auf dem israelitischen Friedhofe statt. Der Beerdigung ging eine Trauerfeier in der Leichenhalle, in welcher der Sarg inmitten von Blattgewächsen ausgebahrt war. voran. Eine außerordentlich große Schaar von Leidtragenden hatten sich hier eingefunden; unter ihnen bemerkten »vir eine Anzahl Stadträthe und! Stadtverordnete; den Rektor Maguifikns der Uiliverfität, Prof. Dr. Partsch, in Amtstracht; Dekan nnd fast sämmtliche Mitglieder der medizinische»» Fakultät, Zahlreiche Vertreter anderer Fakultäten, eine große Zahl praktische Aerzte, nieist ehemalige Schüler des Verblichenen, Studente»» k. Unmittelbar vor der Bahre hatten die Chargirten von sechs akadelnische»» Verbindu»»gen in Wichs Ausstellung genommen. Nach einem von einem Sängerchor vorgetragenen Liede hielt Rabbiner Dr. Rosenthal die ergreifende Trauerrede, der er de»» Text aus dem erste»» Buch der Könige zu Grunde gelegt: „Heil dem Manne, der mächtig geworden durch dich". Nachdem er geendet, ergriffen noch der langjährige Vorgesetzte des Verblichenen, der Direktor des Anatomischen Instituts, Geh. Medizinal-Rath Professor Dr. Hasse und der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Dr. Uhthoff, das Wort zu längeren Ansprachen, in denen die Redner der hohen rvissenschaftlichen Bede»»tung des Verstorbenen, sowie feinen trefflichen Charaktereigenschafte»» gerecht wurden. Nach einem Gebete wurde der Sarg zum Grabe getragen und dort unter dem Gesa»»g des Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" beigesetzt. — Kattowitz, 15. Juli. Am 7. d. M. fand die feierliche Schlutzstei»»- legung zu dem Neubau der Synagoge statt, zu welcher Feier sich in den: nördlichen Vorraum, der mit frischem Tanneugrün geschmückt war, außer de»» beiden Gemeindekollegien die Herren Rabbiner, die Vorstände des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, des Vereins der Jugendfreunde, des Unterstützungsvereins, des Frauenvereins, des Jungfrauenvereins und der Konkordialoge, die Gemeindebeamten und mehrere Gemeindemitglieder so»vie die Erbauer der Synagoge, die Herren Regierungsbaumeister a. D. Grünfeld und Baumeister Grünfeld. eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Sy»»agagenvorstandes, Stadtrath S. Wiener, richtete zunächst eine kurze, auf die Bedeutung dieser kleinen Feier bezugnehmende A»»fprache a»» die Erschienene»», aus der »vir Folgendes zitireu: „Der Bauplatz, auf dern sich der imposante Synagogenbau erhebt, ist im Jahre 1896 von der Stadt für 65 500 Mark er»vorben worden und umfaßt einer» Flächeninhalt voi» 4396 gm. Mit dem Bau des Gemeindehauses »vurde in» Sommer 1898 begonnen und i»n Frühjahr 1899 erfolgte seine Uebergabe. Die Barlkosten haben den Betrag vo»» 90 000 Mark überschritten. Mit dem Bau der Synagoge begann das Baugeschäft I. Grürrseld im Herbst 1898; die Gesammtkosten für den Bau. ausschließlich Grunderwerb, »verden 370 000 Mark betragen. Zur Bestreitung der Ausgaben wurde ein Darlehen in Höhe von 390 000 Mark von der Proviuzialhilfskasse ausgenommen; zur Deck»»ng der Kosten »vird der Erlös aus dem Verkauf des alten Synagogengrundstücks in Höhe vor» 141500 Mark herangezogen. Die Gemeinde zählt 2600 Seelen, von denen 2300 innerhalb der Stadt »vohne»». Für die Gemeindebedürfrrisse sind in» letzten Jahre aufzubringen gewesen 67 000 Mark. 5 Vereine dienen dem Liebeswerk und Haber» für Unterstützungen rc. in» letzten Jahre 12000 Mark verausgabt. Die Ertheilung jüdischen Religionsnnter-; richts betrachtet die Gemeirrde mit als eine ihrer vornehmste»» Auf-! gäbe»». Von 1860 bis 1875 bestand hier eine jüdische Volksschule, deren Weiterbestehe»» mit der Einrichtung von Sin»ultanschulen illusorisch w»»rde. 1876 »vurde eine eigene Religionsschule gegründet, in der | heute 260 Kinder vo»» vier Lehrern unterrichtet »verden." Nach der Verlesung dieser Urkunde »vies Rabbiner Dr. Cohn aus die Bedeutung der Feier hi»» und schloß mit dem Wunsche, daß das Gebäude, zudem heute der Schlußstein gelegt »vorden sei, ein Haus der Erhebung und Bekennnug der heiligen Interessen der jüdischen Religion »verden möge. Der Erbauer des Gebäudes, Regierungsbaurneister a. D. Grü»»-! feld, da»»kte alle»» seinen Mitarbeiter»», der Baukonrnrissioi», den» Vor- : stände, wie dem Kollegiurn für die treue Unterstützung. Als einen Glücksumstand bezeichnete er es, daß kein Unfall in der Baugeschichte j der Synagoge zu verzeichnen sei. Darauf »vurde das porzellanene? Gefäß mit den Schriftstücken in die Oeffnuug eingefügt und diese! zunächst mit einem Blech decket verschlossen. Unter dein Wahrspruch:; „Liebe den ewigen Gott — liebe Wahrheit und Gerechtigkeit — liebe de»» Nächsten wie dich selbst —liebe de»» Fremden", be»varf der Bauherr! das Blech mit Mörtel. Ihm folgten die anderen Herren. Hieraus i »vurde der marmorne Schlußstein, der in goldener» hebräischen Letter»» das! Wort „Eckstein" und die Jahreszahl 5660 trägt, e»nge»»»auert. Stadtrath 1 Wiener Ihat auf den Stein »»och drei Hammerschläge für den Kaiser, die Stadt und die »vohlthätige»» Vereine, womit die Feier ihr E»»de erreichte. Aus -er Provinz Hannover, 12. Jirli. Die „Elzer Nach, richten, amtliches Publikationsorgan für die Stadt Elze" berichten unter dem 7. d. M. vo»» dem Heimga»»ge ei»»es Mannes, der es verdient, daß seinerauch in diesem Blatte gedacht werde. An» 1. Schabuoth tage (3.Ju»»i) »vurde Samuel Wolfes plötzlich seine»»» segensreichen irdischen Schaffe»» e»»trückt, „bewei»»t und betrauert von all' De»»eu, die ihn» im Lebe»» näher stände»», schn»erzlich ver»»»ißt aber auch vo»» Alle»», die ihn als opferfreudigen Wohlthäter, als eine»» Mai»»» von edlen Gesinnungen kennen gelernt, zu schätzen und zu achten »rußten. Der Verblichene »var ei»» Man»» von großer Thatkrast, von seltener Arbeitsamkeit, und so brachte er das in den 60 er Jahren begründete Getreide- und Bankgeschäft in» Laufe der Zeit zu einen» großen, umfangreichen Unternehme»», den» er bis zu seinem Tode »»och mit Rath und That zur Seite stand. Nicht nur innerhalb der jüdischen Gemeinde, in der er über 50 Jahre als Vorsteher wirkte, beku»»dete er seinen wahrhaft religiöse»» Sinn, sondern als echter Sohn Judas hatte er auch Andersgläubigen gegenüber jederzeit ei»» warmes Herz, half er Bedrängten und linderte bei Annen nur zu oft die Noth." Mehr als ein halbes Jahrhundert hindurch fungirte Samuel Wolfes i»» der uneigennützigsten Weise, selbst Opfer an Mühen, Zeit und Geld bringend, als Mohel, bereit, auch in» entlegensten Dorfe an jüdischen Knäblein de»» heiligen Akt der Brismilah zu vollziehen. In der gesarmnte»» Provinz und darüber hinaus nannte man seiner» Namen stets mit liebender Verehrung. Ein außerordentlich großes Trauergefolge. Mä»»ner aus Nah und Fern, erwiesen dem Entschlafenen die letzte Ehre. Landrabbiner Dr. Lewinsky aus Hildesheim entrollte im Trauerhause im Anschluß an 1. Buch Samuel 3, 19 f. in ergreifenden Worten ein Bild von bei gemeinnützigen Wirksamkeit des Verklärten, das seinen trefflichen Geistes¬ und Herzenseigenschaften entsprang, »vährend Landrabbiner Dr. Gronemann aus Hannover auf den» Friedhose zu Mehle — die irdischeHülle des Heimgegangenen wurde dort bestattet — in beredter Weise des im Leben so rnustergiltige»» und opferfreudigen Mannes gedachte. De»

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